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Meine Mutter erdrückt mich

18. März 2010 um 12:44 Letzte Antwort: 2. April 2010 um 16:16

Hallo Ihr Lieben,

ich habe ein bisschen Probleme mit meiner Familie. Vielleicht könnt ihr mir weiterhelfen?

Meine Mutter war alleinerziehend und hatte nie wieder einen festen Partner, nachdem mein Vater und sie sich trennten. Wir wohnten direkt gegenüber von meinen Großeltern. Diese haben mich auch sehr oft "mit" erzogen. Heute lebt nur noch meine Oma. Ich will mich ja nicht beschweren. Es war ja auch schön und sie haben alles getan was sie nur konnten.

Mittlerweile aber bin ich 22 und habe schon in den USA und Italien gelebt. Durch einen Krankheitsfall musste ich aber letztes Wintersemester wieder nach Deutschland zurückkehren. Heute lebe ich also rund 70 km von meiner Familie entfernt, habe eine eigene Wohnung und lebe mehr oder weniger mit meinem Freund zusammen. Ich glaube also nicht, dass man sich um mich Sorgen machen müsste oder das ich eine Tochter wäre, die man kontrollieren müsste.

Trotzdem rufen sie mich meine Oma und Mutter 3 mal täglich an und frage wie es geht, und alles was ich meiner Mutter erzähle muss ich auch meiner Oma erzählen.

Doch meine Eltern (meine Oma und Mutter) erdrücken mich fast mit ihrer Liebe. Zu meinem Geburtstag hatten wir einen riesen Streit. Es ging um meine Wohnung und wie unordentlich diese doch sei. Dabei hatte ich sie den ganzen Vormittag geputzt. Ständig wollten die beiden Möbel umräumen, Dinge an andere Plätze stellen und mir sagen wie es besser geht. Als sie dann noch mein Geburtstagsessen versaut hatten, hat es mir gereicht. Ich hatte einfach keine Kraft mehr und bin ausgerastet. Ich habe die beiden angeschrien. Heute weiß ich, dass das vielleicht nicht die beste Lösung zu diesem Problem gewesen war. Aber ich sah einfach keine andere. Doch als sie mir Blumen kauften und das mit der Begründung, dass alles so unwohnlich bei mir aussehe; hat es mir gereicht.

Als ich in den Semesterferien erwähnte, dass ich gerne umräumen möchte kam meine Oma sofort mit dem Zollstock und dokumentierte jeden Zentimeter. Sie erklärte mir wie ich den alles zu stellen habe. Es war nicht so, dass sie mich nicht gefragt hätten. Aber sie hätte die Planung und Ausführung geleitet. Ich habe es gehasst. Als ich dann nur noch nickte und mich dann doch anders entschied- war das Thema vom Tisch.

Heute war aber der bis jetzige Showdown. Anfänglich hatte ich keine Mikrowelle in meiner Wohnung. Doch meine Oma gab mir ihre, denn sie benutzte diese eh nicht mehr. Nun waren meine Oma und Mutter aber der Meinung, dass ich dafür einen Schrank bräuchte. Ich habe irgendwann klein bei gegeben und einfach nur noch geknickt. Also kauften wir einen Rollwagen. Leider hat meine Oma diesen kaputt gemacht. Nun nervt sie mich damit, dass ich doch einen richtigen Schrank brauche. Sie hat mir jetzt einen gekauft. Einen den ich nicht wollte. Sie will ihn mir nun nach Hause bringen. Doch habe keine Lust mich mit diesem Frust auseinander zusetzen. Also habe ich gesagt, dass es mir nicht passt. Daraufhin hatte ich einen Streit mit meiner Mutter. Sie meinte, dass sie es nicht verstehen könne. Warum ich so einen Drama darum mache. Es ginge doch ganz schnell.


Die Wahrheit ist, dass ich weiß, dass es nicht ganz schnell geht. Sie werden reinkommen, das Teil positionieren und mich und meine Lebensweise wieder mal auf eine Art und Weise korrigieren, die beschämend ist. Als ich mit den typischen Ausreden kam wie keine Zeit, ich habe noch was zu tun, ich soll noch was für meinen Freund erledigen etc. Haben sie mir angeboten, dass sie doch auch nur den Schrank hinstellen könnten und wieder gehen könnten. Ohne das ich dabei anwesend bin. Da habe ich die Wahrheit gesagt und meine Mutter angefangen mir Vorwürfe zu machen. SIe meinte ich sei undankbar und wenn ich sie bräuchte, dann sei sie gut dafür und wenn nicht dann wird sie in die Ecke gestellt. Dann hat sie gemeint, dass sie gar nicht mehr käme und ich auch nicht mehr anrufen bräuchte und hat aufgelegt. Danach rief meine Oma an. Sie erkärte mir wie sehr meine Mutter heulte und dass ich doch verständnislos sei. Das mein Verhalten unschön sei. Ich habe dann nur gesagt, dass heute keine gute Zeit ist. Dass es doch auch bis Sonntag warten könne. Sie schien besänftigt zu sein.

