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Psychischer Druck durch Eltern

Letzte Nachricht: 6. November 2021 um 11:04
L
luisalebt91
12.10.21 um 13:19

Hallo liebe Community,

zunächst möchte ich mich vorab bei jedem bedanken, der sich die Zeit nimmt, meinen Beitrag zu lesen und ggf. auch zu beantworten.

Es fällt mir nicht ganz leicht, das alles los zu werden. Allerdings ist die Belastung mittlerweile groß, sodass ich mir zumindest etwas Erleichterung mit diesem Text und ggf. euren Tipps erhoffe.

Ich bin 30 Jahre alt, nicht verheiratet, kinderlos, dafür promoviert und beruflich erfolgreich. Zudem bin ich seit ca. 5 Jahren mit meinem Freund zusammen, mit welchem ich auch zusammen lebe. An und für sich empfinde ich das alles als durchaus in Ordnung.  Sprich: Ich fühle mich nicht als Totalversagerin. Auch wollen mein Partner und ich beide Kinder und eine Eigentumswohnung bzw. ein Haus. Das alles kann sich aus unterschiedlichen Gründen jedoch erst in ca. 2-3 Jahren abspielen. 

Das Problem hierbei: Meine Eltern, welche mit meinem "Lebensmodell" alles andere als einverstanden sind. "Nicht einverstanden" einerseits, andererseits versuchen sie mich aber auch regelrecht in eine Richtung zu drängen, die ihnen besser passt. 

Ganz schlimm war es vor ca. 2 Jahren, als mein Freund und ich eine Krise hatten und zeitweise getrennt waren. In dieser Zeit zog ich vorübergehend (für ca. 6 Wochen) bei meinen Eltern ein. Das Schlimme ist, dass meine Eltern anfangs immer verständnisvoll tun, ich aber spüre, dass es nicht ernst gemeint ist und dieses Gefühl durch ihr Verhalten auch bestätigt wird. In besagten 6 Wochen durfte ich mir z. B. Dinge anhören wie "Dein Leben verläuft nicht richtig". Besonders schmerzhaft war es, als ich meine Mutter vor sich hinmurmeln hörte "Hoffentlich geht die bald wieder". Spreche ich sie direkt darauf an, streiten sie es beide ab oder verharmlosen es. Auch äußert sich mein Vater in meiner Anwesenheit oft sehr negativ über Frauen, die keine Kinder haben bzw. haben wollen. Beliebt ist auch der permanente Vergleich mit meinen Cousinen: Cousine A hat geheiratet, Cousine B ist schwanger, was mich auch sehr unschön an meine Jugend erinnert, als mir meine Mutter regelrecht einen Freund aufzwingen wollte, nur weil meine Cousinen bereits alle einen Freund hatten. Dabei außer Acht lassen meine Eltern gerne, dass sie bereits ein Enkelkind haben (durch meine Schwester) und meine Mutter somit als erste Oma im Familienkreis wurde. Aber das reicht scheinbar nicht.

Mittlerweile, da ich wieder mit meinem Freund zusammenwohne, kommen andere Themen auf den Tisch. Beispielsweise fängt mein Vater nun häufig - total zusammenhangslos und ungebeten - damit an, dass mein Freund ja bei einer Hochzeit meinen Nachnamen annehmen könnte. Dabei haben wir nie gesagt, dass/ob wir überhaupt heiraten werden. Auch wurden sowohl meine Schwester und ich angegangen, weil wir noch kein Haus gebaut haben. Meine Eltern selbst haben aber erst mit Mitte 30 ihr Haus gebaut und wurden dabei auch finanziell sehr stark durch meine Großeltern unterstützt. Anderes, beliebtes Thema ist die Tatsache, dass mein Freund und ich beide aus der Kirche ausgetreten sind, was "menschlich alles andere als in Ordnung ist".

Mittlerweile fühle ich mich nur noch schlecht, bin regelrecht depressiv wenn ich mit ihnen in Kontakt stehe. Dieser freundliche Schein vorne herum und dieses Gängeln, fortlaufende Kritisieren und Angreifen durch die Hintertür - obwohl ich ein freundlicher Mensch bin, der niemandem etwas tut - kann ich einfach nicht nachvollziehen. 

Den Kontakt einschgeschränkt habe ich schon. Allerdings muss ich fairerweise auch dazu sagen, dass mich meine Eltern während meinem Studium immer finanziell unterstützt haben und ich mich undankbar fühlen würde, sie gar nicht mehr oder noch weniger zu besuchen.

