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Meine Eltern, meine Schwester und ich

5. November 2005 um 22:01

Hallo,
ich bin neu hier und wollte gerne auch mal eure Meinung hören. Ich muss aber leider etwas weiter ausholen, da die Geschichte schon in der Kindheit meines Vaters anfing.
Ich bin 26 und habe eine 6 Jahre jüngere Schwester. Als ich auf die Welt kam, waren meine Eltern total stolz, meine Oma väterlicherseits hat das aber schnell zunichte gemacht:1. war ich ein Mädchen, dann hatte ich auch noch rote Haare und musste per Kaiserschnitt geholt werden, also hatte meine Mutter ja gar kein Kind bekommen... Meine Oma hatte alles unter Kontrolle und mein Vater (ihr Erstgeborener) war ihr persönlicher Fußabtreter, die anderen beiden Kinder waren die besten Engel. So auf jeden Fall mein Gefühl nach den Erzählungen meines Vaters.
Und nun bin ich der Fußabtreter meiner Eltern, spätestens seit meine Schwester auf der Welt ist: Meine Schwester wird bedingungslos geliebt und bekommt alle Aufmerksamkeit, die sie sich wünscht, ich erfahre Liebe und Aufmerksamkeit nur, wenn ich Leistung bringe. Z. B. habe ich seit ich 15 war für meine Mutter den halben Haushalt geführt, ich habe die Wäsche für eine 4-köpfige Familie gebügelt, zusammengelegt und weggeräumt, überall staubgewischt, die Böden gewischt, Fenster geputzt, gesaugt, gespült etc. Meine Mutter war morgens 2 Std. arbeiten und hat neben der restlichen Hausarbeit meist die Landwirtschaft meines Vaters mitversorgt, weil der ja noch einen Hauptberuf hatte. Meine Schwester saß, nachdem sie aus der Ganztagsschule kam, vor dem Fernseher oder war bei Freundinnen. Wenn die mal spülen musste, hat sie ein Theater veranstaltet, als wollte man sie ermorden. Auch in der Schule sollte ich natürlich gut sein. War ich das nicht, wurde rumgeschrien. Gute Noten waren nicht erwähnenswert weil selbstverständlich. Meine Arbeit war auch selbstverständlich, eines Dankeschöns nicht wert. Ganz schlimm wurde es, als ich mit 20 meinen Freund kennenlernte. Da wollten meine Eltern dann an mir rumerziehen und ließen mich um 23 Uhr zuhause sein. Schließlich ging ich ja noch zur Schule und stand kurz vor dem Abi, sie wollten mich schließlich nicht noch ein Jahr durchfüttern. Gottseidank habe ich das Abi bestanden und eine Lehre angefangen, wenn ich abends nach Hause kam, wartete selbstverständlich noch meine Hausarbeit auf mich, bevor ich zu meinem Freund fahren durfte. Mit knapp 22 bin ich ausgezogen. Da haben meine Eltern sich dann doch sehr kulant gezeigt: Sie haben mir mein Auto (das sie bezahlt haben) mitgegeben, mein Kindergeld und haben die Autoversicherung weitergezahlt. Sie erwarten seitdem von mir und meinem mittlerweile Mann (den sie übrigens zumindest am Anfang nicht mochten, jetzt ist es schon besser), dass wir sie 1x in der Woche besuchen. Zu uns kommen sie nur auf Einladung, obwohl der Weg ja derselbe ist. Sie haben mittlerweile auch ihr großes Haus verkauft und weil ich ja arbeitslos bin, durfte ich ihnen beim Umzug helfen. Meine Schwester, die mit in das neue Haus gezogen ist, hat nur gemeckert und schlechte Laune verbreitet