Ehrlich gesagt denke ich aber, dass es um mehr geht. Es geht um meine Unabhängigkeit. Ich werde immer noch unter den Scheffel gestellt und als Kind behandelt. Das wird meine Mutter aber auch- von meiner Oma. Nur hat sie sich damit arrangiert und denkt, dass ist normal. Nur will ich mein eigenes Leben! Ich weiß nur nicht wie. Kann mir jemand helfen? Vielleicht eine Mutter?

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18. März 2010 um 16:28

Liebe Charlyn.
mit deinem Thread sprichst du mir echt aus der Seele. Mir geht es seit mehr als 20 Jahren ganz genauso. Meine Mutter hat mir nie den freien Willen gelassen, wollte immer über alles bestimmen, wollte immer alles besser wissen.
Vermutlich merken Deine Eltern gar nicht, was sie tun. Es ist ihnen nicht bewusst, davon bin ich 100%ig überzeugt.

Schreibe Deinen Eltern doch mal einen Brief. Schreibe ihn NUR aus Deiner Sicht. Wie empfindest Du Deine Eltern? Schreibe auch, dass du Du fast jeden Tag wegen ihnen heulst und dass Deine Gedanken ständig um diese Problematik mit ihnen kreisen. Schreibe auch, dass Du nervlich am Ende bist. Dann schliesst Du den Brief mit den Worten:

"Viele Grüsse, eine sehr traurige, ratlose xxxxxxxx"

Und bitte: Tue Dir selbst den Gefallen und distanziere Dich vorerst von Deinen Eltern. Sie müssen wieder auf DICH zukommen. Sollten Sie sich nicht ändern und keinerlei Einsicht walten lassen (was ich nicht glaube), dann MUSST Du unbedingt den Stecker rausziehen, damit Du wieder Kraft schöpfen kannst.

Übrigens: Ich bin auch Mama, mein Sohn ist 8 Jahre alt.

Ich wünsche Dir viel Kraft und Glück.

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2. April 2010 um 16:16

Kenne ich...
Die Einrichtungsfrage ist nur die Spitze des Eisberges... In Wirklichkeit üben deine Mutter und Oma Kontrolle über dich aus, indem sie dir Angst machen, dir Schuldgefühle und ein schlechtes Gewissen einreden. Ich bin mir sicher, dass sie dich lieben und ihre größte Angst ist, dass sie dich verlieren könnten. Und deshalb erpressen sie dich emotional. Das ist natürlich eine sehr unreife Haltung, aber sie ist erfolgreich. Und warum? Weil du mitspielst...

Du darfst nicht davon ausgehen, dass sie sich einfach ändern werden und damit aufhören. Deine "Unterdrückung" garantiert ihnen, dass du immer bei ihnen bleibst. Und deinen Leidensdruck nehmen sie nicht wahr. Es liegt an dir, ihnen Grenzen zu setzen. Und es liegt an dir, den Druck, den sie zweifelsohne auf dich ausüben werden, auszuhalten. Steh zu deinen Entscheidungen. Du brauchst dafür kein schlechtes Gewissen zu haben, auch wenn sie dir eines einreden wollen. Sag dir "Was ist schon so schlimm daran, wenn ich nein zu dem Kasten sage?" Und sage dir "Ich kann das aushalten.", wenn sie wieder mit dem Geplärre anfangen.

Du musst eure Beziehung auf "erwachsene" Füße stellen. Und du wirst sehen, sie werden lernen müssen, Abstriche zu machen, wenn sie dich nicht ganz verlieren wollen (und das wollen sie ganz und gar nicht!). Nur momentan sehen sie sich nicht dazu gezwungen, irgendwas zu ändern, weil du sowieso funktionierst, wie sie es wollen. Ziel muss es sein: sie wollen dich nicht verlieren, dann müssen sie einen anderen Umgang mit dir erlernen, wo du dich nicht vor ihnen zu "fürchten" brauchst. Sonst verlieren sie dich wirklich.

Ich mache gerade selbst ähnliches durch. Aber seitdem ich klar meine Wünsche formuliere, geht es MIR besser. Ihnen momentan nicht - aber sie werden deswegen nicht sterben (bin ich ja auch nicht, obwohl es mir sicher über einen langen Zeitraum schlecht wegen ihnen gegangen ist...). Und ich bin mir sicher, danach wird es uns allen besser gehen.

Es empfiehlt sich auch die Lektüre des Buchs "Emotionale Erpressung" von Susan Forward. Ist zwar nicht der Schreibstil, den ich unbedingt mag, aber offenbart doch einiges...

Verzage nicht!

LG

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