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~Studieren mit Kleinkind~ Ich bitte um Erfahrungen und Tips!

3. Juli 2008 um 21:49 Letzte Antwort: 3. Juli 2008 um 23:34

Liebe Mütter,
Ich bin 19 Jahre alt, habe dieses Jahr mein Abitur gemacht und bin seit wenigen Tagen Mutter eines wahsinnig süßen Sohnes.

Zum Wintersemester 2009 würde ich gerne ein Architekturstudium beginnen und dann 6 Semester, bis zum Bachelor-Abschluss, studieren.
Dieses Studium ist mit sehr, SEHR wichtig und Architektur ist seit meiner Kindheit meine große Leidenschaft.

Jedoch habe ich absolut keine Vorstellung davon, wie sich ein Studium mit einem Kleinkind gestaltet.
Im Internet habe ich gelesen, dass es spezielle Uni-Kindergärten gibt.
Kann mein Kleiner auch mit etwas mehr als einem Jahr dort hin gehen?

Wie gestaltet sich mein Alltag mit Kind und Vorlesungen etc?
Wie viel Zeit verbringe ich täglich/wöchentlich mit der Arbeit fürs Studium?
Habe gelesen, dass etwa 40 Stunden normal sein sollen?!
Das wäre ja sehr viel Zeit und somit sehr wenig Zeit, die mir für meinen Engel bleiben.

Wie sieht es mit den Finanzen aus?
Bekomme ich mehr BaFög mit Kind oder gibt es andere Unterstützung?

Übrigens lebe ich mit dem Kindsvater glücklich zusammen. Er wird zum Wintersemester 2008 mit dem Studium beginnen.

Ich wäre euch total dankbar, wenn ich von euren Erfahrungen berichten würdet. Gerne auch etwas detallierter zum Tagesablauf.
Wie empfandet ihr das Studium? Stressig, schön ... mit Kind?

Vielen Dank im vorraus!

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3. Juli 2008 um 23:34

Das wird schon
Hallo Frau mit den vielen Fragen

Erstmal herzlichen Glückwunsch zur Geburt deines Sohnes.
Ich bin selber relativ früh Mama geworden und kann daher dein Neugier in all diesen Angelegenheiten verstehen. Ich versuch mal so gut wies geht auf alles einzugehen.

Ich selber habe zwar keine Architektur studiert, aber die Situation bei mir war ähnlich.

Ich würde dir raten, zum zuständigen Jugendamt zu gehen, und dort den Platz bei einer Tagesmutter zu beantragen. Das hat den Vorteil, dass du zeitlich flexibler wärest als bei einer herkömmlichen Kindertagesstätte. Eine meiner besten Freundinnen ist selber Tagesmutter, und von all den Kindern die sie in den letzten 6 Jahren betreut hat waren 80% die Kinder von Studenten. Da kam es schonmal vor, das jemand in der Diplomarbeit steckte und das Kind bis abends halb 7 in der Betreuung war. Es gibt wenig Kindergärten, die so lange aufhaben (also bei uns in Erfurt, und das ist ja Landeshauptstadt, sind es wohl nur 3).
Der Nachteil wäre bei der Betreuung durch eine Tagesmutter vom Jugendamt der Kostenfaktor (in wie weit eine Kostenübernahme möglich ist weiß ich nicht, wir mussten zahlen, da mein Freund ganz gut verdient. aber bei 2 Studenten gibts da sicher ne Möglichkeit) und, dass das Kind nur bis max 2 1/2 Jahre betreut werden kann, danach musst du dir einen Kita Platz suchen (Tipp: auch den möglichst jetzt schon anmelden, da die Wartelisten teilweise seeeehr lang sind). Bei einer privaten Tagesmutter ist sicher auch eine Betreuung bis zum Schuleintritt möglich, allerdings wird das ne Menge Kosten...musst du dich halt einfach mal informieren wie da so die Preise sind.

