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Wie lange unterstützen ?

16. Oktober 2004 um 10:50 Letzte Antwort: 21. Oktober 2004 um 0:09

wir haben eine 24 jährige Tochter, die einfach nicht ihr Leben in den Griff bekommen will. Hier nur mal kurz ihr "Lebenslauf": Grundschule, Gesamtschule mit Abschluss, verschiedene Ausbildungen angefangen und abgebrochen. In den letzten 2 Jahren hat sie erfolgreich die Schule für Erzieherinnnen absolviert, hatte auch eine Zusage für eine Stelle für das Anerkennungsjahr. Diese konnte sie dann nicht antreten, da sie kein polizeiliches Führungszeugnis und keine Steuerkarte hatte. Sie hatte sich die ganze Zeit nach einem Umzug in die Nachbarstadt nicht umgemeldet, da sie einen Gerichtsvollzieher fürchtete, der noch Geld aus Telefonschulden von ihr wollte. Um ihr zu dem Anerkennungsjahr den problemlosen Start zu gewährleisten, haben wir ihr alle Schulden bezahlt. Trotzdem hat die Zeit angeblich nicht mehr gereicht, um die Unterlagen zu besorgen. Mich hat sie 3 Wochen angelogen und vorgegeben, daß sie dort arbeite. Meine Frau und ich leben seit 2 Jahren getrennt sind aber dennoch in einem freundschaftlichen Dialog - gerade über das Fortkommen und die Unterstützung unserer Kinder. Wenn man nun mit unserer Tochter über ihr Problem sprechen möchte kommt es regelmässig zu ihren Vorwürfen, daß wir sie nicht aufs Leben vorbereitet hätten und sie in schlechten Zeiten nicht unterstützen würden.
Wir haben beschlossen, daß wir nun keine weiteren finanziellen Mittel mehr fliessen lassen. Sie muss endlich in die Eigenverantwortlichkeit kommen, sonst wird das nie was. Es ist bitter zu riskieren, daß sie vielleicht in der "Gosse" landet. Aber auf ihre Erpressungsversuche ( muss ich eben "fi....." gehen, um zu überleben)will ich nicht mehr reinfallen. Trotzdem bleibt immer ein schlechtes Gewissen. Es bleibt zu bemerken, daß wir unsere Tochter seit 1999 voll finanziell getragen haben. Einen Anlass, sich etwas selbst dazu zu verdienen, hat sie nie gefunden. Im Gegenteil: neben der monatlichen Allimentation wurden oftmals noch "Nebenkosten" wie Mietkautionen und viele andere eigentlich unnötige Ausgaben übernommen. Sie muss jetzt zum Sozialamt gehen oder irgendwo einen Job annehmen. Andere können das auch.

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16. Oktober 2004 um 12:24

Mit 24
hatte ich bereits einen Beruf und war seit 5 Jahren finanziell unabhängig von meinen Eltern.

Ich kann Euch zu dem Entschluß, sie nicht mehr zu unterstützen, nur gratulieren.

Sie hat eine abgeschlossene Ausbildung, sie ist erwachsen, jetzt muß sie nur noch einen Job finden. Es wäre nicht nur falsch, sondern geradezu entwürdigend, wenn Ihr weiter alle Steine für sie aus dem Weg räumt.

Eines Tages könnte sie Euch dafür sogar hassen.

Jeder Mensch muß lernen, auch Durststrecken zu überwinden. Auch ich habe mir beim Durchschreiten der Talsohle oft mehr Unterstützung gewünscht, war neidisch auf Bekannte, die von den Eltern die Wohnung finanziert oder eine dicke Mitgift gespendet bekamen.

Heute bin ich meinen Eltern dankbar, daß sie mich nicht unterstützt haben. Denn die einzige Person, der ich für irgendwas dankbar sein muß, und der ich mich verpflichtet fühle, ist mein Arbeitgeber. Ansonsten brauche ich nichts und niemanden.

Was nicht heißt, daß ich keine Freundschaften pflege, oder keinen Kontakt zu meiner Familie hätte. Sogar einen sehr guten. Aber er beruht ausschließlich auf Sympathie, nicht auf Abhängigkeit, nicht auf Hintergedanken von wegen "da werde ich mal was erben" oder "vielleicht werde ich deren Geld mal wieder brauchen".

