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Mein vater und ich

19. Juli 2006 um 22:48 Letzte Antwort: 11. Oktober 2006 um 21:46

tja! mein vater und ich...das ist wirklich eine eigene geschichte.
ich bin mittlerweile 23 und man sollte meinen, dass ich die nötige reife und vernunft habe, um selbst damit umgehen zu können. aber um ehrlich zu sein, hab ich die offensichtlich noch nie besessen, da ich es einfach nicht schaffe.

ich weiß gar nicht, wo ich anfangen soll...es kann passieren, dass das jetzt eine vollkommen konfuse geschichte wird und sich niemand mehr auskennt...
ich werd mich bemühen, dass das nicht geschieht!

die beziehung zu meinem vater war nie sonderlich gut bzw. so gut wie nicht vorhanden.
als mein bruder und ich klein waren, hat sich meine mama um uns gekümmert. mein vater ist erst spät von der arbeit nach hause gekommen, d.h. unter der woche haben wir ihn kaum bis gar nicht zu gesicht bekommen.
wenn man ihn nicht kennt, dann hat man den eindruck dass er nichts anderes kann als böse zu schaun. aber das kann er gut, das sag ich euch. von meiner mama weiß ich, dass sich ihre freundinnen abgeseilt haben weil sie angst vor meinem vater hatten.
eine angst, die ich gut verstehen kann.
er hatte ein irrsinniges agressionspotential und hatte sogar einen eigenen abstellraum mit boxsack, wo er sich abreagieren konnte.
ich muss gleich dazu sagen, dass er uns nie geschlagen hat, das würde er auch nie tun.
er war einfach ein extrem ungeduldiger mensch und konnte mit kleinen kindern nichts anfangen (aussage meiner mama). er hat oft geschrien und uns beschimpft....ich wusste schon mit 2 jahren was ein ... trottel, wappler, trampel ist und was es bedeutet wenn einem der mittelfinger gezeigt wird.
dabei gings aber nur um kleinigkeiten....
wenn wir essen waren und ich ein glas umgeschüttet habe, wenn ich beim essen zu viel geredet hab, wenn ich zu lange gebraucht habe um mir marmelade aufs brot zu schmieren etc.
ich hatte wirklich angst vor ihm...das ging dann schon so weit, dass ich so lange gewartet hab, bis er sich marmelade genommen hat und ich erst dann zugegriffen hab.
oder wenn man sich im badezimmer hände waschen wollte, wenn er grad im bad war....na mehr hast du nicht gebraucht! da wurde wieder lautstark verkündet was für ein ... du bist.
ich hatte sogar angst mit ihm alleine im auto zu sitzen....ich wusste einfach nicht was ich mit ihm reden sollte.
ich hab mich einfach nichts mehr getraut weil ich angst davor hatte dass er wieder anfängt zu schreien.
und wenn er dann geschrien hat, hatte ich das gefühl dass mir irgendwer den hals zudrückt. ich konnte nichts mehr sagen, ich konnte nur mehr heulen.

die rolle meiner mutter nehme ich nur verschwommen wahr. sie hat schon manchmal gesagt, dass er uns nicht beschimpfen soll und wenn ers dann doch tut, dann meint ers eh nicht so. aber wenn du sowas als kleines kind ständig hörst, dann kommen schon solche fragen auf wie 'bin ich wirklich ein ... ' 'wenn mein papa das ständig zu mir sagt muss ja irgendwas dran sein!'.

