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Zwischen Verantwortung und Selbsterfüllung

4. Mai um 23:40 Letzte Antwort: 7. Mai um 12:21

Hallo an alle Leser!

Ich befinde mich gerade in einer für mich sehr verzwickten Situation und erhoffe mir hier vielleicht ein paar Anregungen für mein Problem zu bekommen.

Folgende Situation:

Ich lebe seit 5 Jahren getrennt von dem Kindsvater meiner Tochter. Sie ist 9 Jahre alt und geht zur Grundschule. Nächstes Jahr steht der Wechsel auf eine weiterführende Schule an. Ich befinde mich mittlerweile seit 2 Jahren in einer neuen Partnerschaft mit einem lieben Mann, der mich und meine Tochter feste ins Herz geschlossen hat. Es harmoniert, wir lieben uns und die zwei haben mittlerweile auch ein sehr inniges Verhältnis zueinander. Soweit so gut. Aktuell führen wir noch eine Fernbeziehung. All die Zeit war das so auch in Ordnung für uns. Er hatte zuvor viel erlebt, ich auch und wir waren beide froh (trotz anfänglicher Ablehnung zu dem Thema Fernbeziehung), dass jeder seinen Raum hatte und wir uns langsam kennenlernen konnten. Nun sind wir aber an einem Punkt wo wir beide wechselseitig den Wunsch verspüren den nächsten Schritt in unserer Beziehung zu gehen. Diesen Gedanken haben wir nun immer mal wieder mit meiner Tochter kommuniziert. So gut sich die zwei auch verstehen, es sträubt sich alles in ihr, dass wir nun zusammen ziehen wollen, ist sie es doch gewohnt, mich für sich zu haben unter der Woche. Wir sind ein eingespieltes Team seit einigen Jahren. Verständlich, dass ihr dieser Gedanke nun nicht nur Freude bereitet.

Jetzt ist es so, dass mein Partner und ich verschiedene Optionen durchspielen und nun auch konkreter werden. Wir dachten uns, dass nächstes Jahr mit dem bevorstehenden Schulwechsel ein günstiger Zeitpunkt wäre dafür umzuziehen. Am Liebesten würden wir bei ihm leben, da es uns beiden dort gefällt. Ich habe mich nur lange gegen diese Möglichkeit gesträubt, weil ich meine Tochter hier nicht entwurzeln wollte, zumal sie auch arg an ihren Großeltern hängt und sich generell auch schwer tut mit Veränderungen. Deshalb kam auch während der Grundschulzeit diese Option für mich nicht in Frage, weil ich ihr nicht noch mehr "Umbruch" zumuten wollte. Nun merke ich aber immer mehr, dass mich hier zu leben und für sie auszuharren immer unzufriedener und unglücklicher macht. Auch wenn auch ich Angst habe vor diesem Schritt, würde ich es wagen wollen. Wir reden hier von einer Entfernung von gut einer Stunde. Sprich, wir wären auch nicht aus der Welt. Diese Option habe ich nun bei ihr angesprochen und es ist das eingetreten, was ich befürchtet habe. Sie möchte nicht umziehen, hat Angst vor der Veränderung, möchte weiter unser "Mutter-Tochter-Dasein" ohne Mann und immer in der Nähe ihrer Großeltern sein. Andererseits merkte ich auch eine gewisse Ambivalenz. Komplett abgeneigt war sie nicht, fand sogar positive Aspekte die ich ihr auch vor Augen führte und sagte auch, dass es ihr dort ja auch gefallen würde, nur eben hier am besten (was ja klar ist, sie lebt seit ihrer Geburt in diesem Ort). Ich denke, dass diese Option jetzt erstmal in ihr reifen muss. Sie das erstmal sacken lassen muss. Es wäre ein sehr einschneidender großer Schritt, darüber bin ich mir im klaren. Mein Herz sagt, dass es Zeit ist mal etwas zu wagen und neu zu beginnen. Aber ich bin eben nicht alleine und trage die Verantwortung für das Wohlergehen meiner Tochter. Mich macht es ganz krank, wenn ich sie so leiden und weinen sehe. Und in solchen Momenten verlässt mich wieder der Mut und ich sage mir, dass ich ihr das nicht antun kann. Dann wiederum denke ich mir, dass Veränderungen im Leben nicht ausbleiben und das Leben nicht immer nur geradlinig verläuft und dass es auch eine Chance sein könnte für uns uns weiterzuentwickeln...