Ich besuche meine Eltern und meine Freunde weil ich sie liebe - nicht weil ich sie brauche. Das wissen sie - und deshalb werde ich auch zurückgeliebt.

Ich wünsche Dir und Deiner Ex-Frau, daß Eure Tochter es packt und daß sie sich zu einer freien, stolzen jungen Frau entwickelt, die fest mit beiden Beinen im Leben steht.

Denn Du hast vollkommen recht:
Andere können das auch.

Riva

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18. Oktober 2004 um 18:22

Super!!
Auch ich finde es gut, sie jetzt selbst für ihr Leben verantwortlich sein zu lassen. Irgendwann wird sie schon merken, daß das Leben nicht aus Fun und Party besteht und man sich um gewisse Dinge kümmern muß. Das mußten viele von uns auch hart lernen. Mit dem Sozialamt ist das nicht so einfach, die werden ihr dort auch sagen, daß sie arbeiten gehen soll. Müssen wir schließlich alle. Kann Deine Sorge verstehen, aber weiteres Unterstützen hätte wohl nur den gegenteiligen Effekt. Gruß Jule

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21. Oktober 2004 um 0:09
In Antwort auf riva35

Mit 24
hatte ich bereits einen Beruf und war seit 5 Jahren finanziell unabhängig von meinen Eltern.

Ich kann Euch zu dem Entschluß, sie nicht mehr zu unterstützen, nur gratulieren.

Sie hat eine abgeschlossene Ausbildung, sie ist erwachsen, jetzt muß sie nur noch einen Job finden. Es wäre nicht nur falsch, sondern geradezu entwürdigend, wenn Ihr weiter alle Steine für sie aus dem Weg räumt.

Eines Tages könnte sie Euch dafür sogar hassen.

Jeder Mensch muß lernen, auch Durststrecken zu überwinden. Auch ich habe mir beim Durchschreiten der Talsohle oft mehr Unterstützung gewünscht, war neidisch auf Bekannte, die von den Eltern die Wohnung finanziert oder eine dicke Mitgift gespendet bekamen.

Heute bin ich meinen Eltern dankbar, daß sie mich nicht unterstützt haben. Denn die einzige Person, der ich für irgendwas dankbar sein muß, und der ich mich verpflichtet fühle, ist mein Arbeitgeber. Ansonsten brauche ich nichts und niemanden.

Was nicht heißt, daß ich keine Freundschaften pflege, oder keinen Kontakt zu meiner Familie hätte. Sogar einen sehr guten. Aber er beruht ausschließlich auf Sympathie, nicht auf Abhängigkeit, nicht auf Hintergedanken von wegen "da werde ich mal was erben" oder "vielleicht werde ich deren Geld mal wieder brauchen".

Ich besuche meine Eltern und meine Freunde weil ich sie liebe - nicht weil ich sie brauche. Das wissen sie - und deshalb werde ich auch zurückgeliebt.

Ich wünsche Dir und Deiner Ex-Frau, daß Eure Tochter es packt und daß sie sich zu einer freien, stolzen jungen Frau entwickelt, die fest mit beiden Beinen im Leben steht.

Denn Du hast vollkommen recht:
Andere können das auch.

Riva

Bisher hart geblieben...
Hallo, hier kurz nun ein Zwischenbericht. Unsere Tochter war wohl beim Sozialamt, um erste Hilfe zu bekommen. Dafür musste ich nun die Kontoauszüge der letzten 2 Jahre wälzen und aufschreiben, was wir an Unterstützung gezahlt haben. Da wird mir ganz schummerig, wenn ich das sehe. Aber damals haben wir das ja gerne gemacht. Nur jetzt ist Schluss. Jetzt reichts. Das Sozialamt wird ihr schon den marsch blasen, von wegen Arbeiten gehen usw.
Bin mal gespannt, wie das ausgeht. D.h. wenn noch Kontakt besteht, was ich für die Zukunft nicht so genau weiß.
Nightfriend

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