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Verweigerung des Kindergartens

10. August 2006 um 12:32 Letzte Antwort: 17. August 2006 um 12:09

Hallo,

unser Sohn (3 Jahre) geht seit dem 01.08.06 in den Kindergarten. Die ersten 2 Tage war alles klasse. Er hat weder geweint noch sonstwas, sondern super mitgemacht. Am 3. Tag fing es dann an. Er fing mitten drin (nicht beim Verabschieden am Morgen) an zu weinen und konnte nur schwer beruhigt werden. Das Ganze ist mittlerweile so eskaliert, dass er heute Morgen einen regelrechten Anfall mit Weinen, Schreien und Festklammern bekommen hat. Damit ich gehen konnte, musste er von der Erzieherin festgehalten werden.
Leider kann ich ihn nicht wieder mitnehmen (was wohl auch falsch wäre, da er ja dann merkt, dass sich was für ihn positiv verändert, wenn er weint und schreit), da ich seit dem 01.08. an 3 Tagen wieder arbeite, d.h. an 3 Tagen in der Woche holt ihn mein Vater ab und er wird von mir bei meinen Eltern abgeholt und die anderen 2 Tage hole ich ihn im Kindergarten ab. Es ist also für ihn ein völlig anderer Alltag als er es bisher gewöhnt war.
Was kann ich tun, damit er sich schneller und leichter an den Kindergarten und den neuen Alltag gewöhnt? Es ist nämlich absolut nicht leicht sich konzentriert auf die Arbeit im Büro zu stürzen, wenn man noch das Weinen und Schreien seines Kindes im Ohr hat.
Schon mal vielen Dank im voraus für Eure Tipps.

Gruß
nanu114

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10. August 2006 um 16:58

Abschied nehmen im Kiga
Hallo Nanu,

zuerst mal: Es ist völlig normal, was Du und Dein Kind da gerade erleben. Der Besuch des Kindergartens und die damit verbundene vorübergehende Trennung müssen von beiden (Mutter und Kind) erst einmal verarbeitet werden.

Was kannst Du nun tun, um Deinem Kind die Trennung zu erleichtern? Zuerst einmal solltest Du versuchen, dem Ganzen nicht zuviel Beachtung zu schenken, D.h. je länger Du morgens im Kiga bleibst und je mehr aufheben Du um die ganze Situation machst, umso schlimmer wird es später und umso länger dauert diese Phase im Endeffekt an. Am besten, Du versucht so normal wie möglich damit umzugehen. Morgens sagst Du ihm einfach: "Wir gehen jetzt in den Kindergarten."
Genauso wie Du sagen würdest: "wir gehen jetzt einkaufen."
Nur dass Du statt "einkaufen" - "Kindergarten" sagst. Wenn Du merkst, dass er sich weigert, gib ihn der Erzieherin auf den Arm, verabschiede Dich und gehe. Auch wenn er weinen sollte. Die meisten Kinder beruhigen sich sehr schnell, nachdem die Mutter erst einmal weg ist. Weiterhin sind die Erzieherinnen ja geschult, mit solchen Problemen umzugehen.
Geh NIEMALS ohne Dich zu verabschieden und halte Dich an mit ihm getroffene Absprachen.

Wenn es möglich ist, dann hol ihn in den ersten Tagen früher ab (nach 1 1/2 bis 2 Stunden) oder lass ihn abholen, bis er sich besser eingewöhnt hat.

Mein Sohn hat am Anfang überhaupt keine Probleme gemacht und nach ein paar Monaten fing es dann erst an.

Ich wünsche Dir viel Erfolg,

Pennywise (selber Erzieherin)

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10. August 2006 um 17:54
In Antwort auf belda_12670253

Abschied nehmen im Kiga
Hallo Nanu,

zuerst mal: Es ist völlig normal, was Du und Dein Kind da gerade erleben. Der Besuch des Kindergartens und die damit verbundene vorübergehende Trennung müssen von beiden (Mutter und Kind) erst einmal verarbeitet werden.

Was kannst Du nun tun, um Deinem Kind die Trennung zu erleichtern? Zuerst einmal solltest Du versuchen, dem Ganzen nicht zuviel Beachtung zu schenken, D.h. je länger Du morgens im Kiga bleibst und je mehr aufheben Du um die ganze Situation machst, umso schlimmer wird es später und umso länger dauert diese Phase im Endeffekt an. Am besten, Du versucht so normal wie möglich damit umzugehen. Morgens sagst Du ihm einfach: "Wir gehen jetzt in den Kindergarten."
Genauso wie Du sagen würdest: "wir gehen jetzt einkaufen."
Nur dass Du statt "einkaufen" - "Kindergarten" sagst. Wenn Du merkst, dass er sich weigert, gib ihn der Erzieherin auf den Arm, verabschiede Dich und gehe. Auch wenn er weinen sollte. Die meisten Kinder beruhigen sich sehr schnell, nachdem die Mutter erst einmal weg ist. Weiterhin sind die Erzieherinnen ja geschult, mit solchen Problemen umzugehen.
Geh NIEMALS ohne Dich zu verabschieden und halte Dich an mit ihm getroffene Absprachen.

Wenn es möglich ist, dann hol ihn in den ersten Tagen früher ab (nach 1 1/2 bis 2 Stunden) oder lass ihn abholen, bis er sich besser eingewöhnt hat.

Mein Sohn hat am Anfang überhaupt keine Probleme gemacht und nach ein paar Monaten fing es dann erst an.

Ich wünsche Dir viel Erfolg,

Pennywise (selber Erzieherin)

Verweigerung des Kiga
Hallo Pennywise,

danke für Deinen Beitrag. Lange bleiben kann ich im Kiga eh nicht, da ich ja wie gesagt zur Arbeit muss. Also, mehr als max. 10 Minuten sind nicht drin und ich nehme ihn zum Abschied immer ganz bewusst in den Arm und sage ihm, dass ich ihn ganz doll lieb habe und deshalb immer wieder zurück haben will.
Was das voneinander trennen betrifft, da sind wir eigentlich schon ein wenig geübt. Er war vor dem Kiga für ein Jahr in einer Spielgruppe (1x pro Woche), wo ich ihn hingebracht habe und dann nach 3 Stunden wieder abgeholt habe. Gut, da hat er am Anfang auch ein wenig geweint, wenn ich gegangen bin, aber so wie jetzt im Kiga bei weitem nicht.