tja, das ging so bis ich ca. 16 war.
dann hab ich den spieß umgedreht.
ich hab ihn nicht mehr ernst genommen...wenn er mich angeschrien hat, hab ich zurück geschrien...wenn er was gesagt hat, hab ich absichtlich genau das gegenteil gemacht.
streit war also vorprogrammiert und es spielte sich eigentlich jeden tag das gleiche ab.
wenn er mich angeschrien hat, hatte ich zwar immer noch das gleiche gefühl im hals wie früher, aber ich hab es mir verkniffen, ich habs einfach runtergeschluckt. geweint hab ich erst im stillen kämmerchen, damit ers ja nicht sieht.
schwäche ist hier schließlich fehl am platz.
im endeffekt wars dann so, dass ich mich genauso verhalten habe wie er. ich hab dieses verhalten, dass ich so sehr gehasst habe und immer noch hasse, übernommen und im ersten moment ist mir das nicht mal aufgefallen.
ich bin wegen jeder kleinigkeit ausgezuckt, hab ständig mit meinem vater gestritten und hab auch damit begonnen meine mutter anzuschrein und auch diverse schimpfwörter zu verwenden.
keiner meiner freunde kennt mich so....und wirklich niemand könnte mich so reizen wie meine eltern, niemand.
irgendwann war es dann so weit, dass ich meine eltern nur sehen musste und ich war auf 1000.
das ging dann ein paar jahre so, bis ich meine eltern so weit gebracht habe, dass sie sich eine wohnung gekauft haben und ausgezogen sind.
ich hab ihnen ständig gesagt dass sie mir auf die nerven gehen und dass ich endlich von zuhause weg will.
da war ich ungefähr 20.

ich hatte die hoffnung, dass dadurch alles besser wird.
wenn ich abstand zu ihnen gewinne, dann beruhige ich mich wahrscheinlich auch.
nur leider wurde mir dieser abstand nicht wirklich gewährt.
seit meine eltern ausgezogen sind, kommen sie jedes wochenende (von freitag bis sonntag) zu uns und schlafen auch noch bei uns.
die mama putzt dann schön brav die wohnung und der papa sitzt vorm pc.
für mich steht fest, dass ich am wochenende 100%ig nicht zuhause bin, die tage verbringe ich bei meinem freund.

meine schulischen leistungen und dann auch die leistungen während des studiums ließen teilweise zu wünschen übrig.
meine ausrede war dann die, dass ich bei der prüfung so nervös bin, dass ich ein black-out habe und sie deswegen nicht schaffe.
dabei ist das sowas von gelogen...ich hab einfach zu wenig gelernt.
im endeffekt wars dann so, dass ich wegen diesem nervositätsproblemzu einer psychotherapeutin ging.
es war aber allen klar, warum ich wirklich dort war.
ich hab mal ein gespräch mit meiner mutter geführt und ich habe ihr alles erzählt....wie es früher war, dass ich wirklich angst vor meinem eigenen vater hatte usw. und sie hat nur gemeint, dass mein papa weiß, dass er der hauptgrund ist, warum ich eine psychotherapie mache.
die sache ist nur die...ich könnte mit ihm nie und nimmer drüber reden...niemals!
naja, die psychotherapie war eher nicht so erfolgreich....irgendwie ging da nichts weiter.

nun bin ich 23 und mir hängt diese sache immer noch hinterher.
ich werde es meinem vater nie verzeihen, was er mir angetan hat. einerseits.
andererseits weiß ich, dass er alles für seine familie tun würde. man kann sich immer auf ihn verlassen und wenn man was braucht, dann bekommt man es auch. er würde uns nie im stich lassen...wir stehen für ihn an erster stelle.
leider trifft das in emotionaler hinsicht nicht ganz zu.....

wie gesagt, mittlerweile bin ich 23 und führe seit 5 jahren eine beziehung und dieses vater-tochter-ding verfolgt mich bis heute.
ich merke einfach, dass ich irrsinnig liebesbedürftig bin und viel aufmerksamkeit und nähe brauche. ich vertrag es auch überhaupt nicht, wenn mein freund mal lauter wird....das kommt zum glück nur alle heiligen zeiten mal vor und wenn, dann schreit er nicht mich an sondern ärgert sich über sonst irgendwas.
zum glück ist mein freund das genaue gegenteil meines vaters.
ich hab ihm davon erzählt und er weiß nun über alles bescheid....aber irgendwie war das keine sonderliche befriedigung für mich. ich denke sogar, dass ihn dieses thema nervt. unlängst hat er gesagt, dass ich nicht drüber reden soll, sonst wird er auch sauer.
mein vater hat mir nämlich vor kurzem im beisein meines freundes den mittelfinger gezeigt. was zur folge hatte dass mein vater einen anschiss meiner mutter bekommen hatte und danach geschworen hat das nicht mehr zu tun.
bis jetzt hat er sich dran gehalten.

