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Schlechtes Gewissen

9. September 2010 um 19:57 Letzte Antwort: 10. September 2010 um 12:49

HAllo Mamis,

ich muss mir hier einfach mal meinen Kummer von der Seele schreiben. Vielleicht steckt ja die eine oder andere in der selben Situation:

Ich habe zwei Söhne die ich über alles Liebe. Mein Großer ist 2 1/2 und mein KLeiner 4 Monate. Mein Großer ist natürlich grad in der Trotzphase und treibt mich manchmal echt an meine Grenzen. Das Problem ist, dass ich ein ziemlich ungeduldiger Mensch bin und ich schnell die Beherschung verliere. Wenn wir zum Beispiel einen Termin haben und schnell aus dem Haus müssen und er sich mal wieder nicht anziehen lassen will, bin ich schnell auf 180 und schreie ihn an und habe richtige Wutausprüche, Fluche und schmeiße schon auch mal was um mich. Ich habe das nicht immer... Meist wenn ich ruhig bleibe und ihm viel erkläre und das ganze spielerisch mache, klappts auch meistens. Aber sobald ich anfange zu zornen, übernimmt er es natürlich. Ich weiß also, es liegt an mir. Aber manchmal reist mir einfach der Geduldsfaden. Kennt das jemand von euch? Wenn man 100 mal das gleiche sagen muss etc etc. kann einen das doch echt auf die Palme bringen, oder? Ich versuche auch immer ruhig zu bleiben aber dann kocht es doch wieder hoch. Habe schon so ein schlechtes Gewissen weil ich diese Wutausbrüchemacnchmal mehrere male am Tag habe. ICh weiß auch eigentlich wie ich diese kontrollieren kann und wie ich mit diesen Zornanfällen etc. meines Sohnes umzugehen habe, aber meist schaffe ich das einfach nicht weil ich gerade einfach ziemlich gestresst bin. Wenn das Baby dann dazu auch noch weint , verliere ich noch schneller die Geduld. Ich bemerke leider schon, dass mein Sohn das Verhalten von mir übernimmt. Wenn er zum Beispiel spielt und es klappt etwas nicht, dann fängt er auch sofort an zu brüllen und zu zornen (So wie ich eben). Das macht mich richtig traurig weil er soo ein lieber Junge ist und ich weiß, dass er gerade nur so ist weil ich es ihm vorlebe. Meint ihr, ich hab das jetzt total verbockt bei ihm oder kann ich da noch was "retten" damit auch er wieder ruhiger wird. KLar, ich weiß. Zuallererst muss ich mich ändern und wieder ruhiger werden.

Danke für eure Hilfe...

Carolin

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9. September 2010 um 20:43

Erstmal...
...wollen wir mal feststellen, dass Dein Kleener mir seinem Verhalten absolut normal ist! Hundert mal was sagen zu müssen, Trödeln, Trotzigkeit ist sowas von normal! Es wird auch noch einige bis viele Jahre so bleiben...

Du als Mutter (und natürlich auch der Vater) darfst auch ruhig mal energisch reagieren. Die Tonlage darf mal angehoben werden. Es darf auch mal ins Schimpfen übergehen. Das fällt alles unter dem legalen Deckmantel "Erziehung". Einem Kind müssen in frühen Jahren bereits Schranken für Ihr Tun gesetzt werden. Diese Schranken allerdings - und das wird von vielen Eltern mißverstanden - sollen das Kind nicht zu einem Bilderbuchkind werden lassen. Es soll vielmehr nur in Ihren Köpfchen manifestiert werden, dass ihr jetziges Verhalten nicht so ganz in Ordnung ist. Es soll die Grenzen kennen lernen, um ihr zukünftiges, hoffentlich langes Leben in annähernd diesen Grenzen zu leben. Eine 100%-ige Umsetzung - insbesondere im kindlichen Alter - sollte man aber nicht erwarten.

Ich habe eben von einer höheren Tonlage bzw. vom Schimpfen gesprochen. Das ist alles legitim, solange es seltenheitscharakter hat. Erst dann erkennt ein Kind, dass eine "Grenze" überschritten wurde. Wenn man jeden Tag von morgens bis abends am Schimpfen ist, wenn das Kind sich nicht richtig die Zähne putzt, die Socken falsch herum angezogen hat, ins Bett pinkelt, den Teppichläufer verrutscht hat...

...dann wird es das Schimpfen, weil es der Nahbarin in die Wade gebissen hat, mit dem Schimpfen bezüglich des Teppichläufers gleichsetzen. Mit anderen Worten: Der Biß in die Wade wird an Schlimmigkeit (blödes Wort!) mit dem Verrutschen des Teppichläufers bagatellisiert.

Lange Rede...

Das Verhalten Deines Kindes ist absolut normal. Stell Dich darauf ein. Bestimme den Grad des Schimpfens gemäß dem tatsächlichen Grad des "Vergehens". Und bitte - wirf nicht mit Gegenständen und bleib sachlich - insbesondere mit Deiner Wortwahl. Und vor allem - mach Dir nun keinen Kopf, dass Du alles verbockt hast. Du hast Deinen Fehler erkannt! Lerne daraus und mach es in Zukunft besser.

