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Meine Tochter ist ein Sorgenkind. Wie soll es weitergehen??

6. September um 22:55

Hallo, liebe Community,

heute brauche ich bitte mal einen Rat von euch bezüglich meiner Tochter (15 Jahre). Ich bin seit mehreren Jahren alleinerziehend.

Eigentlich war sie von Anfang an ein Problemkind.
Sie war motorisch entwicklungverzögert, lernte spät laufen, Radfahren, schwimmen. Beim Radfahren und später bei ihrem großen Hobby Reiten kam es immer wieder zu unerklärlichen Stürzen. Meine Tochter konnte sich das nicht erklären, sie fiel einfach und der Aufprall fühlte sich ihren Worten nach wie ein Schock an. Sie war von Anfang an auch in allem unglaublich langsam, wirkt bei allem sehr verträumt und etwas unbeholfen.
Wenn ich das bei den Untersuchungen ansprach, hieß es lapidar: "Das wächst sich raus".

In der Grundschule war sie noch eine gute Schülerin. Sie nahm aber wenig am Unterricht teil und es machte sich eine gewisse Rechenschwäche bemerkbar.
In der 4. Klasse gab die Klassenlehrerin die Empfehlung, meine Tochter auf eine Realschule zu schicken, auf dem Gymnasium hätte sie keine Chance. Für mein Mädchen war das richtig tragisch, weil sie dadurch ihre einzige Freundin verlor. Durch ihre Schüchternheit und Langsamkeit war sie immer Außenseiterin.

Auf der Realschule erfolgte erst einmal ein totaler Absturz bei den Noten. Sogar in Deutsch, was immer die Stärke meiner Tochter war, gab es nur noch schlechte Noten. Erst nachdem ich Gespräche mit verschiedenen Lehrern geführt hatte, wurde es etwas besser. Eine Lehrerin gab mir aber den Rat, mit meiner Tochter einen Psychologen aufzusuchen, weil sie so verschlossen war und so wenig Kontakt zu ihren Klassenkameraden hatte. Auch sei eine gewisse emotionale Unreife erkennbar.
Ich ging also mit ihr zu einem Psychologen, der einen sehr einfühlsamen und väterlichen Eindruck machte. Ein halbes Jahr lang ging meine Tochter zu ihm in Therapie in einer Gruppe mit anderen Jugendlichen. Ich merkte, dass sie sich dort unwohl fühlte, weil sie sich von den anderen nicht ernst genommen fühlte.

Seit dem Ende der Therapie vor 2 Jahren hat sich nichts geändert. Ich bemerke, dass meine Tochter viel in einer Traumwelt lebt und weiß nicht, wie ich ihr helfen soll. Leider habe ich nicht immer die Zeit für sie, die ich gern hätte, weil ich 30 Std. wöchentlich berufstätig bin und da auch kämpfen muss.
Durch ihren Reitunterricht hat sie Kontakt zu anderen Mädchen. Sie ist mit keinem befreundet, fühlt sich aber wohl unter den 12- bis 13-jährigen.

Im letzten Jahr kam ich auf die Idee, meine Tochter mal von einem Neurologen untersuchen zu lassen, vor allem wegen ihrer extremen Langsamkeit und ihrer teilweise vorhandenen Schusseligkeit. Der Neurologe nahm sich viel Zeit und meinte zunächst, dass er bei der Symptomatik an ADS denke. Es wurde dann ein EEG veranlasst, um andere Erkrankungen auszuschließen. Leider kam dabei heraus, dass es sich um eine leichte Form von Epilepsie (Absence-Epilepsie) handelt. Für mich war das ein Schlag, auch wenn der Arzt meinte, dass sich diese Form bis zum Erwachsenenalter meistens rauswachse.

Meine Tochter ist nun auf ein Medikament eingestellt, und zufrieden sind wir beide nicht. Sie ist oft müde und dadurch weiterhin stark verlangsamt und leidet unter Konzentrationsstörungen.

Ihre Noten sind weiterhin eher unterdurchschnittlich. Im letzten Schuljahr war die Versetzung stark gefährdet, doch sie hat es so gerade geschafft und so hoffen wir beide, dass sie nächstes Jahr die mittlere Reife schaffen wird.

