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Spieltherapie wegen zu geringem Selbstbewußtsein

12. Dezember 2006 um 20:34 Letzte Antwort: 14. Dezember 2006 um 12:15

Mein Sohn wird nächsten August 6 Jahre und kommt demzufolge im September zur Schule. Um meinen Sohn noch fördern zu können, wo es fehlt, habe ich ihn bei der Frühförderung testen lassen. Der Test ist für sein Alter entsprechend sehr gut ausgefallen. Was die Frühförderung (hat jedoch nur einen Intelligenztest gemacht) jedoch nach einem Gespräch mit der Erzieherin festgestellt hat, ist mir unverständlich. Unser Sohn hätte viel zu wenig Selbstbewußtsein und müßte sich dringend mehr durchsetzen. Ihm wurde nun eine Spieltherapie (keine Gruppentherapie) bei der Frühförderung angeboten. Der Kinderarzt meint,mein Sohn ist vollkommen okay. Mein Sohn ist im Kindergarten ein sehr beliebter Spielpartner, der auch sehr viele tolle Ideen ins Spiel mit einbringt. ER würde sich jedoch zu wenig abgrenzen und von einem Spiel weggehen, wenn seine Freunde unbedingt was anderes spielen wollen. Er müsse lernen, sich zu behaupten. Davon merke ich jedoch nichts. Zudem hat der Kindergarten moniert, dass er hauptsächlich mit Kinder spielt, die 1/2 - 3/4 Jahr jünger sind und deshalb erst später eingeschult werden. Mein Sohn solle also lernen, bei seinem Spiel zu bleiben, auch wenn er die Gefahr eingeht, alleine zu spielen, weil seine Freunde ein anderes Spiel spielen wollen. Wir sind nun durcheinander. Wer hat Erfahrung mit mangelndem Selbstbewußtsein seines Kindes. Übrigens mein Sohn spricht mit jedem fremden Kind, mit jeder alten Frau oder Mann oder sonst auch mit jedem. Er ist sehr kontaktfreudig und nicht schüchtern.

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12. Dezember 2006 um 21:08

Hmm.
Hi,

natürlich kann ich von hier aus nicht beurteilen, ob mit deinem Sohn vielleicht doch irgendwas nicht stimmt... Ganz spontan aber kommt mir bei diesem Selbstbehauptungs-Gesülze echt das K...! Ich kann dich gut verstehen. Natürlich soll ein Kind (ebenso wie ein Erwachsener) nicht pausenlos seine eigenen Wünsche und Bedürfnisse verleugnen. Aber so extrem ist er doch nicht, oder? Warum soll es nicht Menschen geben, die sich nach anderen richten, die sich anpassen, die nachgeben? Wie soll denn eine Welt aussehen, wo alle Häuptling spielen und den Ton angeben wollen? Vielleicht hat dein Sohn einfach eine besondere soziale Ader und spürt die Bedürfnisse seiner Mitmenschen. Dafür spricht übrigens auch seine Gewohnheit, mit Jüngeren zu spielen. Und: Wieso um alles in der Welt sollte er denn lieber allein spielen, statt seinen Freunden nachzugeben und sich ihnen anschließen??? So ein Käse (mit Verlaub).

Ich kenne diese Situation bestens aus Erfahrung. Meine Älteste hat ein ganz hervorragend entwickeltes soziales Bewusstsein, und das eigentlich von Anfang an (also auch schon im Kindergarten). In Gruppen gibt sie niemals den Ton an, sie schwingt sich nie zum Bestimmer auf (obwohl ihre Intelligenz es hergeben würde), sondern sie wirkt eher ausgleichend - sie versucht, den kleinsten gemeinsamen Nenner für die anderen zu finden. Ich ermuntere sie, auch ihre eigenen Bedürfnisse zu analysieren und mal auszuleben, aber ich könnte sie niemals dazu bringen, das auf Kosten anderer zu tun! Und sie spielt schon immer am liebsten mit Jüngeren (zum Glück hat sie zwei kleine Brüder) - noch lieber allerdings redet sie mit Erwachsenen

Lass dir nur nicht einreden, dein Sohn sei unnormal, sondern sei stolz drauf, dass du ein Kind hast, das seine Wünsche nicht auf Biegen und Brechen ganz obenan stellen muss. Davon gibts auch so genug.

