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Zeugen Jehovas?? HILFE...(Kinderheim Teil 2)

12. Januar 2005 um 11:26 Letzte Antwort: 12. Januar 2005 um 19:35

Hallo ihr Lieben, vor einem Monat habe ich dafür gesorgt, daß meine 4 Neffen und 1 Nichte (3-11 Jahre) ins Kinderheim gekommen sind. Ich hatte Euch ja davon berichtet. Sie wurden mit Holzbügeln verprügelt, waren total ängstlich und verstört, und in einem heruntergekommenen, verwahrlostem Zustand.

Meine Familie (alle Zeugen Jehovas) haben zum Größten Teil keinen Verständnis für meine Entscheidung. Meine Schwester (Mutter der Kinder) ist eine sogenannante "Ausgeschlossene" bei den Zeugen Jehovas. Das bedeutet, sie wurde dort herausgeschmissen, weil sie Fehler begangen hat. Meine Familie schiebt die Fehler nicht auf ihre Eigenverantwortlichkeit, sondern weil sie Gott verlassen hat, und in Satans Einfluß stand. Jetzt möchte meine Schwester wieder Zeuge Jehovas (nach ca. 8 oder 9 Jahren Ausschluß!!!!!) werden. Da sie ihren eigenen Anteil am Fehlverhalten nicht erkennen wird, kann ich auch nicht erwarten, daß sie sich wirklich ändern wird.

In den ganzen 8-9 Jahren Ausschluß hat sie sich scheinbar nicht mit der Lehre der Z.J. auseinandergesetzt, sonst wäre sie NIEMALS wieder zurück gegangen. Sie ist auch stinksauer auf mich- spricht nicht mehr mit mir. Die Beeinflussung der Zeugen wird mehr und mehr...

Das ist eine Katastrophe!!!!! Fehler werden dort unter den Tisch gekehrt!! Eltern, die ihre Kinder verprügeln sind an der Tagesordnung.

Die Kinder werden vielleicht zurück zu meiner Schwester kommen, das heißt ganz normale Kinder kommen auf einen Mal in eine Zeugen Jehovas-Sekte. Bisher haben sie nicht viel von der Lehre der Sekte mitbekommen. Das wird ein absoluter Schock für die...Dann kommt die "Gehirnwäsche". Kontakte zu nicht-Zeugen-Jehovas werden schleichend abgebaut. Irgendwann verliere ich den Kontakt zu ihnen, dann sind sie der Sektenlehre ausgesetzt!!

Die Frau vom Jugendamt sieht die Gefahr nicht: Die Zeugen Jehovas werden den Kinder ständig sagen: Kontakt zu nicht-Zeugen-Jehovas (wie mir) ist schlechter Umgang- Jehova Gott wünscht das nicht, und ihr wollt doch Gott gefallen, oder? So werden die Kinder so erzogen, daß sie von sich aus den Kontakt zu mir abbrechen. Was will dann die Frau vom Jugendamt machen???
Sie checkt das irgendwie noch nicht. "Hier in Deutschland ist Religionsfreiheit, da kann man nicht verbieten, wenn die über ihre Religion sprechen."

Die Argumentation der Zeugen ist sehr geschickt, nur das es immer eine "äußere", aber auch "innere" Wahrheit gibt- das wissen die meisten nicht. Sie sind immer so freundliche, nette Menschen, nach außen!! - aber die Realität ist anders.

Die Kinder dürfen unter keinen Umständen in die Hände der Zeugen geraten!!! Was soll ich denn machen?????

Wer weiß über rechtliche Schritte Bescheid? Wer hat Ahnung von Pflegeeltern, Sorgerechtsstreit etc.? Habe auch noch keine Anzeige wegen Mißhandlung gemacht.

Am kommenden Montag habe ich meinen ersten Besuchstermin. Hatte vielleicht gedacht, daß ich die Kinder in Form von kleinen Kasperletheaterstücken auf Situationen vorbereite, und über ihre Rechte (Religionsfreiheit, gewaltlose Erziehung) aufkläre, aber was bringt das in Bezug auf evt. jahrenlangen Einfluß, der ihnen bei den Zeugen bevorsteht? Ich könnte auch fragen ob sie überhaupt nach Hause wollen. Aber verunsichern möchte ich sie auch nicht.

Am liebsten würde ich sie alle mitnehmen, und beschützen. Aber es sind nicht meine Kinder. Außerdem wäre das komplett unrealistisch- ich weiß. Das ist ja nicht möglich. Sie tun mir so leid!!

Gruß, Netti


P.S.Es steht noch nicht fest, daß die Kinder zurück zu ihrer Mutter kommen. Die vom Jugendamt wußte es selbst noch nicht.

