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Mein 3-jähriger macht mich kaputt!

17. Februar 2012 um 11:31

Hallo zusammen,

ich schreibe hier weil ich wirklich vor Verzweiflung nicht mehr anders kann. Ich sitze tränenüberströmt hier und weiß keinen Ausweg mehr.

Ich bin Mitte 20 und alleinerziehende Mutter eines gerade 3-jährigen. Grundsätzlich ist er ein toller Junge. Er ist mein Leben. Ich würde für ihn sterben. Ich liebe nichts und niemanden mehr als dieses Kind. Dennoch macht er mir mein Leben gerade sehr schwer.

Er war zu Anfang ein Schreikind. Hat die ersten 4 Monate durchgeschrien. Tag und Nacht. Es war die Hölle und hat auch gedauert, bis wir endlich mal Zeit und Ruhe hatten uns aneinander zu gewöhnen. Sein Vater ist zu diesem Zeitpunkt ausgezogen. Ihm war es zuviel.

Nach diesen "Anfangsschwierigkeiten" lief alles super. Er war sehr temperamentvoll, ist schnell in die Trotzphase gekommen - aber wir haben das immer super gemeistert.

Tja. Dann musste ich aus finanziellen Gründen wieder arbeiten, sonst wäre ich in Hartz 4 gerutscht. Kurz vor seinem zweiten Geburtstag. Seitdem geht alles abwärts. Er entwickelt sich zwar gut, aber wird immer "böser". Er geht in die Kita und am Abend wird er von meinen Eltern geholt, da ich meist länger als die Kita geht arbeiten muss.

Nun zu ihm. Er schreit und bockt IMMER. Nicht erst seit gestern, nein. Seit einem Jahr. Er schreit wenn wir essen und das Brot liegt auf der falschen Seite des Tellers, er schreit wenn er die Jacke anziehen soll, wenn seine Nase läuft, wenn er durst hat (nein, er fragt nich nach trinken sondern kreischt los). Könnte 100000 andere tägliche Beispiele nennen. Wir haben nie ein friedliches Familienleben. Dazu muss ich sagen, dass sein schreien komplett aggressiv und voller Wut ist. Entweder lässt er sich direkt auf den Boden fallen oder er schlägt mit voller Wucht auf mich ein bzw. tritt. Er hat nie von mir Gewalt erlebt. Es kann also kein Nachmachen sein.

Ich entwickel langsam eine Wut auf ihn. Ich will das nicht. Aber es passiert. Er ist wirklich nicht "normal". Ich gehe nirgends mehr mit ihm hin. Ich schäme mich. Selbst im Wartezimmer beim Arzt gestern ist er ausgerastet, weil wir gehen mussten und er weiterspielen wollte. Ich werde ständig von verwandten angesprochen, dass ich was ändern muss und das es so nicht sein darf. Ich wäre nicht streng genug und nicht konsequent - sonst wäre er nicht so. Das ist aber nicht der Fall. Ich sehe ihn leider sehr wenig - aber in der Zeit in der er hier ist, bin ich sehr konsequent. Es geht schon so weit, dass er am Abend gar nicht mit nach Hause will, sondern bei Oma bleiben möchte. Hier muss er nämlich sich an Regeln halten. Auch das ist sehr verletzend. Aber da verstehe ich ihn. Ich würde auch lieber wo bleiben, wo ich alles darf. Meine Eltern sind gut zu ihm. Aber haben leider andere Regeln als ich. Ich komme bei ihnen auch nicht dagegen an.

Er kommt mir vor wie ein Abklatsch seines Vaters. Er war brutal, aggressiv und allgemein erkenne ich unglaublich viel in meinem Sohn wieder. Er hat ihn aber nie wirklich erlebt. Abgeschaut hat er sich das nicht. Ich habe Angst vor unserer Zukunft. In 10 Jahren verprügelt er mich - oder was kann ich erwarten????

Ich möchte für mein Kind wirklich nur das Beste. Aber ich gehe gerade daran kaputt. Ich würde gerne verstehen warum er so ist. Vielleicht kann mir jemand helfen. Ich bin eigentlich eine sehr starke Person. Aber jetzt bin ich am Ende (muss dazu sagen, dass ich gerade mit einer Nierenentzündung und hohem Fieber hier sitze und demenstprechend kraftlos bin...und sowieso nicht gegen ihn gerade ankomme)! Ich möchte wieder eine glückliche Familie mit ihm sein. Kann aber doch nicht kündigen, nur um mich wieder ihm mehr widmen zu können (würde ich gerne - aber leider nicht machbar)!

Ich bin über jeden Rat und Vorschlag dankbar. Ich will ein glückliches Kind. Will selbst glücklich sein. Wir haben doch nur uns. Was läuft schief. Was kann ich ändern? Bitte bringt Vorschläge. Ich bin sehr verzweifelt!

Viele Grüße

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17. Februar 2012 um 12:45


Danke für deine Antwort. Ich habe das vorhin voller Emotionen geschrieben. Es klingt irgendwie so, als würde ich meinem Sohn die Schuld geben wollen. So meine ich das nicht. Er ist großartig und wirklich alles für mich. Das wollte ich nur noch kurz vorab erwähnen.

Zu deinem Text: Ich glaube auch, dass ich zu wenig Zeit für ihn habe. Es tut mir auch sehr leid. Aber ich sehe keine Möglichkeit das zu ändern. Mein Arbeitgeber verlangt meine volle Arbeitskraft. Die Zeit bei meinen Eltern war bis Mitte letzten Jahres mehr. Aber seit September ist er nur höchstenfalls eine Stunde täglich bei ihnen, da der Kindergarten die Nachmittagszeit erweitert hat.

