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Schwiegermutti ist krank

13. Dezember 2006 um 20:11 Letzte Antwort: 14. Dezember 2006 um 10:57

Hallo Ihr Lieben,

mal wieder hat mich das Leben eingeholt: Meine allerliebste Schwiegermama in spe hat wahrscheinlich Krebs. Am Montag kommen die Blutergebnisse und im Januar wird eine Biopsie gemacht.

Und als wäre das nicht schon der Hammerschlag schlechthin gewesen, sorgt sie sich nicht um sich, sondern um ihre Jüngste. Die Kurze ist 9 und lebt bei ihr und möchte nicht zum Vater, wenn Mutti was passiert. Deswegen hat Mutti meine Lebensgefährten (26) und mich (22), sowie seinen Bruder (23) gefragt, ob sie uns als Vormund eintragen kann (wir drei wohnen zusammen). Es war eine Selbstverständlichkeit, dass wir alle drei spontan zugesagt haben und es auch so meinten, dass wir uns um die Kurze kümmern würden, falls es zum Schlimmsten kommen wird.


Naja, es klingt alles so nüchtern und so ist das Gespräch vorhin auch abgelaufen -nüchtern, sachlich, Emotionen waren da irgendwie einfach nicht vorhanden. Aber bei uns allen hämmerte nur ein Wort im Kopf herum "Krebs". Irgendwie war der Gedanke einfach unwirklich: Wie das Schicksal diese wunderbare, lebensfrohe, überhaupt allerliebste Frau auf dieser Welt so derart ereilen und bestrafen kann. Das ist doch einfach nicht möglich!

Sie liebt ihre drei Kinder über alles und war auch für mich die letzten vier Jahre wie eine Mutter -mehr als meine eigene es in den vorhergehenden 18 Jahren getan hat. Ich kann mir eine Welt ohne sie einfach nicht vorstellen.

Alles dumme Floskeln, die mich noch mehr wütend und einfach tieftraurig machen. Wütend bin ich auf alles und jeden und habe da noch nicht mal das "Recht" drauf. Die Kurze weiss es nicht; und die Jungs haben es ziemlich gefasst aufgenommen, fast schon apathisch. Irgendwie kann ich auch nicht mit ihnen reden. Vor allem mein Freund ist im Bezug auf seine Mutter besonders sensibel -sie haben einfach so ein Band, das sie verbindet, vielleicht weil er der Älteste ist. Sie sind einfach wie Freunde und das finde ich sehr schön -im Anbetracht der Beziehung zwischen meiner Mutter und mir, da liegen einfach Welten zwischen...
Aber er mag überhaupt nicht darüber reden! Und deswegen weiß ich jetzt nicht, ob er das jetzt für sich erst mal verarbeiten möchte, es einfach "sacken lassen" möchte oder ob er es nicht an sich ranlassen möchte.

Unentwegt nachhacken möchte ich nicht, er ist vielleicht in dem gleichen, schwarzen, dunklen Loch, in dem ich nach dieser Nachricht auch stecke. Ich weiß nicht, wie ich mich verhalten soll!

ich, ich, ich -obwohl es mich am wenigsten betreffen sollte... mir ist einfach nur so unendlich nach schreien zumute.


Vielleicht weiß ja einer von Euch Rat, wie man sich verhalten kann in so einer Situation. Gegenüber meinem Freund, seinem Bruder und allen Anderen aus der Familie, die nichts davon wissen (noch nicht mal Oma und Opa!). Gegenüber Mutti brauche ich mich gar nicht anders verhalten als "vorher" -sie ist einfach so! Bei ihr braucht man nichts erklären! Nicht, weshalb man darüber reden möchte; wenn man traurig ist; dass sie auf uns alle rechnen kann; dass sie jederzeit mit uns sprechen kann...

Sollte ich überhaupt versuchen meinen Freund zu "knacken"? Oder sollte ich es einfach lassen und darauf vertrauen, dass er irgendwann auf mich zukommen und sein Herz ausschütten wird -und das wird er irgendwann.


