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Trennung von Mann mit Persönlichkeitsstörung und Alkoholproblem, zwei kleine Kinder

5. August 2013 um 0:19

Hallo zusammen,
Ich weiß nicht so recht wo ich anfangen soll. Ich versuche einfach mal meinen Gefühlen freien Lauf zu geben.
Vor etwa zehn Jahren habe ich meinen Mann kennengelernt. Er hat mich mit seiner charmanten Art sofort in seinen Bann gezogen. Noch nie zuvor hat mir ein Mann das Gefühl gegeben so begehrenswert zu sein. Er hat mich förmlich auf Händen getragen. Er sprach sehr schnell vom Heiraten und von gemeinsamen Kindern. Mir ging das zwar alles zu schnell aber ich hatte das Gefühl wirklich geliebt zu werden. Wir führten ein halbes Jahr eine Fernbeziehung. Jedes Wochenende fuhr ich 450 km um ihn endlich wieder sehen zu können. Im Nachhinein wird mir bewusst das mir damals schon was hätte auffallen müssen, denn wenn ich mal ein Wochenende in der Heimat mit meinen Freunden verbringen wollte, drängte er mich mit seinen Liebesbekundungen, er würde es nicht zwei Wochen ohne mich aushalten, er würde mich sooo vermissen. Diese scheinbar, echte, aufrichtige Liebe brachte mich jedes Wochenende dazu wieder zu ihm zu fahren. Er hatte damals keinen Führerschein, deshalb nahm ich jedes Wochenende die 900km auf mich. Immer wieder bat er mich zu ihm zu ziehen. Nach einem halben Jahr brach ich meine Zelte ab und zog zu ihm. Wir hatten wirklich eine tolle Zeit zusammen und hatten sehr viel Spaß. Wobei ich im Nachhinein sagen kann, er hat mich immer zum Alkohol verführt und ich werde unter Alkoholeinfluss sehr lustig und gesellig. Ich hab damals schon nach seinen Regeln gespielt, nur ist mir das nicht aufgefallen.
1,5 Jahre später heirateten wir. Dabei hatte ich damals schon Zweifel. Aber er hat es mit seinen manipulierenden Worten immer geschafft mich zu überzeugen das es das richtige sei. Da unser Kinderwunsch lange unerfüllt blieb mussten wir nach 5 Jahren das 'Übens' eine künstliche Befruchtung machen. Das Ergebnis war negativ. Danach ist er dem Alkohol noch mehr verfallen. Mir reichte es und zum ersten mal trennte ich mich von ihm. Er entschuldigte sich, schwor mir nie wieder Alkohol zu trinken und fing wieder an mich zu vergöttern. Da er zu der Zeit nichts getrunken hat verzieh ich ihm fast alles, die ständige Kritik an meiner Person etc. Damals schob ich all sein Fehlverhalten, die Paranoia gegenüber anderen, seine Selbstverherrlichung, etc. auf das Alkoholproblem und war der Überzeugung alles würde gut werden. Nach 4Monaten ohne Alkohol willigte ich ein nochmal eine künstliche Befruchtung zu machen. Diesmal war das Ergebins positiv und ich war schwanger.
Eigentlich hätten wir glücklich sein können aber da ging der Terror erst richtig los. Er fing wieder an zu trinken und ich ekelte mich vor seiner Alkoholfahne. Wir hatten viel Streit. Er redetet mir immer ein es läge an meinen Schwangerschaftshormonen... und ich glaubte ihm. Dabei sagt jeder der mich kennt ich wäre ein sehr rationaler, diplomatischer und friedliebender Mensch. Ich wurde ständig gedemütigt, von oben herab behandelt. In der Schwangerschaft kam es auch zum ersten mal dazu das er handgreiflich wurde. Er schubste mich damals zu Boden und beleidigte mich massiv 'ich nagel dich an die Wand du ... Ich war total verzweifelt, da war unser gemeinsames Kind in meinem Bauch und er war so wiederwärtig zu mir. Ich wollte ihn wieder verlassen. Aber tagelang redete er auf mich ein, gab mir die Schuld, ich würde wegen meinen Hormonen total durchdrehen, er liebe mich doch über alles. Ich blieb, war ich doch guter Hoffnung, wenn unsere Tochter erst mal geboren ist wird alles gut.
Die Geburt verlief komplikationslos und er war dabei und stützte mich. Am ersten Tag nach der Geburt kam er mich besuchen. Betrunken! Aber er hatte ja eine Ausrede, er hat unterwegs einen Kumpel getroffen und musste auf die Geburt seiner Tochter anstoßen. Nicht mal Blumen oder ein Geschenk hatte er dabei. Die folgenden drei Tage kam er immer angetrunken in die Klinik. Da ich nur Augen für unsere wunderschöne, perfekte Tochtet hatte, regte ich mich nicht mal darüber auf. Am Abend vor der Entlassung aus der Klinik feierte er mit Freunden 'Babypinkeln' Um 10:30 durfte ich die Klinik verlassen und rief ihn an, er wirkte verkatert, sagte aber er komme sofort. Auf gepackten Koffern saß ich da und wartete mit meiner wunderschönen Tochter. Nach einer Stunde fragte mich das Klinikpersonal ob ich jetzt das Zimmer Räumen könnte, ich rief meinen Mann an, der schon 45 min überfällig war und merkte sofort, daß ich ihn aus dem Schlaf gerissen hatte. Er entschuldigte sich und versprach sofort zu kommen.
