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Patchworkfamilie zum Scheitern verurteilt?

11. September 2014 um 9:33

Ich bin 44 Jahre alt und seit drei Jahren mit meinem Partner zusammen. Er ist 53. Seit zwei Jahren leben wir zusammen, und, obwohl wir beide gebrannte Kinder sind, haben wir im Frühsommer geheiratet.
Wir sind uns beide sicher, dass wir genau richtig füreinander sind. Trotzdem kommt es immer wieder zu Schwierigkeiten, die in der Hauptsache darin begründet liegen, dass wir nicht gut mit den Kindern des jeweils anderen umgehen können.
Ich habe drei Kinder (15, 13 und 13), und er hat zwei Kinder (17 und 14).
Bereits vor zwei Jahren habe ich entschieden, nicht mehr mit allen Kindern gemeinsam in den Urlaub zu fahren. Wir waren trotzdem noch einmal mit seinen Kindern (ohne meine, die waren in der Zeit beim Vater) eine Woche verreist, und obwohl sein Sohn sich große Mühe gegeben hat, uns das Leben zur Hölle zu machen, haben wir beide gut durchgehalten.
Vor ein paar Wochen gab es dann jedoch einen Vorfall mit seinem Sohn (seine Kinder leben bei der Mutter), der sehr schwierig war. Ich hatte Urlaub und mein Mann nicht. Sein Sohn war aber für ein paar Tage hier. Der Junge (17) ist sehr anspruchsvoll, aber ich halte mich nicht für seine Dienstmagd, und so kommt es immer wieder zu Schwierigkeiten. In diesem Fall hatte er, wie gewöhnlich, nach dem Toilettenbesuch nicht gespült. Ich hatte das schon einige Tage für ihn erledigt, ihn nun aber doch noch einmal darauf angesprochen, dass er es bitte selbt machen solle. Er zuckte mit den Schultern und entgegnete nur "Ich habe Ferien, da mach ich gar nichts!"
Als mein Mann von der Arbeit kam, habe ich ihn gebeten, nochmal mit dem Jungen zu sprechen. Reaktion seines Sohnes war: "Die Alte scheißt ins Klo und spült nicht, damit sie mich hinterher anscheißen kann!"
Erst eine Woche später fanden wir zufällig heraus, dass derselbe Sohn, als er Verwandte meines Mannes besucht hat, Hochzeitsgeschenke für uns mitbekommen hatte, die er aber in die nächste Mülltonne getan hat, weil er "keinen Bock auf so 'nen Scheiß" hat. Wir wußten davon nichts, bis meine Schwägerin uns ansprach, ob uns wohl auch alles gefallen hätte ... Abgesehen vom materiellen Wert, den zu bezahlen einigen Verwandten sehr schwer gefallen sein muß, geht so etwas natürlich gar nicht.
Ich hatte ja Urlaub, und meine Kinder waren mit ihrem Vater in den Ferien, und so habe ich kurzerhand eine Freundin besucht für ein paar Tage und bin auch erst zurückgekehrt, nachdem der Sohn wieder abgereist war.
Anschließend hat mein Mann entschieden, dass sein Sohn uns nicht mehr besuchen solle - der Vater kann ja seinen Sohn besuchen. Ich halte das nicht für die richtige Lösung, bin andererseits jedoch sehr dankbar dafür.