Ich bringe ihn morgens um 08.00 Uhr hin und um 11.00 Uhr wird er wieder abgeholt. Er bleibt also nicht bis zum Schluss und seine Erzieherin sagte auch, dass er so lange früher abgeholt wird bis sich das mit dem Weinen gelegt hat. Allerdings ist es so, dass er von den 3 Stunden ca. 2 Stunden weint, was schon recht viel ist, oder?

An getroffene Absprachen halten wir uns grundsätzlich, um sein Vertrauen in uns nicht zu zerstören. Was wir versprochen haben (ob positiv oder negativ) wird auf jeden Fall eingehalten und das weiss er auch.

Viel Wind machen wir nicht ums Thema Kiga. Es ist jetzt halt so und kann auch nicht mehr geändert werden.

Gerade eben hat er übrigens zu mir gesagt, dass er morgen wieder im Kiga weinen wird. Wir hatten gar nicht über den Kiga gesprochen. Da kommt mir ein Gedanke: kann es sein, dass er versucht mich massiv unter Druck zu setzen und sozusagen auf Knopfdruck weinen kann?

Wäre nett, wenn ich dazu auch noch Deine oder eine andere Meinung lesen könnte.

Gruß
Nanu


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10. August 2006 um 20:21
In Antwort auf an0N_1198416899z

Verweigerung des Kiga
Hallo Pennywise,

danke für Deinen Beitrag. Lange bleiben kann ich im Kiga eh nicht, da ich ja wie gesagt zur Arbeit muss. Also, mehr als max. 10 Minuten sind nicht drin und ich nehme ihn zum Abschied immer ganz bewusst in den Arm und sage ihm, dass ich ihn ganz doll lieb habe und deshalb immer wieder zurück haben will.
Was das voneinander trennen betrifft, da sind wir eigentlich schon ein wenig geübt. Er war vor dem Kiga für ein Jahr in einer Spielgruppe (1x pro Woche), wo ich ihn hingebracht habe und dann nach 3 Stunden wieder abgeholt habe. Gut, da hat er am Anfang auch ein wenig geweint, wenn ich gegangen bin, aber so wie jetzt im Kiga bei weitem nicht.

Ich bringe ihn morgens um 08.00 Uhr hin und um 11.00 Uhr wird er wieder abgeholt. Er bleibt also nicht bis zum Schluss und seine Erzieherin sagte auch, dass er so lange früher abgeholt wird bis sich das mit dem Weinen gelegt hat. Allerdings ist es so, dass er von den 3 Stunden ca. 2 Stunden weint, was schon recht viel ist, oder?

An getroffene Absprachen halten wir uns grundsätzlich, um sein Vertrauen in uns nicht zu zerstören. Was wir versprochen haben (ob positiv oder negativ) wird auf jeden Fall eingehalten und das weiss er auch.

Viel Wind machen wir nicht ums Thema Kiga. Es ist jetzt halt so und kann auch nicht mehr geändert werden.

Gerade eben hat er übrigens zu mir gesagt, dass er morgen wieder im Kiga weinen wird. Wir hatten gar nicht über den Kiga gesprochen. Da kommt mir ein Gedanke: kann es sein, dass er versucht mich massiv unter Druck zu setzen und sozusagen auf Knopfdruck weinen kann?

Wäre nett, wenn ich dazu auch noch Deine oder eine andere Meinung lesen könnte.

Gruß
Nanu


@Nanu
Das mit der Ankündigung ist so eine Sache. Einerseits wollte er vielleicht einfach Deine Reaktion darauf testen. Am besten, Du reagierst auf solche Aussagen überhaupt nicht. Wenn er nämlich einmal mitkriegt, daß Du das machst, wird er es immer wieder tun (auch mit anderen Sachen). Er bekommt ja auch mit, daß Dir das schwer zu schaffen macht. Kinder sind SEHR GUTE BEOBACHTER aber GANZ SCHLECHTE INTERPRETEN!

Kinder lernen aus Versuch und Irrtum. Haben sie mit einer Methode Erfolg, probieren sie es wieder und wieder, wobei sie möglichst viele neue Techniken ausprobieren. Das ist jedoch keine böse Absicht oder der Versuch Dich zu ärgern sondern eher die Sehnsucht des Kindes, sich zugehörig zu fühlen und dazuzugehören. Außerdem ist dieser Ablauf unbewußt.

Folgendes Beispiel: Dein Sohn sitzt am Tisch und ißt ganz brav sein Brot. Du beachtest ihn nicht und bist in Gedanken versunken. Plötzlich fängt er an, mit dem Fuß permanent gegen das Tischbein zu treten und Du reagierst sofort. Damit hat er sein Ziel "Aufmerksamkeit zu erlangen" erreicht.

Es kann aber auch tatsächlich sein, daß er versucht, Dich mit seiner Ansage unter Druck zu setzen und seinen Willen durchzusetzen. Wenn Du das Gefühl hast, sollte es auch mit Sicherheit ein wenig so ankommen.

Eine weitere Möglichkeit wäre es, ihm (freundlich) zu sagen, daß es seine Sache ist, wie er sich die Zeit im Kindergarten gestaltet, denn Du bist ja auf der Arbeit.
Damit gibst Du ihm die Verantwortung für sich selbst. Das wirkt manchmal Wunder. Wichtig dabei ist, daß Du es ihm nur einmal sagst und dabei ruhig und freundlich bleibst!

Für den Anfang finde ich drei Stunden schon ziemlich viel. Vor allem, wenn er vorher nur einmal die Woche weg war. Ihr hattet doch bestimmt auch Schnuppertage? Am besten, Du sprichst Dich mit der Erzieherin ab und fragst sie nach ihrer Meinung.


