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Meine Tochter (13) hasst meinen Freund! Brauche dringend eure Meinung

23. März 2011 um 10:55 Letzte Antwort: 29. März 2011 um 9:37

Danke, dass ihr meinen Beitrag lest.

Ich bin mit meinem Freund schon seit 4 Jahren zusammen, wir sind eine richtige Patchwork-Familie. Er hat einen Sohn aus seiner vorherigen Ehe, ich selbst habe 3 Kinder.

Seine Ehe ging ziemlich unfein auseinander, der gemeinsame Sohn (9) klammert extrem am Papa, ist jedes 2. Wochenende bei uns. Wenn er dann da ist, hat man das Gefühl, er lebt auf einem Goldtablett, wird behandelt, wie Gott in Frankreich - bekommt wirklich ALLES, was er sich wünscht. Der Junge ist extrem materiell orientiert, sehr still, hat keinerlei Selbstbewußtsein und klammert extrem am Vater. Das geht soweit, dass er nicht einen Schritt ohne ihn geht. Wenn mein Freund auf die Toilette geht, dann wartet er vor der Tür, sobald er wieder rauskommt, nimmt er gleich seine Hand.
Ich habe durch sehr sehr viel Geduld seine Zuneigung gewinnen können, doch sobald ich nur einen Funken Kritik äußere, macht er zu und klammert noch mehr am Papa. Er wird im Sommer 10, kann weder die Uhr, noch Schnürsenkel, Inliner fahren oder schwimmen. Er interessiert sich für nichts, außer für seine Spielsachen, und davon haben wir mehrere Umzugskisten hier stehen.

Um jetzt mal auf den Punkt zu kommen, meine Tochter ist 13, steckt mitten in der Pubertät. Sie ist sehr feinfühlig und an ihr gehen diese Ungerechtigkeiten nicht vorüber. Ich selbst erziehe meine Kinder so, dass materielle Dinge wertschätzend sein sollten, überschütte sie nicht. Daher können sie sich über Geschenke noch richtig kindlich freuen.

Mein Freund konnte leider in den letzten 4 Jahren nur sehr schwer Zugang zu meinen Kindern finden, da hat er immer was zu kritisieren, meint, ich solle viel konsequenter sein. Die Kinder spüren, dass er sie nicht so in sein Herz aufnehmen kann, wie sie sich das vorstellen und sind enttäuscht.
Er ist nicht bösartig oder so, auf keinen Fall. Aber der Funke springt eben nicht über. Und mir tut das auch weh, weil ich mir die Zuneigung seines Sohnes auch verdienen musste und er gibt so wenig.
Sein Sohn darf alles, kann aber so gut wie nichts. Materielle Dinge sind wichtiger als ihm wirklich wichtige Dinge zu vermitteln. Er sieht nicht, dass der Junge verhaltensgestört ist und unterstützt das auch noch, indem er ihn, in meinen Augen, kauft.
Er scheint da etwas zu verwecheln. Meine Tochter würde sich so wünschen, nur einen Bruchteil dieser Aufmerksamkeit zu erhalten, jetzt schlägt ihre Wut in Hass um.
Ich hatte am WE Geburtstag, es war ein runder Geburtstag. Sogar an diesem Tag drehte sich alles nur um den Jungen, ich ging irgendwie unter - ich war sehr verletzt.

Ich weiß nicht wirklich, wie ich mich verhalten soll. Eine Trennung kommt für mich nicht unbedingt in Frage, ich möchte einfach, dass wir eine ganz normale Familie sind, die vor allem gerecht ist.
Es muss doch irgendeinen vernünftigen Weg geben, vielleicht hat jemand Erfahrung damit. Meine Tochter hat ADHS, es ist ohnehin nicht leicht mit ihr, aber sie hat ein sehr feines Gespür für Disharmonie.
Bitte helft mir mit euren Meinungen. Danke

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25. März 2011 um 10:35

Hallo Schnuppe,
ich lebe zwar nicht in einer Patchworkfamilie, aber kann mir gut vorstellen, dass es nicht leicht ist, zu "fremden" schon etwas größeren Kindern einen Zugang zu finden, wie Du ja selbst bemerkt hast. Ich frage mich nur wieso Du seinen Sohn gleich für "Verhaltensgestört" hälst, nur weil er ein paar Sachen nicht kann? Haben denn seine Eltern diese Sachen denn überhaupt mal mit ihm geübt und sich die Zeit dafür genommen? Von alleine lernen Kinder das nicht. Vielleicht hat er auch nur immer gelernt sich mit seinen Spielsachen zu beschäftigen und ihr habt einfach noch nicht das Richtige gefunden, was sein Interesse erregt. Ich glaube nicht, dass es wirklich gar nichts gibt was ihn interessiert. Vielleicht mag er ja Autos, Gokart, Fußball, Karate o. ä.? Einfach alles ausprobieren und viiiel Geduld haben. Meine Tochter verliert auch schnell die Lust wenn sie etwas nicht schnell genug kann oder lernt. Aber einfach dranbleiben und immer wieder erklären, dass das normal ist und man alles nur durch Üben lernt hilft eigentlich immer. Ich zeige ihr auch immer die Vorteile auf, die es hat wenn sie etwas Neues gelernt hat. Evtl. hat der Kleine ja wirklich stark unter dem gelitten was er von der Trennung mitbekommen hat und klammert deshalb so am Papa, ich finde das völlig normal, jedes Kind ist schließlich anders. Erst war der Papa immer bei ihm und jetzt sieht er ihn nur noch aller 2 WE und mit einer "anderen Familie". Da bröckelt das Weltbild gewaltig. Und der Papa hat wahrscheinlich auch ein schlechtes Gewissen und versucht das mit Geschenken reinzuwaschen, was auch nicht toll finde, aber auch irgendwie verständlich ist...

