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Mein Vater will nichts mit mir zu tun haben

25. Januar 2014 um 16:03

hallo,

mein text ist etwas lang geworden.

erstmal zu mir
ich bin inzwischen 27, bald 28 Jahre alt, habe mein Studium abgeschlossen und bin angehende Lehrerin- ich würde sagen, dass ich gut im leben stehe, keine großartigen Probleme hatte oder habe, also kurzum relativ normal bin/mich normal entwickelt habe und eigentlich keinen Grund sehe, warum mein Vater mit mir nichts zu tun haben will.




ich muss vielleicht etwas weiter ausholen:

meine Eltern haben sich getrennt, als ich 8 jahre alt war. ich kann mich an heftige Streits zwischen ihnen erinnern, in denen auch mal Gegenstände geflogen sind. es sind viele, unschöne, aber auch sehr diffuse Erinnerungen an meine beiden Eltern, als sie noch "zusammen" waren und wohnten.aber der überwiegende teil meiner Erinnerungen an beide als paar sind eher schlecht oder nur schlecht, d.h. in meinen Augen haben sie sich nie verstanden, immer nur gestritten und ich war mittendrin in diesem Streits.

jedenfalls ist meine Mutter damals mit mir ausgezogen, direkt zu ihrem damaligen, neuen freund. ich hatte ihn damals als Vaterfigur akzeptiert (den neuen freund) und in mein herz geschlossen.

meinen leiblichen Vater habe ich ab diesem Zeitpunkt nicht mehr gesehen, ich kann mich weiterhin nur noch vage an Telefonate zwischen den beiden erinnern, in denen sie sich wieder so stark angeschrien haben, dass ich es kaum ertragen konnte. mein Vater hat sich meiner Erinnerung nach auch dann für mehrere Jahre nicht mehr gemeldet. es war fast komplette Funkstille zwischen uns. vielleicht kam mal eine karte zum Geburtstag, mit der ich damals aber nicht viel anfangen konnte. ich glaube, damals auch ganz froh darüber gewesen zu sein, da diese Auseinandersetzungen heftigster art endlich beendet waren.


als ich dann ca. 13 Jahre alt war (die Beziehung zwischen meiner Mutter und diesem freund nach meinem Vater war mittlerweile beendet) und sie hatte direkt einen neuen mann gefunden....., sah ich meinen Vater das erste mal wieder. ich glaube es war in einer art Jugendamt, wo das treffen arrangiert wurde. ich weiss noch, dass diese Begegnung mit meinem Vater mir unangenehm war, weil ich die Streits von damals zwischen meinen Eltern nicht vergessen hatte und von meiner Mutter auch ein relativ schlechtes bild von meinem Vater mitbekommen hatte. sie hat eigentlich nur schlecht über ihn geredet und ich hatte damals (ich war ja noch ein kind) dieses bild übernommen und war irgendwie auch ganz froh, dass ich keinen Kontakt mehr zu ihm hatte, denn ich hatte ja ein vollkommen schlechtes vild übermittelt bekommen, er wurde mir als halber verbrecher von meiner Mutter dargestellt.




kurze zeit später nach diesem treffen im Jugendamt war dann klar, dass mein Vater Interesse daran hatte, mich regelmäßig zu sehen und ich wurde eigentlich gar nicht gefragt, ob ich lust dazu hätte, es wurde praktisch direkt entschieden und in die tat umgesetzt und ich hatte auch sehr zwiespältige Gefühle ihm gegenüber, er war mir fast fremd geworden. aber ich hatte ja sozusagen keine Wahl und musste ihn treffen.
auf jeden fall traf ich ihn dann immer öfters, dann regelmäßig und schließlich jedes Wochenende. er hatte inzwischen auch eine neue Freundin gefunden, mit der ich mich gut verstand. damals war ich so 13, 14 Jahre alt.
ich besuchte meinen Vater und seine Freundin also jedes Wochenende und genoss richtig die "Kinderrolle" bei ihnen, denn meine Mutter arbeitete immer sehr viel und hatte kaum zeit für mich. dagegen mit meinem Vater und seiner Freundin unternahm ich sehr viel an den Wochenenden (kino, theater, Spaziergänge, Ausstellungen etc.) ich fühlte mich schließlich bei ihnen wohler als bei meiner Mutter und ihrem freund, die beide richtige Workaholics waren und alle Gespräche sich immer nur um ihr Geschäft und die kunden drehten. ich kam mir oft überflüssig vor bei ihnen, unter der Woche.

das Verhältnis zu meinem Vater und seiner Freundin wurde immer enger/oder besser. ich wuchs zu einem Teenager heran und die beiden waren eigentlich meine engsten Bezugspersonen. ich hatte zwar auch freunde in der schule, da ich aber jedes Wochenende bei ihnen war, versäumte ich auch viele dinge, die man mit gleichaltrigen macht. mich störte das damals aber kaum, so wohl fühlte ich mich bei meinem Vater.

je älter ich wurde, desto schwieriger wurde das Verhältnis zu meiner Mutter und ihrem freund. als ich 15, 16 Jahre alt war, stritten meine Mutter und ich fast nur noch, konnten nicht ein normales wort miteinander reden, ohne uns anzuschreien. mit meinem Stiefvater war es ähnlich. er sagte mir ungefähr jede woche, dass ich doch bitte ausziehen soll (ich war 15 Jahre alt..und ging zur schule. ich weiss nicht, wie er sich das vorstellte, wo ich hinziehen sollte als minderjährige) ich fühlte mich oft hin- und hergerissen, da ich sozusagen 4 Eltern hatte und beide "Elternpaare" sich gegenseitig vor mir schlecht machten. (meine Mutter hatte nie aufgehört schlecht über meinen Vater zu reden und er redete ebenso schlecht über meine Mutter in meiner Gegenwart).