Nun zum Ablauf Studium und Kind. Also die meisten Vorlesungen waren bei uns immer in den Vormittagsstunden, selten auch mal Nachmittags. Wieviel Zeit du zusätzlich brauchst, hängt natürlich von der Schwierigkeit und von deinem Engagement ab Ich hab es immer so gemacht: von 8 bis 15-16 uhr Fachschule, dann Zeit fürs Kind bis es ins Bett ist (war dann immer gegen 20 Uhr) und dann hab ich abends eben noch bis 11 Uhr gelernt. 40 Stunden solltest du also min. einplanen, eher etwas mehr. Die Wochenenden hab ich grundsätzlich nie gelernt um einfach mal auszuspannen (muss ja auch sein) und um mich ganz dem Sohnemann zu widmen.

Ich kann deine Besorgnis verstehen, eventuell zu wenig Zeit für dein Kind zu haben. Aber glaubs mir, das geht jeder Mutter so, die Arbeit/Ausbildung/Studium und Kind unter einen Hut bekommen möchte. Aber glaubs mir: es lohnt sich! Wenn du jetzt eine gute Grundlage für später legst, kannst du deinem Sohn später ne Menge bieten (Reisen, eine schöne Wohnung und auch sonst alles was für eine gute soziale Grundlagen wichtig ist). Ausserdem ist bis zum Wintersemester 2009 auch noch ne ganze Menge Zeit. Da hast du noch gut Zeit, die du ganz deinem Engel widmen kannst und das erste Jahr ist eigentlich das wichtigste. Ich kenne Mütter, die sind als das Kind einen Monat war wieder in Vollzeit arbeiten gegangen und diese Kinder sind völlig normal entwickelt und sehr gut erzogen. Ausserdem weisst du, die Zeit die du dann mit deinem Kind hast mehr zu schätzen und nutzt sie automatisch intensiver.

Die Finanzen:
Mit einem normalen Uni Studium hast du grundsätzlich Anspruch auf Studenten BaföG. Dies ist vom Einkommen deiner Eltern abhängig und es ist ein Darlehen, was du später zurückzahlen musst. Das Bafög Amt zahlt deine Krankenversichung (dein Kind wird ja bei dir sicher familienversichert, also ist es in deinem Betrag enthalten), eine kleinen Teil für Kosten der Unterkunft und dann eben den normal Bafög Satz. Wie da momentan die Höchstsätze sind weiß ich nicht, Google einfach mal.
Des weiteren bekommt dein Kind Kindergeld in Höhe von 154 und eben du noch das Elterngeld von min 300. Was du zusätzlich noch machen könntest: geh einfach mal zum Arbeitsamt. In den meisten Fällen ist das "Einkommen" von Studenten mit Kindern so gering, dass die Kinder noch ergänzend Anspruch auf anteilige Kosten der Unterkunft haben. Geht aber nur wenn du keine weiteren Sozialleistungen ebantragt hast/ beziehst (Bafög ist keine solche Leistung, aber Kinderzuschuß und Wohngeld zum Beispiel).
Unterhaltsvorschuß bzw normaler Kindesunterhalt enfällt ja, da du mit dem Kindesvater glücklicherweise zusammenwohnst

Ich empfand die Zeit damals nicht übermäßig stressig, aber es hat mir schon einiges abverlangt. Lehrjahre sind eben keine Herrenjahre, vorallem finanziell Wenn ich darauf zurückblicke würde ich aber im Nachhinein nicht das geringste anders machen...denn alles was ich getan hab, hat dafür gesorgt das ich jetzt schon sowas wie Herrenjahre leben darf.

Ich hoffe, dass ich alles soweit korrekt wiedergegeben hab, insbesondere was diese ganzen behördlichen und finanziellen Sachen betrifft. das ist mein wissen was ich noch hab. sollte sich da irgendwas geändert haben, kann ja wer anders den neusten Stand der Dinge veröffentlichen

LG Julia

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