Durchhalten! Ich drück Euch die Daumen

LG, Pennywise

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10. August 2006 um 21:45

...sorry, aber mit Deiner Aussage
kann ich gar nix anfangen. Leider ist es hierzulande festgelegt, dass nach 3 Jahren die Elternzeit endet und du dann die Wahl hast entweder arbeiten zu gehen oder zuhause zu bleiben. Bei der derzeitigen Arbeitsmarktlage erübrigt sich dann ja alles. Die wenigsten können sich leisten, noch ein Jährchen anzuhängen und nachher bekommst du keinen gleichwertigen Job mehr.
Und dann daherkommen am ersten Arbeitstag und einen Monat unbezahlten Urlaub nehmen ??? Das geht ja wohl gar nicht !!!
Hast du eigentlich selber Kinder ???
Ich stand vor 4 Wochen vor demselben Problem und ich kann Dir sagen dass es gar nicht einfach ist für eine Mutter, ihr Kind abzugeben, vor allem wenn es schreit und klammert.
Trotzdem lG flammendesherz

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11. August 2006 um 9:15
In Antwort auf belda_12670253

@Nanu
Das mit der Ankündigung ist so eine Sache. Einerseits wollte er vielleicht einfach Deine Reaktion darauf testen. Am besten, Du reagierst auf solche Aussagen überhaupt nicht. Wenn er nämlich einmal mitkriegt, daß Du das machst, wird er es immer wieder tun (auch mit anderen Sachen). Er bekommt ja auch mit, daß Dir das schwer zu schaffen macht. Kinder sind SEHR GUTE BEOBACHTER aber GANZ SCHLECHTE INTERPRETEN!

Kinder lernen aus Versuch und Irrtum. Haben sie mit einer Methode Erfolg, probieren sie es wieder und wieder, wobei sie möglichst viele neue Techniken ausprobieren. Das ist jedoch keine böse Absicht oder der Versuch Dich zu ärgern sondern eher die Sehnsucht des Kindes, sich zugehörig zu fühlen und dazuzugehören. Außerdem ist dieser Ablauf unbewußt.

Folgendes Beispiel: Dein Sohn sitzt am Tisch und ißt ganz brav sein Brot. Du beachtest ihn nicht und bist in Gedanken versunken. Plötzlich fängt er an, mit dem Fuß permanent gegen das Tischbein zu treten und Du reagierst sofort. Damit hat er sein Ziel "Aufmerksamkeit zu erlangen" erreicht.

Es kann aber auch tatsächlich sein, daß er versucht, Dich mit seiner Ansage unter Druck zu setzen und seinen Willen durchzusetzen. Wenn Du das Gefühl hast, sollte es auch mit Sicherheit ein wenig so ankommen.

Eine weitere Möglichkeit wäre es, ihm (freundlich) zu sagen, daß es seine Sache ist, wie er sich die Zeit im Kindergarten gestaltet, denn Du bist ja auf der Arbeit.
Damit gibst Du ihm die Verantwortung für sich selbst. Das wirkt manchmal Wunder. Wichtig dabei ist, daß Du es ihm nur einmal sagst und dabei ruhig und freundlich bleibst!

Für den Anfang finde ich drei Stunden schon ziemlich viel. Vor allem, wenn er vorher nur einmal die Woche weg war. Ihr hattet doch bestimmt auch Schnuppertage? Am besten, Du sprichst Dich mit der Erzieherin ab und fragst sie nach ihrer Meinung.


Durchhalten! Ich drück Euch die Daumen

LG, Pennywise

Andere Betrachtungsweise
du schreibst so, als sei ein Kind ein anderes Wesen als man selbst, das nur darauf wartet, die Erwachsenen zu manipulieren. er bekommt etwas mit, wird immer wieder so etwas machen Kind will nur seinen Willen durchsetzen etc., ich finde solche Aussagen gehen am Kern des Problems vorbei.
Kinder sind Bindungswesen und es ist ganz natürlich, dass sie Angst haben, wenn die Hauptbezugsperson geht.
Bevor mein Kind, bzw. als es in den Kindergarten ging, habe ich einen Spezialisten angerufen. Er hat mich in dem bestätigt, was ich sowieso schon angenommen habe und ich fand das sehr hilfreich.
Das Kind, und das wird ganz oft übersehen, bekommt wirklich einen Schaden, wenn man es gegen seinen Willen in den Kiga schleppt. Und alles was über fünf Minuten Schreien hinausgeht zeigt, dass etwas fundamental nicht stimmt, dass das Kind nicht in der Lage ist mit der Situation umzugehen.
Das bisher ungetrübte Mutter-Kind-Verhältnis bekommt dadurch einen Schaden und tiefen Riß. Das Kind verliert das Vertrauen in seine Mutter.
Eine gute Institution muss eine Übergangsphase schaffen, in der das Kind Vertrauen zu einer Erzieherin aufbauen kann, von der es sich dann auch trösten läßt, wenn die Mutter geht. Erst wenn diese Basis geschaffen ist, kann sich das Kind sicher fühlen und den Absprung schaffen.
Alles andere ist einfach Stress pur und auch brutal.
Die seelische Gesundheit des Kindes sollte Priorität haben. Ein Dreijähriger kann noch nicht die Verantwortung für sich selbst tragen!!! Das muss die Mutter für ihn tun.
Viele Grüße
K.

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11. August 2006 um 11:35

Danke für Eure Meinungen
Hallo,

gestern hat es im Kiga schon ein wenig besser geklappt und er hat "nur noch" 1 Stunde geweint. Danach war dann abrupt Ruhe und er fing an sich für die angebotenen Aktivitäten zu interessieren.

Da mein Sohn bereits im Juni 3 geworden ist und es bei uns leider nicht üblich ist sein Kind mehr oder weniger jederzeit in den Kiga zu bringen (Stichtag ist der 01.08. und damit basta), musste ich mir bereits 2 Monate unbezahlten Urlaub nehmen, da ich sonst ein Betreuungsproblem gehabt hätte. Außerdem bin ich finanziell gezwungen zu arbeiten.