Ich bin hin und her gerissen. Ich bin für jede Meinung offen und danke schonmal im Voraus demjenigen, der sich die Mühe gemacht hat meinen Text zu lesen und vielleicht was dazu anmerken möchte.

Viele Grüße,

butterfly

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6. Mai um 1:29

Hallo butterfly,

ich kann Dir aus eigener Erfahrung berichten.
Ich bin auch alleinerziehend (meine Tochter ist 13). 
Wir sind vor 4 Jahren nach der Grundschule 700 km von zu Hause weggezogen, weil meine Tochter einen Förderschulplatz bekommen hat, welchen es sonst nur selten gibt (sie ist HB) und für mich aus gesundheitlichen Gründen eine Klimaveränderung gut war.
Diese Zweifel, welche Du beschreibst, sind völlig normal, denn das Kind kennt ja nur sein gewohntes Umfeld und weiß nicht, was da kommt bzgl. Schule, Freunde, Wohnung usw.
Ich sage Dir auch ganz ehrlich, dass die erste Zeit nach dem Umzug ziemlich schwierig war. Meine Tochter hatte starke Eingewöhnungsschwierigkeiten, hat mit ständigen Kopf- und Bauchschmerzen reagiert und oft in der Schule gefehlt.
Sie hatte auch sehr lange nur eine einzige Freundin in der Klasse, hatte starkes Heimweh und mir offene und versteckte Vorwürfe gemacht, dass ich sie aus ihrem schönen Leben herausgerissen habe (sie hatte vorher sehr viele Freunde und ihre Großeltern in der Nähe).
Die Schule hat mich mehrmals zum Gespräch gebeten, ich muss aber sagen, dass sie sich sehr bemüht haben, die Schulpsychologin eingeschaltet, Konzepte erarbeitet, wie der versäumte Lehrstoff nachgeholt werden kann etc.).
Ungefähr vor 1,5 Jahren ist bei ihr irgendwie ein Knoten geplatzt und sie hat sich plötzlich ganz anders gezeigt, hatte  viel mehr Freunde, war so gut wie nicht mehr krank, ist richtig aufgeblüht.
Der KL meinte, dass sie einen riesigen Sprung gemacht hat in ihrer Entwicklung und durch die Bewältigung dieser Herausforderung jetzt sehr viel den anderen voraus hat. Sie könnte stolz auf sich sein.
Das hat mich natürlich sehr gefreut und tut es immer noch, zumal ich ernsthaft mit dem Gedanken gespielt habe, die Zelte wieder abzubrechen und zurück nach Hause zu ziehen.
Es wäre halt sehr schade gewesen, diese Chance hier vertan zu haben.
Nun hat sie noch 4 Jahre bis zum Abitur und möchte bis dahin hierbleiben.

Wie Deine Tochter reagiert, kann sicher vorher niemand sagen.
Auch ist ja Deine Situation noch einmal eine andere, da sich zusätzlich die Familienkonstellation ändert durch Deinen Partner.
Ich würde ihr sehr viel Aufmerksamkeit geben und ihr vermitteln, dass sie Dich weiterhin als Mutter genau wie vorher auch behält und dann noch zusätzlich jemanden bekommt, der sie sehr mag und sich auf sie freut.
Alles andere wird sich finden. 
Wenn es außerdem nur 100 km weg von Euch ist, sind sicher auch häufige Besuche in der alten Heimat machbar und dürften die Umstellung etwas leichter fallen lassen.

Wünsche Euch viel Glück und die richtige Entscheidung!!

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6. Mai um 8:20

Hallo butterfly,

ich denke, der Schulwechsel ist auf jeden Fall ein guter Zeitpunkt, da alle Kinder in der Klasse neu sind. Das ist besser, als wenn sie später dazu kommt und dann "die Neue" ist, die auf eine feste Klassengemeinschaft stößt.