Was aber danach kommen wird, ist mehr als ungewiss.
Ich war schon mit meiner Tochter zur Berufsberatung beim Arbeitsamt und sie wurde nach ihren Berufswünschen gefragt. Ihre Antwort war: Reitlehrerin oder Fremdsprachenkorrespondentin, was beides irgendwie utopisch ist. An den typischen Mädchenberufen wie Büro- oder Einzelhandelskauffrau oder Arzthelferin hat sie kein Interesse. Sie wirkt auf mich so antriebs-und orientierungslos.

Könnt ihr mir einen Rat geben, wie ich meinem Mädchen helfen kann?


Liebe Grüße,
Serlina

 

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7. September um 16:49

Danke für deine Antwort.

Ich glaube, Reitlehrerin wäre nichts für meine Tochter, weil sie zu ängstlich ist. Sie hat teilweise Angst vor den Pferden, Angst vor Stürzen, auch wenn es ihr Hobby ist.

Das Beste wäre wahrscheinlich, wenn sie nach der Schule erst mal einige Praktika absolviert. Auf dem Weg kann sie rausfinden, was ihr liegen könnte und wo sie nicht überfordert wäre.

Ich würde die Probleme, die meine Tochter hat, auch nicht einfach als "Macken" abtun. Denn das würde bedeuten, dass ich ihre Problematik abtue. Sie ist nun mal nicht so leistungsfähig wie ein gesunder Teenager, sondern hat eine Erkrankung, die Einschränkungen mit sich bringt. Ob die Epilepsie sich jemals auswächst, ist ja die Frage.

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7. September um 17:02
In Antwort auf serlina78

Danke für deine Antwort.

Ich glaube, Reitlehrerin wäre nichts für meine Tochter, weil sie zu ängstlich ist. Sie hat teilweise Angst vor den Pferden, Angst vor Stürzen, auch wenn es ihr Hobby ist.

Das Beste wäre wahrscheinlich, wenn sie nach der Schule erst mal einige Praktika absolviert. Auf dem Weg kann sie rausfinden, was ihr liegen könnte und wo sie nicht überfordert wäre.

Ich würde die Probleme, die meine Tochter hat, auch nicht einfach als "Macken" abtun. Denn das würde bedeuten, dass ich ihre Problematik abtue. Sie ist nun mal nicht so leistungsfähig wie ein gesunder Teenager, sondern hat eine Erkrankung, die Einschränkungen mit sich bringt. Ob die Epilepsie sich jemals auswächst, ist ja die Frage.

unter anderem auch ReitLehrerin oder?

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7. September um 18:50
In Antwort auf serlina78

Hallo, liebe Community,

heute brauche ich bitte mal einen Rat von euch bezüglich meiner Tochter (15 Jahre). Ich bin seit mehreren Jahren alleinerziehend.

Eigentlich war sie von Anfang an ein Problemkind.
Sie war motorisch entwicklungverzögert, lernte spät laufen, Radfahren, schwimmen. Beim Radfahren und später bei ihrem großen Hobby Reiten kam es immer wieder zu unerklärlichen Stürzen. Meine Tochter konnte sich das nicht erklären, sie fiel einfach und der Aufprall fühlte sich ihren Worten nach wie ein Schock an. Sie war von Anfang an auch in allem unglaublich langsam, wirkt bei allem sehr verträumt und etwas unbeholfen.
Wenn ich das bei den Untersuchungen ansprach, hieß es lapidar: "Das wächst sich raus".

In der Grundschule war sie noch eine gute Schülerin. Sie nahm aber wenig am Unterricht teil und es machte sich eine gewisse Rechenschwäche bemerkbar.
In der 4. Klasse gab die Klassenlehrerin die Empfehlung, meine Tochter auf eine Realschule zu schicken, auf dem Gymnasium hätte sie keine Chance. Für mein Mädchen war das richtig tragisch, weil sie dadurch ihre einzige Freundin verlor. Durch ihre Schüchternheit und Langsamkeit war sie immer Außenseiterin.