wie auch immer, ich könnte noch stundenlang schreiben und eine menge geschichten erzählen...
ich wollte es einfach mal loswerden, weil ich das gefühl habe, dass ich es einfach nicht verarbeiten kann.
ich dachte es geht mir besser wenn ich es meinem freund erzähle, aber das stimmt nicht.
es frisst mich auf und deshalb MUSS ich einfach mit jemandem reden der das verstehen kann, der das nachvollziehen kann...ders vielleicht selbst erlebt hat?!
ich weiß es nicht.....

liebe grüße,
SimplySweet

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22. Juli 2006 um 13:56

Hallo SimplySweet,
ich denke, du druckst den Brief aus und schickst ihm deinen Vater. Warum "kannst" du mit ihm nicht darüber reden? Was befürchtest du, was passiert? Und wieso kommen die jedes Wochenende ungefragt zu euch und übernachten auch noch?
Dass immer diejenigen eine Therapie ins Auge fassen, die unter jemandem leiden, und nicht die Verursacher! Wenn jemand eine Th. nötig hätte, wäre es doch dein Vater! Ich glaube, er ist sich nur teilweise im Klaren darüber, wie katastrophal er auf dich wirkt.
LG Meerblau

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11. Oktober 2006 um 21:46

Hallo du
ich weiß zwar nicht, ob du hier noch reinchaust, aber ch wollte dir trotzdem schreieben.
ich habe einen vater, der ist genauso wie deiner. jähzornig und man kann ihm alles zutrauen, wenn er mal sauer ist. ein richtiger kinski, der sich über alles aufregt. es muss alles perfekt funktionieren, sonst dreht er durch. wenn man so aufgewachsen ist, dann denkt man, seine lebensaufgabe bestünde darin, alles so zu machen, dass er zufrieden ist, dass es keinen ärger gibt, man einfach seine ruhe hat. klar, dass man irgendwann rebelleiert, so wie du es getan hast. dein vater hat dich nie geschlagen, da hast du glück. wenn ich mich mit meiner schwester gestritten habe, gabs schläge, ins zimmer einsperren und so ne geschichten. meine mutter hat er auch oft geschlagen, vor unsreren augen. mittlerweile natürlich nicht mehr, aber die meiste zeit war er ein richtiges ... als teenager hatte ich igendwann so einen hass, dass ich meiuner muttr vorgeschlageh habe, einen killer auf ihn anzusetzen.
aber man macht es nicht, weil es nicht richtig ist, auch wenn man ihm den tod wünscht. ja, am ende ist er für einen da, klar und man sich auf ihn verlassen, aber das will man gar nicht. man will nichts mit ihm zu tun haben. er wird sich nie ändern, also ist das alles nur zeitverschwendung. auf ihn zuzugehen und versuchen ihn zu verstehen, alles schwachsinn. damit maschst du dich nur selbst kaputt. dein vater hat eine härtere schale als du und deshalb merkt er die anschläge einfach nicht. und es ist nicht deine aufgabe, ihn zu bemitleiden oder umzuerziehen. dafür ist es zu spät, das kannst du vergessen. meine schwester, sie ist jetzt 30 geworden, hat es fast zehn jahre lang probiert, macht jetzt selber therapie, weil sie den nötigen abstand von der sache, unserer kindhweit, der ehe meiner eltern, genommen hat. ich hab da früher gemerkt, dass es nichts bringt, nur depression. und daher mein einziger, gut gemeinter rat: gewinn abstand. die besuche müssen aufhören. am besten du nimmst deinen freund und ihr geht in eine andere stadt. so weit weg wie nur irgend möglich. das ist mein ernst. und ganz wichtig: lass dir auf gar keinen fall ein schlechtes gewissen einreden. damit kommen sie immer als erstes. von wegen, du würdest sie verlassen, im stich lassen, sie wären dir egal, und ach, was soll nur aus uns werden, ohne dich? alles blödsinn. du tust es ja nicht, um sie zu bestrafen, sondern um dich selbst zu schützen, vor diesem psychterror. das hast du nicht verdient. es ist eigentlich zum ausrasten. du brauchst abstdand, und die rücken dir immer noch mehr auf die pelle. das ist echt krank. also, egal, was du machst, denk an dich und mal dir mal aus, wie alles sein müsste, damit du wirklich glücklich bist. und dann mach es so.
grüße

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