Wie schaffe ich es, mich von all dem, psychisch besser abzugrenzen?

Vielen Dank für Eure Tipps.

Herzliche Grüße
L. 
 

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B
banananas
23.10.21 um 21:30

Ich finde, von deinen Eltern ist das Jammern auf hohem Niveau. Du bist promoviert und noch jung, du hast noch viel Zeit, um dich für Kinder zu entscheiden, wenn du das willst. Deine Mutter ist bereits Oma, es gibt also genügend Gründe für sie, stolz zu sein. Aber manche Menschen sind eben nie zufrieden, das ist nicht deine Schuld.  
Nimm deine Eltern einfach immer beim Wort und kümmere dich nicht um die unterschwelligen, negativen Signale, sonst fühlen sie sich in dieser schizophrenen, doch sehr belastenden Art zu kommunizieren noch bestärkt. Deine privaten Etnscheidungen gehen sie nichts an, du bist ja nicht ihre Marionette. 
Vielleicht hast du aber auch einen zu hohen Anspruch an dich selbst, das geht sehr hochqualifizierten Menschen oft so. Dann versuchen sie, es allen, wirklich allen, immer recht zu machen, und suchen überall nach Kritik, die sie auf sich beziehen können, auch wenn es vielleicht in Wirklichkeit gar keine gibt oder nicht so gemeint war. Wenn du deine Eltern mehr als eine Art Rückzugsort siehst, der dich mit offenen Armen empfängt, ohne dich in Frage zu stellen, dann werden sie diese Rolle auch mehr und mehr annehmen, da bin ich mir sicher. Wenn du sie aber in der Kritisierer-Rolle siehst, sie vielleicht auch unbewusst dort hinein drängst, werden sie sich jedoch darin bestärkt fühlen.

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S
spiff80
24.10.21 um 0:03

Ui das klingt heavy.

Im Gegensatz zur letzten Antwort, denke ich nicht, dass Du mit Deiner Einstellung, was ändern kannst, damit Du deine Eltern als Rückzugsort geniessen kannst.
Ganz offensichtlich: Du hättest sie gerne als Rückzugsort (z.B. wenn es mit Deinem Freund mal nicht läuft), aber sie geben Dir das nicht. Sie lassen Dich nicht Du sein, sondern wollen Dir ihre Vorstellung überstülpen.

Ganz schlimm finde ich die Aussage, dass Du dich verpflichtet fühlst, ihnen dankbar zu sein... Du musst sie quasi besuchen, weil sie Dein Studium finanziert haben. Das ist ein ganz unangenehmes Pflichtgefühl. Denn korrekt wäre ja, dass sie dich von Herzen unterstützt haben und Du sie von Herzen besuchen willst.

Ich glaube, das einzige was hilft, ist, dass Du zufrieden mit Deinem Leben bist und klar hinstehst, dass Du so lebst wie Du willst. Und in Phasen, wo Du dich unsicher fühlst und nicht die Kraft hast, dagegen zu halten, solltest Du sie meiden - Pflichtgefühl hin oder her.

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happilyworking
happilyworking
25.10.21 um 7:30

Liebe Luisa,

es wird Zeit, dass du dich von deinen Eltern emotional lossagst. Du musst ihre Erwartungen an dein Leben nicht erfüllen und es ist ok, dass du andere Erwartungen hast.

Es klingt so, als wärst du eine sehr überlegte Person und auch noch am Beginn deiner Karriere. Ich finde es sehr lobenswert, dass dein Freund und du eine finanziell und emotional stabile Situation schaffen wollt bevor ihr eine Familie gründet.

Du solltest deine eigenen Ziele deinen Eltern offen kommunizieren und sollten sie diese nicht unterstützen, dann ist das schade, aber eben normal. Viele Eltern haben ihren Kindern gegenüber unrealistische Erwartungen und verhalten sich übergriffig. Schütze dich selbst und halte Abstand. Es ist dein Leben. Du bist deinen Eltern nichts schuldig. Du bist deinen zukünftigen Kindern aber schuldig, für sie die bestmögliche Situation zu schaffen. Da würde ich sagen ist eine zufriedene Mutter in einer stabilen Partnerschaft mit finanzieller Absicherung wichtiger als eine jüngere Mutter, die verheiratet ist. Lass dir nicht reinquaken. Meine Mutter hat als Ärztin erst mit 36 und 38 ihre Kinder bekommen. Je höher der Bildungsstand desto später kommen oft die Kinder.

