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Mit Tod eines geliebten Menschens umgehen/ Familienprobleme

5. Juli 2017 um 19:54

Hallo!

Ich weiß, dass es im Internet schon hunderte solche Ratgeber gibt, wie man mit einem Tod eines geliebten Menschens am Besten umgehen soll, aber erstens helfen mir die relativ wenig und zweitens möchte ich einfach mal mit jemanden meine Gedanken teilen und einfach mal alles rauslassen, was mir so am Herzen liegt. Das wird also alles ein bisschen länger, nicht wundern

Ich fange am Besten einmal ganz von vorne an:
Ich hatte Anfang dieses Jahres einen Freund, mit dem meine Eltern so gar nicht zufrieden waren und es dadurch auch so einige größere Streitereien gab. Noch dazu kam, dass meine Schwester angefangen hat, zu tun was sie will. Das heißt, sie schlich sich jeden Tag aus dem Haus, wurde agressiv und noch viel schlimmeres.... Darunter litt natürlich die ganze Familie sehr und ich habe das ganze natürlich nicht einfacher gemacht. Mein Großvater(74) war dadurch immer so mitgenommen, dass er tagelang einfach nur noch stumm auf einem Sessel saß. Generell war er in dieser Zeit sehr komisch, weil er sehr viel schlief und immer müde war,.. Leider ist uns das durch den Stress nie aufgefallen, sodass wir erst diese Symptome bemerkten, als es zu spät war. Jedenfalls gab es wegen meinem Freund am 21.02 in der Nacht einen heftigen Streit mit meiner Mutter und mir. Dieser Streit dauerte einfach bis um 12 in der Nacht und es wurde auch ziemlich viel geschrien. Wir sind dan beide wütend ins Bett gegangen. Und am Nächsten Tag um 9 Uhr wache ich auf und höre ein bitterliches Schreien. Ich ging ins Wohnzimmer und sah meinen Großvater tot im Wohnzimmer liegen. Es war grauenhaft, ich wusste damit nicht umzugehen, er war doch immer unser Großvati, der so lebensfroh war und am Vorabend sogar noch einen Spaziergang gemacht hatte. Laut dem Arzt war er 4 Stunden nach dem großen Streit gestorben. Herzinfarkt. Ich hatte einfach so große Schuldgefühle, bzw habe die auch noch immer und damit kann ich so gar nicht umgehen. Meine Mutter sagte, dass er den Streit sicher nicht hörte.. aber ich glaube das redet sie mir und sich selber nur ein. Jedenfalls war ich lange einfach nur down, konnte das aber nie richtig herauslassen, weil ich meiner Mutter und Großmutter helfen musste, da sie sonst zusammengebrochen wären. Die Zeit verging, und während meine Mutter und Großmutter sich Schritt für Schritt ein bisschen erholt haben (aber noch lange nicht ganz!), habe ich einfach das ganze Thema genommen und auf die Seite geschoben. Ich bin weder mit auf den Friedhof gegangen, noch habe ich mit meinen Eltern über ihn gesprochen. Ich habe mich auch mit meinen Freund nach seinem Tod getrennt, da ich gemerkt habe, dass er wirklich alles andere als ein guter Freund war (gut dass ich meiner Mutter so viel geglaubt habe......) Er hat mich nämlich in der ersten Woche nach dem Tod von meinem Großvater nur runtergemacht, gesagt, dass ich mich nicht so in den Mittelpunkt stellen soll, wenn ich jmd zum Reden gebraucht hätte und ständig gefragt, wie lang ich denn noch so rumheulen will... 
Die Lage mit meiner Schwester hat sich in letzter Zeit nur noch verschlechtert, sie hat die Schule abgebrochen und es wird 24/7 nur noch herumgeschrien. Ich stehe einfach nur in der MItte und weiß nicht, was ich tun soll. Und meine Schuldgefühle werden immer größer, weil ich jetzt weiß, wie sich mein Großvater gefühlt haben muss. Noch dazu, liegt bei meinen Eltern ALLE Hoffnung auf mir. ich soll brav sein, ich darf keinen Freund haben, ich soll nicht weggehen. EInfach nur lernen und im Haushalt mithelfen. Und ich will nicht 'nein' sagen, weil meine Eltern es auch so schon schwer genug haben. Aber es belastet mich so stark und ich weiß nicht, wie ich damit umgehen soll. Die Gedanken, dass ich vielleicht an dem Tod meines gelieben Großvaters mitschuld bin und die Tatsache, dass bei unserer Familie alles den Bach runter geht. Mein Papa sieht so übermüdet und fertig aus, dass ich mich sorge, dass ihm nicht das gleiche widerfährt wie meinem Opa.

Ich weiß, dass man zu meinem Beitrag nicht wirklich helfen kann. Und ich weiß auch, dass es schlimmeres gibt auf der Welt. Aber ich bin im Moment so fertig, dass ich einfach mal anonym im Internet meine Gedanken mit anderen Leuten teilen muss. Ich würde mich trotzdem sehr über eine Antwort freuen.

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7. Juli 2017 um 8:58

Du bist in einer schwierigen Situation jetzt. Diese ist nicht ungewöhnlich (die Menschen sterben nun mal), doch jeden trifft das etwas anders. Und je nach dem, wie man damit umgeht, kann es einen bleibenden Schaden hinterlassen oder den Menschen geistig voran bringen.
Wichtig ist: sein Tod ist nicht deine Schuld, und auch nicht Mitschuld. Es kann sein, dass ohne euren Streit er noch einige Tage hätte, muss aber nicht. Und auch gute starke Gefühle können so etwas auslösen, z.B. deine Hochzeit (in einigen Jahren); würdest du dir dann wünschen, nicht geheiratet zu haben?

Es ist nicht leicht, aber: LEBE WEITER. Das beste, was du deinem Opa (und auch allen anderen) jetzt widmen kannst, ist - dein Leben auf eine starke Basis zu stellen. Schließlich war das auch sein Ziel, also versuche, das zu erreichen.

Sein Tod wird dich noch einige Jahre in einer oder anderen Weise beschäftigen. Das ist normal für sensible Menschen. Aber du darfst nicht abschalten, nicht die Schuld auf sich nehmen und nicht verzweifeln. Dann kommst du weiter.

Zuletzt: deine Familie wurde jetzt mit etwas konfrontiert, was später (in 20-30-40 Jahren) sicher wieder kommt. Darauf zu warten ist kein Leben, doch man soll sich mit dem Gedanken auseinander setzen, dass jeder Mensch sterblich ist; irgendwann kommt die Zeit.
Deswegen soll man jetzt leben. Das heißt nicht, dass du LSD schlucken sollst oder sich voll tattowieren  Aber z.B. deinen Eltern helfen kannst du schon (vor allem moralisch), ihnen zu sagen, dass du sie liebst und die Familie weiter nach vorne "mitziehen".

Ich wünsche dir viel Kraft, Gelassenheit und Liebe!

Wenn du denkst, ich könnte dir noch irgendwie helfen - per PN jederzeit.

 

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