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Wutanfälle

18. November 2009 um 18:32

Hallo,

mein Problem bezieht sich auf meinen jüngeren Bruder. Ich weiß nicht mehr, an wen ich mich wenden soll. Zuerst dachte ich an Lehrer an meiner Schule (ich bin gerade im ersten Lehrjahr zur Erzieherin), aber ich denke nicht, dass diese mir wirklich weiterhelfen können.

Mein Bruder ist jetzt neun und geht in die vierte Klasse. Gegenüber Erwachsenen ist er eher zurückhaltend und traut sich wenig zu. Bis vor einigen Jahren war es noch ganz schlimm, so dass er nicht einmal engen Verwandten die Hand geben wollte oder ihnen gratulieren wollte. Mitlerweile ist er etwas selbstbewusster geworden.
Zu hause allerdings ist er das totale Gegenteil. Schon bei kleinsten Dingen rastet er total aus, bekommt regelrechte Wutanfälle. Gestern zum beispiel habe ich mit ihm ein Brettspiel gespielt und er saß dabei auf unserem Sessel, über den wir einen Überwurf gelegt haben. Dieser war ihm anscheinend störend und er hat ihne genommen und zerknüllt auf den Boden geworfen. Ich meinte dann zu ihm, dass er ihn doch wenigstens auf das Sofa tun soll. Doch anstatt ruhig zu antworten oder zu reagieren ist er total ausgeratstet, hat auf den Boden gestampft, mich angeschrien und sich mit verschränkten Armen auf den Sessel gesetzt. Ich meinte daraufhin, dass wir die Decke doch gemeinsam zusammenlegen könnten und nach dem Spielen tun wir sie wieder auf's Sofa. Doch das hat alles nur noch schlimmer gemacht, er hat geschrieen, das Spiel vom Tisch gepfeffert, sich auf's Sofa geschmissen und die Kissen umhergeworfen.
Im ersten Moment wusste ich gar nicht, wie mir geschieht. Er hat oft Wutanfälle, aber in diesem Ausmaß war das neu für mich.
Ich bin, so gut es ging ruhig geblieben, ich habe ihn also nicht angeschrieen, sondern mich eine Weile ruhig neben ihn gesetzt und als es etwas ruhiger war, versucht, ihn zum aufräumen zu bringen. Im ersten Moment gab das zwar einen erneuten Ausraster und ein Ohren zuhalten, wenn ich gesprochen habe, aber letztendlich hat er mir geholfen.
Allerdings war ich hinterher so überfordert, dass ich erstmal den Raum verlassen musste. Es ist mir noch nie passiert, dass ich nach einer Auseinandersetzung weinen musste, aber gestern kam eins zum nächsten und ehe ich mich versehen hatte, saß ich weinend in der Küche.
Ich bin mir nichts sicher, ob es gut oder weniger gut war, dass Marcel gesehen hat, wie ich weinen musste. Allerdings kam er daraufhin an und hat mich eine ganze Zeit lang in den Arm genommen. Ich habe ihm dann auch gesagt, dass ich ihn lieb habe (weil ich finde, dass es trotz der Situation wichtig ist, dass er das weiß) und ich habe ihm gesagt, dass mir das weh tut, wenn er mich so anschreit und ihm das sicher auch nicht gefallen würde. Ja, und dann hat er etwas getan, was ich gar nicht erwartet hatte und von ihm auch nicht so kenne. Er hat eine Figur genommen, die wir in der Küche stehen haben und so getan, als würde diese auf mich zu laufen und mit mir reden und Witze machen. Ich kannte ihn vorher eben nicht so, dass er sich so lange und intensiv entschuldigt.
Er entschuldigt sich nach jedem Streit, aber für ihn ist das schon zur Rputine gewordne, weil es so oft vorkommt und man merkt, dass er es nicht mehr ernst meint. Aber gestern, als er gesehen hat, dass ich sogar weinen musste, vielleicht ist auch ihm da das Ausmaß bewusst geworden.

Ich habe einfach Angst, wie es sich in ein paar Jahren entwickeln wird. Was ist, wenn er 12 ist? Oder 14?
Ich bin keine ausgebildete Erzieherin, ich habe einfach keinen Rat mehr.
Momentan versuche ich einfach nur, viel Zeit mit ihm zu verbringen, ihm oft zu zeigen, dass er mir wichtig ist und eine gute Bindung aufzubauen.
Die Sache ist ja, dass wenn man ihn fragt, wieso er denn so reagiert, dann sagt er selber, er weiß es nicht.
Ich bin mit meinem Latein am Ende!

Bitte antwortet mir!

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19. November 2009 um 11:10

Hallo,
es gibt verschiedene Arten von Persönlichkeitsstörungen, die natürlich auch gerade im Kindesalter und trotz guter, liebender Familie auftreten können. Bitte nicht weiter grübeln und mit ihm zu einem guten Kinderpsychologen gehen. Nicht damit warten!

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