Jede Mutter weiß, das drei bis vier Tage nach der Geburt ein emotionales Tief kommt, aber wenn man dann noch so enttäuscht wird... Krass. Bis zu seiner Ankunft heulte ich wie ein Schlosshund.
Ich war trotzdem so froh als er da war und er beruhigte mich gleich mit seinen Worten. Zuhause ging es dann aber weiter, er legte sich gleich schnarchend ins Bett, das Haus sah aus wie ein Schlachtfeld. Ich stand da allein mit einem kleinen schreienden Säugling, einem bellenden Hund, unausgepackten Kliniktaschen, meinen Dammschnittschmerzen und dem emotionalen Tief. Als er aufwachte war ich gerade dabei das ganze Chaos zu beseitigen. Sofort fing er an mich zu kritisieren, ich hätte mich gefälligst mich auszuruhen, warum ich denn jetzt aufräumen würde. Als ich sagte ich hätte gern die Taschen ausgepackt und alles schön ordentlich wurde er richtig wütend.
Ich denke so ungern an die ersten Stunden Zuhause nach der Geburt unserer ersten Tochter zurück, ich hatte mir das alles so romantisch vorgestellt.
Wie auch immer, ich habe gerade zu weit ausgeholt. Die Zeit danach war zwar auch noch geprägt von seiner narzisstischen, paranoideren Persönlichkeitsstörung aber ich bin voll und ganz in meinem Mamasein aufgegangen. Das war wie ein Panzer für mich.
Kaum neun Monate später hielt ich einen positiven Schwangerschaftstest in der Hand. Einfach so, die Chancen für eine spontane Schwangerschaft lagen bei unter 0,01%.
Es ging trotzdem ständig weiter mit den Abwertungen mir gegenüber. Ich wurde von ihm wie ein kleines Kind behandelt, fast jeder Satz begann mit 'Du musst' Ständig wurde meine Erziehung kritisiert, ich solle das Baby schreien lassen, ich müsse härter sein, das Kind würde verweichlichen, ich solle aufhören zu stillen. Er war sehr eifersüchtig. Zum ersten mal hab ich mich energisch gegen ihn durchgesetzt, niemals habe ich unsere kleine Tochter schreien lassen. Er war furchtbar wütend deshalb. Auch wenn ich ihm jedes mal versucht habe ruhig zu erklären, das es wichtig für das Urvertrauen sei ein kleines Baby nicht grundlos weinen zu lassen und er ja keine Nachteile habe, weil ich das alleine übernehmen würde. Es wurde immer schlimmer, er war auf einmal nicht mehr der Mittelpunkt.
Nach der Geburt der zweiten Tochter spitzte sich alles extrem zu. Ich kümmerte mich nach Leibeskräften um das Kindeswohl. Aber er schrie mich immer wieder vor den Kindern an. Wurde zunehmend handgreiflich, würgte mich, sprach Morddrohungen aus. Ich war verzweifelt, hilflos, machtlos, wollte nur noch weg. Als die Jüngste 7 Wochen alt war packte ich überstürzt im Streit die Koffer und flüchtete zu meiner Familie nach Norddeutschland. In diesem Streit (mal wieder um eine Kleinigkeit, die ich nicht so gemacht habe wie er es sich vorstellte) schlug er mich zu Boden obwohl ich unser kleines Baby im Arm trug. Ich dachte nur an die Kinder und wollte sie vor ihm schützen, Hauptsache erst mal weg. Er stellte sich noch vor mein Auto 'wenn du fährst fackel ich dein Haus ab' Ich fuhr trotzdem.
Er rief etwa 30 mal am Tag an, versprach mir die Finger vom Alkohol zu lassen und an seinen psychischen Problemen zu arbeiten, zu einem Therapeuten zu gehen. Zum ersten mal sprach er davon wie schrecklich seine Kindheit war. Sein Vater, selbst Alkoholiker mit massiver Persönlichkeitsstörung hat damals die ganze Familie terrorisiert. Schläge, Demütigungen und Niedertracht haben seine Kindheit bestimmt. (Seine eigene Mutter erzählte mir mal, daß sie immer bereut hatte seinen Vater nicht verlassen zu haben)
Ich nahm ihn nach diesem Gespräch als Opfer wahr, glaubte wieder seinen Versprechungungen und kehrte nach einer Woche zurück, wenn auch mit Vorbehalten.