eines Tages waren die steits zu hause so heftig, dass mein Vater mit vorschlug, zu ihnen zu ziehen. dieses Angebot nahm ich an. meiner Mutter zerriss es damals fast das herz, sie weinte, rief mich weinend auf dem handy an und bat mich, zurück zu kommen.


ich wohnte mittlerweile eine Woche bei meinem Vater und seiner Freundin und besuchte meine Mutter am Wochenende, weil sie mir leidtat, ihr mein Auszug sehr zusetzte und ich sie trotzdem gerne hatte. sie war ja schließlich meine Mutter.

dieser besuch (oder was auch immer) muss meinen Vater und seine Freundin so geärgert haben, dass ich kurzerhand meine gesamten Sachen, mit denen ich zu ihnen gezogen bin, im Vorgarten meiner Mutter wieder fand. mein Vater und ein freund von ihm luden einfach meine gesamten Sachen aus und schmissen sie in den garten. ich war fix und fertig, verstand die Welt nicht mehr.
danach bin ich relativ schnell zu einem Schüleraustausch nach Frankreich gefahren und bekam auch dorthin nur beleidigende emails von meinem Vater und seiner Freundin. dieses verhalten war für mich unbegreiflich und ich habe glaube ich innerlich sehr gelitten, es aber nach außen kaum gezeigt.


naja. ich wurde immer älter, machte bald mein Abitur und hatte keinen Kontakt mehr zu meinem Vater. ich hatte ihm den Rauswurf nicht verziehen. als ich 18 war, stellte er schließlich die Unterhaltszahlungen ein, ich bat ihn mehrmals per brief, weiter zu zahlen, da ich mitten im Abitur steckte. er reagierte nicht und ich nahm schließlich auf den rat meiner Mutter und ihres Freundes hin einen Anwalt für Familienrecht und klagte den unterhalt ein.


später ging ich zum studieren in eine andere Stadt und auch hier musste ich regelmäßig den unterhalt vom bafög-amt einfordern lassen, da mein Vater freiwillig phasenweise gar nicht zahlte. wir haben uns zeitweise wieder angenähert, auch telefoniert oder uns mal getroffen, aber alles in allem immer wieder in streit geraten und letztendlich haben wir keinen Kontakt mehr. ich habe auch keine lust mehr, da einfach zu viel passiert ist und ich sein verhalten absolut nicht nachvollziehen kann.





jetzt meine frage: was meint ihr? ihr seid zwar keine Psychologen, aber vielleicht könnt ihr mir aus einer ganz anderen Sichtweise sagen, was ihn zu diesem Kurswechsel, vom beschützenden, fürsorglichen Vater zu aggressiven "Erzeuger" (wie er sich auch selbst nennt mir gegenüber) gebracht haben kann? meiner Meinung nach ist er gestört, konnte die Trennung von meiner Mutter nie verarbeiten und sieht meine Mutter in mir, die er weiterhin zu bekämpfen versucht.

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28. Januar 2014 um 15:43

Vielen dank für deine Antwort
ich finde es auch extrem egoistisch und unreif, vor allem von meinem Vater.


je älter ich werde, desto schlimmer und unbegreiflicher finde ich sein verhalten. früher konnte ich das nie so in Worte fassen und habe es als nicht so dramatisch gesehen, habe ihm immer wieder verziehen und ihm sozusagen neue Chancen gegeben, immer in der Hoffnung, eine "normales" Verhältnis zu meinem Vater zu haben.


inzwischen will ich aber eigentlich nichts mehr mit ihm zu tun haben, er ist mir mehr und mehr egal. rückblickend würde ich sagen, dass es ihm nie um mich als person ging, sondern er wollte immer Rache an meiner Mutter nehmen, er hat ja nie freiwillig gezahlt, es lief alles über unterhaltstitel und als ich dann zu ihm gezogen bin, sollte meine Mutter auch sofort ihr alleiniges Sorgerecht an ihn abtreten.


nur haben sie dann relativ schnell bemerkt, dass eine 16-jährige im Alltag doch nicht so einfach zu handhaben ist und ich denke auch, dass es seiner Freundin einfach zu viel wurde und sie ihn praktisch vor die Wahl gesetzt hat: entweder gehe ich oder sie. da hat mein Vater den Schwanz eingekniffen und mich kurzerhand vor die tür gesetzt...


und es folgten immer wieder solche dinge im laufe der Jahre. ich musste neulich ca. 3000 euro an Bafög zurückzahlen, weil mein Vater falsche angaben gemacht hat und ich zuviel Bafög erhalten habe...damit habe ich ihn auch konfrontiert, es hat ihn nicht interessiert. er hat mir lediglich zu einer Rechtsschutzversicherung geraten.....



wenn man ein kind in die Welt setzt, sollte man bedenken, dass man ein leben lang eine Verpflichtung hat und dies sollte aber eigentlich auch spaß machen, schließlich liebt man doch normalerweise sein kind, oder?


ich glaube wirklich, dass er psychisch krank ist und immer nur Rache wollte an meiner Mutter und mich als mittel zum zweck benutzt hat. so traurig es ist.

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