Er kriegt Aufmerksamkeit durch sein Verhalten. Da hast du recht. Ich schimpfe sehr sehr viel. Für ihn ist es mittlerweile auch nicht mehr schön, denke ich. Aber es ist meine Hilflosigkeit. Ich weiß mir nicht mehr anders zu helfen. Er hört einfach nie. Es ist grausam.

Die Erzieherinnen haben selbst schon erschrocken sein Verhalten bemerkt, wenn ich ihn morgens bringe oder meine Mutter ihn abholt. Sie kennen ihn als braven und ruhigen Jungen und erschrecken jedesmal aufs Neue, wie er sich benimmt wenn er mit uns zusammen ist. Er hängt an mir wie eine Klette und schaltet sofort den Hebel um. Er wird maulig und anhänglich. SO haben sie ihn nie erlebt, wenn er alleine war.

Bei meinen Eltern muss er folgen. Aber anders. Er muss zwar hören, wenn sie was sagen (macht er auch - mit kräftigen Widerstand). Aber so richtige Regeln gibts nicht. Hier mal meine Punkte:

- Beim Essen muss er sitzen bleiben, bis auch ich fertig bin (er isst eh kaum)
- Nachtisch (Joghurt) gibts nur wenn der Teller leer ist
- wenn er trinken möchte, dann muss er sich das selbst holen
- fernsehen gibt es nur während ich koche und wenn er nicht helfen kann/will
- nach dem essen darf er zu seiner uroma im untergeschoss und ich spüle
- dann wird noch gespielt, bettfertig gemacht, geschichte gelesen, gekuschelt und geschlafen
- bei mir gibts keine Süßigkeiten (würde ihm gerne mal was geben, aber Oma und Opa geben ihm heimlich ständig was - das wird sonst zu viel...aber ich bin die Böse bei ihm, weil er von mir dann nie was bekommt)
- das Zimmer muss am Abend noch aufgeräumt werden (da helf ich aber) und Spielsachen müssen verräumt werden, bevor was neues rausgezogen wird.

Mehr fällt mir jetzt spontan nicht ein. Also ich hab keine "quälenden" Regeln, sondern nur Dinge die ich für den Alltag als wichtig empfinde!

Ich sage eigentlich alles sehr ruhig. Aber ich werde ignoriert. Ich wiederhole mich. Er ignoriert mich. Irgendwann werde ich lauter. Entweder er hört und fängt an auszurasten, oder er macht weiter und ich nehme ihm als "Starfe" das entsprechende Spielzeug weg, oder setze ihn auf sein Bett (auf dem er natürlich nicht sitzen bleibt, wenn ich ihm das sage). Ich war sehr ausdauernd. Nur die letzte Woche schwächel ich sehr. Aber ich bin gerade körperlich nicht in der Lage mich komplett gegen ihn zu stellen.

Die Situationen eskalieren eigentlich regelmäßig. Er hört nicht, ich werde nach 10 Minuten echt sauer (klar nicht gut - aber nach einem Jahr verliert man wirklich die Kraft. Will mich nicht entschuldigen. Aber ich arbeite hart und täglich, habe sehr große Probleme mit dem Vater des Kleinen - der hat übrigens keinen Kontakt zum Kind. Da hat man nicht unbegrenzt Geduld, auch wenn ich es gern hätte). Naja - dann fange ich das Schimpfen an. Würde ich nachgeben wäre Ruhe. Da ich das nicht mache gehts dann halt richtig los.

Ich hoffe einfach nur auf Tipps hier!! Ich habe Angst vor dem was noch auf mich zu kommt. Er ist 3 und tritt mir mit voller Gewalt ins Gesicht und versucht mir weh zu tun. Sein Vater hat das Gleiche mit Mitte 20 gemacht. Das kann doch nicht mein komplettes Leben so weiter gehen. Ich bin wirklich verzweifelt!

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17. Februar 2012 um 13:37


Auch wenn ich jetzt noch mehr am heulen, vielen Dank für deine Worte. Vermutlich bringen mich die starken Medikamente gerade auch noch etwas mehr nach unten...eigentlich weine ich nicht schnell.

Ich bin über meinen Schatten gesprungen und meine Mutter gebeten, den Kleinen über Nacht zu nehmen. Das ist sehr selten bei uns der Fall. Ich kann nicht ohne seine Nähe schlafen. Aber ich brauch den Abstand gerade. Ich schaffe jetzt definitiv nicht weitere Streitigkeiten.

Ich weiß nicht, warum das so sehr in die falsche Richtung gelaufen ist. Ich war eigentlich immer eine sehr konsequente, aber liebevolle Mutter die versucht hat den Jungen zu fördern und ihm eine schöne Kindheit zu ermöglichen. Was da passiert ist weiß ich nicht. Sind es wirklich die Gene? Oder krieg ich ihn noch hin? Er hat was besseres verdient, als ein so erbärmliches Leben wie sein Vater zu führen!

Er klebt im übrigen an mir. Ist ein totales Mamakind - trotz das wir uns so wenig sehen. Also muss er mich ja auch brauchen. Deshalb verstehe ich das boshafte Verhalten nicht.

Aber dein Vergleich mit dem Spiegelbild leuchtet ein. Er ist genauso bockig und verzweifelt gerade wie ich. Nur ist es bei mir die Schwäche durch die Krankheit.

Ich versuche eigentlich immer meine Freizeit auf ihn abzustimmen. Aber es wäre wohl vielleicht echt sinnvoll, wenn wir am Abend vorm kochen erstmal kuscheln, spielen oder ähnliches. Ich versuche das mal.

Werde mir auch mal Gedanken machen - sobald ich mich beruhigt habe - was ich ändern kann. Er ist doch erst 3 Jahre. Da muss doch noch was zu machen sein

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