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Pflegetochter - Ich bin überfordert

6. April 2004 um 20:25 Letzte Antwort: 7. April 2004 um 22:57

Hallo,

wir haben vor einigen Wochen unsere Nichte aufgenommen. Sie kam mit ihrem Vater und dessen Frau nicht zurecht und wurde vom Jugendamt in Obhut genommen. Nach einigen Monaten im Heim kam sie nun zu uns.
Ich hatte mir das alles sehr gut überlegt und war fest überzeugt, daß dies die richtige Entscheidung für uns alle ist.
Doch leider merke ich jetzt, daß ich überhaupt nicht mit der Situation zurecht komme.
Ich kannte unsere Nichte vorher kaum, mein Mann dagegen ist mit ihr aufgewachsen. Sie ist ein liebes Mädchen (16 Jahre), sehr ruhig, fleißig und eigentlich ganz einfach. Ich bin das Problem!
Ich empfinde nichts für sie.
Ihre Anwesenheit stört mich.
Ich glaube, ich habe den größten Fehler meines Lebens gemacht!!
Wenn ich mich abends nach der Arbeit auf den Weg nach Hause mache, dann würde ich am liebsten 1000 Umwege fahren. Ich will einfach nicht nach Hause, ich will nicht mit ihr konfrontiert werden.

Ich weiß nicht, was ich tun soll...

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7. April 2004 um 10:47

Unreif? ja, mag sein
Hallo Temptress,

Blut ist immer dicker als Wasser? Tja, in unserer Familie hat sich noch nie der eine um den anderen gekümmert. Für jemand anderen da zu sein ist für mich ganz neu (abgesehen von meinen Eltern und meinem Mann) und ich muß sagen, daß ich bisher auch kein Interesse daran hatte.

Ich wollte helfen und ja - vielleicht habe ich es mir leichter vorgestellt.

Eifersüchtig bin ich nicht, jedenfalls nicht, daß es mir bewußt wäre.

Ich finde schon, daß ich etwas für sie empfinden sollte. Als Pflegemutter sollte ich ihr Zuneigung und Geborgenheit geben können.

Alles was rein "technisch" für sie zu tun ist, erledige ich. Schule, Freizeit, Beratung etc. -aber in den Arm nehmen kann ich sie nicht, trösten kann ich sie nicht...

Bisher macht sie nichts, außer 1 x die Woche die Pflicht-Berufsschule zu besuchen. Vor den Sommerferien läßt sich wohl auch keine wirkliche Beschäftigung für sie finden (schulisch). Dann wird sie wohl ein Jahr Schule machen, um hoffentlich den Hauptschulabschluß zu schaffen. Dann MUSS sie eine Ausbildung anfangen, da es sonst Probleme mit ihrer Aufenthaltserlaubnis gibt.
Mein Mann und meine Nichte haben nicht die deutsche Staatsangehörigkeit.

Klar, daß mir niemand eine Entscheidung abnehmen kann - tut aber trotzdem gut, es mal aufzuschreiben.

Liebe Grüße
Derya

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7. April 2004 um 10:52

Am liebsten würde ich die Zeit zurückdrehen...
und eine andere Entscheidung treffen.

Ich bereue es bitter, daß ich nicht von Anfang an abgelehnt habe. Sie wäre in einer betreuten WG auch gut aufgehoben gewesen - glaube ich zumindest. Ihre Zeit im Heim war auf jeden Fall sehr schön. Sie fühlte sich dort sehr wohl und war sehr gut betreut.

Natürlich ist mir klar, daß ich sie nicht so einfach wieder abschieben kann. Trotzdem ist es genau das, was ich am liebsten tun würde.

Mein Mann und ich hatten noch keine Gelegenheit darüber richtig zu sprechen. Wir haben sehr unterschiedliche Arbeitszeiten und sehen uns sehr wenig.

Ich hoffe, ich wachse da irgendwie rein...

Derya

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7. April 2004 um 22:57

Das gleiche Problem
hatte ich vor gut vier Jahren.
Ich bin verheiratet. Für meinen Ehemann und mich ist es die zweite Ehe. Der damals neunjährige Sohn meines Ehemanns zog zu uns, weil die Mutter des Kindes nicht mit ihm klar kam. Ich wollte damals auch nur helfen und war damit einverstanden, dass der Junge zu uns zog.
Und da ging es mir wie Dir. Ich habe selber drei Kinder und der Junge ist nun mal nicht mein Kind. Gut, er ist das Kind meines Ehemannes!! Aber die, die in der Situation noch nie waren, haben gut reden!!! Von wegen eigene Verwandschaft!! Die kommt in der Regel ab und zu zu Besuch und verschwindet dann wieder. Hier bleibt die Verwandschaft und zwar Tag und Nacht!!! Für mich war es eine riesen Umstellung! Ich bin gegenüber meinen eigenen Kindern sehr freizügig und musste mir nie Gedanken dazu machen, was ich jetzt mal eben überziehen muß; oder kann ich mal eben baden gehen. Plötzlich musste ich mich im Badezimmer einschliessen. Auch mein Sexualleben veränderte sich, weil ich immer im Hinterkopf hatte, daß da jemand "fremdes" plötzlich im Schlafzimmer auftauchen könnte....
Mein Mann konnte meine Probleme nie ganz nachvollziehen, weil ihm das Thema Schamgefühl völlig fremd war.
Nach ca. 11/2 Jahren ist der Junge wieder zu seiner Mutter gezogen und ich muß zugeben, seitdem fühle ich mich wieder in meinem Zuhause ZUHAUSE!!

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