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Probleme Hort

4. März 2006 um 10:02 Letzte Antwort: 9. März 2006 um 18:16

Wir haben hier ein gewaltiges Problem, vielleicht weiss jemand, wo und wie dagegen etwas unternehmen.

In unserem Hort (Sohnemann Erstklässler) sind Gewalttätigkeiten unter den Kindern leider inzwischen an der Tagesordnung. Auch ist das Schimpfwortpotential schier grauenhaft.

Spricht man das an (den Mitarbeiter gegenüber) wird es verleugnet oder man wird auf Fehlverhalten des eigenen Kindes verwiesen (so in der Art "Ihrer ist auch nicht perfekt")

Persönlich habe ich den Eindruck, dass man dort etwas resigniert hat, bzw. die Kloppereien der Kinder sich so rasant vermehrt haben, dass das Personal dort irgendwie auch "kein Land" mehr sieht. (Ich rede hier von Faustschlägen ins Gesicht; von Drohungen der größeren Kinder die kleineren Kinder zu verhauen, wenn sie sich nicht so oder so verhalten; von Festhalten einzelner Kinder in stillen Ecken um sie zu mißhandeln (Mit Gegenständen zu hauen) ... also wirklich nicht von Kleinigkeiten)

Wo könnte man z.B. ein Anti-Gewalttraining für die Kinder dort organisieren? Wo kann man die Mißstände beklagen?

Ich gehe nicht davon aus, dass die Umstände dort durch Desinteresse der Mitarbeiter verursacht werden sondern meine vielmehr, das hat sich eben so eingeschlichen, die Kinder wissen, wann sie wie damit "durchkommen" und nutzen diese Kenntnis. Jetzt gegen dieses von den Kindern als normal angenommenes Gewaltpotential anzukämpfen ist mit Sicherheit für die Erzieher dort eine fast unlösbare Aufgabe.

Ich betone nochmal, ich will keine Schuldigen suchen oder Ursachenforschung betreiben, ich möchte lediglich die Umstände dort verbessern, da ich ja wegen Berufstätigkeit mein Kind dort betreut haben muss und andere Einrichtungen für ihn als Erstklässler entweder zu weit weg sind, so dass er den Weg nicht bewältigen kann oder bereits voll.

Was kann man als Elternteil tun? Wo kann man sich hinwenden? Die Leitung dort und die Mitarbeiter stellen die Problematik kleiner dar, als sie ist, fühlen sich in ihrer Kompetenz angegriffen und meinen, das sei eben so.

Der Elternbeirat ist für uns nicht erreichbar, Kontaktinformationen werden nicht ausgehändigt.

Was kann ich tun? Wer hat ähnliches schon "durch"?

LG
Carly98

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4. März 2006 um 19:48

Danke!
Ich hab mir sowas schon gedacht, ja.

Die Leiterin oder Erzieherinnen fühlen sich allzu rasch persönlich angegriffen. Ich habe da ja schon mehrfach vorgesprochen, wenn ich mein Kind dort mit Kratzern holte oder er mir gleich bei der Abholung erzählte, was an dem Tag dann wieder geschah. Leider ist mein Sohnemann jemand, der sehr leicht verzeiht: "Mama, das war nicht sooo schlimm und nun ist es ja vorbei!" *grummel* Die blauen Flecke auf untypischen Stellen (Schulter z.B. weil beim Spielen draussen mit Stock geschlagen) oder Kratzer im Gesicht machen mich dann so so so sehr ärgerlich

Man hört ja immer mehr, dass solche Einrichtungen keine Gelder haben um Maßnahmen zu machen, die z.B. helfen könnten. Dann muss man halt an höherer Stelle anklopfen.

Wir sind mehrere Elternteile, die die Umstände dort beklagen, aber der Grossteil der Eltern ist sehr desinteressiert und kennen das Jugendamt eher von der anderen Warte.

