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Schmerzhafte Trennung von der eigenen Mutter

2. März 2007 um 12:12

Vor ca. zwei Wochen habe ich mich sozusagen von meiner Mutter getrennt. Ich bin Mitte 30, verheiratet und habe einen siebjährigen Sohn. Mein ganzes bisheriges Leben habe ich versucht, meiner Mutter zu gefallen, von ihr geliebt zu werden. Ich habe jetzt aufgegeben. Denn es hat keinen Sinn. Als ich noch ein Kind war, trank meine Mutter sehr viel. Meine Oma, also ihre Mutter, ebenfalls. Ich habe mich um beide gekümmert. Dann kam mein Bruder zur Welt und ich habe mich auch um ihn gekümmert. Ich muss dazu einräumen, meine Mutter war erst 16 als sie mich zur Welt brachte. Meine Mutter wurde schließlich trocken und verließ die Familie, da sie sich neu verliebt hatte. Ich war dreizehn und mein Bruder wurde gerade eingeschult. Ich ahnte bereits vor der Trennung, dass sie gehen würde und versuchte alles, um sie glücklich zu machen, damit sie uns nicht verlassen musste. Ich kaufte ein, machte den Haushalt, tolerierte ihren Liebhaber (den sie mit nach Hause brachte und hemmungslos Sex mit ihm hatte). Doch sie verließ uns. Ich wollte gern bei ihr Leben und teilte ihr dies mit. Doch sie antwortete nicht mal darauf. Mittlerweile behauptet sie, mein Vater hätte ihr die Kinder weggenommen. Sie hat so ihre ganz eigene Wahrheit, um die Dinge zu verarbeiten. Meinem Bruder erzählt sie, sie sei längst trocken gewesen, als er zur Welt kam. Dabei musste ich ihn als Baby vor ihren Gewalt- und Trunksuchtsausbrüchen schützen. Ich habe immer versucht, eine gute Tochter zu sein und auch ihre permanente Kritik ertragen. Ich zog mit meiner Familie in ihre Nähe, damit sie ein gutes Verhältnis zu meinem Sohn entwickeln konnte. Aber jetzt kann ich diese ständige Gängelei, diese permanente Kritik nicht mehr ertragen. Ihretwegen habe ich 13 Kilo abgenommen, weil sie mir jedes Wochenende mit meinem Übergewicht in den Ohren lag. Ich hätte es für mich tun sollen, nicht für sie. Man kann nur sich selbst ändern. Und jetzt muss ich erstmal mich selbst stärken und überhaupt erst finden, etwas für mich tun, bis ich mich gegen ihre Attacken wehren kann. Denn sie wird sich nie ändern. Vor zwei Wochen war das Fass voll. Nach einem gemeinsamen Essen und etlichen Tiefschlägen ihrerseits, teilte ich ihr per Brief mit, dass ich so nicht mehr weitermachen kann. Ich habe versucht, ihr einige Dinge zu erklären, aber sie versteht gar nichts. Für sie bin ich jetzt die Böse, die plötzlich den Verstand verloren hat. Es ist schade, dass ich es ihr nicht persönlich sagen konnte, aber dafür war ich einfach nicht stark genug. Leider war die Aktion total sinnlos. Denn so wird sich garantiert nichts ändern. Ich muss mich ändern. Zu allem Übel hat sie auch noch meinen Bruder in die Sache hineingezogen. Er hat mir große Vorwürfe gemacht. Er hat mir vorgehalten, ich sei genau wie sie, wenn ich einfach so den Kontakt zu ihr abbreche. Ich kann ihn verstehen, aber ich brauche einfach eine Pause, um mich emotional von allen Verletzungen der Vergangenheit zu erholen. Das habe ich beiden mitgeteilt und ebenso, dass ich mir ein offenes Gespräch mit Mutter wünsche. Doch sie reagiert mit Ablehnung darauf wie auch sonst. Aber, ich möchte mich nicht mehr schlecht fühlen ihretwegen, und ich möchte mir nicht mehr anhören müssen, dass ich ein kleines Dummchen bin, dass mein Mann ein Idiot ist, mein Hund hässlich, meine Wohnung ein Dreckloch, meine Nachbarn Asis usw. usw. Ich habe einfach keine Kraft mehr. Aber ich weiß jetzt auch nicht, wie es weiter gehen soll. Wie kann ich mich verändern? Wie wehre ich mich? Wie werde ich stark? Vielleicht hat ja jemand ähnliches erlebt und kann mir weiterhelfen.

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2. März 2007 um 17:56

Hallo Joy!
Doch, ich verstehe sehr gut, wie Du Dich fühlst.

Ich habe meinen Vater seit meinem 20sten Lebensjahr nicht mehr gesehen. Das tat damals verdammt weh, ging aber leider nicht anders. So wie bei Dir Deine Mutter, hat mich damals mein Vater "klein"gemacht, erniedrigt und die schlimmsten Dinge an den Kopf geworfen. Trinker o.ä. war er zwar nicht, aber es gibt ja andere schlechte Charakterzüge...

Was ich zu solchen Geschichten immer sage: Man kann sich seine Familie nicht aussuchen. Wo steht es, dass man sich mit Vater oder Mutter oder dem Rest der Family gut verstehen muss? Von Freunden, mit denen es nicht oder nicht mehr passt, trennt man sich auch, nur die Familie ist immer etwas "heiliges", auch wenns einem total dreckig geht und vielleicht schon psychische Probleme hat. Du kannst ja hier öfters sowas lesen. Traurig, aber was willste denn machen?

Sei stark und endlich mal egoistisch. Der Alk hat Deiner "Mutter" wohl schon das Hirn vernebelt, bevor Du vor die Hunde gehst, würde ich sagen Luft anhalten und durch. Es wird auch besser, glaube mir. Ich selbst kann behaupten, nun endlich befreit zu sein. Meinen Vater sehe ich ab und an, der lebt jetzt auch noch bei mir um die Ecke. Gott, schaut der scheisse aus! Total verlebt, warscheinlich krank. Aber er hat sichs selbst vergeigt. Seinen Enkel wird er jedenfalls im Leben nicht mehr sehen.

Also, Kopf hoch. Das bringt nix.

Kiki

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3. März 2007 um 15:58

Vielen Dank für den netten Zuspruch
An eine Therapie habe ich tatsächlich auch schon gedacht. Aber es fällt mir schwer darüber zu reden. Es aufzuschreiben dagegen gar nicht. Ich habe auch an eine Selbsthilfegruppe gedacht. Es gibt z.B. die "erwachsenen Kinder von Alkoholikern". Ich habe bei denen mal im Forum geschaut. Allerdings sind die Elternteile der Betroffenen alle noch am Trinken, oder haben akute Rückfälle. Meine Mutter ist ja ewig trocken, benimmt sich aber noch immer wie eine Trinkerin. Sie hat ein schlechtes Benehmen und macht immer andere für ihre Probleme verantwortlich. Nie hat sie selbst schuld. Ich weiß nicht recht, vielleicht gibt es ja doch Parallelen. Auf jeden Fall glaube ich, dass selbst Betroffene eher helfen können als ein Therapeut oder eine Therapeutin. Aber ich kann mich auch irren.
Vielleicht sollte ich mich einfach mal trauen und Hilfe suchen. Auch dazu gehört viel Mut. Auf jeden Fall hilft es schon, wenn man erfährt, dass andere ähnliche Erfahrungen machen mussten. Vielen Dank dafür.

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