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Meine Gefühle zu meinem 3-jährigen...

18. Juli 2014 um 20:02

Hallo ihr Lieben,

wo fange ich an? Diese Sache belastet mich schon, naja, beinahe drei volle Jahre, wenn man das so sagen möchte.
Ich habe mich hier extra angemeldet und möchte, wenn möglich, einfach mal eure Meinung dazu hören.

Ich bin nun 25 Jahre alt. Vor drei Jahren brachte ich meinen Sohn zur Welt. Ich muss dazu sagen, dass ich zuvor ein sehr Chaosreiches Leben hatte. Ich wurde ab dem 6. Lebensjahr (Vater zog aus) zum "Projekt" meiner Mutter. Das heißt, ich wurde seelisch Missbraucht und auch Schläge und weitere Unannehmlichkeiten (wie unter die kalte Dusche, stundenlang ins Zimmer eingesperrt, Nahrungsentzug) waren an der Tagesordnung. So zog ich mit Hilfe des Jugendamts schon mit 15 Jahren aus, war ständig in Therapie und kam von einer Psychiatrie zur nächsten. Dazwischen ein Suizidversuch. Man diagnostizierte "Schwere Depression" und "Bordline". Ich verletzte mich selbst, war Magersüchtig und hasste mich und mein Leben. Verweigerte alles was mit "Hilfe und Unterstützung" zu tun hatte. Wofür auch..... Ich nahm Drogen, trank jeden Tag Alkohol.

Dann kam ich mit meinem jetzigen Mann fest zusammen (hatten vorher ne Jahrelange offene Beziehung. Ich wollte nie was festes) und 4 Monate später war ich schwanger. Und plötzlich fing die Veränderung an. DIeses kleine Leben in mir,...schaffte es in den 40 Wochen der Schwangerschaft dass sich alles veränderte. Ich ernährte mich gesund, ich lies jeden Schluck Alkohol sein (und das obwohl ich knapp ein Jahr lang jeden Tag 1/2 - 1 Flasche Schnaps getrunken hatte), ich hörte sogar von heute auf morgen auf zu rauchen. All das ohne zu motzen und zu quäken. Ich tat es so verdammt gerne, alles für dieses kleine Würmchen in meinem Bauch. Ich wurde sogesehn in 40 Wochen erwachsen, es war nicht immer leicht. Hatte ich doch mein Leben lang so viel schlechtes erfahren und eigentlich keinen Lebenswillen mehr.
Doch mein Sohn wurde zu meinem Glück und ich fing an das Leben zu lieben. Kein Mensch hätte mir diese "Wandlung" zugetraut. Als ich ihnen von meiner Schwangerschaft berichtete, waren alle schockiert und sagten "Das arme Kind" und "Gottes Wege sind unergründlich" usw. Ich konnte es verstehn, na klar, ich war auch wirklich kaputt. Nach einem Jahr aber, sprachen genau diese Menschen ein großes Lob an mich aus. "Du bist eine prima Mami" "Du machst das so toll" usw.

Aber nochmal ein bisschen zurück in der Geschichte:

Wir freuten uns sehr auf unsern Sohn. Dann war es soweit.
Und da fing das Chaos an. Mein kleiner war ein Schreibaby, er schrie den ganzen Tag und schlief kaum. Auch nachts nur sehr sehr wenig. Man konnte ihn mit nichts beruhigen. Selbst die damaligen Nachbarn sagten "Da haben sie aber kein leichtes erwischt".
Ich ging wirklich am Stock. Zudem hatte er noch die bekannten Koliken, trinken wollte er kaum, über monate hinweg. Er nahm stark ab, Krankenhaus und pi pa po. Alles schreiend und schreiend und schreiend.
Und trotzdem wollte ich weiterhin immer das beste für ihn, wollte ihm immer helfen. Es hat nur nie geklappt. Wollte ich mit ihm kuscheln, hat er angefangen zornig zu werden und schrie bis zum erbrechen. Selbst als wir ihn zur beruhigung herumtragen wollten, stieß er sich, schon als ganz kleines Baby, von einem weg und schrie dermaßen schrill als würde man sonst was mit ihm machen.
Das ging immer so weiter und als andere Mütter schon von dem "Lächeln ihres Babys" sprachen, war ich traurig darüber dass mein Sohn bis dato noch kein einziges mal gelächelt hatte. Das ging auch lange so weiter. Ich sagte damals zu meinem Mann "Ich würd fast sagen dieses Baby hat ernsthafte Depressionen und absolut kein Bock aufs Leben". Und das meinte ich relativ ernst. Alles was ihn beschrieb war "Zorn und schreien". Und es hatte mich lange lange sehr traurig gemacht.

