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Verhaltensauffälligkeit bei 13jährigem

29. November 2006 um 9:31 Letzte Antwort: 29. November 2006 um 16:22

Hallo,
ich könnte ganze Romane schreiben, beschränke mich nun aber mal auf das Wesentliche:
Mein Sohn ist 13 und geht in die 8. Klasse Realschule.
Die Pubertät hat bei ihm noch nicht so richtig begonnen, wenigstens dahingehend haben wir keine Probleme (bezüglich Alkohol, Klamotten, abends weggehen etc.).
Schon seit seiner Kindergartenzeit fällt er auf. Er kann sich nicht in eine Gruppe integrieren, will immer recht haben, stört und nervt die anderen.
Auf Kindergartenfotos steht er außen, dreht sich von den anderen weg und blickt nicht in die Kamera. Erzieherin, sämtliche Lehrerinnen der Grundschule und auch jetzt in der Realschule bescheinigen mir, er wäre ein netter Junge, der aber Probleme im Sozialverhalten und mit der Konzentration hat.
Beispiel Rechenaufgaben: ich gebe ihm 10 Aufgaben mit Subtraktion, fast alle falsch.
Eine Stunde später das gleiche nochmal, andere Aufgaben, wieder Subtraktion, alle richtig. Es liegt nicht am Nicht-Können, sondern an der Konzentration.
So ist das bis heute. Er vergisst ständig etwas, er lernt nicht, hat keine Freunde (bzw. immer mal zeitweise, bis die Eltern des anderen Kindes den Umgang mit meinem Sohn wieder verbieten). Und am Schlimmsten: er lernt nicht aus seinen Fehlern und Misserfolgen. Es hilft kein gutes Zureden, keine Strafen, nichts. Andererseits beklagt er sich dann hin und wieder, warum er keine Freunde hat.
Ab und zu geht es für einige Tage besser, wenn mein Mann ein Machtwort spricht. Dann räumt er sein Zimmer auf, macht mal freiwillig irgendwas, aber nach wenigen Tagen, wenn der Ärger abgeflaut ist, ist alles wieder beim alten.
Auch die Lehrer sagen, man kommt bei ihm leider nur mit Strenge weiter.
Aber ich möchte das nicht. Ich würde mir wünschen, dass er VON SICH AUS Harmonie möchte, einfach mal ohne Aufforderung etwas für andere tut, einfach um des lieben Friedens willen.
Ach ja: er hat übrigens KEIN ADS. Haben wir bereits abklären lassen. Der Test ergab, dass er einfach keine Lust hat, sich anzustrengen!!!
Kennt jemand das Problem? Gibt es außer mir noch andere Mütter, die ständig hinterher sein müssen, damit alles funktioniert?

ente34

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29. November 2006 um 11:51

Ich beschränke...
mich auch mal auf das Wesentliche

Könnte es sein, dass dein Sohn sich einfach daran gewöhnt hat, dass du ihn ständig antreibst? (Ich - 3 Kinder - nenne dies das "Kameltreibersyndrom" und beobachte es bei mir auch hin und wieder, versuche es aber zu bekämpfen). Es ist für manche Kinder offenbar ziemlich bequem, die Prioritäten von anderen sortieren zu lassen: "Wenn es wirklich wichtig ist, wird sie schon nicht locker lassen, sonst kann ich mir das genauso gut sparen" oder so. (Das gilt für Eltern und Lehrer gleichermaßen.) Ich denke, man kann nur dagegen arbeiten, indem man den "Kandidaten" mal ordentlich auflaufen lässt. Allerdings weiß ich nicht (meine Großen sind 9 und 7), ob du das mit 13 noch hinbekommst. Einen Versuch wäre es wert. Etwa so: Was passiert, wenn du dich einen Monat nicht um den Zustand seines Zimmers kümmerst? Vielleicht muss er erst mal richtig im Dreck gehockt haben, um zu kapieren, dass er mit dem Aufräumen nicht dir einen Gefallen tut, sondern sich selbst. Hmm, mit der Schule wird es in dem Alter schwieriger... Ich habe zum Beispiel mit meinem Mittleren vereinbart, dass ich mich nicht mehr drum kümmere, ob und wann und wie er die Hausaufgaben macht. (Bis dahin war ich ihm ständig hinterhergerannt.) Es klappt wirklich gut seitdem - er hat verstanden, dass er mich nicht mehr ärgern kann, wenn er demonstrativ bei den Aufgaben rumschludert... Weil es mir manchmal schwer fällt, mich nicht einzumischen, gehe ich seit neuestem gern nachmittags (zur "Hasuaufgabenzeit) mit dem Jüngsten spazieren Räumliche Entfernung bringt auch was!

Was ihm vielleicht helfen würde, wäre Selbstbestätigung. Vermutlich habt ihr schon oft über Sportgruppen etc. nachgedacht - redet doch einfach noch mal drüber! Wenn er was machen kann, wozu er wirklich Lust hat, findet er vielleicht auch Spaß an der Anstrengung. (Bei meinem Sohn heißt das Zauberwort Musik: Singen kann man, ohne sich bewegen zu müssen , und Klavierspielen ist offenbar ein Zappligkeitsableiter. Beides macht er freiwillig trotz langer Anfahrtswege!)