Wir waren einmal in der Paartherapie, danach ging es schleichend wieder bergab, die Therapeutin sei selber nicht ganz gar, könne uns eh nicht helfen, er bekomme das schon selber hin. Das Martyrium ging weiter. Wurde sogar noch schlimmer. Es gab fast nur noch Kritik, die winzigstestn Kleinigkeiten brachten ihn zum ausrasten. Er schimpfte über alles und jeden, vor allem aber war ich das Problem für ihn. Ich wollte immer einen Schlussstrich ziehen, habe aber immer den Zeitpunkt verschoben. Wir haben ein Haus gebaut, ich wollte abwarten, bis es fertig ist, wir hatten Urlaub gebucht (war am Ende ein Horrorurlaub), wollte abwarten ob sich da was verändert,... Er hat nach den Streits/Ausrastern immer so auf mich eingeredet, das ich ihm immer wieder Vertrauen geschenkt hab, das er schon lange nicht mehr verdient hat. Ich hab stetig versucht alles an mir zu ändern was er kritisiert hat, wollte alles an mir abprallen lassen. Ich habe wirklich Alles versucht was in meiner Macht stand. Dann kam mir ein Gedanke der mir die Augen nochmal geöffnet hat. Ich hab mir vorgestellt ich müsste mit mir als Ehepartner klarkommen und er mit sich als Ehepartner. Da wurde mir klar, daß ich mit mir klar kommen würde. Und das er sein eigenes Ich wahrscheinlich ,krass gesagt, umbringen würde. Da hab ich gemerkt, ich bin mit mir noch einigermaßen im Reinen. Es ist nicht mein Problem, ich habe alles versucht um eine glückliche, kleine, friedvolle Familie zu werden. Auch wenn ich viele Fehler habe, sind es dennoch verzeihbare. Was er mir angetan hat ist nicht verzeihbar. Vor acht Tagen habe ich mich endgültig von ihm getrennt.
Erst danach bin ich zufällig auf Internetforen gestoßen die mich auf das wahre Problem aufmerksam gemacht haben. Ich habe immer alles auf den Alkoholabsus geschoben, dabei steht wahrscheinlich eine Persönlichkeitsstörung im Vordergrund, die durch Alkohol nur verstärkt wird. Da es nicht diagnostiziert ist kann ich nur mutmaßen. Die Richtung ist auf jeden Fall paranoid, narzisstisch, histrionisch und auch borderline.
Zu oft hat er mein Vertrauen gebrochen, zu oft hat er mir gedroht 'ich bring dich um du Schlampe' , mit Selbstmord gedroht, mir die Schuld für alles gegeben und auch immer meiner Familie die Schuld gegeben, wahrscheinlich aus Neid. In meinem Elternhaus gab es fast nie Streit, ich hatte wirklich eine unbeschwerte Kindheit, war gar nicht darauf vorbereitet das es solche Menschen wie ihn überhaupt gibt. Er hat mich so oft mit 'ihr' angesprochen, und das nicht weil ich adelig bin, sondern weil er meine Familie in jeden Streit einbeziehen musste oder aber 'ihr Frauen'
Sein Hass richtet sich gegen alle.
Wie oft habe ich ihn gebeten, damit zu warten bis die Kinder im Bett sind, nein all die schlimmen Worte und Beleidigungen hat er vor den Kindern ausgesprochen. Sogar direkt angesprochen hat er die Kinder um ihnen zu sagen, ich wäre ja so böse.
Nun habe ich endlich den Absprung geschafft, vor allem um meine Kinder dem allem nicht mehr auszusetzen, sie sind doch erst 1 und 2 Jahre alt.
Und da liegt nun meine größte Angst, wie groß ist der Schaden für die beiden Mäuse. Wie gestaltet sich die Zukunft?
Er verhält sich im Moment sehr ruhig und korrekt aber kann ich dem Frieden trauen? Mittwoch fahre ich erst mal für zwei Wochen mit den Kindern zu meinen Eltern.
Ich hoffe da kann ich etwas Abstand zu der ganzen Sache bekommen.
Die Worte sind jetzt einfach aus mir rausgesprudelt, ich hoffe es ist nicht zu konfus. Ich danke jedem der sich sie Zeit genommen hat alles zu lesen und freue mich sehr über jeden der sich zu dem Thema mit mir austauschen möchte.
Und eines muss ich noch loswerden. Nie im Leben hätte ich mir vorstellen können mal einer dieser Frauen zu werden die sich all das gefallen lassen. Aber verstehen können das wahrscheinlich nur Menschen die Ähnliches durchgemacht haben.
Ich habe wenig von den guten Seiten meines Mannes erzählt, aber davon gibt es auch viele. Er ist charmant, witzig, humorvoll, sehr hygienisch und wenn er nicht gerade betrunken ist auch ein sehr guter Vater. Er hat viel für mich getan aber es reicht nicht um das Negative aufzuwiegen. Es gibt sicherlich viel Schlimmere Kerle, ich bin nie verschlagen worden. Dennoch hat dieser Mann mit der psychischen Gewalt viel von meiner Lebensfreude geraubt. Meine Gewichtskurve geht stetig bergab, obwohl ich früher immer ein paar Kilos zuviel hatte. Ich bin mittlerweile dünn, ausgemergelt, es geht stetig bergab mit dem Gewicht und ich kann es nicht aufhalten.
Ich hoffe so sehr, das jetzt alles ein gutes Ende nimmt. Ich fühle mich zwar schlecht aber sehr befreit.
Psychologische Hilfe werde ich bald in Anspruch nehme bis dahin freue ich mich über jeden Austausch.

