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Umfrage: Hättet Ihr als Mutti ihn helfen lassen?

7. April 2002 um 20:20 Letzte Antwort: 21. April 2002 um 22:29

Hallo,

ich hatte bzw. habe (?) ein Problem mit meinem Sohn (12). Ich habe deswegen auch schon mal woanders gefragt, aber fast nur blöde Antworten oder solche erhalten, mit denen ich nichts anfangen konnte. Deshalb versuche ich es jetzt hier noch mal. Es ist letztes Jahr passiert, ich dachte, es wäre schon vergessen, aber neulich hat er wieder mit seinem besten Freund darüber gesprochen und über mich "geschimpft".

Wir sind letztes Jahr mit unserem Auto auf einem Feldweg im Schlamm versunken. Ich bin mit meinem Sohn ausgestiegen und wir haben hinten am Kofferraum angeschoben, es hat aber gar nichts genützt (wir haben leider einen riesigen Mercedes).

Nach einer Weile sind dann andere Frauen und Männer gekommen, die alle angepackt haben.

Wir haben den Wagen mindestens zwei Stunden lang schieben, ziehen und schaukeln müssen, weil er zum Schluß bis an die Bodenbleche im Dreck steckte.

Die erste Viertelstunde habe ich ihn an der Seite am offenen Fenster mithelfen lassen. Dann habe ich es ihm verboten, weil er schon einen ganz roten Kopf hatte, und ich wollte nicht, daß er sich überanstrengt oder wehtut.

Außerdem hatte er kurze Seppelhosen an, die ziemlich neu und relativ teuer waren, und ich wollte nicht, daß er sich die gleich ruiniert, wenn er z.B. beim Stemmen ausrutscht und auf den Boden fällt. Er hat zwar gemeutert, aber diesmal bin ich hart geblieben.

Er ist dann die restliche Zeit mit den anderen Kindern danebengestanden und hat zugeschaut.

Zum Schluß mußten wir das Auto sogar rundherum unten anpacken und tragen, weil gar nichts mehr vor und zurück ging.

Ich finde, daß Schieben und Rausheben von einem Mercedes nichts für 12-Jährige ist, andererseits bin ich schon etwas älter, und man sagt ja, daß ältere Mütter schneller besorgt und vorsichtig sind.

Wenn Ihr die Mutti gewesen wärt: Hättet Ihr ihn dabei mithelfen lassen? Das würde mich wirklich interessieren.

LG Uschi

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7. April 2002 um 22:34

Kommt drauf an
Hallo Uschi,

ich wäre auch besorgt gewesen. Aber ich hätte mir was überlegt, um ihn "gut" zu stimmen
Er hätte z.B. das Lenkrad lenken "müssen" (ständig andere Richtung etc.). Aber mit anschieben? Neee!! Finde, Du hast richtig gehandelt (und ich bin 30.. also unabhängig vom Alter).

Viele Grüße

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8. April 2002 um 0:51

Entwicklungsphase
Hallo Uschi
Dein Sohn ist jetzt in einem Alter, wo er nicht hier und da "angesiedelt" ist. Kein richtiges Kind mehr und auch noch kein Erwachsener. Doch sicher möchte er schon seinen Mann stehen. Wenn Mütter da manchmal etwas bremsend einwirken (auch wenn das nachgetragen wird), kann das doch oft zum Besten der kleinen "Möchtegernmänner" sein. Da er heute noch darüber schimpft, denk ich, handelt es sich weniger um die vergangene Situation selbst, sondern um eine Problematik, die auch heute noch Thema für ihn ist. Es gibt sicher Situationen - die für ihn keine Gefahr darstellen - und die er schon als "Mann" meistern kann. Ich mein damit, alle Situationen, wo er Verantwortung trägt und die er selbst meistert. Ich denke, wenn du da die Augen offen hälst und ihm dafür Anerkennung aussprichst, wird das Auto-Erlebnis bald mal an Wichtigkeit verlieren.
Liebe Grüße
Kassiopeia

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8. April 2002 um 9:08

Erstmal vielen Dank
Hallo an alle,

erst mal vielen Dank für die ersten Rückmeldungen.

@ Nr. 1: Meiner ist nicht 178 gross und kräftig, sondern 170 und eher schmächtig.
@ Nr. 2: Ja, das sind interessante Gedanken. Muss ich mal überprüfen ...
@ Nr. 3: Genau das habe ich auch überlegt! Gedankenübertragung! Als der Benz so tief im Schlamm war, das auch Gasgeben nichts mehr genützt hat (hätte er nie tun können), habe ich ihn kurz mal reingesetzt zum Lenkrad gerade halten. Wir haben gesagt, gut, er ist der Leichteste von allen, das macht das Auto zum Rausschieben und Raustragen auch nicht viel schwerer. Aber er wollte bald wieder raus.