Nun ist er schon drei Jahre alt,.....und er war bisher durchgehend ein sehr anstrengendes, dominantes und wildes Kind. Er konnte sehr früh sprechen, ist seitdem wirklich den ganzen Tag von früh bis spät am reden. In der Familie hieß es erst noch "Seit doch froh dass er so toll spricht". Dann war er mal für mehrere Stunden bei ihnen und sie haben ihn mir fix und fertig zurückgebracht. Die Besuche wurden immer seltener. Inzwischen hält es keiner mehr so wirklich mit seiner wilden Art aus. Nach 1,2 Stunden klingelt das Telefon und ich werde gebeten meinen Sohn wieder abzuholen. Er ist recht jähzornig (da reicht es, wenn er keinen 2. Yogurt bekommt), wenn ihm etwas nicht passt, wird er so verrückt dass er rot anläuft, gegen Möbel tritt und schlägt, und (wie eben auch schon als Baby) schreit wie am Spieß. Gleichzeitig fordert er aber auch den ganzen Tag Aufmerksamkeit. "Mama guck" "Mama mach".
Teilweise möcht er für alles gelobt werden (Das heißt z.b wenn er einen Baustein einfach nur von A nach B trägt, möchte er dafür Aufmerksamkeit und hören, dass er das nun ganz toll gemacht hat). Wenn nicht, werde ich provoziert und er flippt wieder aus. Alles in einem ist und bleibt er einfach ein temperamentvoller Junge und leider leider muss ich sagen, kann ich recht wenig mit ihm geniesen.
Ich hatte nie gewisse Vorstellungen von einem Kind. Dachte auch nie dass nun alles schöner wird und er in gewisser Art und Weise mein "Retter" war/ist. Das wollte ich ihm nie anhängen, .... Trotzdem ist er nach wie vor scheinbar immer unzufrieden, schnell zornig und fordert und bestimmt den ganzen Tag. Teilweise hatten ich und mein Mann schon gar keine Lust mehr auf das gemeinsame Essen weil auch da provoziert wird. Entweder wir werden grundlose böse angeschaut oder der kleine König meint er dürfte bestimmten wie viel wir noch essen dürfen und wie wir das machen sollen". Er fängt plötzlich an zu schreien "PAPA!!! DU SOLLST NICHT IN DIESE RICHTUNG SCHAUEN" oder "MAMA, SCHAU NICHT SO AUS DEM FENSTER". Alles schon probiert, belächeln, ignorieren, stinkig werden, erklären warum ER das nicht zu bestimmen hat. Es bringt alles nichts. Tag für das der selbe bestimmende Ton. Teilweise vergeht mir der Appetit weil ich seine bösen Blicke auf mir spühre. Teilweise beende ich mein essen dann vorzeitig weil ich grundsätzlich ein sehr harmoniebedürftiger Mensch bin und ich sowas absolut nicht aushalte. Das er damit auch eine gewisse Macht bekommt, weiß ich. Nur kann ich nichts dagegen tun,..mir vergeht dann einfach der Appetit und ich muss aus dieser Situation raus.
Die Oma hatte ihn mir anfangs noch öfters abgenommen, kann seine Art inzwischen aber auch nicht mehr so gut wegstecken. Wenn er mit anderen Kindern spielt, sagt er ihnen genau wie sie mit ihm zu spielen haben. Er schmeißt Sachen weg und befiehlt den anderen, diese sofort wieder zu holen. Geschieht das nicht, kommt die nächste Attacke. Er befielt den anderen Kindern auch wo sie hinschauen dürfen und wo nicht. Eben genau das, wie er es zuhause auch macht.
Ich muss noch sagen dass ich trotzdem eine recht strenge und (liebevoll) konsequente Mama bin. Das heißt ich habe genau deswegen den ganzen Tag Terror WEIL ich versuche ihm das nicht durchgehen zu lassen. Das heißt von vornerein "NEIN, nach diesem Bonbon gibts kein weiteres mehr" oder "Zähne putzen MUSS sein, da kannst du noch so Theater machen"... Also ich hab meinen Tagesablauf und auch meine feste Vorstellung von Erziehung und was ich ihm mit auf seinen Weg geben möchte. (Rücksichtnahme, Anstand, Ordnung,...) Ich ziehe dieses Programm mit ihm in einer Linie durch, gleichzeitig kommt positive Aufmerksamkeit nicht zu kurz. Ich zeig ihm auch immer wieder das ich ihn lieb habe und sage ihm das auch.

