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Mein Sohn ist so anders

10. März 2009 um 10:21

Hallo,

habe diesen Beitrag schon im Erziehungsforum geschrieben, habe erst jetzt gesehen, dass es noch ein Unterforum dazu gibt. Hoffe es ist okay, wenn ich hier nochmal meinen Beitrag schreibe.

Unser Sohn ist 4,5 Jahre alt und ist ein sehr seltsames Kind.
Er war als Baby schon sehr pflegeleicht, weinte sehr sehr wenig, immer zufrieden und gut gelaunt, konnte sich stundenlang mit ein und demselben Spielzeug beschäftigen.
Entwicklung war immer normal im Babyalter.
Er hatte aber einen schweren Start ins Leben. Er hatte nach der Geburt eine Blutvergiftung und wurde über eine Woche beatmet. Es war schon knapp. Dann hatte er mit 5 Monaten einen einmaligen Krampfanfall, danach kam aber nichts mehr.
Er hatte bis zu einem Jahr einen Monitor, weil im Schlaflabor Apnoen festgestellt wurden, das gab sich dann auch wieder.
Organisch ist er völlig gesund.

Aber sein Verhalten ist uns sehr suspekt.
Mit 2, 5 Jahren spielte er stundenlang Autoschlangen bauen. Er baute sogar in der Nacht, ohne einen Mucks von sich zu geben, so dass wir oft gar nicht merkten, dass er wach war. Auch heute noch baut er Dinosaurier, Taschentücher, Bauchsteine in Schlangen auf. Er war ein guter Esser, ass aber ohne Sättigungsgefühl. Er isst heute auch noch bis er Bauchweh hat. Ich teile die Portionen einfach ein und mehr bekommt er einfach nicht.
Er ist sehr pedatisch, er isst schon immer sehr sauber. Ich habe nie Lätzchen gebraucht. Räumt seine Spielsachen sehr sauber ein mit System in Reih und Glied.
Er läuft noch immer auf Zehenspitzen, sitzt im Zwischenfersensitz und kann nicht in Schneidersitz sitzten, dass schmerzt ihn in den Oberschenkeln. Hat Probleme mit dem Gleichgewicht und läuft eher hopsend.
Seine Stimme wirkt sehr monoton und gleichbleibend. Er wiederholt sich oft in dem was er sagt. z.B. auch mal 30 mal hintereinander den Satz: " Mama ich habe hunger" Auch wenn ich ihm erkläre, dass ich ja am kochen bin und es in fünf MInuten Essen gibt, wiederholt er es so oft bis er es bekommt.
Er zeigt sehr wenig Emotionen und kuschelt nie von selbst. Entweder er lacht oder schreit. Was anderes gibt es nicht.
Er kuschelt sehr steif und lässt sich eher bekuscheln, aber das auch nur von mir und meinen Mann. Ganz selten darf die Oma mal.

Im Kindergarten fällt er auf, dass er keine Freunde hat und oft allein spielt und durch mangelnden Blickkontakt. Auch bei uns ist der Blickkontakt zwar besser als zu Fremden oder im Kiga, aber dennoch spärlicher als der von seiner älternen Schwester. Habe oft das Gefühl, dass er mit den Augen flüchtet und beim erzählen schaut er nur kurz zur KOntaktaufnahme einen an und dann an einem vorbei.

Er ist oft versunken in seiner Welt, man muß ihn mehrmals ansprechen bis er reagiert. Manchmal gibt er total sinnlose Antworten auf Fragen: " Was willst du denn auf dein Brot haben?" Er: " Aber der Parasaurolophus ist ein Pflanzenfresser"
Er hat oft einen leeren Blick und ist oft sehr flegmatisch. Anziehen kann er sich alleine nicht oder waschen, das würde Stunden dauern.

