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Mutter und Schwiegermutter stolz auf Gewalt

14. Januar 2013 um 17:59

Hallo zusammen, sowohl meine Mutter als auch meine Schwiegermutter geben bei Familienzusammenkünften gerne Details aus unserer Kindheit zum Besten. Dabei sind sie wirklich STOLZ auf gewalttätige Vorkommnisse.

Gestern beispielsweise berichtete meine Schwiegermutter darüber, dass mein Mann als Junge beim Sonntagmittagessen mit einer Maggi-Flasche herumgealbert hätte und (offenbar absichtlich) damit an die tapezierte Wand gespritzt hätte. Ok, das ist kein Verhalten, das Eltern freut... geb ich ja zu. Mein Schwiegervater habe dann aber meinen Mann gepackt und so herumgeschlagen, dass der Junge in die Hose gemacht hätte. Ihr freudiges Lachen und das stolze Blitzen in ihren Augen (über das beherzte Durchgreifen ihres Mannes) beim Erzählen dieser Brutalität hat mich mal wieder schockiert.

Ganz ähnlich brüstet sich meine Mutter beispielsweise der unbarmherzigen Gewalt, mit der sie meinen Trotzanfällen (mit knapp drei Jahren) begegnet sei. Ich wurde in ein Zimmer gesperrt und sollte dort alleine schreien. Wenn ich nach einer Weile noch weiter schrie (was meine Mutter nervte, denn so groß war die Wohnung nicht), öffnete sie die Tür und verlangte Ruhe, sonst käme sie mit dem Kochlöffel. Natürlich kann ein kleines Kind nicht auf Befehl das Schreien abstellen und natürlich führte meine Mutter ihre Drohung aus und ich hatte nun ja "einen Grund zum Schreien". Der Grund für meine Trotzanfälle war beispielsweise, dass ich gerne Zuwendung von ihr wollte (zum Beispiel das Vorlesen eines Bilderbuches), sie aber anderweitig beschäftigt war. Kurz und gut, meine Mutter ist heute, Jahrzehnte später, noch vollständig überzeugt von ihrer "Erziehungsmethode" und stolz darauf, so gehandelt zu haben.

Wie soll man auf solche Schilderungen reagieren? Ich will meinen Eltern und Schwiegereltern keine bösen Vorwürfe machen (sie wussten offensichtlich eben nicht besser, mit den Kindern umzugehen), aber dieser unangebrachte Stolz auf ihre Gewaltausübung gegenüber Kindern macht mich echt fertig.

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2. Februar 2013 um 16:09

Danke für euer Mitgefühl...
... und eure Meinungen.

Zu deiner Anmerkung, Schnuckenweide: "ich glaub ansonsten würd ich wohl gradraus sagen, dass ich das einfach nur furchtbar und grausam finde und sie sich shämen sollten, sich so an schwächeren zu vergreifen!!!"

Es ist interessant, dass ich das nicht sagen KANN bzw. nicht so auf die Erzählungen reagieren kann. Ich bin in solchen Augenblicken nur sprach- und fassungslos.

Vermutlich habt ihr Recht, matomasi und sommerregen, dass man die Überzeugung meiner Angehörigen sowieso nicht ändern kann. Ich habe schon mehrere Male Briefe angefangen, in denen ich meine Sicht und mein Erleben beschrieben habe... aber ich hab's dann doch gelassen, diese zu vollenden und vor allem, diese loszuschicken. Ich hatte auch schon die Idee, mal eins der Bücher über geschlagene, misshandelte Kinder zu kaufen und meinen Angehörigen zum Lesen hinzulegen. Aber vermutlich würden sie den Wink mit dem Zaunpfahl nicht verstehen (wollen).

@sommerregen: Ich weiß gar nicht, ob ich meinen Angehörigen verziehen habe. Gut, ich denke, meine Eltern handelten jeweils aus Überforderungssituationen heraus (z. B. enger Wohnraum, kontrollierende Persönlichkeitsstruktur, eigene Gewalterfahrungen u. dgl.). Das lässt sich eben nicht ändern und es gab dazwischen ja auch ihr Bemühen um Unterstützung und Förderung, gemeinsame Erlebnisse u. dgl. Ich versuche, meine Kindheit sachlich zu sehen.

Aber dass sie sich selbst für ihr damaliges ungebärdiges Verhalten auch heute noch sozusagen "auf die Schulter klopfen", nein, das kann und werde ich ihnen niemals verzeihen (und deshalb bleibt mein Verhältnis zu ihnen wohl für immer zwiespältig und vorsichtig).

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3. Februar 2013 um 23:12


Ohhhh, das kenne ich alles.
Was du tun kannst? Gar nicht drauf eingehen. Ich bin auf solche Erzählungen maximal mit "na heute ist das etwas anders!" eingegangen. Irgendwann war Ruhe.

Ich habe nach der Geburt des ersten Kindes einmal auf den Tisch gehaun und gesagt, dass es mein Kind ist und mein Erziehungsstil gilt und sonst keiner. Das wurde akzeptiert.

Wir erziehen komplett anders als die Eltern.

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