Zu dem Problem mit Deinen Kindern kann ich nichts sagen. Das kann man anhand von ein paar Zeilen sicher nicht beurteilen. Hast Du schon einmal mit Deinem Partner offen darüber geredet, dass sich Deine Kinder von ihm ungeliebt fühlen? Was sagt er denn dazu? Sicher empfindet er es anders....Wenn es öfters Situationen gibt in denen es Dir extrem auffällt wie ungerecht er ist, dann stell doch vorher mal eine unauffällig eine Kamera auf und nimm die Situation auf. Später würde ich sie ihm dann vorspielen. Das hört sich zwar erstmal total blöd an, aber oftmals sieht man sich dann selbst in einem ganz anderen Licht.
Versucht Euch darüber zu unterhalten und nicht zu streiten!
lg

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29. März 2011 um 9:37
In Antwort auf shania_12741608

Hallo Schnuppe,
ich lebe zwar nicht in einer Patchworkfamilie, aber kann mir gut vorstellen, dass es nicht leicht ist, zu "fremden" schon etwas größeren Kindern einen Zugang zu finden, wie Du ja selbst bemerkt hast. Ich frage mich nur wieso Du seinen Sohn gleich für "Verhaltensgestört" hälst, nur weil er ein paar Sachen nicht kann? Haben denn seine Eltern diese Sachen denn überhaupt mal mit ihm geübt und sich die Zeit dafür genommen? Von alleine lernen Kinder das nicht. Vielleicht hat er auch nur immer gelernt sich mit seinen Spielsachen zu beschäftigen und ihr habt einfach noch nicht das Richtige gefunden, was sein Interesse erregt. Ich glaube nicht, dass es wirklich gar nichts gibt was ihn interessiert. Vielleicht mag er ja Autos, Gokart, Fußball, Karate o. ä.? Einfach alles ausprobieren und viiiel Geduld haben. Meine Tochter verliert auch schnell die Lust wenn sie etwas nicht schnell genug kann oder lernt. Aber einfach dranbleiben und immer wieder erklären, dass das normal ist und man alles nur durch Üben lernt hilft eigentlich immer. Ich zeige ihr auch immer die Vorteile auf, die es hat wenn sie etwas Neues gelernt hat. Evtl. hat der Kleine ja wirklich stark unter dem gelitten was er von der Trennung mitbekommen hat und klammert deshalb so am Papa, ich finde das völlig normal, jedes Kind ist schließlich anders. Erst war der Papa immer bei ihm und jetzt sieht er ihn nur noch aller 2 WE und mit einer "anderen Familie". Da bröckelt das Weltbild gewaltig. Und der Papa hat wahrscheinlich auch ein schlechtes Gewissen und versucht das mit Geschenken reinzuwaschen, was auch nicht toll finde, aber auch irgendwie verständlich ist...

Zu dem Problem mit Deinen Kindern kann ich nichts sagen. Das kann man anhand von ein paar Zeilen sicher nicht beurteilen. Hast Du schon einmal mit Deinem Partner offen darüber geredet, dass sich Deine Kinder von ihm ungeliebt fühlen? Was sagt er denn dazu? Sicher empfindet er es anders....Wenn es öfters Situationen gibt in denen es Dir extrem auffällt wie ungerecht er ist, dann stell doch vorher mal eine unauffällig eine Kamera auf und nimm die Situation auf. Später würde ich sie ihm dann vorspielen. Das hört sich zwar erstmal total blöd an, aber oftmals sieht man sich dann selbst in einem ganz anderen Licht.
Versucht Euch darüber zu unterhalten und nicht zu streiten!
lg