Ich bin auch am promovieren und habe meine Tochter letztes Jahr (mit 30) bekommen. Den Vater habe ich erst in der Schwangerschaft geheiratet. Ursprünglich waren wir auch unsicher, ob wir überhaupt heiraten wollen. Vieles ist mit Kind aber unbürokratischer, wenn man denselben Nachnamen hat und verheiratet ist und seinen Eltern war die Hochzeit auch wichtig. Wir haben ganz ohne Feier geheiratet. Nach dem Standesamtstermin haben uns seine Eltern in die Pizzeria um die Ecke eingeladen. Sie konnten eine Hochzeit ohne Feier und Fotos auch nicht so recht akzeptieren. Ich trage seinen Nachnamen, weil ich ihn einfacher auszusprechen finde als meinen. Für uns war es genau richtig so.

Es tut mir sehr leid, dass du darunter leidest, wie sich deine Eltern über deinen Lebensentwurf äußern. Du kannst zu Recht stolz auf dich sein und wirst irgendwann eine tolle Mutter sein!

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suse223
suse223
06.11.21 um 11:04

Hallo, so ein ähnliches Problem hatte ich auch. Mein Mann war nicht der richtige Partner, den sie gerne gehabt hätten. Bat ich sie mal darum, ob sie meine Kinder (im Notfall) mal nehmen könnten hieß es nur "du hast dir Kinder angeschafft, also sieh zu, wie du klar kommst. Liebe Großeltern sahen anders aus. Meine Kinder wollten nie hin. Noch bnicht mal in der Haustür drin hieß es schon "Fass nichts an, mach nichts kaputt und dreckug". Meine Kinder waren total eingeschüchtert und auch ich ließ mich totalt unterbuttern. Sie taten nie was für mich oder unsere Kinder, außer dass sie mich und meine Kinder immer nur krtisierten und schlecht machten. Mein Mann war auch unerwünscht und wurde nie akzeptiert. Irgendwann langte es mir und ich schränkte den Kontakt sehr ein, auch telefonierte ich selten (nur notgedrungen, weil sie es von mir erwarteten). Ich war also weiterhin die gehorsame Tochter. Vor dem Tod meines Vaters hatte ich mich längere Zeit aufgrund eines Streits nicht gemeldet, ich wollte endlich anerkannt werden, wie ich und meine Familie war. Dann starb er und mir wurde ein schlechtes Gewissen gemacht, dass er so auf meinen Anruf gewartet hätte. Ich fühlte mich noch schlechter und als schlechte Tochter. Doch irgendwann kam es dann wieder zum Streit mit meiner Mutter. Da langte es mir und ich brach den Kontakt total ab, schrieb ihr aber einen Brief mit einer Erklärung. Was zurückkam war ein Brief mit bitterbösen Worten und ungerechtfertigten Anschuldigungen. Es tat weh, trotzdem blieb ich hart. Wollte mich und meine Familie schützen, damit wir endlich in Ruhe und Frieden leben konnten. Als meine Mutter viele Jahre später schwer erkrankte sagte mir meine Schwester, meine Mutter würde sich bestimmt freuen, wenn ich sie besuchen würde. Da meinte ich nur, wenn sie das wirklich wollte, es ihr ausdrücklicher Wunsch sei, solle mir meine Schwester Bescheid geben. Das tat sie dann auch und ich ging hin. Wir nahmen uns in den Arm, weinten gemeinsam und ich meinte nur "Was war lass es uns vergessen und die restliche Zeit, die uns noch bleibt in Frieden genießen". So hatten wir noch ca. 4 Jahre gemeinsam. Sie sagte oft zu mir, es täte ihr leid, sie hätte mich so vermisst. Was ich ihr sogar zu diesem Zeitpunkt endlich glauben konnte und wir ein schönes Verhältnis, gemeinsam mit meiner Famile, aufbauen konnten. 
Es war richtig, dass ich den Kontakt abgebrochen habe, dadurch konnte ich mein Selbstvertrauen stärken und tun, was ich wollte. Irgendwann ist man kein Kind mehr und braucht nicht mehr nach der Pfeife der Eltern zu tanzen. Man muss selbst für sich und seine Lieben verantwortlich sein. Fehler sind dazu da, gemacht zu werden. 
Habe den Mut auf dein Herz zu hören ohne Rücksicht auf deine Eltern. Denen können wir es wahrscheinlich sowieso nicht recht machen. Hab Vertrauen in dich und deinen Partner, egal was die anderen sagen oder denken.
Viel Erfolg dabei !!!!
A.R.

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