Fakt ist, daß das Haus meiner Schwester von einer Messie-vermüllten-Bude zu einem ordentlichen Haus geworden ist. Zudem helfen natürlich jetzt alle Familienmitglieder mit, daß ein guter Eindruck entsteht, so daß eine Rückkehr der Kinder nicht gefährdet ist. (Es ist ja auch klar, daß man in der Zeugen Jehovas-Gemeinde sehr gut da steht, wenn man ein altes Mitglied + 5 Kinder- alles leichte Opfer!!! - dazugewinnen kann!!!)

Vertrauen meiner Schwester zurück zu gewinnen- damit ist es wohl nicht mit getan. Das müßt Ihr Euch vergleichsweise schwerer vorstellen als einen Heroinabhängigen von Drogen zu befreien! Also die Macht der Sekte solltet Ihr nicht unterschätzen. Die Gehirnwäsche ist so stark, daß man genauso lange braucht, um sich gedanklich davon zu befreien wie man Mitglied war. Meine Schwester wurde vor ca. 8 Jahren (mit 30 Jahren) ausgeschlossen, das heißt endgültig hätte sie sich gedanklich von der Lehre mit 60 Jahren verabschiedet!!!! Das hatte ich mal gelesen, und es kann wirklich ungefähr passen.

Ich bin ja dort hineingeboren, und mit 15/16 Jahren ausgestiegen. Dadurch, daß ich als Kind mir noch keine eigenen Gedanken machen konnte (Kritikfähigkeit wird ja erst später ausgeprägt), habe ich bis heute (werde 25) gebraucht, um dort auszusteigen. Das sind knapp 10 Jahre!! Mit 20 Jahren, also n5 Jahren nach dem Austritt, habe ich noch damit liebgeäugelt zurück zu kehren. Das müßt Ihr Euch vorstellen!!!

Es ist sehr schwer. Stell Dir vor, Du bekommst immer und immer wieder eingeredet, daß alle Nicht-Zeugen schlechte, satanische Menschen sind. Dann wird immer auf schlechte Nachrichten geachtet, und in der Presse findet man immer Schlechtigkeiten- eine Bestätigung für jeden Zeugen!! "Alles Satans Werk". Die Ansprüche der Zeugen sind kaum zu erfüllen, so daß viele zwischendurch aussteigen. Dann holen sie oft alles extrem nach, kommen oft in die Drogenszene, Frauen werden sexuell ausgenutzt usw. All das kennt man als Zeuge gar nicht. Irgendwann tauchen auch Probleme auf, und man denkt: "Ist ja klar. Wenn ich auf Satans Seite stehe, dann geht es mir auch schlecht." Rückschluß: Man geht zurück, wo einem die Entscheidungen abgenommen werden.

Das ist für Personen vielleicht alles schwer nachzuvollziehen, aber wenn Du darin aufwächst und komplett von anderen Personen in Schule und Beruf abgeschirmt bist, ist es schwer sich eine eigene Meinung zu bilden. Und wenn man jemand dann sagt, daß man ans Paradies glaubt usw., dann wird sich darüber lustig gemacht. Also entweder man spricht nicht darüber, um Freunde außerhalb zu finden- kann sich dann aber niemals der Lehre entziehen, oder man spricht darüber, und findet keinen Anschluß, und kann sich auch nicht von der Lehre lösen.

So folgt jedem Ausschluß irgendwann wieder einer Aufnahme. In der Welt außerhalb der Zeugen kommen Ausgeschlossene sogut wie nicht klar. Zumal die Angst mit ihnen lebt, daß Gottes Gericht "Harmagedon" jeden Tag vor der Tür stehen kann, und sie dann vernichtet werden. So lebt man, als ob jeder Tag der letzte wäre- und nimmt alles mit! Drogen, Alkoholexzesse, Sex mit so vielen wie möglich etc. Man "betäubt" sich, um nicht daran zu denken, daß man bald stirbt- das so ein Leben nicht glücklich ist, ist klar, oder??






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12. Januar 2005 um 19:35

Ich habe deine Geschichte verfolgt
und fürchte das du momentan gar nichts machen kannst als abwarten und zu versuchen den Kontakt zum Jugendamt und zu den Kindern nicht zu verlieren. Ich kann mir nicht vorstellen das das Jugendamt die Kinder leichtfertig wieder zurück zur Mutter geben wird und wenn dann wird sie "kontrolliert" werden. Das Jugendamt wird sicher versuchen das Beste für die Kinder zu machen.
Ich kann mir vorstellen das du in großer Sorge bist aber du hast alles gemacht.
lg
Manuela

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