Nun geht es weiter. Mein Mann und ich waren 14 Tage mit meinen Kindern verreist, und ich hatte eigentlich das Gefühl, dass es ein schöner Urlaub war. Jedoch sagte mir mein Mann am vorletzten Urlaubstag, dass er fix und fertig sein, weil die Kinder ihn ignorieren, freche Antworten geben und ständig albern singen (pubertierende Mädchen ...). Das alberne Singen und die frechen Antworten waren schon öfter Thema bei uns gewesen, aber scheinbar war jetzt die Toleranzgrenze überschritten.
Ich habe mir die Mädchen ordentlich zur Brust genommen und ihnen klargemacht, dass wir in Zukunft dieses Fehlverhalten nicht mehr dulden werden.
Die Kinder haben sich (schon wieder zu Hause) einige Tage in ihren Zimmern verschanzt, sind dann aber gestern doch gekommen, um zu reden. Ich möchte, dass sie sich entschuldigen, und dass sie in Zukunft nicht weggehen, wenn man mit ihnen ein strenges Wörtchen zu reden hat. Nun hat aber eine meiner Töchter einen wichtigen Punkt gebracht, und ich finde, da hat sie auch recht: Vor einiger Zeit hat mein Mann etwas nicht so schönes zu meinen Kindern gesagt, und er hat sich nie entschuldigt. Meine Tochter hat gesagt, sie will sich gern entschuldigen, wenn mein Mann sich auch entschuldigt. Er wiederum meinte, Erwachsene müssen sich nicht bei Kindern entschuldigen. Das halte ich für Schwachsinn, und deshalb habe ich meiner Tochter recht gegeben.
Außerdem, so sagte meine Tochter, solle er aufhören, bei Streitgesprächen wegzugehen, dann würden meine Töchter in Zukunft auch bleiben. Tatsache ist, dass in Konfliktsituationen mein Mann einfach geht. Er geht dann stundenlang spazieren und reagiert sich so ab. Aber er geht halt mitten im Gespräch. Zwei oder dreimal hat er auch seine Sachen gepackt und ist zu einem Freund oder zu seinem Bruder gefahren und dort auch jeweils eine Woche geblieben.
Auch in diesem Punkt habe ich meiner Tochter recht gegeben: als Erwachsene sollten wir Vorbilder sein, und wir können von den Kindern nichts verlangen, was wir selbst nicht anders machen.

Daraufhin stand mein Mann auf, um seine Sachen erneut zu packen ... Ich habe ihm bereits vor der Hochzeit gesagt, dass ich das nicht mag, weil ich diese Ungewissheit, ob er geht, ob er bleibt, ob er wiederkommt, ob er wieder gehen wird ... nicht mag. Ich liebe ihn sehr und möchte mit ihm alt werden, und ich weiß auch, dass er mich sehr liebt. Trotzdem habe ich ihn gebeten, wenn er jetzt packt, bis zum Wochenende auszuziehen (er hat nicht viel, das meiste hat seine Ex-Frau bei der Scheidung mitgenommen), und dass ich nicht möchte, dass er wiederkommt. Natürlich möchte ich überhaupt nicht, dass er geht!
Ich würde gern mit allen gemeinsam eine systemische Therapie machen, aber leider können wir das nicht bezahlen.

Hat jemand Tipps für mich? Sowohl seine als auch meine Kinder sind eigentlich prima Kinder, ich denke, wir müßten das hinkriegen können. Ich weiß nur nicht, wie.

Viele Grüße, Ellawe

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18. September 2014 um 17:12

Na das ist ja noch ein Zahn härter....
Hallo,
Patchworkfamilie sein ist wirklich nicht leicht....
ich glaube wir Mütter sind einfach zu gut für die Welt, für die Männer usw.
Bei Dir geht ja ganz schön was ab...Du hast alles richtig gesagt und gemacht....
Es ist wirklich sehr schwer Dir Ratschläge zu geben , eine Therapie müßte auch Dein Mann eingehen wollen, und dass manchmal Monate lang...
Du hast pubertierende Kinder , obwohl Deine Mädchen auch in diesem Fall sehr vernünftig waren und ein Gespräch gesucht haben, nach dem Du mit Ihnen ein ernstes Wort geredet hast....
Konnte das aber Dein Mann denn bei seinem Sohn auch , nach diesen Vorfällen...??
Er hätte sonst recht, dass er nach den Deviten lesen, für eine Weile nicht mehr kommen braucht....
Es gibt viele Therapien bei Kirchenträger oder Jugendämter wissen auch wo man hingehen kann bei Problemen mit pubertierenden oder Familienproblemen....