Tja - und was das "für andere tun" betrifft: Da bin ich (tschuldigung) eher pessimistisch. Es gibt Leute, die sehen einfach nicht, was ihren Mitmenschen gut täte. Keine Ahnung, ob sich das durch Erziehung ausbügeln ließe... Ich fürchte, du musste dich damit wohl vorerst abfinden. Versuch fürs erste wenigstens zu erreichen, dass er sich um seinen eigenen Kram selbst kümmert, und reib dich nicht so auf...

Alles Liebe, tiny

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29. November 2006 um 16:22
In Antwort auf birgit_11892245

Ich beschränke...
mich auch mal auf das Wesentliche

Könnte es sein, dass dein Sohn sich einfach daran gewöhnt hat, dass du ihn ständig antreibst? (Ich - 3 Kinder - nenne dies das "Kameltreibersyndrom" und beobachte es bei mir auch hin und wieder, versuche es aber zu bekämpfen). Es ist für manche Kinder offenbar ziemlich bequem, die Prioritäten von anderen sortieren zu lassen: "Wenn es wirklich wichtig ist, wird sie schon nicht locker lassen, sonst kann ich mir das genauso gut sparen" oder so. (Das gilt für Eltern und Lehrer gleichermaßen.) Ich denke, man kann nur dagegen arbeiten, indem man den "Kandidaten" mal ordentlich auflaufen lässt. Allerdings weiß ich nicht (meine Großen sind 9 und 7), ob du das mit 13 noch hinbekommst. Einen Versuch wäre es wert. Etwa so: Was passiert, wenn du dich einen Monat nicht um den Zustand seines Zimmers kümmerst? Vielleicht muss er erst mal richtig im Dreck gehockt haben, um zu kapieren, dass er mit dem Aufräumen nicht dir einen Gefallen tut, sondern sich selbst. Hmm, mit der Schule wird es in dem Alter schwieriger... Ich habe zum Beispiel mit meinem Mittleren vereinbart, dass ich mich nicht mehr drum kümmere, ob und wann und wie er die Hausaufgaben macht. (Bis dahin war ich ihm ständig hinterhergerannt.) Es klappt wirklich gut seitdem - er hat verstanden, dass er mich nicht mehr ärgern kann, wenn er demonstrativ bei den Aufgaben rumschludert... Weil es mir manchmal schwer fällt, mich nicht einzumischen, gehe ich seit neuestem gern nachmittags (zur "Hasuaufgabenzeit) mit dem Jüngsten spazieren Räumliche Entfernung bringt auch was!

Was ihm vielleicht helfen würde, wäre Selbstbestätigung. Vermutlich habt ihr schon oft über Sportgruppen etc. nachgedacht - redet doch einfach noch mal drüber! Wenn er was machen kann, wozu er wirklich Lust hat, findet er vielleicht auch Spaß an der Anstrengung. (Bei meinem Sohn heißt das Zauberwort Musik: Singen kann man, ohne sich bewegen zu müssen , und Klavierspielen ist offenbar ein Zappligkeitsableiter. Beides macht er freiwillig trotz langer Anfahrtswege!)

Tja - und was das "für andere tun" betrifft: Da bin ich (tschuldigung) eher pessimistisch. Es gibt Leute, die sehen einfach nicht, was ihren Mitmenschen gut täte. Keine Ahnung, ob sich das durch Erziehung ausbügeln ließe... Ich fürchte, du musste dich damit wohl vorerst abfinden. Versuch fürs erste wenigstens zu erreichen, dass er sich um seinen eigenen Kram selbst kümmert, und reib dich nicht so auf...

Alles Liebe, tiny

Hallo Tiny
Danke für Deine Antwort.
Leider interessiert ihn der Zustand seines Zimmers nicht im geringsten.
Und die Auflauf-Methode (hört sich irgendwie nach Essen an) haben wir auch schon probiert. Ob Mitteilungen von der Schule oder Nachsitzen, es ist ihm egal.
Sport macht er, sogar recht gerne. Ansonsten kann er wunderbar malen, hat in der Schule sogar den künstlerischen Zweig gewählt, aber er strengt sich auch da nur bei den Bildern an, die ihm zusagen. Auf ein Landschaftsbild bekam er kürzlich eine 4-.
Laut Lehrer hat er total geblockt und sich verweigert. Das nächste Bild, gleicher Stil (Impressionismus) war eine 1. Seltsam, oder?
Um ihm die Schule mit diesem speziellen künstlerischen Zweig ermöglichen zu können, sind wir sogar umgezogen. Nun hat er schon mal verlauten lassen "da wär ich ja lieber noch in den Mathe-Zweig gegangen!" und beruflich machen will er in der Richtung auch nichts. Seine Bemerkung fand ich unverschämt und verletzend.
Er vergisst aber auch Dinge, die für ihn zum Vorteil sind. Beispielsweise, wenn wir planen, dass ich mit ihm am Wochenende zu einer Technikausstellung fahren (da wollte ER hin, nicht ICH). Er vergisst es einfach.
Manchmal denke ich, er ist nicht normal. Sorry, dass ich als seine Mutter das sagen muss, aber andere Kinder lernen aus ihren Fehlern. Wieso er nicht?
Als meine Eltern mich früher bestraft haben (Hausarrest oder dergleichen) habe ich den Fehler, um den es damals ging, nie wieder begangen. Mein Sohn sitzt sein Hausarrest ab und macht bald darauf das gleiche wieder. Es interessiert ihn einfach nicht. Ihn interessiert keine Strafe, keine Belohnung, kein vernünftiges Gespräch....
Tut mir leid, dass ich mich hier so auskotze, aber ich könnte manchmal nur noch heulen.

ente34

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