Viele Grüße!
Tiny
(die sich bei diesem Thema echt in Rage reden kann)

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13. Dezember 2006 um 15:22
In Antwort auf birgit_11892245

Hmm.
Hi,

natürlich kann ich von hier aus nicht beurteilen, ob mit deinem Sohn vielleicht doch irgendwas nicht stimmt... Ganz spontan aber kommt mir bei diesem Selbstbehauptungs-Gesülze echt das K...! Ich kann dich gut verstehen. Natürlich soll ein Kind (ebenso wie ein Erwachsener) nicht pausenlos seine eigenen Wünsche und Bedürfnisse verleugnen. Aber so extrem ist er doch nicht, oder? Warum soll es nicht Menschen geben, die sich nach anderen richten, die sich anpassen, die nachgeben? Wie soll denn eine Welt aussehen, wo alle Häuptling spielen und den Ton angeben wollen? Vielleicht hat dein Sohn einfach eine besondere soziale Ader und spürt die Bedürfnisse seiner Mitmenschen. Dafür spricht übrigens auch seine Gewohnheit, mit Jüngeren zu spielen. Und: Wieso um alles in der Welt sollte er denn lieber allein spielen, statt seinen Freunden nachzugeben und sich ihnen anschließen??? So ein Käse (mit Verlaub).

Ich kenne diese Situation bestens aus Erfahrung. Meine Älteste hat ein ganz hervorragend entwickeltes soziales Bewusstsein, und das eigentlich von Anfang an (also auch schon im Kindergarten). In Gruppen gibt sie niemals den Ton an, sie schwingt sich nie zum Bestimmer auf (obwohl ihre Intelligenz es hergeben würde), sondern sie wirkt eher ausgleichend - sie versucht, den kleinsten gemeinsamen Nenner für die anderen zu finden. Ich ermuntere sie, auch ihre eigenen Bedürfnisse zu analysieren und mal auszuleben, aber ich könnte sie niemals dazu bringen, das auf Kosten anderer zu tun! Und sie spielt schon immer am liebsten mit Jüngeren (zum Glück hat sie zwei kleine Brüder) - noch lieber allerdings redet sie mit Erwachsenen

Lass dir nur nicht einreden, dein Sohn sei unnormal, sondern sei stolz drauf, dass du ein Kind hast, das seine Wünsche nicht auf Biegen und Brechen ganz obenan stellen muss. Davon gibts auch so genug.

Viele Grüße!
Tiny
(die sich bei diesem Thema echt in Rage reden kann)

Selbstbewußstein
Hallo Tiny,

Du sprichst mir total aus der Seele. Ich bin nach wie vor überzeugt, dass mein Sohn in Ordnung ist. Sein aufgeschlossenes Wesen wird auch von vielen Leuten ... sehr positiv gesehen, weshalb er ziemlich schnell Sympathien einheimscht. Wie auch bei Deiner Tochter der Fall ist, gehe ich davon aus, dass mein Sohn wirklich eine soziale Ader hat und ich würde ihn wirklich gerne so behalten wie er momentan ist, auch wenn er sich nicht immer durchsetzen kann. Ausserdem sind das evtl. auch die Gene (mein Mann ist haargenau der gleiche Typ. Er legt sich auch nur mit bestimmten Leuten an. Wo es sowieso aussichtslos ist, zieht er sich lieber zurück, was meiner Meinung nach auch in Ordnung ist). Um so mehr ich über diese Therapie nachdenke, umso mehr bin ich davon überzeugt, dass mein Sohn diese nicht braucht. Schließlich ist er kein Duckmäuser. Er läßt sich nicht alles gefallen. Aber bei bestimmten Kindern setzt er sich einfach nicht durch. Den Vergleich mit dem Häuptling finde ich spitze. Das ist absolut die richtige Bezeichnung und ich war bisher stolz, dass mein Sohn diesen nicht herausgekehrt hat, obwohl er Einzelkind ist. Vielleicht haben wir ihn auch unbewußt etwas zurückgehalten, da Einzelkindern so schnell Egoismus vorgeworfen wird. Mein Sohn ist auch ein richtig glückliches Kind. Er hat also kein Problem, wenn er nachgeben muß, bzw. sogar will. Übrigens habe ich heute von einer Bekannten erfahren, deren Sohn 3 Wochen älter ist und ebenfalls diesen Test durchführen lassen hat, dass ihr Sohn die gleiche Therapie machen soll, ebenfalls wegen zu wenig Selbstbewußtsein. Bei ihm wurde dies aber damit begründet, dass er sich zu sehr abgrenzt und zuviel alleine spielt. Also haargenau gegenteilig wie bei meinem Sohn. Ich kenne dieses Kind ebenfalls sehr gut und habe schon in der Spielgruppe festgestellt, dass dieses Kind in sein Spiel so vertieft ist, dass er manchmal gar nicht bemerkt, dass er zwischenzeitlich alleine spielt. Also zu wenig Selbstbewußtstein, wenn man sich nicht abgrenzt und wenn man sich zuviel abgrenzt. Wo soll da ein Kind die Mittellinie finden. Ich danke Dir von ganzem Herzen. Ich glaube, wir haben beide prima Kinder.