Auf der Realschule erfolgte erst einmal ein totaler Absturz bei den Noten. Sogar in Deutsch, was immer die Stärke meiner Tochter war, gab es nur noch schlechte Noten. Erst nachdem ich Gespräche mit verschiedenen Lehrern geführt hatte, wurde es etwas besser. Eine Lehrerin gab mir aber den Rat, mit meiner Tochter einen Psychologen aufzusuchen, weil sie so verschlossen war und so wenig Kontakt zu ihren Klassenkameraden hatte. Auch sei eine gewisse emotionale Unreife erkennbar.
Ich ging also mit ihr zu einem Psychologen, der einen sehr einfühlsamen und väterlichen Eindruck machte. Ein halbes Jahr lang ging meine Tochter zu ihm in Therapie in einer Gruppe mit anderen Jugendlichen. Ich merkte, dass sie sich dort unwohl fühlte, weil sie sich von den anderen nicht ernst genommen fühlte.

Seit dem Ende der Therapie vor 2 Jahren hat sich nichts geändert. Ich bemerke, dass meine Tochter viel in einer Traumwelt lebt und weiß nicht, wie ich ihr helfen soll. Leider habe ich nicht immer die Zeit für sie, die ich gern hätte, weil ich 30 Std. wöchentlich berufstätig bin und da auch kämpfen muss.
Durch ihren Reitunterricht hat sie Kontakt zu anderen Mädchen. Sie ist mit keinem befreundet, fühlt sich aber wohl unter den 12- bis 13-jährigen.

Im letzten Jahr kam ich auf die Idee, meine Tochter mal von einem Neurologen untersuchen zu lassen, vor allem wegen ihrer extremen Langsamkeit und ihrer teilweise vorhandenen Schusseligkeit. Der Neurologe nahm sich viel Zeit und meinte zunächst, dass er bei der Symptomatik an ADS denke. Es wurde dann ein EEG veranlasst, um andere Erkrankungen auszuschließen. Leider kam dabei heraus, dass es sich um eine leichte Form von Epilepsie (Absence-Epilepsie) handelt. Für mich war das ein Schlag, auch wenn der Arzt meinte, dass sich diese Form bis zum Erwachsenenalter meistens rauswachse.

Meine Tochter ist nun auf ein Medikament eingestellt, und zufrieden sind wir beide nicht. Sie ist oft müde und dadurch weiterhin stark verlangsamt und leidet unter Konzentrationsstörungen.

Ihre Noten sind weiterhin eher unterdurchschnittlich. Im letzten Schuljahr war die Versetzung stark gefährdet, doch sie hat es so gerade geschafft und so hoffen wir beide, dass sie nächstes Jahr die mittlere Reife schaffen wird.

Was aber danach kommen wird, ist mehr als ungewiss.
Ich war schon mit meiner Tochter zur Berufsberatung beim Arbeitsamt und sie wurde nach ihren Berufswünschen gefragt. Ihre Antwort war: Reitlehrerin oder Fremdsprachenkorrespondentin, was beides irgendwie utopisch ist. An den typischen Mädchenberufen wie Büro- oder Einzelhandelskauffrau oder Arzthelferin hat sie kein Interesse. Sie wirkt auf mich so antriebs-und orientierungslos.

Könnt ihr mir einen Rat geben, wie ich meinem Mädchen helfen kann?


Liebe Grüße,
Serlina

 

Hat deine Tochter trotz der Medikamente immer noch Absencen? Falls ja könnte man da noch nach einer optimaleren Lösung suchen. Durch diese Ansencen bekommt sie sicher einiges nicht mit..hat vielleicht auch deshalb Probleme mit Schule und wirkt langsam.

Ich weiß nicht, ob es das bei euch gibt....aber es gab als ich noch in dem Bereich gearbeitet habe eine Art Orientierungsjahr fuer Schüler wie deine Tochter. 

Nach dem Schulabschluss ist das ein Jahr in dem man praktisch und theoretisch einige Berufszweige ausprobieren kann. Sie würde z.B. einige Monate etwas im Büro machen, dann vielleicht was handwerkliches, was soziales. 

Die jungen Menschen lernen so verschiedene Bereiche kennen und merken auch wo ihre Stärken liegen, was ihnen Spaß macht. 

Hat sie schon  hin daran gedacht vielleicht was soziales zu machen. Vielleicht erstmal eine Ausbildung zum Sozialassistenten. Das ist wirklich keine anspruchsvolle Ausbildung und gut zu schaffen. 
 

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