Gut, der Ausdruck "unter Druck setzen" war in der Situation vielleicht nicht gerade glücklich gewählt von mir, aber es kam dem Gefühl, dass ich in dem Moment hatte, am nähesten. Ich habe es heute Morgen aber auch ganz genau gemerkt, dass er mit seinem Weinen testen wollte, wie ich reagiere. Auf dem Weg in den Kiga war alles wunderbar und er erzählte, tanzte, etc. Im Kiga dann fing er an zu weinen und als ich nicht reagierte, sondern ganz normal mit ihm redete, sagte er: schau, ich weine, Du musst mich trösten. Darauf sagte ich: ich sehe, dass Du weinst und finde es auch nicht schön, aber in den Kiga gehst Du trotzdem, weil es nicht zu ändern ist. Wenn Du also meinst, dass Du weinen musst, dann ist das ok, aber Du bleibst trotzdem hier. Daraufhin hörte er auf und fing wieder an als ich mich verabschiedete und ging. Allerdings nur weinen, kein Schreien, Klammern etc. Er hat sogar noch gewinkt und sich dann umgedreht und zugehört, was seine Erzieherin sagte.
Es ist mir heute also ein ganz klitzekleines bischen leichter gefallen zu gehen.
Wahrscheinlich war es einfach nur eine Überreaktion von mir (wer sieht sein Kind schon gerne so leiden) und die hat sich dann auf ihn übertragen.
Keine Ahnung, mal sehen, was mir heute berichtet wird.

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11. August 2006 um 11:39
In Antwort auf omid_12083546

Andere Betrachtungsweise
du schreibst so, als sei ein Kind ein anderes Wesen als man selbst, das nur darauf wartet, die Erwachsenen zu manipulieren. er bekommt etwas mit, wird immer wieder so etwas machen Kind will nur seinen Willen durchsetzen etc., ich finde solche Aussagen gehen am Kern des Problems vorbei.
Kinder sind Bindungswesen und es ist ganz natürlich, dass sie Angst haben, wenn die Hauptbezugsperson geht.
Bevor mein Kind, bzw. als es in den Kindergarten ging, habe ich einen Spezialisten angerufen. Er hat mich in dem bestätigt, was ich sowieso schon angenommen habe und ich fand das sehr hilfreich.
Das Kind, und das wird ganz oft übersehen, bekommt wirklich einen Schaden, wenn man es gegen seinen Willen in den Kiga schleppt. Und alles was über fünf Minuten Schreien hinausgeht zeigt, dass etwas fundamental nicht stimmt, dass das Kind nicht in der Lage ist mit der Situation umzugehen.
Das bisher ungetrübte Mutter-Kind-Verhältnis bekommt dadurch einen Schaden und tiefen Riß. Das Kind verliert das Vertrauen in seine Mutter.
Eine gute Institution muss eine Übergangsphase schaffen, in der das Kind Vertrauen zu einer Erzieherin aufbauen kann, von der es sich dann auch trösten läßt, wenn die Mutter geht. Erst wenn diese Basis geschaffen ist, kann sich das Kind sicher fühlen und den Absprung schaffen.
Alles andere ist einfach Stress pur und auch brutal.
Die seelische Gesundheit des Kindes sollte Priorität haben. Ein Dreijähriger kann noch nicht die Verantwortung für sich selbst tragen!!! Das muss die Mutter für ihn tun.
Viele Grüße
K.

@Kalani
Selbstverständlich ist ein Kind ein eigenes Wesen mit eigenen Empfindungen und eigenen Wünschen und Bedürfnissen. Leider wird das nur allzu oft übersehen. Schließlich ist es ja nur ein Kind. Das kann ja nicht wissen, was es will! Kinder sind jedoch total eigenständige Personen. Man kann sie nicht formen wie einen Klumpen Lehm. Das Kind entscheidet selbst, wie es auf etwas reagiert.

Also, 1. habe ich niemals geschrieben, daß Kinder nur darauf aus sind zu manipulieren bzw. nur darauf warten. Ganz im Gegenteil: Ich schrieb: Das Kind macht seine Erfahrungen. Hat es mit einem bestimmten Verhalten Erfolg, wird es es immer wieder machen. Weiterhin schrieb ich, daß das UNBEWUSSTE Vorgänge und Abläufe sind. Du findest, dass diese Aussage am Kern des Problems vorbeigeht?
Wenn der Kleine merkt, daß er mit seiner Aussage die Aufmerksamkeit seiner Mutter auf sich ziehen kann und sie damit beeindrucken kann, wird er es immer wieder tun. Wenn er älter ist, geht es dann einfach um andere Dinge. Bsp: Wenn Du heute abend weggehst, werde ich weinen usw.

2. Nicht nur Kinder sind Bindungswesen, sondern der Mensch an sich ist ein Gemeinschaftswesen. Ein Ur-Trieb des Menschen ist: sich zugehörig zu fühlen, das Gemeinschaftsgefühl!
Und das habe ich auch im anderen Beitrag geschrieben. Das Kind möchte sich zugehörig fühlen und zieht deshalb die Aufmerksamkeit der Mutter auf sich. Wenn es das nicht erreicht, indem es ruhig am Tisch sein Brot isst, wird es wohl eine neue Methode finden => gegen das Tischbein treten z.B.
Auch kokettieren ist eine Form von Aufmerksamkeit erregen. Die Mutter beachtet das Kind und das Ziel ist erreicht. Es fühlt sich zugehörig und wird nicht ignoriert. Ein vollkommen unbewusster Vorgang! Jeder von uns macht das! Nicht nur Kinder.

Natürlich ist es wichtig, daß der Kleine schon vorher die Möglichkeit hatte, sich die ganze Situation in Ruhe und ohne Druck anzusehen und auch dort zu spielen. Sowie Vertrauen zur Erzieherin aufzubauen. Dafür gibt es ja auch die sogenannten Schnuppertage. Und daß er die ersten drei Tage dort ja auch gespielt hat ohne zu schreien, zeigt ja daß er sich dort wohl gefühlt hat. Sonst wäre es gar nicht erst so weit gekommen. Die Basis war also geschaffen. Weiterhin schrieb ich, daß ich es besser finde, wenn sie die Zeit wenn möglich reduziert, sich aber vorher mit der Erzieherin absprechen soll.