Er verhält sich zu anderen Kindern sehr komisch. Ist ein Kind an ihn intererssiert, ignoriert er es einfach oder schreit, wenn es seine Spielsachen anfasst. Wollen die Kinder nicht mit ihm spielen, dann wird er penedrat und merkt es nicht. Schneidet dumme Grimasen, hüpft herum, blödelt herum. So dass die Kinder ihn komisch finden und ihn meist ausschliessen.
Dafür liebt er Erwachsene, da ist er völlig distanzlos und geht ohne ein " Hallo" oder " Wie heißt du? " auf einen zu.
Als er das erste Mal zur Ergo ging, ging er da einfach in den Raum, fing an zu spielen. Es war ihm wurscht ob ich da bin oder nicht. Angst hat er vor nichts und niemanden. Der Ergotherapeutin hat er sofort erzählt von seinem Hobby. Allerdings wenn sie ihm die Hand zur Verabschiedung gibt, flüchtet er, will das nicht. Nur nach mehrmaliger Aufforderung und kann der Ergotherapeutin nicht in die Augen sehen.

Sein großes Hobby sind seit einem Jahr Dinosaurier. Er hat nun auf 2 Monate 90 verschiedene Dinosaurier auswendiggelernt. Namen wie Pachycephalosaurus, Quetzalcoatlus, Rhamphorhynchus, Aphaneramma, Heteredontosaurus sind keinerlei Probleme sich zu merken und exakt auszusprechen. Er kennt alle 90 am Aussehen auseinander und es kommen täglich neue hinzu. Er weiß in welcher Zeit sie lebten. ( Kreide, Unterperm, Jura,Devon) Er weiß, was sie assen und wie sie lebten. Wer wenn auffrass und letztens erkärte er mir was Amphibien sind und wie das Verdauungssystem eines Stegosauriers funktionierte.
Er sammelt alles über Dinos und beschäftigt sich ca. 4 Stunden damit am Tag. Er redet jeden ( auch Fremde) damit stundenlang zu und es ist ihm egal ob die richtig zu hören oder nicht. Er hält richtige Vorträge auch 2-3 Stunden lang, wenn er einen Zuhörer findet. Er selbst lässt aber selten dann jemanden zu Wort kommen.
Sonst ist er kognitiv total normal. Er kann Zahlen bis 10 lesen, zählt bis 20, addiert und subtrahiert im 10 Bereich. Buchstaben interessiern ihn nicht. Farben Formen konnte er mit 3 schon sehr gut benennen. Sprechen auch im Normalbereich.
Laut Ergo ist er gravomotorisch sehr sehr gut. Feinmotorik ist allgemein sehr gut. Grobmotorik Katastrophe.
Seit neustem kratzt er sich ständig im Gesicht. Es ist keine Allergie, wurde schon getestet. Der Kia meint eher ein Tick. Er schlägt in der Nacht oft mit dem Kopf und Oberkörer gegen seine Materaze. Ganz rythmisch und gibt dabei monotone Laute von sich. Das macht er schon sehr lange. Früher macht er es jeden Tag, manchmal auch eine Stunde lang, es ist aber nun viel weniger geworden. Vorallem bei aufregenden Tagen, wenn wir einen Ausflug davor gemacht haben. Oder im Auto, da macht er das auch oft, dass er den Kopf gegen die Rückenlehne schlägt.

Sorry für den sehr langen Beitrag, vielleicht hat jemand ein ähnliches Kind? Was haben Eure 4 jährige für Interessen?