Und wie schätzt Ihr die Situation ein: Wir haben sofort zugesagt, dass wir die Kurze zu uns nehmen, wenn es soweit sein sollte. Sie wird nächstes Jahr aufs Internat gehen. Und ich sehe da auch keine Schwierigkeiten darin: wir haben uns gern und kommen gut miteinander aus, und so lange ist meine Pubertät auch nicht her, als dass ich mich nicht in sie hineinversetzen könnte. Meine einzige Sorge ist, wie wir ihr helfen können zu bewältigen, falls ihre Mama wirklich sterben sollte. Wir müssten sie so gut es geht auffangen können -aus eigener Kraft und auch mit Hilfe von psychologischer Unterstützung. Aber in wie weit können wir das überhaupt?!


Eine Bitte zum Schluss: ich weiß, dass der Text weites gehend doch ziemlich sachlich und nüchtern war, bitte schätzt mich da nicht falsch ein, ich versuche einfach diesen Gefühlssturm außen vor zu lassen, damit ich mich überhaupt klar ausdrücken kann. Ich hoffe, dass Ihr hier überhaupt durchsteigt und mir Anregungen geben könnt.


Vielen Dank fürs Lesen und für mögliche Tipps,

traurige Grüße,
Anna


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14. Dezember 2006 um 10:08

Liebe Maralea!
Vielen Dank für Deine Worte!

Selbstverständlich hast Du Recht, die Kleine muss aufgeklärt werden, sobald das endgültige Ergebnis schwarz auf weiss vorliegt.
Was mich richtig fertig macht, ist die Tatsache, dass Mutti das schon wesentlich länger weiß und es mit sich herum getragen hat. Es ist nicht leicht für sie gewesen. Und wir haben schon so lange die -im Nachhinein wirklich eindeutigen- Signale ignoriert. Wie blind kann man nur sein?!

Mein Freund ist gestern Abend von selbst auf mich zu gekommen und hat über seine Sorgen gesprochen. Seine Angst um seine Mutter ist groß, auch wenn er sie tapfer runter schluckt.
Was ihm aber auch schwer zu schaffen macht, ist meine sofortige Zusage, dass ich die Kurze mit aufziehen würde, falls es nötig sein wird. Ich weiß nicht, wie ich das deuten kann: Er meinte, dass er es als seine Pflicht ansieht; mir die Wahl aber frei stünde, ob ich es mit ihm zusammen mache; ich sei nicht dazu verpflichtet und er würde verstehen, wenn ich das dann aktuell entscheiden würde.
Aber es gibt nichts an meiner Entscheidung zu rütteln: ich werde es machen! Auch ich fühle mich verpflichtet -nicht, weil es die Anderen von mir erwarten, das tun sie nicht! Sondern weil die Familie mir so viel bedeutet und für mich da war, als ich schwere Lebensschritte ging. Also möchte ich es auch für sie tun. Zumal für alle schon längst feststeht, dass mein Freund und ich nicht mal eben so einen Lebensabschnitt zusammen verbringen, sondern dass da mehr ist (die Familienplanung läuft gerade an; Heirat in einem Jahr).

Hat er mich gestern also aufgefordert, zu gehen, wenn es so weit sein sollte und es für mich zu schwer wird?

Traurige Grüße von einer
schlaflosen Anna

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14. Dezember 2006 um 10:57

Liebe Puppe,
dank auch Dir für die lieben Worte!

Das ist eben der Knackpunkt, wie ich finde: Wann sollte man es der Kleinen sagen? Wenn die Chemo beginnt, wenn die Diagnose endgültig ist, wenn Mutti krank aussieht?

Der Vater der Kurzen würde unterstützen, aber sie hat ausdrücklich gesagt, dass sie zu uns möchte, wenn der Mama was passiert. Wir sind ihre nächsten Bezugspersonen, der Vater ist eher ein Wochenend-Papi, der derzeit eine neue, eigene Familie gründet...

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