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6. August 2013 um 10:59

Narzistische Persönlichkeitsstörung
tatsächlich gibt es Foren, die sich mit dieser Krankheit befassen. Es kann sein, daß Du nun mit der Trennung endlich Ruhe hast. Viele Frauen erleben jedoch, daß mit der Trennung vom gestörten Narzisten der Ärger richtig weitergeht und auch den Kindern schwerer Schaden zugefügt wird. Es gibt ein gutes Buch zum Thema Narzissmus: die Masken der Niedertracht. Für den Fall, daß der Ärger weitergeht: die Mütterlobby e.V. baut gerade ein bundesweites Selbsthilfe-Netz auf. Hier können sich Frauen im Falle von Problemen bei Umgang und Sorgerecht Rat holen und gegenseitig stärken. Es gibt auch eine Internetseite der Organisation. Leider gibt es viele Männer mit narzistischen Persönlichkeitsstörungen. Dieses verursacht für die Kinder und die betroffenen Mütter großes Leid. Gerade dadurch, daß diese Störung von außen schlecht erkennbar ist und Aussenstehende diese Narzissten als sehr sympathisch empfinden, führen Fehlbeurteilungen von Jugendämtern und Richtern zu immer größerem Leid für die betroffenen Mütter und Kinder.

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26. März 2014 um 12:57

Ähnliche Situation
Hallo neuerstern, ich habe Dein Bericht gerade gelesen und auch gesehen, dass er schon vom August letzten Jahres ist. Mich würde interessieren, wie es Dir und Deinen Kindern jetzt geht und wie es weiter gegangen ist. Ich war auch bis letztes Jahr April in einer solchen Beziehung und wir haben eine gemeinsame Tochter im Alter von mittlerweile 2 ein Viertel. Ich habe es auch letztes Jahr immer mal wieder mit der Beziehung versucht, aber es funktioniert einfach nicht. Hinzu kommt, dass mein Expartner aus Lateinamerika kommt. Nun ist es so, dass es nicht gelingt, den Umgang anständig und regelmäßig mit ihm zu regeln, was nun dazu führt, dass ich den Gang zum Jugendamt gehen muss, auch wenn ich dies vermeiden wollte. Ich würde mich sehr freuen, wenn wir uns austauschen könnten, wenn Du Lust hättest.

Liebe Grüße und viel Kraft

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