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Mann und Vater verstorben; das Leben mit dem neuen MannErsatzpapa

17. September 2007 um 14:05 Letzte Antwort: 18. September 2007 um 15:51

Hallo ihr Lieben,

ich weiß nicht so recht, ob mein Thema hier auf die Seite passt. Ich bin aber so verzweifelt darüber, dass es niemanden gibt, dem ich mich anvertrauen kann weil mich Leute mit einem "normalen" Leben sowieso nicht verstehen. Nun habe ich Hoffnung, dass unter Euch vielleicht jemand ist, der in einer ähnlichen Situation ist.

Kurz zu mir. Ich bin 28 und verlor vor 3 Jahren meine große Liebe durch Sekundentod. Wir haben zusammen einen Sohn der damals noch nicht ganz ein Jahr war. Den Tod meines Mannes habe ich damals mehr oder weniger verdrängen müssen weil unser Sohn zu klein war, um zu verstehen und für ihn musste ich weiter lachen und das Leben fröhlich gestalten obwohl ich manchmal so schwach war, dass ich mich am liebsten in eine Ecke gesetzt hätte und dort geblieben wäre. Auch hatten wir gemeinsame Firmen und die Kunden haben nicht lange gefragt, wollten halt, dass alles funktioniert.

Zwei Jahre nach dem Tod meines Mannes hatte ich dann das Glück einen neuen Mann kennenzulernen, den ich auch über alles liebe und er mich. Im ersten halben Jahr war alles so schön. Doch mit der Zeit stellten sich Probleme heraus, die ich nicht zuordnen kann.

Zum einen hat der neue Mann bereits einen Sohn und ich kann seit einiger Zeit mit der Situation nicht umgehen. Es tut mir weh, dass mein Sohn seinen richtigen Vater nicht mehr hat und ein anderes Kind Anspruch auf den Mann hat, der nun der Vaterersatz für meinen Sohn ist. Ich habe immer das Gefühl, dass mein jetziger Mann meinem Kind nie die Liebe geben kann, die er vielleicht für sein eigenes Kind hat. Immer bin ich traurig darüber, dass ich mich mit dieser Situation abfinden muss und eine heile Familie nicht mehr möglich ist. Es wird halt jetzt nur eine Patchwork-Familie sein. Mich stört es, dass ich verletzbar durch jemanden von außen bin, nämlich durch die andere Mutter. Wie ein Vogel, der verwundet auf einer großen Wiese liegt, wo nun jeder drauftreten kann.

Zum anderen stehe ich unter großem Druck noch einmel alles zu verlieren. Ich versuche alles für meinen jetzigen Mann zu machen weil ich
weiß, wie schnell alles vorbei sein kann. Sollte ich nicht glücklich sein, dass es so ist wie es ist? Ich gönne mir keine Pausen. Mir kommt es so vor, als wolle ich das unmögliche möglich machen. Nämlich daß wir doch noch eine ganz normale Familie werden. Männer sind aber so, daß sie es gern ausnutzen, wenn wir Frauen etwas tun weil wir es ja auch gern tun.
Dann bin ich oft wütend auf ihn weil ich das rücksichtslos finde. Vielleicht bin ich auch nur viel zu sensibel. Irgenwie denke ich beim kleinsten Anlass, es hat keine Zukunft weil ich mit dem Schmerz zum Vater-Kind-Verhältnis sowieso nicht klarkomme. Warum dann die anderen Kleinen Probleme in Kauf nehmen? Manchmal fühle ich mich stark genug, dann wieder resigniere ich total und bin nur noch am heulen.

Mein Mann hat keinen Kontakt zu seinem Kind weil er bei dessen Entstehung nicht gefragt wurde. Wir wollen aber nun doch einen Kontakt herstellen weil man ja nicht einfach so tun kann, als gäbe es den Menschen nicht. Nun bin ich immer hin und her gerissen. Mein Kind hat doch auch keinen Anspruch auf seinen Vater. Er wurde ihm einfach genommen. Was hat das andere Kind von einem Kontakt zu seinem Erzeuger? Die Bezugsperson, die es aufzieht ist doch viel wichtiger. Ich selbst habe auch nur einen "Stiefvater" und kein Bedürfnis, meinen leiblichen Vater kennenzulernen weil er seine Gründe gehabt haben wird. Auch spielt die Genetik in diesem Zusammenhang für mich keine große Rolle.

Ich bin so durcheinander und denke immerzu über die Gesamtsituation nach und darüber, wie einfach alles wäre, wenn mein Mann und der Vater meines Sohnes noch da wären. Ich beschäftige mich den ganzen Tag damit, im Internet oder Buchhandel Antworten auf meine Fragen oder Schicksalsverwandte zu finden. Mittlerweile denke ich, dass ich bereits depressiv bin. Gibt es denn niemanden, der das selbe fühlt wie ich?