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18. September 2014 um 21:52
In Antwort auf stevie_11987259

Na das ist ja noch ein Zahn härter....
Hallo,
Patchworkfamilie sein ist wirklich nicht leicht....
ich glaube wir Mütter sind einfach zu gut für die Welt, für die Männer usw.
Bei Dir geht ja ganz schön was ab...Du hast alles richtig gesagt und gemacht....
Es ist wirklich sehr schwer Dir Ratschläge zu geben , eine Therapie müßte auch Dein Mann eingehen wollen, und dass manchmal Monate lang...
Du hast pubertierende Kinder , obwohl Deine Mädchen auch in diesem Fall sehr vernünftig waren und ein Gespräch gesucht haben, nach dem Du mit Ihnen ein ernstes Wort geredet hast....
Konnte das aber Dein Mann denn bei seinem Sohn auch , nach diesen Vorfällen...??
Er hätte sonst recht, dass er nach den Deviten lesen, für eine Weile nicht mehr kommen braucht....
Es gibt viele Therapien bei Kirchenträger oder Jugendämter wissen auch wo man hingehen kann bei Problemen mit pubertierenden oder Familienproblemen....

Update
Hallo Delphina40, vielen Dank für Deine Reaktion!

Also mein Mann hatte sich ein paar Wohnungen hier im Ort angesehen, sich dann aber nach ein paar Tagen des Suchens doch entschieden, dass er sich nicht von den Kindern kleinkriegen lassen will. Die Kinder und er haben sich einzeln unterhalten und ihre Probleme gelöst.
Dennoch erwägen mein Ex-Mann und ich, meine älteste Tochter für dieses Schuljahr zum Austausch ins Ausland zu schicken. Sie will überhaupt nicht, weil sie hier einen Freund hat und weil sie auf sehr hohem Niveau musiziert und Angst hat, ihre Stipendien zu verlieren (sie spielt, seit sie 14 ist, mit Stipendien an der Uni). Wir werden uns am Wochenende mit allen Optionen an einen Tisch setzen und gemeinsam überlegen. Aber mein Ex-Mann und ich sind durchaus gewillt, entgegen ihren Wünschen zu ihrem besten zu entscheiden...

Kirche und Jugendamt sind für uns in thrapeutischer Hinsich keine Option, warum, möchte ich hier nicht begründen.

Ja, mein Mann zieht es mit seinem Sohn nun knallhart durch. Das liegt aber daran, dass der Sohn sehr stolz auf seine Einstellung und Haltung ist und einfach nicht mit sich reden lassen wirll.
Interessant ist jetzt seit ein paar Tagen die Reaktion der Mutter: sie findet es unfair, weil sie ja den Siebzehnjährigen nicht allein lassen kann (den kann man auch nicht allein lassen) und sie ihn nun, immer wenn sie mal weggehen will, mitnehmen muß, was aber auch nicht geht, weil er ja so unmöglich ist. Und das hat nun zur Folge, dass sie aufgrund ihres Siebzehnjährigen zu Hause festgenagelt ist ... Da sie eine arge Partymaus ist, findet sie das natürlich überhaupt nicht gut, und die Oma nimmt den Jungen auch nicht mal übers WE. Jedes andere Enkelkind, aber dieses eben nicht. Das wußten wir auch nicht ... Es bestätigt uns aber, richtig entschieden zu haben.
Wir sind jetzt aktiv damit befaßt, eines unserer Autos gegen ein kleines Wohnmobil einzutauschen. So kann man mein Mann eventuell mit seinem Sohn mal ein WE an einem neutralen Ort verbringen, ohne dass jemand anderes dadurch gestört wird. Der Sohn findet es blöd, weil ein Wohnmobil natürlich kein WLAN hat und keinen Fernseher, aber er braucht ja nicht mitzufahren. Es ist seine Möglichkeit, Zeit mit seinem Vater zu verbringen. Mehr kann man wohl nicht anbieten.

Und mein Mann und ich können das auch mal für ein Wochenende ohne Kinder nutzen Die jüngeren kann man nämlich durchaus mal allein lassen, wenn die Großeltern, die 10 Minuten weit weg wohnen, gelegentlich mal gucken oder anrufen ...

Immerhin sind wir jetzt endlich alle zusammen und auch alle in Zweier-Beziehungen im Gespräch. Wenn wir das durchhalten, dann schaffen wir das auch. Mein Mann und ich haben uns auf jeden Fall geschworen, erstmal gemeinsame Front zu machen. Und er ist auch über seinen eigenen Schatten gesprungen und hat sich entschuldigt (hat mir meine Tochter erzählt, nicht er ...).

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19. September 2014 um 11:41

Ich hätte das auch ....
.... furchtbar gefunden.
Aber manchmal hilft's ja.

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