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14. Dezember 2006 um 12:15
In Antwort auf an0N_1215162799z

Selbstbewußstein
Hallo Tiny,

Du sprichst mir total aus der Seele. Ich bin nach wie vor überzeugt, dass mein Sohn in Ordnung ist. Sein aufgeschlossenes Wesen wird auch von vielen Leuten ... sehr positiv gesehen, weshalb er ziemlich schnell Sympathien einheimscht. Wie auch bei Deiner Tochter der Fall ist, gehe ich davon aus, dass mein Sohn wirklich eine soziale Ader hat und ich würde ihn wirklich gerne so behalten wie er momentan ist, auch wenn er sich nicht immer durchsetzen kann. Ausserdem sind das evtl. auch die Gene (mein Mann ist haargenau der gleiche Typ. Er legt sich auch nur mit bestimmten Leuten an. Wo es sowieso aussichtslos ist, zieht er sich lieber zurück, was meiner Meinung nach auch in Ordnung ist). Um so mehr ich über diese Therapie nachdenke, umso mehr bin ich davon überzeugt, dass mein Sohn diese nicht braucht. Schließlich ist er kein Duckmäuser. Er läßt sich nicht alles gefallen. Aber bei bestimmten Kindern setzt er sich einfach nicht durch. Den Vergleich mit dem Häuptling finde ich spitze. Das ist absolut die richtige Bezeichnung und ich war bisher stolz, dass mein Sohn diesen nicht herausgekehrt hat, obwohl er Einzelkind ist. Vielleicht haben wir ihn auch unbewußt etwas zurückgehalten, da Einzelkindern so schnell Egoismus vorgeworfen wird. Mein Sohn ist auch ein richtig glückliches Kind. Er hat also kein Problem, wenn er nachgeben muß, bzw. sogar will. Übrigens habe ich heute von einer Bekannten erfahren, deren Sohn 3 Wochen älter ist und ebenfalls diesen Test durchführen lassen hat, dass ihr Sohn die gleiche Therapie machen soll, ebenfalls wegen zu wenig Selbstbewußtsein. Bei ihm wurde dies aber damit begründet, dass er sich zu sehr abgrenzt und zuviel alleine spielt. Also haargenau gegenteilig wie bei meinem Sohn. Ich kenne dieses Kind ebenfalls sehr gut und habe schon in der Spielgruppe festgestellt, dass dieses Kind in sein Spiel so vertieft ist, dass er manchmal gar nicht bemerkt, dass er zwischenzeitlich alleine spielt. Also zu wenig Selbstbewußtstein, wenn man sich nicht abgrenzt und wenn man sich zuviel abgrenzt. Wo soll da ein Kind die Mittellinie finden. Ich danke Dir von ganzem Herzen. Ich glaube, wir haben beide prima Kinder.

Na siehste
Schön, dass ich dir den Rücken stärken konnte. Vermutlich wollen die da bei euch eine Therapiegruppe vollkriegen oder so ähnlich, damit nicht die Mittel gekürzt werden. Traurig, dass solche Kämpfe dann oft auf den Nerven von Eltern ausgetragen werden, die sich 'nen Kopf um ihr Kind machen!!

Es gibt überhaupt keine vernünftige Begründung für die Gleichmacherei. Im Laufe der Schulzeit wirst du dich damit aber noch hinlänglich auseinander setzen müssen. Bloß gut, dass es verschiedene Charaktere unter den Menschen gibt, denn ebenso wenig, wie ein sensibler Kerl Unternehmensberater werden kann, eignet sich ein Bestimmer und Einteiler (die muss es auch geben) für einen Sozialberuf. Und so weiter. Lustiges Detail dazu am Rande: Letztens sang die Klassenlehrerin meines Mittleren (3. Kl.) ein Loblied auf seine geistigen Fähigkeiten, ABER er sei ja noch SO verspielt... Da musste ich wirklich laut lachen. Ja, vermutlich wird aus ihm mal kein Bankkaufmann, aber kannst du dir einen Ingenieur vorstellen, der nicht "spielt"?

Das mit dem Häuptling kommt übrigens von meinem Mann, der immer sagt, die Welt funktioniert nur, wenn es auch Indianer gibt - zu denen er sich auch selbst zählt...

Also, ich wünsch dir ein starkes Rückgrat und alles Liebe!
Tiny

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