und uns beim Packen und Schleppen zugeguckt. Vor zwei Monaten habe ich geheiratet. Meine Eltern haben uns daher im Mai das Sparbuch gegeben, das sie bei meiner Geburt für mich angelegt hatten. Da war ein hübsches Sümmchen drauf, das uns echt weitergeholfen hat. Aber ansonsten haben sie sich bei der Planung und Organisation total rausgehalten, sie wollten auch eigentlich nicht über die Hochzeit reden. Die Eltern meines Mannes haben eine ganz tolle Geschenkpräsentation auf der Feier gemacht und uns auch Geld geschenkt. Meine Schwester war schon das 1/4-Jahr vorher und den ganzen Tag stinkig, weil ICH es gewagt habe, als Braut im Mittelpunkt zu stehen und sie verdrängt habe. Zwei Tage nach der Hochzeit mussten sie anfangen, mir das Fest madig zu machen. Da ist ihnen nämlich aufgefallen, dass keiner mitbekommen hat, was sie uns geschenkt haben. Ich habe nur gesagt, der DJ und sein Mikrofon waren den ganzen Abend da, niemand hat euch gehindert hinzugehen und ein paar Worte zu sagen. Aber nein, sie meinen lieber, meine Schwiegereltern hätten sich in den Mittelpunkt stellen müssen.
Letztens haben sie mich dann auch noch gefragt, warum ich überhaupt mein Auto behalte, ich hätte ja keine Arbeit und es würde nur rumstehen, ich sollte es doch lieber verkaufen. Die Karre ist höchstens noch 2.000 wert und kaum habe ich sie verkauft, finde ich neue Arbeit und brauch wieder ein Auto und krieg nur ein viel teureres.
Um es auf den Punkt zu bringen: Ich fühle mich von meinen Eltern nicht geliebt und schon gar nicht geachtet und respektiert. Sie wollen sogar nach meiner Hochzeit noch über mich bestimmen und behandeln mich wie ein kleines Kind. Es ist ihnen peinlich, dass ich seit einem 3/4 Jahr arbeitslos bin, sie sagen überall, ich hätte noch Arbeit. Sie sind übrigens wie ich übergewichtig und sagen mir immer, ich wäre fett und sollte mal versuchen abzunehmen. Meine Schwester ist dicker als ich, will das aber nicht zugeben: Für die Hochzeit haben wir uns ausgemessen, weil wir Kleider brauchten, ich hatte überall mindestens 2 cm weniger Umfang als sie, aber sie meinte, wie das sein könne, ich wöge doch garantiert mehr als sie. Als ich übrigens wirklich etwas abgenommen hatte, konnten sie nicht stolz sein und mich loben, sondern nur sagen, dass ja immer noch genug Fett da sei.
Meine Schwester kriegt alles in den Arsch geschoben und tanzt meinen Eltern auf der Nase rum wo sie nur kann. Würde ich in dem Ton und mit der Wortwahl mit denen reden, meine Eltern hätten mich schon totgeprügelt, bei ihr lachen sie nur hilflos. Ich bin so wütend auf meine Eltern, durch sie bin ich schließlich fett geworden! Hätten sie mir gezeigt, dass sie mich lieben und wie man sich selbst liebt, hätte ich nicht immer Trost im Essen suchen und finden müssen. Sie nerven mich, weil sie beleidigt sind, wenn wir sie mal nicht besuchen wollen. Wir sitzen eh nur da und gucken zusammen in die Glotze. Ich würde sie am liebsten mal ne Weile nicht sehen, aber wie sag ich das am besten, ohne dass sie beleidigt und sauer sind?
Ist jetzt tierisch lang geworden, aber ich muss das mal irgendwo loswerden.
LG
Liannon