Alles wird gut...
Hamlet

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9. September 2010 um 21:10

Oh das....
kenn ich so gut, hab nen ähnlichen Beitrag rein gesetzt. Hab allerdings nur ein Kind (noch) von guten 2 Jahren. Auch sie trotzt was das zeug hält und ich denk manchmal das kann doch nicht normal sein, aber klar ist es normal. Hab mal nen schönen Satz gelesen der lautet so: Nimm dein Kind wie es ist und mach das beste draus. Was soviel bedeutet wie verbiege es nicht aber lenke es in die richtige Bahn.
Ich selbst hab momentan auch enorme schwierigkeiten in so manchen situationen ruhig zu bleiben, hab mir jetzt auch ein Buch gekauft von dem ich mir erhoffe das ich bald besser mit meinen Gefühlsausbrüchen klar komme. Und je "krasser" man selbst reagiert desto mehr machen es die kleinen auch und so beginnt ein Teufelskreis. Hab auch schon mal sätze gebracht wie "dann lass die Socken halt aus, dann wirst Krank aber das is mir auch egal", war natürlich nicht so gemeint aber in dem moment war ich halt sauer. Und kein Wunder wenn sie später auch mal solche Sätze bringt oder noch schlimmeres. Wichtig ist es, das hab ich mittlerweile gelernt, sein eigenes Verhalten immer wieder zu reflektieren und zu überdenken. Da ich wieder schwanger bin werde ich stark an mir arbeitet ruhiger zu bleiben, für beide Kiddis. Hoff es klappt und wünsch dir das auch.

lg

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9. September 2010 um 22:59

Ja....
ich bin auch ein sehr ungeduldiger Mensch und kann schnell aus der Haut fahren, wenn etwas nicht nach meiner Nase läuft! Und das ist nunmal oft so, wenn man Kinder hat - die hören meist nicht beim ersten Mal, immer und immer wieder muss man täglich Dinge wiederholfen - da kann einem schon mal die Hutschnur hochgehen. Doch du hast erkannt, dass DU eigentlich ruhig bleiben musst, das ist doch schon mal der erste Schritt. Dass man das nicht immer kann, ist auch klar. Bei mir hängt es oft davon ab, wie ich selbst drauf bin, wie gestresst ich von der Arbeit bin oder was ich gerade für ein Problem zu bewältigen habe. Meine Tochter ist mittlerweile so alt, dass ich mit ihr darüber reden kann, wenn ich mal unverhältnismäßig laut geworden bin - ich kann mich dafür auch entschuldigen und es geht uns danach beiden besser. Das ist eben Erziehung, man muss ständig an seinen Kindern und sich selbst arbeiten........

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10. September 2010 um 12:49

Hallo
Als erstes solltest Du kein schlechtes Gewissen haben, wir sind alle Menschen und haben mal mehr mal weniger Stress und genau so reagieren wir auch unterschiedlich, je nach Stimmung und Laune. Gut ist, dass Du erkannt hast, dass Du Dich eigentlich auf dem falschen Weg befindest, denn Du siehst ja selber, dass Dein Sohn dieselben Verhaltensweisen annimmt und die sind nicht gut. Sachen schmeißen etc., finde ich nicht o.k.. Mal etwas lauter werden, das macht jeder mal, möchte ich behaupten, mit einigen ganz wenigen Ausnahmen vielleicht.

Wichtig ist wirklich, nicht bei jeder Kleinigkeit die Nerven zu verlieren und die Dinge etwas gelassener zu sehen, Du musst Dich da selber etwas runterbringen (ich kenne das auch, bin auch ungeduldig, aber sobald ich merke, dass ich in die gewisse Schiene komme, versuche ich mir ins Bewusstsein zu rufen, "Stopp, das ist jetzt der falsche Weg", mir hilft das, dann wieder unterzukommen).

Du siehst ja selber, dass Du damit eigentlich gar nichts erreichst, ganz im Gegenteil es wird nur noch mehr gebockt, dies musst Du Dir in solchen Momenten in Erinnerung rufen und - auch wenn es schwer fällt - die Situation vielleicht mit einem Scherz, ein Lächeln oder aber vielleicht auch mal mit einer Erklärung auf Augenhöhe des Kindes, zu entschärfen. Ablenkung ist eigentlich immer ein guter Weg, wirkt bei meinem Sohn auch am besten. Wenn ich hier nämlich auch mal lauter werde, macht er das sofort auch, weil er es dann für richtig hält, ich mache es ihm ja vor......

Du kannst das auf jeden Fall bei ihm wieder richten, wenn Du ab sofort versucht, solche Situationen zu vermeiden, dann wird er mit der Zeit auch diese Verhaltensweise wieder ablegen, natürlich nicht von heute auf morgen, ich denke, dass Du ihm das schon seit längerer Zeit vorgelebt hast.

Viel Glück und bitte keine Selbstvorwürfe, wir sind alles nur Menschen

LG

Chiara

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