3. Ein Dreijähriger kann sehr wohl die Verantwortung für sich selbst tragen. Vorraussetzung ist allerdings, daß man ihn sie tragen läßt. Fängt schon beim morgendlichen anziehen an.
Kleines Beispiel gefällig? Mein Sohn hat leider sehr schlechte Zähne und ist dann auch noch falsch behandelt worden vom Zahnarzt. Wir haben jetzt gewechselt und der neue Zahnarzt hat uns einige Tips gegeben. Wir haben mit unserem Sohn gesprochen und ihm gesagt, was passieren kann wenn er übermässig viele Süssigkeiten ist. Mittlerweile ist das ja nicht mehr zu vermeiden. An der Kasse, im Geschäft, egal wo man ist, man muß sich schon richtig gegen Süßkram wehren. Mein Sohn weiß, daß das nicht gut für ihn und seine Zähne ist und achtet selber mit darauf. Ich kann das doch nicht ständig kontrollieren. Und ich vertraue ihm. Damit übernimmt ER die Verantwortung für sich selbst und für die Gesundheit seiner Zähne.
Geht also doch...

Passende Lektüre dazu: Thomas Gordon - die (neue) Familienkonferenz
Rudolf Dreikurs: Kinder fordern uns heraus - wie erziehen wir sie Zeitgemäß?

Liebe Grüsse, Pennywise

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11. August 2006 um 18:18

@ maralea...
nun ja, mein posting hört sich ziemlich scharf an, ist aber nicht so gemeint. In vielen Städten und/oder Gemeinden ist es so, dass die Kinder eben erst einen Tag nach dem 3. Geburtstag in den Kindergarten dürfen. Das ging bei uns jahrelang so, allerdings ist jetzt die neue Regelung rausgekommen, nach derer schon 2-jährige in den Hort dürfen. Das gilt bei uns ab September. Und - das ist schon richtig - mit vielen Erzierinnen kann man reden, ob das Kind früher kommen darf zum Schnuppern, bei uns ging das gar nicht weil der Kindi heillos überfüllt und die Erzieherinnen überfordert und genervt sind.
Und ich habe trotzdem das Gefühl, dass manche Kinder alles dransetzen, wieder von der Mama mit nach Hause genommen zu werden. Und wenn man da nicht konsequent ist, geht das Theater im Kindi wochenlang.
Du hast 4 Kinder ??? Hut ab !!!
So long und nix für ungut,
Grüssle von flammendesherz

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12. August 2006 um 10:57
In Antwort auf an0N_1198416899z

Danke für Eure Meinungen
Hallo,

gestern hat es im Kiga schon ein wenig besser geklappt und er hat "nur noch" 1 Stunde geweint. Danach war dann abrupt Ruhe und er fing an sich für die angebotenen Aktivitäten zu interessieren.

Da mein Sohn bereits im Juni 3 geworden ist und es bei uns leider nicht üblich ist sein Kind mehr oder weniger jederzeit in den Kiga zu bringen (Stichtag ist der 01.08. und damit basta), musste ich mir bereits 2 Monate unbezahlten Urlaub nehmen, da ich sonst ein Betreuungsproblem gehabt hätte. Außerdem bin ich finanziell gezwungen zu arbeiten.

Gut, der Ausdruck "unter Druck setzen" war in der Situation vielleicht nicht gerade glücklich gewählt von mir, aber es kam dem Gefühl, dass ich in dem Moment hatte, am nähesten. Ich habe es heute Morgen aber auch ganz genau gemerkt, dass er mit seinem Weinen testen wollte, wie ich reagiere. Auf dem Weg in den Kiga war alles wunderbar und er erzählte, tanzte, etc. Im Kiga dann fing er an zu weinen und als ich nicht reagierte, sondern ganz normal mit ihm redete, sagte er: schau, ich weine, Du musst mich trösten. Darauf sagte ich: ich sehe, dass Du weinst und finde es auch nicht schön, aber in den Kiga gehst Du trotzdem, weil es nicht zu ändern ist. Wenn Du also meinst, dass Du weinen musst, dann ist das ok, aber Du bleibst trotzdem hier. Daraufhin hörte er auf und fing wieder an als ich mich verabschiedete und ging. Allerdings nur weinen, kein Schreien, Klammern etc. Er hat sogar noch gewinkt und sich dann umgedreht und zugehört, was seine Erzieherin sagte.
Es ist mir heute also ein ganz klitzekleines bischen leichter gefallen zu gehen.
Wahrscheinlich war es einfach nur eine Überreaktion von mir (wer sieht sein Kind schon gerne so leiden) und die hat sich dann auf ihn übertragen.
Keine Ahnung, mal sehen, was mir heute berichtet wird.

"Abschlussbericht" (o:
Also, gestern war ich - wie mit der Erzieherin vereinbart - um 11.00 Uhr am Kiga, um meinen Sohn abzuholen und da kommt mein Sohn zum Zaun(die Kinder waren draußen)
und meint zu mir, ob ich nicht später wiederkommen könnte, denn es würden gleich wieder alle reingehen und noch einen Stuhlkreis machen und eine Geschichte vorgelesen bekommen und ein Lied singen. Ihr könnt Euch nicht vorstellen wie sprachlos ich war... Seine Erzieherin kam dann auch und meinte mein Sohn könnte ruhig bis zum Schluss bleiben, denn er hätte heute nur max. 20 Min. geweint und sich dann ohne Probleme in die Gruppe eingefügt. Also habe ich mich wieder verabschiedet (mein Sohn winkte mir hinterher und lachte), war eine Stunde später wieder da und habe ein völlig glückliches und ausgelichenes Kind abgeholt, dass mir den ganzen Heimweg über erzählt hat, wie toll es im Kiga ist und dass er jetzt einen Freund hat, der ihm die Schuhe zubindet und mit ihm zur Toilette geht. Ich weiss nicht, ob ihm dieses Kind jetzt mehr Sicherheit gibt oder wie auch immer, es ist mir eigentlich auch egal. Mein Kind ist glücklich und ich bin es deshalb auch. Montag kann es nach dem Wochenende vielleicht noch mal kritisch werden, aber ich weiß jetzt, dass wir das schaffen und bin deshalb auch ruhiger und ausgelichener.