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17. September 2007 um 19:59

Hallo
Mir kommt es beim Lesen deines Textes so vor als hättest du den Tod Deines Mannes noch gar nicht verarbeitet und deshalb hast Du so viele Probleme, wo eigentlich keine großen mehr sind.
Ich glaube , du solltest wirklich mal in Kontakt mit einem Psychologen kommen, ichmeine das gar nicht bös jetzt.
Ich verstehe nicht die Wut auf das Kind Deines Mannes, er hat doch nochnicht mal Kontakt zu ihm und es wäre aber gut diesen zu fördern. Es ist immer klar, dass man sein eigenes Kind am meisten liebt und das Kind des Partners nicht in dieser Form lieben kann, aber man darf nicht ungerecht sein. Ich gehöre auch zu den sehr sensiblen Menschen und fühle mich auch häufig ungerecht behandelt oder denke von meinem Partner, ja an der oder an der anderen Stelle hätte er anders reagieren müssen. Sprich mit ihm offen über Deine Ängste. Lass Dir etwas helfen von aussen und mach dich nicht so zu. Es wird besser werden, wenn Du es willst und daran arbeitest.Mit lieben Grüßen...Ziege

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18. September 2007 um 10:04
In Antwort auf

Hallo
Mir kommt es beim Lesen deines Textes so vor als hättest du den Tod Deines Mannes noch gar nicht verarbeitet und deshalb hast Du so viele Probleme, wo eigentlich keine großen mehr sind.
Ich glaube , du solltest wirklich mal in Kontakt mit einem Psychologen kommen, ichmeine das gar nicht bös jetzt.
Ich verstehe nicht die Wut auf das Kind Deines Mannes, er hat doch nochnicht mal Kontakt zu ihm und es wäre aber gut diesen zu fördern. Es ist immer klar, dass man sein eigenes Kind am meisten liebt und das Kind des Partners nicht in dieser Form lieben kann, aber man darf nicht ungerecht sein. Ich gehöre auch zu den sehr sensiblen Menschen und fühle mich auch häufig ungerecht behandelt oder denke von meinem Partner, ja an der oder an der anderen Stelle hätte er anders reagieren müssen. Sprich mit ihm offen über Deine Ängste. Lass Dir etwas helfen von aussen und mach dich nicht so zu. Es wird besser werden, wenn Du es willst und daran arbeitest.Mit lieben Grüßen...Ziege

Hallo "Ziege"
Vielen Dank für Deine Post. Ich habe keine Wut auf das Kind. Das Kind kann doch nix dafür. Ich habe nur das Gefühl, dass ich nie zur Ruhe komme und immer wieder jemand oder etwas von außen kommen kann, was mich verletzt. Am Anfang hatte ich damit kein Problem aber mit der Zeit kamen diese Gefühle das ich nie eine glückliche Familie haben werde. Für mich war es immer sehr wichtig, mit dem Mann für immer zusammen zu sein, mit dem ich gemeinsame Kinder habe. Deshalb habe ich auch auf den Richtigen gewartet mit dem Kinderkriegen.

Ich habe nur von Problemen mit Stiefvätern gehört, nur wenige gute Beispiele. Mir tut es weh, dass mein Kind kein Recht auf Liebe vom richtigen Vater hat. Wenn wir Kontakt zum anderen Kind aufnehmen, wie soll ich meinem Kind erklären, wer das ist und wie die Zusammenhänge sind? Wie soll ein kleines Kind verstehen, dass es auch andere Papas gibt?Solche, die zu Papas gemacht wurden. Vielleicht fragt sich mein Sohn dann, warum sein eigener Papa ihn nicht besucht? Es ist einfach nur so eine tiefe Traurigkeit aus der ich nicht raus komme.

Ich denke nicht, dass man seine eigenen Kinder am meißten liebt, dann wären alle Adoptionen widersprüchlich. Außerdem habe ich wie gesagt auch schon von guten Beispielen gehört und bin selbst betroffen(Stiefvater).

Wenn ich nur von meinem Mann getrennt wäre, wäre das was anderes. Dann hätte ich immer im Hinterkopf, dass mein Sohn, sollte ihm was fehlen, sich das bei Besuchen von ihm holen könnte. Das ist auch das Problem, warum mich viele Leute nicht verstehen. Sie vergleichen es nur mit einer getrennten Beziehung und sicher ist es auch so bei Dir?

Grundsätzlich muss ich auch sagen, dass ich meinem
Partner mit meinen Gedanken Unrecht tue. Er liefert mir absolut keinen Anlass dazu. Wir wohnen bei seinen Eltern mit im Haus und alle haben uns total lieb aufgenommen. Ich werde dieses Gefühl trotzdem nicht los. Auch darüber reden kann ich mit ihm so oft ich will, er wird dann aber auch traurig. Ihn plagen selbst Gefühle, ob mein Sohn ihn lieb hat.

Habe auch schon überlegt, mich in psychologische Behandlung zu begeben, aber das hatte ich nach dem Tod meines Mannes schon einmal und da kam nichts bei raus.

Ich habe jetzt angefangen Stimmungsasufheller (pflanzlich) zu nehmen. Vielleicht hilft das ja, dass ich nicht immer so traurig bin.

Liebe Grüße
0mausi0

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18. September 2007 um 15:51

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Gruß Melike

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