Sprich mit deiner Tochter über ihre konkreten Ängste. Vielleicht könnt ihr auch feste Termine vereinbaren, an denen sie die Großeltern sieht? Zum Beispiel jedes zweite Wochenende. Und du könntest mit ihr vereinbaren, dass ihr einmal in der Woche zusammen etwas unternehmt, nur ihr beide, ohne deinen neuen Partner, damit sie dich immer noch manchmal nur für sich hat.

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7. Mai um 12:19
In Antwort auf kassandra_07

Hallo butterfly,

ich kann Dir aus eigener Erfahrung berichten.
Ich bin auch alleinerziehend (meine Tochter ist 13). 
Wir sind vor 4 Jahren nach der Grundschule 700 km von zu Hause weggezogen, weil meine Tochter einen Förderschulplatz bekommen hat, welchen es sonst nur selten gibt (sie ist HB) und für mich aus gesundheitlichen Gründen eine Klimaveränderung gut war.
Diese Zweifel, welche Du beschreibst, sind völlig normal, denn das Kind kennt ja nur sein gewohntes Umfeld und weiß nicht, was da kommt bzgl. Schule, Freunde, Wohnung usw.
Ich sage Dir auch ganz ehrlich, dass die erste Zeit nach dem Umzug ziemlich schwierig war. Meine Tochter hatte starke Eingewöhnungsschwierigkeiten, hat mit ständigen Kopf- und Bauchschmerzen reagiert und oft in der Schule gefehlt.
Sie hatte auch sehr lange nur eine einzige Freundin in der Klasse, hatte starkes Heimweh und mir offene und versteckte Vorwürfe gemacht, dass ich sie aus ihrem schönen Leben herausgerissen habe (sie hatte vorher sehr viele Freunde und ihre Großeltern in der Nähe).
Die Schule hat mich mehrmals zum Gespräch gebeten, ich muss aber sagen, dass sie sich sehr bemüht haben, die Schulpsychologin eingeschaltet, Konzepte erarbeitet, wie der versäumte Lehrstoff nachgeholt werden kann etc.).
Ungefähr vor 1,5 Jahren ist bei ihr irgendwie ein Knoten geplatzt und sie hat sich plötzlich ganz anders gezeigt, hatte  viel mehr Freunde, war so gut wie nicht mehr krank, ist richtig aufgeblüht.
Der KL meinte, dass sie einen riesigen Sprung gemacht hat in ihrer Entwicklung und durch die Bewältigung dieser Herausforderung jetzt sehr viel den anderen voraus hat. Sie könnte stolz auf sich sein.
Das hat mich natürlich sehr gefreut und tut es immer noch, zumal ich ernsthaft mit dem Gedanken gespielt habe, die Zelte wieder abzubrechen und zurück nach Hause zu ziehen.
Es wäre halt sehr schade gewesen, diese Chance hier vertan zu haben.
Nun hat sie noch 4 Jahre bis zum Abitur und möchte bis dahin hierbleiben.

Wie Deine Tochter reagiert, kann sicher vorher niemand sagen.
Auch ist ja Deine Situation noch einmal eine andere, da sich zusätzlich die Familienkonstellation ändert durch Deinen Partner.
Ich würde ihr sehr viel Aufmerksamkeit geben und ihr vermitteln, dass sie Dich weiterhin als Mutter genau wie vorher auch behält und dann noch zusätzlich jemanden bekommt, der sie sehr mag und sich auf sie freut.
Alles andere wird sich finden. 
Wenn es außerdem nur 100 km weg von Euch ist, sind sicher auch häufige Besuche in der alten Heimat machbar und dürften die Umstellung etwas leichter fallen lassen.

Wünsche Euch viel Glück und die richtige Entscheidung!!

Hallo Kassandra,

ich danke dir erstmal für die Zeit, die du dir genommen hast, um mir zu antworten! Dein Erfahrungsbericht klingt sehr authentisch und hilft mir weiter. So bekomme ich auch mal einen Einblick in die "Praxis" und wie es unter Umständen ablaufen kann.