In dem Sinne: ein schönes Wochenende und nochmals Danke für Eure Unterstützung.

Nanu

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13. August 2006 um 9:13
In Antwort auf belda_12670253

@Kalani
Selbstverständlich ist ein Kind ein eigenes Wesen mit eigenen Empfindungen und eigenen Wünschen und Bedürfnissen. Leider wird das nur allzu oft übersehen. Schließlich ist es ja nur ein Kind. Das kann ja nicht wissen, was es will! Kinder sind jedoch total eigenständige Personen. Man kann sie nicht formen wie einen Klumpen Lehm. Das Kind entscheidet selbst, wie es auf etwas reagiert.

Also, 1. habe ich niemals geschrieben, daß Kinder nur darauf aus sind zu manipulieren bzw. nur darauf warten. Ganz im Gegenteil: Ich schrieb: Das Kind macht seine Erfahrungen. Hat es mit einem bestimmten Verhalten Erfolg, wird es es immer wieder machen. Weiterhin schrieb ich, daß das UNBEWUSSTE Vorgänge und Abläufe sind. Du findest, dass diese Aussage am Kern des Problems vorbeigeht?
Wenn der Kleine merkt, daß er mit seiner Aussage die Aufmerksamkeit seiner Mutter auf sich ziehen kann und sie damit beeindrucken kann, wird er es immer wieder tun. Wenn er älter ist, geht es dann einfach um andere Dinge. Bsp: Wenn Du heute abend weggehst, werde ich weinen usw.

2. Nicht nur Kinder sind Bindungswesen, sondern der Mensch an sich ist ein Gemeinschaftswesen. Ein Ur-Trieb des Menschen ist: sich zugehörig zu fühlen, das Gemeinschaftsgefühl!
Und das habe ich auch im anderen Beitrag geschrieben. Das Kind möchte sich zugehörig fühlen und zieht deshalb die Aufmerksamkeit der Mutter auf sich. Wenn es das nicht erreicht, indem es ruhig am Tisch sein Brot isst, wird es wohl eine neue Methode finden => gegen das Tischbein treten z.B.
Auch kokettieren ist eine Form von Aufmerksamkeit erregen. Die Mutter beachtet das Kind und das Ziel ist erreicht. Es fühlt sich zugehörig und wird nicht ignoriert. Ein vollkommen unbewusster Vorgang! Jeder von uns macht das! Nicht nur Kinder.

Natürlich ist es wichtig, daß der Kleine schon vorher die Möglichkeit hatte, sich die ganze Situation in Ruhe und ohne Druck anzusehen und auch dort zu spielen. Sowie Vertrauen zur Erzieherin aufzubauen. Dafür gibt es ja auch die sogenannten Schnuppertage. Und daß er die ersten drei Tage dort ja auch gespielt hat ohne zu schreien, zeigt ja daß er sich dort wohl gefühlt hat. Sonst wäre es gar nicht erst so weit gekommen. Die Basis war also geschaffen. Weiterhin schrieb ich, daß ich es besser finde, wenn sie die Zeit wenn möglich reduziert, sich aber vorher mit der Erzieherin absprechen soll.

3. Ein Dreijähriger kann sehr wohl die Verantwortung für sich selbst tragen. Vorraussetzung ist allerdings, daß man ihn sie tragen läßt. Fängt schon beim morgendlichen anziehen an.
Kleines Beispiel gefällig? Mein Sohn hat leider sehr schlechte Zähne und ist dann auch noch falsch behandelt worden vom Zahnarzt. Wir haben jetzt gewechselt und der neue Zahnarzt hat uns einige Tips gegeben. Wir haben mit unserem Sohn gesprochen und ihm gesagt, was passieren kann wenn er übermässig viele Süssigkeiten ist. Mittlerweile ist das ja nicht mehr zu vermeiden. An der Kasse, im Geschäft, egal wo man ist, man muß sich schon richtig gegen Süßkram wehren. Mein Sohn weiß, daß das nicht gut für ihn und seine Zähne ist und achtet selber mit darauf. Ich kann das doch nicht ständig kontrollieren. Und ich vertraue ihm. Damit übernimmt ER die Verantwortung für sich selbst und für die Gesundheit seiner Zähne.
Geht also doch...

Passende Lektüre dazu: Thomas Gordon - die (neue) Familienkonferenz
Rudolf Dreikurs: Kinder fordern uns heraus - wie erziehen wir sie Zeitgemäß?

Liebe Grüsse, Pennywise

@Pennywise
Hallo Pennywise,

ich habe dir keine böse Absicht unterstellt.
Zu deinem ersten Beispiel, wenn das Kind die Mutter dauernd ärgert, will es vielleicht zu Recht deren Aufmerksamkeit.
Die Aussage "hat es mit einem bestimmten Verhalten Erfolg, wird es diese immer wieder machen". Das klingt für mich mechanistisch. Und man könnte auch sagen, so what? Und außerdem bedeutet das auch, wenn ich ein Kind immer wieder weinen lasse, bedeutet das, dass es dann lernt, dass Weinen keinen Sinn hat, dass sein Kummer nicht gehört wird. Und damit hat man bestimmt nichts Tolles erzielt.
D.h. wozu setzt man diese Erkenntnis denn überhaupt ein???
2. die Schnuppertage sind glaube ich für manche Kinder nicht so toll, bzw. nicht genug. Natürlich ist es auch ein organisatorisches Problem, wahrscheinlich können die wenigsten Kindergärten wochenlang herumsitzende abschiednehmende Mütter in ihr Programm mit aufnehmen. Aber für die Zukunft wäre das ein wünschenswertes Modell.

