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Trotz Psychoterror mit den Eltern zusammenleben - NUR aus Anerkennung?

11. Januar 2017 um 20:32

Hallo ihr lieben,
Ich würde gerne eure Meinung zu einem Thema hören, das schon länger an mir nagt.

Die familiäre Situation war schon immer recht angespannt bei uns. Im Prinzip herrschte zwischen den Eltern immer eine emotionale Kälte - schwer zu beschreiben und einzuordnen. Hinzu kam, dass meine Eltern immer im gleichen Haus mit den Großeltern wohnten, was wirklich permanent zu Streit, Hass und Reibereien führte. Mein Vater ist mittlerweile über 60 und versinkt in Selbstmitleid, dass er sich nach wie vor von seiner 85-jährigen Mutter herumkommandieren und erpressen lässt (wenn du nicht sofort xy machst, kriegst du das Haus nicht / streich ich dich aus dem Testament usw ...). Mein Bruder und ich waren schon als Kinder ständiger Kontrolle durch die Oma ausgesetzt (wo geht ihr hin? Wann kommt ihr nach Hause? Ihr wollt doch nicht etwa Freunde einladen usw ...). Kurz: Es war immer sehr schwierig, sowohl mit den Großeltern und den Eltern für sich als auch durch die ständigen Streitereien.

Nun hatte ich kürzlich ein langes Gespräch mit meinem Bruder. Ich selbst bin mit Anfang 20 von zu Hause ausgezogen und erst seitdem hat sich das Verhältnis zu den Eltern gebessert. Mein Bruder wohnt nach wie vor mit Ende 20 bei den Eltern und ist sichtlich genervt (Situation Oma - Eltern, aber auch von den Eltern selbst, die sich zu ähnlichen "Schwiegermonstern" entwickeln wie Oma und Opa damals). Ich habe ihm wie so oft geraten, eine kleine Wohnung zu nehmen, vielleicht auch mit seiner Freundin zusammen. Da meiner Meinung nach die persönliche Freiheit und das eigene psychische Wohlbefinden einfach wichtiger sind, als mietfrei in einem Haus zu wohnen. Da haut mein Bruder den Satz raus: Aus Respekt bzw. Anerkennung vor unserem Vater, der das Haus selbst ausgebaut hat, alle Renovierungen selbst vornimmt, ständig Geld ins Haus steckt usw ... MUSS er zu hause wohnen bleiben.

Er "opfert" sich also selbst auf - im Vergleich zu mir, die es sich leicht macht und lieber wegzieht. Dazu muss ich sagen, dass ich seit ich ausgezogen bin selbst für mich aufkomme. Nun denken mein Freund und ich über Kinder nach. Und allein die Vorstellung, zurück in das Elternhaus zu gehen, also unser Kind solchem Stress auszusetzen und so miteinander zu reden, wie es Eltern und Großeltern jahrelang gemacht haben ... macht mich halb verrückt. Klar, es ist traurig, wenn all die Mühen unseres Vaters umsonst waren und das Haus irgendwann verkauft werden muss. Aber selbst in Kauf zu nehmen, auf Dauer unglücklich zu sein? Ich finde, da hätten uns unsere Eltern ebenfalls Respekt entgegenbringen müssen, auch wenn wir "nur" die dummen Kinder waren / noch immer sind.

Wie seht ihr das? Ist es verwerflich zu sagen, dass man lieber ein eigenes Haus baut oder in einer Wohnung lebt um Streit aus dem Weg zu gehen? Oder geht die "Familie" um jeden Preis vor?

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12. Januar 2017 um 9:52

Hallo, 
puh das klingt ganz schön verzwickt. Ich habe aber glaube ich einen sehr guten Rat für dich. Ich habe mal von einem sehr weisen Menschen gelernt, dass man nur für andere eine Bereicherung ist und da sein kann, wenn man mit sich selbst gut umgeht. Das klingt vielleicht ein bisschen esotherisch, aber da steckt viel Wahres drin.
Ich glaube, wenn du bei dir bist und deine Bedürfnisse kennst, kannst du viel sensibler auf deinen Vater eingehen. Er wird sicherlich verstehen, dass du als erwachsene Person deine eigenen Träume und Vorstellungen hast.
Du kannst ihm ja weiterhin Anerkennung und Dankbarkeit zeigen, dass er für die Familie ein ganzes Haus aufgebaut und in Schuss gehalten hat. Diese tolle Leistung, darf er aber nicht als Druckmittel gegen dich verwenden. Dann ist es nämlich keine selbstlose Freundlichkeit, sondern fast schon emotionales Erpressen. Und das ist unfair.

Bleib mit deinen Gefühlen bei dir und nimm die auch ernst - das ist mein Rat an dich. Am besten erklärst du deinem Vater auch ganz einfühlsam, dass es nichts mit ihm zu tun hat.

LG Juliana    

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12. Januar 2017 um 10:02

Du machst das richtig. Man hat nur ein Leben und du siehst an ihnen wie es wird, wenn man sich selbst ausser acht läßt. Ein Leben sollte lebenswert sein und nicht durch andere ins negative gezogen werden. Im Endeffekt ja nur damit sie einen Prellbock haben. Du musst nicht der "Sklave" deiner Eltern sein nur weil sie deine Eltern sind. Sie sind für ihr Leben selbst verantwortlich! Und du für deine! 
Lerne aus ihren Fehlern und führe dein Leben so wie du es für richtig hälst und vorallem dort wo du glücklich wirst.

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12. Januar 2017 um 15:44

alle Renovierungen selbst vorzunehmen und ständig Geld ins Haus zu stecken ist doch wohl die Entscheidung Eures Vaters, oder?
Wenn er als Vater gern glauben würde, dass er das für die Kinder tut und nicht nur für sich selbst, dann wäre zumindest so viel "Respekt und Anerkennung" nötig, dass er das mit den Kindern auch abstimmt - ob es denen das wirklich wert ist, ob sie das auch (unter diesen Umständen) wollen usw. - scheint mir nicht der Fall zu sein. Nach dem, was Du schreibst ist das eher ein "ich entscheide und ich mache mal und weil ich mich ja dafür soooo ins Zeug lege, müßt Ihr den Dreck, der dabei aufgewirbelt wird, kommentarlos schlucken, ob Ihr wollt oder nicht".

Also wofür bitte "Respekt und Anerkennung"? Dafür, dass Euer Vater halt seinen Entscheidungen für sich trifft und Ihr gefälligst die Folgen zu tragen habt, koste es, was es wolle? Das ist aus meiner Sicht nichts, was "Respekt und Anerkennung" verdient. Wenn man etwas für sich selbst tut - ist das da gute Recht jedes Menschen, aber Anerkennung, dass man für die eigenen Ziele strampelt, ist optional. Wenn man etwas (auch) für andere Menschen tun möchte, dann darf man Respekt, Anerkennung und Dankbarkeit nur erwarten, wenn man es auch wirklich FÜR diejenigen tut - und das bedingt nun einmal, dass die das auch so wollen würden. Nicht nur, dass man glaubt, das sie das möchten oder irgendwie davon ausgeht, dass sie es toll zu finden hätten oder sich einredet, dass es etwas tolles ist oder...
Alles andere kann zumindest ich (!) nicht mal im Ansatz respektieren.

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