Im Grunde hast du Recht, aber
ganz so einfach ist es eben doch nicht. Es klingt wahrscheinlich so hart, wenn man eben nicht alle Hintergründe kennt.
Klar, sehe ich auch so, dass ein Kind alles ausprobieren sollte und alles lernen kann, aber er will ja gar nicht. Er ist der Typ Kind, der am liebsten den ganzen Tag im Wohnzimmer sitzt und spielt - allein. Keine anderen Kinder, nur nicht rausgehen. Er ist total verunsichert und kommt mit einer normalen Umwelt kaum klar. Es ist ja auch nicht so, dass er die "neue" Familie erst seit kurzem hat, wir leben seit 4 Jahren so zusammen und sein Sohn war schon immer sehr sehr ruhig und schon anders. Die Trennung der Eltern ist schon 6 Jahre her.
Du fragst, ob die Eltern denn überhaupt mit ihm gewisse Sachen geübt haben? Nein, eben gerade nicht. Wenn ich dem Jungen nicht vor 2 Jahren ein Fahrrad gekauft hätte, könnte er wahrscheinlich heute noch nicht fahren. Ich habe ihm auch Inliner gekauft, aber er sträubt sich dagegen, weil er wahnsinnig unsicher ist. Gokart? Viel zu gefährlich (würde er sich nie zutrauen). Letztes Jahr wollten wir mal Tretboot fahren, das hat über eine halbe Stunde gedauert, ihn davon zu überzeugen, dass das nicht gefährlich ist und Spaß macht. Hat es ihm ja dann auch, aber seine Mutter hat es für folgende WE verboten. So ist das mit allen Dingen. Er wird total gebremst durch seine Eltern und um so älter er wird, um so mehr begreift er ja selbst, dass er viele Dinge nicht kann und wird noch unsicherer.
Hier mal ein Beispiel: Letztes Jahr musste er die 9er Reihe vom 1x1 lernen. Er tat sich sehr schwer. Mein Freund war damit wohl überfordert. Ich hatte versucht, mit ihm spielerisch zu lernen und ihm für das gesamte 1x1 eine Lernbox gebastelt. Ich wollte ihn besonders zum Lernen motivieren und versprach ihm, wenn er beim nächsten Mal die 7er, 8er und 9er Reihe kann, bekommt er von mir den Ritter auf dem Pferd (von Schleich), den fand er damals so toll. Das ist jetzt über ein Jahr her, der Ritter steht immernoch original verpackt im Schrank, weil es keine Motivation gab. Als er wieder kam, erzählte er, Mama hat ihm eine ganze Kiste Schleich Ritter bei Ebay gekauft und alles andere bekommt er von Oma, von der Tante, von ....
Und ich finde schon, dass er verhaltensauffällig ist, weil ich dieses extreme Klammern und permanentes Anfassen sogar in der Wohnung sehr fraglich finde. Das bedeutet ja, dass er sogar hier Schutz sucht - und wie gesagt, dass geht schon seit 4 Jahren so.
Das mit der Kamera ist eine prima Idee, habe sowas selber schon mal mit meiner Tochter gemacht.
Im Grunde verstehe ich schon, dass man sein Kind auch beschenkt, aber doch in Maßen. Und gerade weil der Junge so sehr in sich gekehrt ist, sollten doch die Eltern gerade das unterstützen, indem er viel draußen ist und mit anderen Kindern zusammen ist.
Die Eltern verstehen sich überhaupt nicht, da wird auch nichts abgesprochen oder so. Sie verbietet grundsätzlich alles. Ich selbst bin ein aktiver Mensch und habe meine Kinder auch so erzogen. Wir sind viel draußen und haben Spaß. Der Sohn meines Freundes ist ein Stubenhocker und wenn er da ist, dreht sich alles darum, was er will. Und wenn er eben nicht raus will, müssen alle da bleiben und wenn er eben das nicht essen will, dann macht Papi ihm was anderes, und wenn er eben abends um 10 noch Hunger hat, weil er zum Abendessen wieder mal nicht richtig gegessen hat, dann bekommt er da natürlich auch noch mal süsse Sachen. Tut mir leid, aber das ist für mich keine Erziehung. Das ist für mich, als würde man sein schlechtes Gewissen damit beruhigen, ihm nur alles recht zu machen.
Und das sehen eben auch die anderen Kinder. Und wie fühlen sich denn die anderen Kinder, wenn eins davon so extrem bevorteilt wird, wenn gegen jegliche pädagoischen Wertvorstellungen verstoßen wird. Meine Tochter sieht sehr wohl, wenn das so ungerecht abläuft. Es sind einfach so viele Kleinigkeiten. Vielleicht denke ich auch schon ein wenig weiter, was aus dem Jungen wird, wenn er erwachsen ist. Mein Freund kann wahrscheinlich nur das Jetzt sehen, will den Jungen auf keinen Fall enttäuschen.
Ich finde aber schon, dass ein wenig Erziehung auch bei einem Wochenendkind sein sollte, gerade dann, wenn es eben zu Hause so gar nichts lernt. Und ich mag zur Zeit gar keine Geduld mehr haben, weil ich die letzten 4 Jahre so viel Geduld hatte und trotzdem wird dann das, was man mühsam versucht zu vermitteln, durch eine einzige Sache wieder zum Einsturz gebracht.
Jetzt ist das aber richtig lang geworden, danke fürs Zuhören und Antworten. Tut gut.
LG Schnuppe

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