3. nein, in diesem Punkt stimme ich dir immer noch nicht zu. Ein Dreijähriger kann nicht die Verantwortung für sich übernehmen, ich finde das auch eine sehr kalte Haltung dem Kind gegenüber: das mußt du jetzt selbst entscheiden, also das Kind hat dann den schwarzen Peter. Wenn dein Kind schlechte Zähne hat, dann mußt du mit ihm zum Zahnarzt, ihm die Zähne säubern lassen, Fluorpaste draufmachen, darauf achten, dass er jedesmal, wenn er etwas Süßes gegessen hat, die Zähne putzt. Und du mußt darauf achten, dass er nicht zuviel Süßes ist. Sorry, aber diesen Verzicht und Aufsicht kannst du keinem Dreijährigen übertragen, auch nicht teilweise. Denn Kinder lieben Süßes, sie brauchen die Unterstützung ihrer Eltern, um die Dosis zu bestimmen.
Ich bin mir sicher, dass mir die von dir empfohlenen Bücher nicht gefallen werden, weil sie total rational an die Probleme herangehen, habe mal Auszüge gelesen, schaue aber nochmals rein.
Viele Grüße
K.

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16. August 2006 um 16:10
In Antwort auf omid_12083546

@Pennywise
Hallo Pennywise,

ich habe dir keine böse Absicht unterstellt.
Zu deinem ersten Beispiel, wenn das Kind die Mutter dauernd ärgert, will es vielleicht zu Recht deren Aufmerksamkeit.
Die Aussage "hat es mit einem bestimmten Verhalten Erfolg, wird es diese immer wieder machen". Das klingt für mich mechanistisch. Und man könnte auch sagen, so what? Und außerdem bedeutet das auch, wenn ich ein Kind immer wieder weinen lasse, bedeutet das, dass es dann lernt, dass Weinen keinen Sinn hat, dass sein Kummer nicht gehört wird. Und damit hat man bestimmt nichts Tolles erzielt.
D.h. wozu setzt man diese Erkenntnis denn überhaupt ein???
2. die Schnuppertage sind glaube ich für manche Kinder nicht so toll, bzw. nicht genug. Natürlich ist es auch ein organisatorisches Problem, wahrscheinlich können die wenigsten Kindergärten wochenlang herumsitzende abschiednehmende Mütter in ihr Programm mit aufnehmen. Aber für die Zukunft wäre das ein wünschenswertes Modell.

3. nein, in diesem Punkt stimme ich dir immer noch nicht zu. Ein Dreijähriger kann nicht die Verantwortung für sich übernehmen, ich finde das auch eine sehr kalte Haltung dem Kind gegenüber: das mußt du jetzt selbst entscheiden, also das Kind hat dann den schwarzen Peter. Wenn dein Kind schlechte Zähne hat, dann mußt du mit ihm zum Zahnarzt, ihm die Zähne säubern lassen, Fluorpaste draufmachen, darauf achten, dass er jedesmal, wenn er etwas Süßes gegessen hat, die Zähne putzt. Und du mußt darauf achten, dass er nicht zuviel Süßes ist. Sorry, aber diesen Verzicht und Aufsicht kannst du keinem Dreijährigen übertragen, auch nicht teilweise. Denn Kinder lieben Süßes, sie brauchen die Unterstützung ihrer Eltern, um die Dosis zu bestimmen.
Ich bin mir sicher, dass mir die von dir empfohlenen Bücher nicht gefallen werden, weil sie total rational an die Probleme herangehen, habe mal Auszüge gelesen, schaue aber nochmals rein.
Viele Grüße
K.

Verantwortung übertragen
Hallo Kalani,


erstmal Danke für Deinen Beitrag.

Mit dem Kind Verantwortung übertragen meinte ich nicht, meine ganze Verantwortung abgeben. Natürlich muß auch ich die Verantwortung für die Zähne meines Sohnes übernehmen und ich wäre wirklich froh, wenn es mit Flourpaste getan wäre...

Allerdings ist es wichtig, daß er die Verantwortung mitübernimmt. Ich kann nicht immer kontrollieren, daß mein Sohn nur die Dinge isst, die seinen Zähnen nicht schaden. Und ich kann mich auch nicht auf die anderen verlassen, denen ich gesagt habe, wie schlecht seine Zähne sind und die ich gebeten habe, mit darauf zu achten. Aber ich kann meinem Sohn vertrauen, der weiß, was Zucker anrichtet bei ihm. Ich kann meinem Sohn vertrauen, der sich dann auch die Zähne putzt. Ich kann meinem Sohn vertrauen, daß er auch mal "nein" sagt. Das entbindet mich jedoch nicht davon, ihn daran zu erinnern die Zähne zu putzen. Ihm die Zähne nachzuputzen. Ihm zu sagen, was gut und was schlecht für seine Zähne ist.

Das ist die Verantwortung abgeben. Er muß auch mit darauf achten. Es sind seine Zähne. Und er muß dafür auch die Verantwortung mit übernehmen.



Nur wenn ich meinem Kind Verantwortung übertrage, nur wenn ich ihn miteinbeziehe und es auch die Konsequenzen tragen lasse, nur dann kann ein Kind lernen, was Verantwortung ist und was sie bedeutet. Die Konsequenz von "keine Zähne putzen" ist "keine Süssigkeiten". Und nur dann wird es später einmal Verantwortung tragen können. Wenn ich jedoch immer die Verantwortung für mein Kind übernehme, dann lernt es (und zwar auch ein kleines Kind - da ja in diesem Alter die Weichen für das ganze spätere Leben gestellt werden), daß es immer andere gibt, die die Verantwortung für es übernehmen und es sich nicht kümmern braucht.



Zum Beispiel mit dem Weinen: Jede Mutter kann unterscheiden, ob ihr Kind wahren Kummer hat oder nicht. Und ein Kind, bei dem gleich jeder springt wenn es weint, wird dieses Weinen benutzen. Es lernt nämlich (unbewußt!!!), daß es durch seine Weichheit und Zartheit andere in seinen Dienst stellen kann. Angst kann man benutzen. Wenn ein Kind Angst hat, wenn die Mutter abends mal weggeht, wird die Mutter nicht gehen. Das Kind benutzt also die Angst um die Mutter an sich zu binden.

