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Stiefsohn 7 Jahre - seine Kindheit fährt gegen die Wand

24. April 2015 um 22:03

Hallo, ich bin unheimlich wütend auf die Mutter meines Stiefsohnes und kann doch nichts machen. Vielleicht habt ihr ja noch den einen oder anderen Rat?
Hier das Drama und ich versuche es kurz zu halten.
Mein Mann hat einen 7jährigen Sohn aus einer früheren Beziehung. Als wir zusammen kamen war der Kleine 3 Jahre alt. Schon nacht kurzer Zeit war er ganz verrückt nach mir, zog mich seinem Papa vor und ich fand ihn auch super. Ich war schon Ende 30 und kinderlos und habe mir nie wirklich viel aus Kinderkriegen etc. gemacht. Eigentlich hatte ich mit dem Thema schon abgeschlossen, war auch nicht traurig deswegen. Die Welt war in Ordnung und es warteten noch viele Reisen und Abenteuer.
Und schwupp: ich wurde nach einem Jahr schwanger trotz Verhütung. Es ging alles rasend schnell. Innerhalb von 8 Monaten passierte folgendes: Wir heirateten, zogen zusammen, mein Sohn kam zur Welt, mein Vater starb 3 Monate nach der Geburt menes Sohnes (ich bin bei ihm aufgewachsen, er war ein alleinerziehender Papa).
Vorher bin ich mit schwangerem Bauch mit meinem Papa alle Kliniken abgelaufen, immer in der Hoffnung er könne es vielleicht doch noch schaffen, habe ihn so oft ich konnte besucht. Es war furchtbar. Der starke Mann zu dem ich immer aufschauen konnte welkte mit jedem Chomotherapiezyklus mehr und mehr dahin. Er verlor sein Gehör durch die Vergiftung der Chemotherapie fast zu 80 % was die Kommunikation mit den Ärzten und dem Pflegepersonal noch erschwerte. Ich breche hier ab, sonst wird es zu lang. Er wurde nach 8 Monagten Vergiftung endlich mit dem Tod erlöst. Da sah er aus wie ein Folteropfer.
Kurz und gut mein gemütiches sogenfreies Singleleben wurde durch einen Tsunami der Ereignisse hinweggefegt.
Das unbeschreibliche Glück über die Geburt meines wunderbaren Kindes und die unermessliche Trauer über den Tod meines geliebten Vaters hielten sich die Waage.
Bei all dem kam Finn, mein Stiefsohn, natürlich zu kurz.
War er so mit 4 Jahren schon ziemlich aufgedreht gewesen, so wurde es immer schlimmer. Mein Ehemann ging mit ihm oft ins Kino, weil er dort ruhig war, anstatt ihn mit anderen Kindern z.B. in einer Turngruppe zusammen zu bringen. Schon während der Schwangerschaft, wenn wir Freunde besuchten die kleine Kinder hatten, war es schwierig, weil er immer Ohrfeigen verteilte und "Du bist blöd" wie eine Platte mit Spung sagte. Ausser zu mir.
Durch die Erkrankung meines Vaters war ich oft abwesend, auch geistig.
Kurz und gut: nach der Geburt meines Sohnes wurde das Verhältnis zwischen Finn und mir immer schlimmer, da er auf dem Sofa herumhüpfte, wenn ich stillte, absichtlich herumschrie, wenn der Kleine schlief, etc. Unser Verhältnis hat sich niemehr erholt.
Mir ist klar, dass es hier um Aufmerksamkeit ging. Aber alleine mit einem Kind, dass sein Bedürfnis nach Liebe auf aggresive Weise hervorschreit und um sich schlägt und einem Säugling im Arm war es sehr schwierig Finn die Aufmerksamkeit zu geben die er verlangte. Es war einfach nicht machbar.
Mein Mann hatte sich auch verändert seit der Geburt und dem Zusammenziehen. Er wurde plötzlich zu einem Hausherren, der eine "ordentliche" Hausfrau verlangte, während er diesen Massstab nicht an sich selbst anlegte. Unsere Ehe wurde immer schwieriger.
Finn ist mittlerweile 7 Jahre alt, ich bin dieses Frühjahr in eine eigene Wohnung gezogen. Ich konnte die Wochenenden mit meinem Mann und Finn nicht mehr ertragen. Die Betonung liegt auf meinem Mann, aber Finn hat uns definitiv den Rest gegeben.
Mein Mann und Finns Mutter sprechen nicht miteinander. Eine Mediation wurde von Seiten der Mutter letzten Herbst abgebrochen. Ich hatte noch vom Wochenbett aus ein gemeinsames Treffen der 2 initiiert. Aber mein Mann ist sehr jähzornig und schrie die Mutter von Finn schon beim 3ten Treffen im Cafe vor allen Leuten zusammen, weil Finn bei ihr einen Horrorfilm ab 18 Jahren gesehen hatte bzw. bei ihrer Mutter die wohl auch dem Alkohol sehr zugeneigt ist und dann die Fernbedienung und Finn alleine lässt.
Die Mutter hat einen neuen Partner seit Finn 2 Jahre alt ist. Sie hat letzes Jahr auch ein Kind bekommen mit dem neuen Partner. D.h. Finn hat in jeder "neuen" Familie auch noch ein Halbgeschwister.