Und nun zu meinem Problem..... gerade jetzt, wo sein Verhalten durch das Trotzalter noch verstärkt ist.

Ich fühle immer öfters ein seltsames Gefühl in mir. Ich...wie soll ich sagen... (Ich schäme mich dafür)....
Ich erhasche mich immer öfters bei dem Gedanken dass ich den Charakter meines eigenen Kindes absolut nicht leiden und nicht aushalten kann.
Es hört sich so böse an und ich mache mir auch arge Vorwürfe deswegen. Es ist einfach so dass ich die Zeit mit ihm von vornerein nur ganz ganz selten, fast nie geniesen konnte. Egal was ich schönes mit ihm machte,....bei allem, von klein auf, spürte ich diese negative Art von ihm... Als fände er nach wie vor nichts schönes an der Welt. Er kann sich noch immer kaum freuen, befiehlt und bestimmt andere dafür den ganzen Tag herum.
Und ich denke bereits schon, kurz nach dem aufwachen am morgen : Ich habe keine Lust mehr. Der ganze Tag ist nur noch ein Machtkampf für ihn.

Und immer wenn ich dieses Gefühl hatte, dieses "Ich kann diese Art von ihm nicht leiden", träume ich nachts schreckliche Dinge. Er ertrinkt, vor meinen Augen und ich kann ihm nicht helfen.
Oder er wird gefoltert.....die schrecklichsten Dinge.
Dann wache ich heulend auf und habe schreckliche Angst dass er nicht mehr bei mir ist. Habe Angst ihn zu verlieren. Als würden meine Träume mich dafür bestrafen dass ich meinem Sohn gegenüber solche Gefühle hab

Das ganze ist nun sehr lang geworden. Ich würde mich sehr freuen wenn ihr mir was dazu schreibt.
Bitte....... Ich fühl mich als eine so miese Mama mit fehlenden Muttergefühlen obwohl ich schon immer mein bestes gab für ihn.

Lieben Dank für eure Zeit!

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20. Juli 2014 um 11:12

Du bist keine schlechte Mutter
Egal was du für Gedanken oder Träume hast. Entscheidend ist das was du im Alltag umsetzt und das machst du gut. Du bist für ihn da, setzt ihm Grenzen, versorgst ihn und bist fürsorglich.

Mich würde mal interessieren, ob er schon in den Kindergarten geht? Und was sagt den der papa zu der ganzen Problematik?