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10. März 2009 um 20:51

Könnte eine Form des Autismus sein.
Liebe Larchen.
Ich habe eigentlich etwas dagegen, Ferndiagnosen zu erstellen.
Weil sie häufig in völlig falsche Richtungen laufen. Das kann hier auch der Fall sein.
Aber deine Beschreibung ist sehr plastisch und ich bin ein Menschm der seine Gedanken eher zu schnell als zu angsam äußert. Das Kind, das du beschreibst passt recht genau in die Diagnosekriterien für eine Form des Autismus, das Asperger Syndrom. Viele Betroffene sind sebständig, arbeiten, haben teilweise auch Familie... Es gibt Foren im Netz, in dem sich Betroffenen austauschen und auch Eltern beraten, wenn diese konkrete Fragen haben. z.B. Aspergia.de. Lies dir doch mal deren Beschreibungen durch und schau, ob du den Eindruck hast, dass deren Beschreibung zu deinem Kind passt. Mein ältester Sohn ist 6 Jahre alt und hat Verdacht auf eine Autismus- Spektrumstörung(was eigentlich eine Art Überbegriff für alle Arten des Autismus ist). Verdacht, weil verschiedenen Tests sehr unterschiedlich ausgefallen sind. Ich erkläre mir das so, dass er eben ein "Grenzfall" ist. Einige Verhaltensweisen sind auffällig, andere wiederum noch im Normbereich. Aussdem bin ich selbst Ergotherapeutin(was die Sache nicht wirklich einfacher macht), da sind die Anamnesen aus Sicht der Eltern natürlich untypisch.

Ich würde dir empfehlen, dich ein wenig schlau zu machen über Asperger und ähnliche Diagnosen und dich dann im nächsten kinderneurologischen Zentrum vorzustellen. Dort wird dein Sohn untersucht und es wird versucht, im interdisziplinären Austausch eine Diagnose zu erstellen. Ich kann mit der Verdachtsdiagnose meines Sohnes ganz gut leben, es passt, es hilft mir häufig, sein Verhalten besser zu verstehen. Mit der Diagnose lässt es sich auch besser überlegen, was zum Beispiel bei Schwierigkeiten in der KiTa passieren muss, um die Situation für alle Beteiligten zu erleichtern.

WENN dein Sohn eine Form des Autismus hat, so kannst du als seine Anwältin auftreten und sein Verhalten erklären und evtl. Änderungsvorschläge machen. Den Autismus kannst du nicht wegtherapieren. Du kannst aber dein Verständnis über die Sichtweise deines Sohnes verbessern und ihm so helfen, seine eigenen Ziele zu erreichen. Später kann er auch mit seinen eigenen Schweirigkeiten evtl. mehr anfangen, wenn sie gebündelt sind unter Diagnose und er sich mit anderen Betroffenen austauschen kann.

So. Ich hoffe, du bist nicht zu geschockt von meinem forschen Vorgehen. Es kann ja auch sein, dass ich VÖLLIG falsch liege....

Und wegen er Länge des threads.....

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18. April 2009 um 10:40

Ein Kind von mir war genauso
Leider nur einer...

keine Probleme in der Schule. keine Probleme in der Pubertät, hat viel gelesen, sich am PC beschäftigt, hatte erst später nur einen einzigen Freund (den hat er heute noch). Abends ganz selten weg gegangen.

er war einfach pflegeleicht. Hat nie diskutiert oder war frech. Kaum geschmust etc.

Mit 19 fand er bei einem, online treffen, wo sie alle mit dem PC hinfahren, ein Mädchen und

jetzt hat er seit zwei Jahren eine eigene Wohnung ist mir ihr schon 5 Jahre jetzt zusammen, liest immer noch viel, aber dadurch das er jetzt arbeitet was ihm Spass macht, hat er jetzt Bekannte die auch seine Interessen teilen.

Mach dir keine Sorgen und freue dich, dass du so ein tolles pflegeleichtes Kind hast.

Wünschte ich hätte mehr von der Sorte gehabt.

Saraa

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28. April 2009 um 19:03

Hallo
Ja also erst mal zu mir, ich lerne Heilerziehungspflegerin und kenne mich von daher etwas in diesem Bereich aus und würde dir raten, mal einen Arzt bzw Speziallisten aufzusuchen denn das hört sich stark nach Autismus an...Bin mir da sogar ziemlich sicher nachdem du einiges beschrieben hast. Aber keine Angst. Es gibt sehr gute Therapeuten dafür...

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