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6. November 2005 um 14:13

..ich sehe es von der anderen seite...
lo, ein paar von den Sachen, die du da schilderst, kommen mir sehr bekannt vor, allerdings stehe ich auf der "anderen Seite": ich bin die Mutter und wir haben zwei Töchter (16 und 14). Wenn ich dir das aus meiner Sicht schildere, hilft dir das vielleicht ein bisschen, denn mit "wenig Liebe" hat das wahrscheinlich nichts zu tun! Mein Verhältnis (ich schreibe nur von mir, weil Männer die Sache pragmatischer sehen...)zu meiner älteren Tochter ist auch anders als das zu meiner jüngeren Tochter. Ich ertappe mich auch immer dabei, wie ich von der älteren Sachen erwarte oder als selbstverständlich hinnehme, die die jüngere überhaupt nicht macht. Die Große reagiert allerdings auch eher trotzig und arrogant, während "die Kleine" eher schmeichelt, sich auch mal entschuldigt, um etwas bittet etc. Es ist nicht möglich beide gleich zu behandeln, da sie auch ganz verschiedene Charaktere haben. So habe ich mich aber auch in den ersten Jahren, nachdem die 2. Tochter geboren war, noch hauptsächlich um die Große gekümmert, die Kleine lief nur so nebenher, wurde halt gefüttert, gewickelt und war dabei. In den ersten Jahren wurde also auf alle Fälle die Große bevorzugt, sie war auch nie eifersüchtig oder so auf die Kleine. Das ging auch noch immer ein bisschen so weiter, dass die Kleine eben so mitlief, "Programm" habe ich mit der Großen gemacht (Vorlesen, Basteln, Malen, Musik,....)Natürlich haben wir uns auch mit der Kleinen beschäftigt, das hört sich jetzt doch sehr krass an, aber eben nicht in dem Maße. Daher kommt dann wahrscheinlich auch die viel höhere Erwartungshaltung, die man an die Große hat. Man konnte sich ja die ganze Zeit auf sie verlassen, wusste, was sie kann, konnte ihr vertrauen. Mit zunehmendem Alter verschwindet aber der Unterschied von Groß und Klein, auch an die Kleine müssen Forderungen gestellt werden. Wahrscheinlich ist bei Euch der größere Altersunterschied Grund dafür, dass die Kleine eben "die Kleine" geblieben ist, von der man nichts erwartet. Du warst ihr halt immer 6 Jahre voraus, und bevor man sich mit dem Trotz oder der Bequemlichkeit von ihr auseinandersetzte, war es einfacher, weiter auf deine bewährte Arbeit und dein Verantwortungsgefühl zu setzen und sie die kleine "Prinzessin" sein zu lassen. Man kann es auch so ausdrücken: du wurdest für voll genommen, deine Schwester war das nette kleine Püppchen, aber zu nichts zu gebrauchen. Dass deine Eltern dir Vorschriften gemacht haben, als du einen Freund hattest, bedeutet auch, dass sie dich nicht verlieren wollten. Ich reagiere bei meiner älteren Tochter im Moment ähnlich, finde das auch nicht gut, aber kann nicht anders. Der Grund ist wahrscheinlich eben gerade der, dass ich eine sehr enge Bindung zu ihr habe und die nun brechen sehe. Eine Art "Liebeskummer"... (weil du ja meinst, deine Eltern lieben dich nicht). Welche Liebesbeweise bekommt denn deine Schwester? Wahrscheinlich halten sich deine Eltern damit generell zurück?
Eine zeitlang Abstand zu wahren, ist bestimmt gut. Ich wünsche mir das zu meiner älteren Tochter im Moment auch, dann kann ich vieles vielleicht mit Abstand betrachten und sehe es nicht mehr so verkniffen. Aber das lässt sich nicht machen, wir wohnen sicher noch ein paar Jahre zusammen...
Vielleicht reicht es deinen Eltern ja auch schon, wenn du nur kurz bei ihnen vorbei schaust und nicht zum Fernsehabend bleibst? Lass dir einen Grund einfallen, der deinen Eltern zeigt, dass sie dir noch irgendwie wichtig sind. Ja genau, ich denke, das wollen sie: gezeigt bekommen, dass sie dir wichtig sind und nicht abserviert wurden. (Ich gehe dabei wieder von mir aus...)

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