Home / Forum / Meine Familie / Sorge um Bruder

Sorge um Bruder

7. September 2018 um 11:08

Hallo liebe Community.

Das hier ist mein erster Beitrag und hoffe hier richtig zu sein und auf ein paar gute Ratschläge oder Menschen, die schon Ähnliches erlebt haben. Im Voraus schonmal Entschuldigung, falls ich etwas abschweifen sollte. Ich weiß nicht genau, welche Informationen wirklich wichtig sind, oder nur wichtig für mich erscheinen.
Hier mein Anliegen:

Um von Anfang an zu beginnen, ich bin 21 und habe einen Bruder (23). Um den geht es hier leider auch. Er wohnt noch zu Hause, ich offiziell auch, jedoch bin ich nur 2 mal die Woche für Arbeit in meiner Heimatstadt. Was mir auch genügt, denn die Situation zu Hause ist für mich nie entspannt. Wir leben mit meiner Mutter und ihrem Lebensgefährten, welcher auch eine große Rolle spielt. Mein Bruder und er verstehen sich nicht besonders gut. Es fällt nie ein nettes Wort, alles was die beiden zueinander sagen sind Sticheleien oder Provokation. Die letzte Zeit gehen sie sich auch eher aus dem Weg. Mein Bruder hat schon seit kleinauf Probleme mit seiner Wut und hat damals eine Musiktherapie gemacht, die auch hilfreich war. Er hat sich mehr im Griff, nur wenn man ihn dann mal so weit gebracht hat wütend zu sein, kann das sehr unschön werden. Es ist nie zu Gewalt gekommen, aber es ist auf Dauer wirklich anstrengend und kann einen sehr unglücklich machen. Diese Situation zwischen meinem Bruder und dem Lebensgefärten ist jetzt schon seit mindestens 4 Jahren so. Irgendwie hängen die beiden in einem Teufelskreis, denn keiner will nachgeben. Zudem ist mein Bruder in einer generell unzufriedenen Lebenslage. Meine Mutter und ich vermuten, dass er sich einsam fühlt. Der Freundeskreis indem er sich bisher befand hat ihm nicht gut getan, da er sich immer eher ausgeschlossen gefühlt hat und es häufig Streit gab wegen seines Verhaltens. Eine Freundin hatte er auch seit längerer Zeit nicht mehr. Er wendet sich sehr der Familie zu und den Nachbarn in unserer Gegend, was auch nicht unbedingt schlecht ist, nur verliert er den Bezug zu Leuten aus unserem Alter. Er hat keine Freude mehr, alles ist für ihn Stress. Und das lässt er alle spüren, außer der Familie und den Nachbarn.

Beispiel: Gestern sitze ich mit meinem Freund und 2 Freunden im Garten. Als mein Bruder von der Arbeit kam, wieder mal mit richtig mieser Laune, ist das Erste was ich zu Hören bekomme, dass das Teleon auf die Ladestation gehört. Als Vorwurf, warum ich das nicht da reingestellt habe. Als nächstes, warum habe ich die Mülltonne noch nicht reingeholt? Das hätte ich ja auch mal machen können. Sieht aber nicht, dass ich die ganze Woche das Haus aufräume, Wäsche wasche oder einkaufen gehe (Unsere Eltern sind im Urlaub). Wenn er zu Hause ist, sitzt er vorm PC oder ist bei den Nachbarn Bier trinken. Sein Zigaretten- und regelmäßiger Alkoholkonsum (jeden Abend ein paar Flaschen) machen uns Sorgen. Er lässt überall seinen Kram stehen und steuert absolut nichts zum Haushalt dazu, bis auf ab und an Rasenmähen. Für mich sieht es so aus, als wäre er nicht fähig zu verstehen, dass Arbeit, kochen, spülen, staubsaugen, waschen oder sein Zimmer aufräumen einfach dazugehören.

Er ist so darauf fixiert anderen Leuten Vorwürfe zu machen, warum man etwas nicht getan hat und ist dann so wütend darüber. Er empfindet das dann als persönlichen Angriff und ist sauer, dass er das dann machen muss. Dann gibt er andaurnd Anweisungen: "Es wär nett wenn du gleich noch....", "Könntest du bitte....". Und trotz seiner netten Ausdrucksweise weiß man einfach, das ist keine Bitte, sondern eine Anweisung. Denn sagt man nein, ist er sofort genervt. Bei mir ist es so weit, dass ich mich von zu Hause eher abgewandt habe aufgrund der vielen Streitereien und der unentspannten Atmosphäre zwischen uns 4 oder eher den 3en. Seit ich kaum noch da bin, hat sich mein Verhältnis zu jedem im Einzelnen sehr verbessert. Aber jetzt die Zeit, die ich hier bin, habe ich eher keine Lust mich mit meinem Bruder zu unterhalten, weil es einfach nur anstrengend wäre.

Mein Freund beschrieb ihn als jemanden, der bei Gesprächen immer die Aufmerksamkeit auf sich ziehen will und hat die Vermutung geäußert, ob er nicht ADS hätte. Zum Beispiel, wenn irgendwo Musik läuft, nimmt er das in die Hand und lässt seine ganz persönliche Musik laufen die nicht der Mehrheit entspricht. Lässt sich dann aber auch nichts einreden. In Diskussionenen muss er immer Recht haben und hat sowieso die Angewohnheit den Ton angeben zu wollen.

Ich wüsste ehrlich nicht, wie ich mit ihm über die ADS Vermutung reden sollte. Ich glaube nicht, dass er selbstständig zum Arzt gehen würde. Aber ich mache mir Sorgen um ihn und wünsche ihm auch mal gelassen und fröhlich, offen für Neues zu sein oder aus seinem Trott herauszukommen. Zudem belastet es auch sein Umfeld, was im Endeffekt auf ihn zurückfällt.

Ich bin sehr gespannt auf eure Antworten, denn ich weiß nicht mehr was zu tun ist.

Eure Tamara


Mehr lesen

Frühere Diskussionen
Lust auf mehr Farbe in deinem Leben?
wallpaper