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Wie macht man seinen Eltern klar, dass sie ihr Leben zerstören?

25. Juni 2012 um 22:04

Hallo, ich bräuchte mal einen Rat, was den Umgang mit meinen Eltern betrifft.

Die Situation ist folgende:

Als ich klein war, da ging es uns gut, wir hatten zwei Autos, ein Einfamilienhaus, ich und meine Schwestern bekamen den Führerschein bezahlt. Reich waren wir aber nie.
Als ich im Zivildienst war, hat sich mein Vater 2000 von mir geliehen. Das ist 11 Jahre her und ich habe nicht einen Euro wiederbekommen und wir haben auch nie wieder drüber geredet. Nach und nach hab ich erfahren, dass er sich bei mehreren Familienmitgleidern sehr viel Geld geliehen hat. Dann verlor er seinen Job, da er Selbsständig war und keine Vorsorge traf, bekam er dann auch kein AG. Freunde meiner Eltern mussten eine Bürgschaft auf das Haus aufnehmen. Was ich den Freunden hoch anrechne. Anscheinend kam mein Vater aber nicht mit den Raten hinterher, so dass es öfter Ärger gab und die Freunde auch uns Kinder kontaktierten. Heute reden meine Eltern nur noch schlecht über diese Freunde, weil sie alles kontrollieren wollen würden, obwohl diese das Haus vor der Zwangsversteigerung bewahrt haben. Mein Vater arbeitet wieder, verdeint aber nicht viel. Meine Mutter ist zu wenig ausgebildet um in ihrem Alter noch etwas neues zu finden. Auf dem Haus liegt immer noch ein hoher Kredit und der Immobilienmarkt in der Provinz lässt einen Verkauf nicht zu, zusätzlich wurde auch schon 10 Jahre nichts mehr in das Haus investiert. Meine Mutter war auch schon 10 Jahre nicht mehr beim Zahnarzt, was man deutlich sehen kann und ich als Chef würde sie auch nicht einstellen. Sie hat aber Angst vorm Zahnarzt und sagt, dass sie sich das alles nicht leisten kann. Mein Vater hat nun Gicht, raucht viel und trinkt nur Bier und Cola.

Mich zieht das alles sehr runter, da ich nicht die finanziellen Möglichkeiten habe mein Leben zu finanzieren udn meine Eltern groß zu unterstützen. Ich liebe sie, aber irgendwie kotzt es mich auch an, wie sie ihr Leben mehr und mehr zerstören und daran selber Schuld sind. Ich fühle mich verantwortlich, aber auf Hinweise und Hilfen reagieren sie beleidigt. Manchmal denke ich, ich sollte den Kontakt abbrechen, aber sie haben mir das Leben geschenkt und wir lieben uns. Aber es tut weh das alles mit anzusehen und nicht helfen zu können. Ich kann meiner Mutter kaum ins Gesicht sehen, wenn sie lacht, weil sie mir dann so leid tut, dass sie trotz Schmerzen und heftigem Karies nicht zum Zahnarzt geht. Ich sehe dann, das alles in den nächsten Jahren noch schlimmer werden wird und wir einen Haufen Schulden und körperlich beeinträchtigte Eltern Erben werden.

Aber wie sagt man seinen Eltern, dass sie sich zusammenreissen müssen, weil sie sonst die ganze Familie mit in die Verantwortung nehmen, dass sie jetzt ihr Selbstmitleid überwinden müssen, damit es nicht noch schlimmer wird.

Oder soll ich einfach zuschauen und mir sagen, es ist nicht meine Schuld! Es ist ihr Leben!

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15. Juli 2012 um 21:35

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Kompliziert. Auf der Suche nach dem passenden Thread bin ich hier gelandet. Habe ähnliche Probleme und kann nur sagen (um mich kurz zu fassen) : du bist nur für dich und dein Leben verantwortlich am Ende. Dass sie ihr Leben zerstören oder nicht zum Zahnarzt gehen ist nicht dein Problem. Dass du traurig bist ist normal - ich leide auch jeden Tag beispielsweise. Das Gefühl der Verantwortung für die Eltern als Kind verblasst nie- richtig ist es aber trotzdem nicht. Es sollte anders herum sein. Ich habe den Kontakt abgebrochen, obwohl ich mich mindestens einmal im Monat traurig hinsetzen und darüber nachdenken muss. Wenn der Schmerz zu groß ist bringt reden nichts mehr. Am Ende zählt, dass ich glücklich bin, mein Studium durchziehe und was eigenes (mit dem Partner) aufbaue.
Eines Tages kann man vielleicht mit etwas mehr innerer Distanz zurück blicken.
Es muss auch nicht immer ganz oder garnicht sein-natürlich kann man anrufen und sich um einen kümmern / sorgen. Für mich keine Option- es gibt nur eine abwehrende Haltung. Ich würde den Kontakt abbrechen, denn ich leide lieber einmal im Monat und habe ansonsten meinen Frieden gefunden.

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