Es war nie meine Vorstellung meinen Sohn in einen Hort zu geben, war in meinen Idealen die "Hausaufgaben-mitmach-Mama" aber da er den Kindergarten nach der Einschulung so sehr vermisste und einige seiner Klassenkameraden in den Hort gehen, habe ich ihm das so nach seinen Wünschen arrangiert. Mir dann einen Vollzeitjob gesucht und glücklicherweise auch gefunden. Alleinerziehend hat man ja sowieso gegen viele Vorurteile zu kämpfen und so versucht man ja stets an jeder Front doppelt gut zu sein. Und nun bin ich in dem Ganzen irgendwie "gefangen"

Ein Unschuldslamm ist er sicher nicht. Er kann sehr gut mit Worten umgehen und provoziert mit Worten. Jedoch für die Situation in dem Hort haut er selber erstaunlicherweise nicht oder benutzt auch ganz, ganz selten mal ein Schimpfwort oder obszöne Geste. Also mit seiner "haltung, Leistung" oder wie man das nennen darf, bin ich sehr zufrieden. Ich frag mich nur wie lange er das von mir erbetene durchhält, wenn es ihm dort dauernd vorgemacht wird. Wenn das so weiter geht wechselt er auf die prügelnde Seite, dann steht er schon nicht auf der geprügelten. Das würde ich vollkommen verstehen, aber halt lieber insgesamt nicht haben wollen

Danke für Deinen Beitrag Mara, ich rufe Montag mal im Jugendamt an.

LG
Carly

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5. März 2006 um 13:10

Hallo!
"Wir sind mehrere Elternteile, die die Umstände dort beklagen, aber der Grossteil der Eltern ist sehr desinteressiert und kennen das Jugendamt eher von der anderen Warte."

Und genau das ist der springende Punkt. Versteh mich bitte nicht falsch, du hast bereits in deinem ersten Beitrag klargestellt, dass du Veränderungen und keine Ursachenforschung möchtest, aber leider hängen diese Sachen in der Praxis meist eng zusammen. Den dortigen Pädagogen sind oft die Hände gebunden; auf der einen Seite begrenzte finanzielle Möglichkeiten und auf der anderen Seite stellt ein Hort nun mal meist eine Auffangsstelle für Kinder da, die ansonsten anderweitig untergebracht werden müssten. Das dein Sohnemann und viele andere Kinder, die aus anderen Beweggründen dort untergebracht sind, da untergehen ist allzu verständlich. Sicherlich ist es eine nette Idee, so etwas wie Deeskalationstrainings etc. anzubieten. Erfolgversprechend ist dies meiner Ansicht nach allerdings nicht. Dafür hängt das Gewaltpotenzial (verbal wie physisch) viel zu sehr mit dem jeweiligen Hintergrund des Kindes zusammen. Ein Kind, das vom Jugendamt in den Hort empfohlen wurde hat zuhause meist ganz andere Umstände, als dass ein Anti-Gewalt-Training nachhaltig etwas bringen würde. Der Hortleitung und auch den dortigen Erziehern ist die Problematik wahrscheinlich sehr bewußt, dass sie dies bis zu einem gewissen Grade leugnen auch verständlich. Was sollen sie denn tun? Natürlich sollten sie pädagogisch intervenieren, den Kindern geeignetere Lösungen für ihr Sozialverhalten aufzeigen. Aber wenn du in einer Gruppe auch nur zwei oder drei Kinder hast, die quasi schon in den Brunnen gefallen sind, ist dies mehr als schwierig und wird sich automatisch auf die gesamte Gruppensituation auswirken. Wenn der Hort wirklich nur gedacht ist, damit dein Kleiner den Kindergarten nicht so vermisst und auch deine Ideal Vorstellung von Erziehung eher der Hausaufgaben-Mama entspricht würde ich die Idee Hortunterbringung wirklich nochmal gründlich überlegen. Sicherlich ist der Hort und die Erfahrungen die dein Kurzer dort macht auch wichtig für seine späteren "Ellbogen" und solange er zuhause ein gesichertes soziales Umfeld vorfindet ist die Gefahr, dass er sich allzu viel davon aneignet eher gering. Wenn dich das allerdings so stört, würde ich mich auf die Suche nach Alternativen machen und ggf. den Vollzeitjob überdenken. Versteh mich nicht falsch, ich finde es toll, dass du als alleinerziehende Mutter vollzeit arbeiten gehst (Respekt!), wenn du allerdings so unzufrieden mit den Umständen im Hort und der Tatsache, dass du eben nicht die Hausaufgaben-Mitmach-Mama sein kannst, bist, dann würde ich darüber nochmal nachdenken.