@Alle: Mir ist noch eine Idee gekommen: Zwei andere Jungs bekamen von ihren Eltern erlaubt, an den freien Stellen mitzuhelfen, und die waren auch so etwa in seinem Alter. Vielleicht ist er deshalb sauer. Aber ich finde es irgendwie nicht ok, wenn solche Burschen mithelfen (dürfen), einen Mercedes 300 SE zu schieben und zu tragen. Das war ja schon für uns Erwachsene riesig anstrengend.

Na gut, mal sehen, ob noch andere etwas dazu sagen.

LG
Uschi

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9. April 2002 um 4:16

Warum denn nicht?
Also ich hätte ihn helfen lasse, soweit er sich die Hosen nicht so dreckig gemacht hätte, daß man es nicht mit Reinigung herausbekommen hätte. Wenn die Hose denn so teuer gewesen ist, verständlich.
Aber warum sollte er denn nicht mithelfen? Das gibt doch ein Gefühl von Gemeinsamkeit, stärkt also das Bewußtsein und das miteinander als Mutter / Sohn. Solche Erlebnisse machen doch stolz, nach dem Motto: gemeinsam haben wir das geschafft, also schaffen wir auch andere Dinge zusammen!
Dann glaube ich aber auch kaum, daß er sich so angestrengt hätte, daß ihm gesundheitlich etwas hätte zustossen können. Selbst als 12 hähriger kennt man doch die Grenzen seiner Kraft. Wenn sowieso mehrere geholfen haben, merkt doch keiner, wie sehr der andere schiebt, also folglich kann jeder seine Kraft selber einteilen.
Das Leben besteht auch aus Mißerfolgen, deswegen muß man auch lernen, dass man alleine oftmals nicht viel bewirken kann. Also eine Art Schule. Kinder müssen auch Schürfwunden davontragen, man kann ihnen die Hand reichen, aber laufen müssen sie alleine. Ihr seid in eben dieser Phase, die schon angesprochen wurde, kein Kind mehr und kein Mann. Ich glaube das nennt man Pubertät und man wird erwachsen und kann plötzlich Dinge, von denen andere glauben, man kann sie noch nicht.

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21. April 2002 um 22:29

Doch, hätte er!
Hallo Uschi,
ich hatte mal mit meinen Eltern das gleiche Problem, allerdings war ich schon viel älter und hatte einen sündteuren Wintermantel an und sollte nicht schieben dürfen, tat es trotzdem und danach war er voll Matsch....
Aber nun zu meinem Gedankengang. Ich hatte geholfen, mit meiner mir zur Verfügung stehenden Kraft um das Auto zu bewegen und aus der Kule zu retten. Deinem Sohn geht es evtl. ähnlich.

1. Er wollte seiner Mama und den anderen Umstehenden beweisen, dass er schon ein richtiger Mann ist.
2. Durch Dein Verbot kam er sich wie ein kleiner Junge von 6 Jahren vor, der nichts darf.

Ich kann Deinen Gedankengang nachvollziehen aber Dein Sohn sieht den Vorfall aus seiner Perspektive. Du hast ihn zurückgesetzt und traust ihm nichts zu. Die anderen halten ihn für ein verwöhntes Weichei! Er ist doch kein Baby mehr. Er kann noch nicht die mütterlichen Ratschläge verstehen, dass kommt erst sehr viel später.
Ich hätte meinen Sohn mitmachen lassen, nur das er dabei ist und er danach ein bischen protzen kann, das brauchen die fast Jugendlichen in dem Alter. Überanstrengt hätte er sich sicherlich nicht, denn so vernünftig sind sie dann doch. Lieber etwas vorgaukelt. Und die Hose: Es gibt Reinigungen und Waschmaschinen mit klasse Waschmittel, Fleckenlöser, etc. Ans Zerreissen wollen wir nicht denken!
So, ich hoffe ich habe alle Gedankengänge untergebracht. Traue Deinem Sohn mehr zu und erlaube ihm soetwas auch. Vielleicht solltest Du mit ihm über die damalige Situation reden und es ihm noch mal aus Deiner Warte erklären und ihm auch sagen, dass Du ihn für einen ganz tollen Kerl hältst und Du hast nur die Hose gesehen (flunker....).
Viel Glück und liebe Grüsse
Forumsel

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