Finn ist sehr aggresiv. Er schlägt andere Kinder, beim kleinsten Anlass erleidet er regelrechte Wutanfälle. Er nennt seinen Vater immer nur ... oder Furz, egal vor wem. Zu mir sagt er so nette Dinge wie "Halt die Fresse, Alte" etc. Ich habe schon oft das Gespräch mit ihm gesucht und ihm auch versucht zu erklären was in meinem Leben alles passiert ist insbesondere mit meinem Papa und dass es mir so leid tut, dass ich keine Zeit für ihn hatte, aber das hat alles nicht gebracht. Wie auch, ich habe ja seit der Geburt nicht wirklich mehr Zeit für Finn. Ich habe niemanden der mir meinen Sohn abnehmen kann, außer meinem Mann und das klappt auch erst seit wir nicht mehr zusammenleben. Plötzlich ist unser Kleiner interessant.
Was Finn betrift: er hat keine Freunde, die Schule hat nun eine psychologische Beratung vorgeschlagen für Finn (eigentlich brauchen seine Eltern eine solche Beratung...) und er wird die Grundschule sehr wahrscheinlich nicht regulär schaffen. Er ist hyperaktiv, kann nicht ruhig sitzen bleiben, redet dauernd, unterbricht, ist sofort wütend, schlägt, beleidigt, ist extrem unsicher, voller Verlustängste. Ich würde sagen Bindungsgestört. Ihm fehlt das Vertrauen in sein Umfeld und in sich selbst.
Ich bin so wütend auf seine Mutter, weil sie immer schreibt er brauche Regeln, sie sperrt ihn in sein Zimmer zur "Auszeit", wenn er sich daneben benimmt, was ja dauernd der Fall ist. Sie ist streng mit ihm und...Sozialpädagogin. Sie sagt immer "ich bin ja vom Fach". Sie würde aber nie extra Kosten oder Zeitaufwand in Kauf nehmen, um Finn z.B. in eine Gruppe zu fahren in der er integriert wird oder irgendwie sonst den Tatsachen ins Gesicht sehen, dass Strenge hier nichts hilft. Es wird ja auch jedes Jahr schlimmer.
Finn sollte schon vom Sportunterricht ausgeschlossen werden, weil er dort einen Jungen blutig gekratzt hat.
Die Schule hasst er. Leute, der Kleine ist in der 1. Klasse!!!
Mein 2jähriger findet Finn natürlich total super, nach so einem Besuchswochenende sagt er dauernd ... und lacht sich dabei tot. Was mich so wütend macht ist auch die Tatsache, dass die fehlende Aufmerksamkeit von Finns Mutter ihrem Kind gegenüber mit all den traurigen Konsequenzen auf mein Kind überschwappt. Irgendwann wird Finn in die Förderschule kommen, er wird evtl. Drogen nehmen, um sich selbst zu "therapieren", er wird seinem kleinen Halbbruder dieses Schicksal vorleben und das macht mich total sauer. Menschenkind, die Mutter soll endlich mal alles alles alles tun, damit ihr Sohn endlich ein glückliches Kind werden kann mit Freunden und Erfolgserlebnissen. Und wenn das alles alles ausgeschöpft ist und gar nichts mehr geht, dann ist die Überlegung mit fachärztlicher Unterstützung heranzuziehen, ob Amphetamine in geringster Dosierung anschlagen, denn das tun sie nur bei Menschen mit überschiessender Dopaminproduktion. Wenn Finn dadurch nur einen Tag erleben kann an dem er nicht in entnervte Erwachsenengesichter und abweisende Kindergesichter schauen kann dann ist es das wert.
Es ist wirklich nicht mehr mit anzusehen, wie sich alle von Finn abwenden. Auf Familienfeiern fragen schon alle, ob er da sein wird, denn dann weiss man, dass es stressig wird. Selbst seine 12-14 Jahre alten Cousinen haben keine Lust mehr auf die Wutanfälle.
Er ist ein lieber Kerl,aber wie getrieben und total filterlos.
Er bringt uns alle an unsere Grenzen und dass ist auch eine Qualität. Er lässt dadurch viele Masken fallen. Menschen die oberflächlich ganz souverän wirken enttarnt er innerhalb kürzester Zeit als gestresst shcreiende Nervenwracks. Die Aufmerksamkeit die er sich so wünscht, die erhält er indem seine Probleme mich und andere dauernd über ihn und seine Situation zum Grübeln bringen.
Es ist keine produktiv Aufmerksamkeit, leider.
Zum Schluss noch: die Mutter behauptet der Vater sei an Finns Verhaltensauffälligkeiten "schuld". Anstatt von der Schuldfrage komplett Abstand zu nehmen und nach Lösungen zu suchen. Ausserdem ist sie die Hauptbezugsperson...

Ich mache mir auch Sorgen um mein Kind - letzens hat Finn ihm wegen eines lächerlichen Grundes (er wäre ihm (aus Versehen) auf den Fuss getreten) den Roller unter dem Hinternweggetreten und da ist der Kleine voll mit dem Gesicht auf den Asphalt gefallen, Finn schreit dauernd zu allen und insbesondere den Kleinen immer wieder mit den Worten an: Ich hasse Dich.
So das wars.
Was würdet ihr tun?
Mit der Mutter habe ich keinerlei Kontakt.
Ich überlege ihr einen Brief zu schreiben, aber das wird wohl auch nichts ändern.
Eigentlich kann ich nur dabei zuschauen wie alles gegen die Wand fährt. Das macht mich total wütend und traurig zugleich.





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