Wir haben schon gute Gespräche darüber geführt. Sie ist zwiegespalten. Mal wird geweint und gewütet, mal ist es okay und sie erfragt gewisse Kompromisse, bzw. da kommen dann mal so fragen wie "wenn wir dort hin ziehen, kann ich dann zumindest mitentscheiden in welches Haus wir ziehen?" oder "das Haus muss dann aber einen Garten haben" etc. Ich merke neben all der Ablehnung auch Aufregung und Neugier. Unabhängig von allem gefällt es ihr zudem auch dort sehr gut. Sie fragt mich sehr oft, ob wir meinen Partner über's Wochenende besuchen fahren können und fühlt sie vor Ort auch immer sehr wohl. Die Umgebung gefällt ihr auch sehr gut. Aber da sind eben die Ängste und Unsicherheiten. Wie wird es wenn ich die Neue bin? Sehe ich Oma und Opa noch regelmäßig? Was wird aus meinen Freunden? Alles normale Gefühle und Gedankengänge. Ich merke wie sie mit dem Gedanken spielt und sie teilt sich auch immer mit, oder stellt Fragen an mich. Denke das ist alles schonmal ein gutes Zeichen.

Meine Tochter gehört zu der Sorte Mensch, die sich schwer tun mit Veränderungen (hat sie definitiv von mir). Es ist eben das Ungewisse was ihr Angst macht. Ich selbst weiß aber aus eigener Erfahrung, dass es auch wichtig ist, dass solche Veränderungen auch mal "passieren". Das Leben geht nunmal nicht immer bloß in eine Richtung, Dinge verändern sich. Wenn ich immer nur versuche alles um sie herum so angenehm wie möglich zu gestalten, selbst aber meine Befindlichkeiten und Wünsche immer hintenan stelle, dann tue ich ihr langfristig auch keinen Gefallen damit. Sie muss ja auch lernen mit solchen Situationen umzugehen....

Ich komme immer mehr zu der Überzeugung, dass uns diese Veränderung sogar beiden gut tun könnte. Es wäre eine Chance weiter zu wachsen und ich habe einfach das Gefühl, dass wir uns dort sehr wohl fühlen könnten. Mein Partner ist auch wirklich immer sehr bemüht um uns und meine Tochter fühlt sich wie gesagt auch sehr wohl mit ihm.

Danke nochmal für den Tipp, dass ich mich intensiver um Zeit mit ihr allein bemühen sollte, wenn es denn soweit kommt. Darauf achte ich jetzt schon immer sehr. Freitags haben wir unseren "Mama-Tochter-Abend" und den habe ich ihr auch für die mögliche Option, dass wir umziehen, weiter zugesagt.

Ich denke alles in allem stehen die Sterne auf Aufbruch...

Also, lieben Dank nochmal für deine Erfahrung die du gemacht hast! Ich freue mich für euch, dass es nach allem doch noch ein glückliches Ende genommen hat und deine Tochter sich nun offensichtlich wohl fühlt und diese Zeit überstanden ist! Ich denke auch, dass sie das nun nur stärker gemacht hat und sie das mitnehmen kann für's Leben!

Danke für die Wünsche, alles Gute auch weiterhin für euch!


 

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7. Mai um 12:21
In Antwort auf ninirose

Hallo butterfly,

ich denke, der Schulwechsel ist auf jeden Fall ein guter Zeitpunkt, da alle Kinder in der Klasse neu sind. Das ist besser, als wenn sie später dazu kommt und dann "die Neue" ist, die auf eine feste Klassengemeinschaft stößt.

Sprich mit deiner Tochter über ihre konkreten Ängste. Vielleicht könnt ihr auch feste Termine vereinbaren, an denen sie die Großeltern sieht? Zum Beispiel jedes zweite Wochenende. Und du könntest mit ihr vereinbaren, dass ihr einmal in der Woche zusammen etwas unternehmt, nur ihr beide, ohne deinen neuen Partner, damit sie dich immer noch manchmal nur für sich hat.

Auch dir lieben Dank für deine Antwort! Ist nochmal ein guter Einwand von dir...

Ja, wir reden die letzten Tagen vereinzelt immer wieder drüber... Ich habe ihr auch zugesagt, dass wir defintiv jedes 2. Wochenende ihre Großeltern besuchen fahren. Wir sind ja auch nicht aus der Welt. Aber trotzdem ist es nunmal nicht mehr um die Ecke... Mal sehen, wo die Reise hin geht.

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