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9. März 2006 um 18:16
In Antwort auf sheena_12362348

Hallo!
"Wir sind mehrere Elternteile, die die Umstände dort beklagen, aber der Grossteil der Eltern ist sehr desinteressiert und kennen das Jugendamt eher von der anderen Warte."

Und genau das ist der springende Punkt. Versteh mich bitte nicht falsch, du hast bereits in deinem ersten Beitrag klargestellt, dass du Veränderungen und keine Ursachenforschung möchtest, aber leider hängen diese Sachen in der Praxis meist eng zusammen. Den dortigen Pädagogen sind oft die Hände gebunden; auf der einen Seite begrenzte finanzielle Möglichkeiten und auf der anderen Seite stellt ein Hort nun mal meist eine Auffangsstelle für Kinder da, die ansonsten anderweitig untergebracht werden müssten. Das dein Sohnemann und viele andere Kinder, die aus anderen Beweggründen dort untergebracht sind, da untergehen ist allzu verständlich. Sicherlich ist es eine nette Idee, so etwas wie Deeskalationstrainings etc. anzubieten. Erfolgversprechend ist dies meiner Ansicht nach allerdings nicht. Dafür hängt das Gewaltpotenzial (verbal wie physisch) viel zu sehr mit dem jeweiligen Hintergrund des Kindes zusammen. Ein Kind, das vom Jugendamt in den Hort empfohlen wurde hat zuhause meist ganz andere Umstände, als dass ein Anti-Gewalt-Training nachhaltig etwas bringen würde. Der Hortleitung und auch den dortigen Erziehern ist die Problematik wahrscheinlich sehr bewußt, dass sie dies bis zu einem gewissen Grade leugnen auch verständlich. Was sollen sie denn tun? Natürlich sollten sie pädagogisch intervenieren, den Kindern geeignetere Lösungen für ihr Sozialverhalten aufzeigen. Aber wenn du in einer Gruppe auch nur zwei oder drei Kinder hast, die quasi schon in den Brunnen gefallen sind, ist dies mehr als schwierig und wird sich automatisch auf die gesamte Gruppensituation auswirken. Wenn der Hort wirklich nur gedacht ist, damit dein Kleiner den Kindergarten nicht so vermisst und auch deine Ideal Vorstellung von Erziehung eher der Hausaufgaben-Mama entspricht würde ich die Idee Hortunterbringung wirklich nochmal gründlich überlegen. Sicherlich ist der Hort und die Erfahrungen die dein Kurzer dort macht auch wichtig für seine späteren "Ellbogen" und solange er zuhause ein gesichertes soziales Umfeld vorfindet ist die Gefahr, dass er sich allzu viel davon aneignet eher gering. Wenn dich das allerdings so stört, würde ich mich auf die Suche nach Alternativen machen und ggf. den Vollzeitjob überdenken. Versteh mich nicht falsch, ich finde es toll, dass du als alleinerziehende Mutter vollzeit arbeiten gehst (Respekt!), wenn du allerdings so unzufrieden mit den Umständen im Hort und der Tatsache, dass du eben nicht die Hausaufgaben-Mitmach-Mama sein kannst, bist, dann würde ich darüber nochmal nachdenken.

Nicht nur Aufbewahrung
hallo, muss Dir hier widersprechen, arbeite selbst in einem Hort und kann nicht sagen, dass wir eine Aufbewahrungsstelle sind. Wir haben 1xmonatlich Mitarbeiter-Supervision und alle 2Wochen Fallsupervision (hier können verhaltensauffällige Kinder besprochen werden). Wie so der Gewaltpegel an diesem Hort so drastisch ist, kann ich auch nicht sagen. Zu Gewaltpräventionsmassnahmen: man kann sich an den Kinderschutzbund wenden, die haben Massnahmen. Bei finanziellen Problemen hilft es, sich einen Sponsor zu suchen. Wir wurden bspw. mal von einer örtlichen Sparkasse in so einem Projekt unterstützt. Normalerweise sind die Mitarbeiter im Hort Mitglieder in diversen Arbeitskreisen: vielleicht hilft es, die Problematik hier direkt hereinzutragen.

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