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22. Juli 2014 um 18:50

Spiegel
Ein kind ist der spiegel der eltern bzw der erziehenden

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25. Juli 2014 um 14:23

Hallo
So eine bewegende Geschichte. Erstmal muss ich dir meinen grossen Respekt aussprechen, dass du sobald du von der schwagerschaft erfahren hast, dein leben für den kleinen Krümel komplett umgekrempelt und gebessert hast, das verdient echt grossen Respekt. Ich denke auch, dass der kleine eine Art Depression (alles im rahmen sienes jungen Alters) leidet. Wie du selbst gesagt hast, hat sehr viel von seinem Verhalten mit dem Erhalt eurer Aufmerksamkeit zu tun. Aus deinem Text entnehme ich auch, dass du evlt. im Unterbewusstsein deine inneren und tiefsten Ängste und auch Gefühle von deinem früheren leben noch nicht ganz vollständig verarbeitet hast und das eben unbewusst auf deinen kleinen projezierst, das bestätigen mir auch deine Albträume. Auch dass du eine liebevolle Mami bist und ihm deine Liebe immer wieder zeigst und ihn bei seinen positiven Handlungen liebevoll und positiv bestärkst, finde ich sehr richtig und total toll von dir. Ich arbeite seid bald 10 Jahren mit Kleinkindern, bin gelernte Erzieherin und habe schon alles mögliche an "schwierigen" kindern erlebt. Diene Geschichte erinnert mich auch an einen 3 1/2 jährigen, den ich vor ein paar Jahren in einer KiTa betreut habe. Dort habe ich ihn gezielt begleitet und habe einen sehr geregelten Tagesablauf für ihn zusammengestellt, zusammen mit den Eltern. Seine Vorlieben und liebligsspielsachen haben da eine gezielte Rolle gespielt. Im dem geregelten Tagesablauf waren natürlich auch feste Regeln und Grenzen miteingebaut. Als Alternative für seine Wutanfälle durfte er immer in den für ihn angebrachten Boxsack boxen und in Kissen schlagen, damit er seiner inneren spannung (die ihn meiner Meinung nach manchmal beherrscht hat, ohne dass er sich wehren konnte dagegen) freien Lauf lassen konnte. Er war auch ein Kind, dass alle anderen herumkommandierte und ihnen vorschriften machte zu seinen Gunsten und Interessen. Dafür haben seine Eltern mit meiner Absprache ihm ein Plüschtier in seiner damaligen Körpergrösse gekauft, eines das er selber aussuchen durfte. Mit dem Plüschtier durfte er über alles sprechen, was ihn bedrückte und beschäftigte, ohne dass seine Eltern zuhören durften. Dieses Plüschtier durfte er auch herumkommandieren und wütend sein, wenn es nicht machte was er wollte. Die Regel war dann, dass er das mit den anderen Kindern und seinem Umfeld in der Familie nicht mehr so machen durfte. Je älter er dann wurde, desto besser bewährte sich diese Methode der Alternativangebote für den Jungen.

Nun zurück zu deiner Geschichte. Also wenn alle Alternativen und Versuche nichts mehr nützen, würde ich dir und deinem Mann dringend raten, einen guten Kinderpsychologen aufzusuchen. Dieser kann mit deinem Jungen Zeit verbringen, ihn beobachten, euch Eltern zuhören und euch Mut machen und dann auch eventuell ein spielerisches Programm mit dem kleinen aufstellen, wo der Junge sich entfalten kann und neue Perspektiven für sein Spiel- und Sozialverhalten kennenlernen und begreifen kann.

ich hoffe, dass ich dir mit meinem Text hier irgendwie weiterhelfen kann.

Ich schicke dir ganz viel Kraft, Geduld und Liebe für deine Zukunft mit deiner kleinen Familie. Du bist sicher eine tolle Mami und verdienst respekt für deine Situation.

Herzliche Grüsse
felicidad

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30. Dezember 2014 um 5:18

Vielleicht hilfreich...
Liebe Harmonieschrulle,

falls dein Nickname Programm ist, musst du vielleicht doch bald mal auf Konfrontationskurs gehen...;-/ Ich machs kurz: lies mal diesen Artikel über emotionale Sicherheit ( http://www.antoniastaengl.at/download/emotionale_sicherheit.pdf )- ich fand ihn sehr hilfreich und hab das begleitete Weinen in unseren Erziehungsalltag integriert... sehr anstrengend, auch für mich, aber auch sehr, sehr hilfreich.

Herzliche Grüsse,
S.

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30. Dezember 2014 um 12:29

Systemische Therapie / Familienaufstellungen
Es wurde ja schon sehr viel gesagt und ich finde es mutig von dir hier zu schreiben. Du hast in deinem Leben schon viel durchgemacht, aber auch erreicht. Du scheinst eine sehr starke Person zu sein und gib nur nicht auf. Hast du zusätzlich zu allem was für die jetzige konkrete Situation hilft, schon was von systemischer Therapie gehört? Kann mir vorstellen, dass diese dir und folglich deinem Kind sehr helfen könnte. Man darf sich dabei jedoch nicht unbedingt eine Änderung von heute auf morgen erhoffen. Familienaufstellungen sind ein Prozess. Du brauchst wirklich gute Therapeuten, die Durchblick haben. Vielleicht reichen dann schon 2 - 3 Aufstellungen. Wenn du nahe München oder Stuttgart wohnst, kann ich dir top Adressen nennen. Alles Gute

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