Angst ist die beste Methode, etwas nicht zu tun. Wovor habe ich Angst vorm Zahnarzt? Ich denke, die Antwort ist klar... Angst ist aber nur das Fehlen von Mut. Und Mut kann man entwickeln.



LG, Pennywise

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17. August 2006 um 12:09
In Antwort auf belda_12670253

Verantwortung übertragen
Hallo Kalani,


erstmal Danke für Deinen Beitrag.

Mit dem Kind Verantwortung übertragen meinte ich nicht, meine ganze Verantwortung abgeben. Natürlich muß auch ich die Verantwortung für die Zähne meines Sohnes übernehmen und ich wäre wirklich froh, wenn es mit Flourpaste getan wäre...

Allerdings ist es wichtig, daß er die Verantwortung mitübernimmt. Ich kann nicht immer kontrollieren, daß mein Sohn nur die Dinge isst, die seinen Zähnen nicht schaden. Und ich kann mich auch nicht auf die anderen verlassen, denen ich gesagt habe, wie schlecht seine Zähne sind und die ich gebeten habe, mit darauf zu achten. Aber ich kann meinem Sohn vertrauen, der weiß, was Zucker anrichtet bei ihm. Ich kann meinem Sohn vertrauen, der sich dann auch die Zähne putzt. Ich kann meinem Sohn vertrauen, daß er auch mal "nein" sagt. Das entbindet mich jedoch nicht davon, ihn daran zu erinnern die Zähne zu putzen. Ihm die Zähne nachzuputzen. Ihm zu sagen, was gut und was schlecht für seine Zähne ist.

Das ist die Verantwortung abgeben. Er muß auch mit darauf achten. Es sind seine Zähne. Und er muß dafür auch die Verantwortung mit übernehmen.



Nur wenn ich meinem Kind Verantwortung übertrage, nur wenn ich ihn miteinbeziehe und es auch die Konsequenzen tragen lasse, nur dann kann ein Kind lernen, was Verantwortung ist und was sie bedeutet. Die Konsequenz von "keine Zähne putzen" ist "keine Süssigkeiten". Und nur dann wird es später einmal Verantwortung tragen können. Wenn ich jedoch immer die Verantwortung für mein Kind übernehme, dann lernt es (und zwar auch ein kleines Kind - da ja in diesem Alter die Weichen für das ganze spätere Leben gestellt werden), daß es immer andere gibt, die die Verantwortung für es übernehmen und es sich nicht kümmern braucht.



Zum Beispiel mit dem Weinen: Jede Mutter kann unterscheiden, ob ihr Kind wahren Kummer hat oder nicht. Und ein Kind, bei dem gleich jeder springt wenn es weint, wird dieses Weinen benutzen. Es lernt nämlich (unbewußt!!!), daß es durch seine Weichheit und Zartheit andere in seinen Dienst stellen kann. Angst kann man benutzen. Wenn ein Kind Angst hat, wenn die Mutter abends mal weggeht, wird die Mutter nicht gehen. Das Kind benutzt also die Angst um die Mutter an sich zu binden.

Angst ist die beste Methode, etwas nicht zu tun. Wovor habe ich Angst vorm Zahnarzt? Ich denke, die Antwort ist klar... Angst ist aber nur das Fehlen von Mut. Und Mut kann man entwickeln.



LG, Pennywise

Liebe Pennywise
können wir uns darauf einigen, dass es ein wechselseitiger Prozess ist?
Z.B. ist es bei uns im Kindergarten so, dass die Kinder auch in Winkeln des Kigas spielen können, in denen die Erzieherinnen nicht immer sehen, was passiert. Sie haben gesagt, dass die Kinder lernen müssen, mit dem Alleinesein umzugehen. Meinetwegen. Aber ich bleue meinem Sohn ein, was alles passieren kann. Wir üben oft, ich spiele ihm vor, wie Leute sich ihm nähern könnten "schau mal, willst du ein Stück Schokolade... " etc., oder "deine Mutter ist im Krankenhaus, ich soll dich schnell zu ihr bringen " (habe ich neulich im Fernsehen gesehen und sofort in unser Spiel miteinbezogen).
Er spielt es auch nach, er versteht, wie die Leute ihn täuschen könnten.
Auch haben wir Abmachungen, wir sagen uns immer wo wir sind. Auch das üben wir, auch das Zähneputzen üben wir, das Bewußtsein für gutes und schlechtes Essen, der Notwendigkeit nach wirklich süßen Mahlzeiten gleich die Zähne zu putzen. Irgendwann wird er das alles alleine können. Jetzt stehe ich noch begleitend an seiner Seite.
An das Kind Verantwortung abgeben, das entschuldigt und entlastet den Erwachsenen ungebührlich.
Wenn ein Kind weint, dann meint es das auch so. Es benutzt die Mutter nicht.
Bin gerade in einem Schwimmkurs, intensiv, zwei Wochen mit meinem Sohn. Ich bin sehr stolz, er winkt kurz im Ankleideraum und entschwindet dann wie ein Großer eine Stunde zum Schwimmenlernen. Er ist sehr relaxed, froh und ganz sicher, dass ich noch da bin, ihn wieder abholen werde.
Ein Mädchen weint schon seit anderthalb Wochen jedes Mal herzzerreissend. Ist das richtig, zwingt dieses Mädchen seine Mutter? Es hat einfach nur Angst, so einfach ist das und ich finde es sadistisch, dieses Mädchen zu diesem Kurs zu zwingen. In einem halben Jahr hätte es vielleicht keine Angst mehr, der Kurs könnte auch für dieses Mädchen eine positive nette Erfahrung sein.
Ich denke, wenn Kinder reif für eine Erfahrung sind, dann machen sie diese auch und zwar ohne größeren Stress und Weinen.
Wir meinen immer, wir müßten sie zu ihrem Glück zwingen. Das ist aber falsch und erzeugt bloss unnötige Tränen.
Kummer ist Kummer, Schmerz ist Schmerz und der sollte doch im zarten Kindesalter so weit wie möglich vermieden werden.

Liebe Grüße
K.

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