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Kontaktabbruck zu den Eltern - ja, nein, vielleicht?

30. Juli 2018 um 15:24

Liebes Forum,

kurz meine Lebenslage: Ich bin w/22 und lebe seit 5 Jahren nicht mehr bei meinen Eltern, da ich (noch bis diesen Sommer) studiere. Meine Eltern haben mich bisher finanziert. Ab Oktober tun sie das (da Studium vorbei) nicht mehr und ich will dann arbeiten, allerdings habe ich noch keinen festen Job (Bewerbungen laufen aktuell). Wohnung (ich ziehe dann mit meinem Freund zusammen) ist in Aussicht.

Nun mein Problem: das Verhältnis zu meinen Eltern zieht mich seit vielen Wochen runter. Da ist einiges im Argen, und das rückblickend betrachtet schon seit längerem, nur intensiviert sich das eben aktuell. Sie nehmen mich scheinbar nicht als erwachsenen Menschen wahr, sehen sich als die Eltern und mich als das Kind, das alles so tun muss, wie sie es wünschen, denn alles andere sei ja total falsch und würde mich in den Ruin treiben. Während andere sagen "Wow, ein Masterabschluss mit 22, das ist toll!" und "Mach dir keine Sorgen, du findest schon einen tollen Job!" kommen meine Eltern lieber mit ungefragter Kritik, die mich langsam fertig macht. "Hör auf, dich nur auf eine Stadt zu fixieren!", "Du solltest nicht in den Urlaub fahren, wenn du noch nicht weißt, ob du Arbeit findest, das geht ja gar nicht!" (zur Info: auf diesen Urlaub hatte ich mich schon so sehr gefreut ... und ich habe über 2000 Euro reine Rücklagen, das reicht schon fürs erste und ich bin gern bereit am Anfang zu jobben), "Ihr habt schon ziemlich hohe Ansprüche, wenn ihr eine so tolle Wohnung ablehnt, wir sind schockiert!" sind hier mal Beispiele. Sie bringen das dann aus meiner Sicht auch nicht konstruktiv an im Sinne von "Ich mache mir Sorgen um dich, auch wenn es deine eigene Entscheidung ist!", sondern sind Fans von "Du musst", "Du kannst doch nicht" und "Das geht so aber nicht". Meine Mutter weigerte sich kürzlich auch, ein konstruktives Gespräch zu führen, als ich meine, unsere Beziehung müsse sich verändern. Ich hab sie förmlich angebettelt darum, aber nichts. Mein Vater neigt wiederum dazu, mich dann minutenlang anzuschreien und mir widerum Arroganz vorzuwerfen, obwohl ich dann non stop sage, er solle einfach aufhören, zu schreien. "So redet man nicht mit seinen Eltern" wird gern gesagt. Rationale Argumente wollen sie nicht so gern hören, bezeichnen mich gerne als arrogant und abgehoben und pampig (ja, irgendwann werde ich pampig, v.a. wenn man mich anmotzt! - wie gesagt, ich hab mich da auch oft schon entschuldigt und hab versucht, auf sie zuzugehen). Kurz gesagt: meine Eltern haben ihr Lebensmodell, alles was davon abweicht, verurteilen sie, und sie schaffen es einfach nicht einzusehen, dass ich meinen eigenen Weg gehen kann und der auch gut sein kann.

Nun gut, ich habe immer wieder versucht, auf sie zuzugehen, mich entschuldigt für meinen Tonfall, versucht, es zu erklären, wie es mir geht, was mich stört, was ich mir wünsche. Heute meinten sie dann "Okay, wir mischen uns nicht mehr ein". 10 Minuten zuvor hatten sie versprochen, mit in einen Mietvertrag reinzugehen (die Vermieterin will die Eltern mit im Vertrag haben, da mein Freund studiert und ich noch keinen Job habe). Als wir vereinbarten, dass sie mich nicht mehr kritisieren und sich nicht mehr einmischen, meinten sie dann aber, das mit dem Vertrag machen sie dann aber auch nicht mehr, weil sie sich ja raushalten sollen (bilde ich es mir ein, oder ist das Erpressung? An die Eltern: kann man sein Kind hier nicht TROTZDEM unterstützen, auch wenn es eigene Entscheidungen treffen will?) Da meinte ich dann, ich lasse meine Selbstbestimmung nicht mit bürokratischer / finanzieller Unterstützung kaufen (= ich finde es unfair, dass ich mich zwischen Respekt und Anerkennung als erwachsene Person und einer unterstützenden Unterschrift entscheiden muss). Und sie sind dann halb ausgetickt und haben aufgelegt am Telefon. Die Unterlagen haben sie mir nun doch geschickt mit dem Kommentar, sie wollen einfach ihren Frieden (als wären sie die Opfer ... sind sie das!?). Ich denke nicht, dass ich sie nutzen werde.

Nun ja. Ich weine in den letzten Wochen regelmäßig, habe emotionale Tiefs, will nur dass alles gut ist, dass ich meinen Weg gehen darf ohne dass sie immer meckern. Ich schlafe schlechter, komme schlechter aus dem Bett (vermutlich wegen der Gesamtsituation, Sorge, keinen Job zu kriegen etc.), habe depressive Symptomatik (wie gesagt, liegt nicht nur daran). Es zieht mich so runter, mein Freund ist der, der mich immer aufbaut. Ich hab kaum noch Selbstvertrauen was solche Themen angeht (Job, Umzug etc.), denke nun auch schon, ich mache alles falsch, dürfe nicht meine letzten Semesterferien für einen Urlaub nutzen usw. Ich hab meine Eltern sehr lieb und wünsche mir ein gutes Verhältnis, aber so ... geht es nicht. Ich krame ungern alte Sachen aus, aber sie haben auch schon meine Psychotherapie (wegen Depression & Zwang, ich war aber schon recht "kuriert") abgebrochen damals, weil sie meinten ich würde mich negativ verändern ... einfach so, ungefragt meinten sie, sie zahlen nicht mehr (bin über meinen Papa versichert und da zumindest auf seine Vollmacht angewiesen). Wie es mir damit geht war scheinbar egal. Wannanders haben sie mir in mein Liebesleben reingefunkt. Insgesamt gesehen merke ich darum, dass es mehr schlimmer als besser wird und überlege, den Kontakt (zumindest eine Weile, bis wir alle uns weiter entwickelt haben) abzubrechen. Wie seht ihr das? Ist das eine überzogene Reaktion? Was soll ich sonst noch tun? Habt ihr eigene Erfahrungen gesammelt in der Richtung? Aktuell schaff ich das nicht mehr, und meine Eltern scheinen mich einfach nicht als eigenen Menschen zu sehen ...

Hoffe auf Hilfe.
LG maselmaus

PS Entschuldigt den langen Text.

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30. Juli 2018 um 17:49

Danke für deine Antwort.

Leider brauche ich eine Wohnung, da mein Mietvertrag im Studentenheim zum 30.9. ausläuft, da ist nix zu verhandeln. Und da ich nun mal aktuell noch keinen Arbeitsvertrag habe, BRAUCHE ich in den meisten Fällen die Unterschrift meiner Eltern, um in einen Vertrag zu kommen ... und die Uhr tickt, die Wohnungen gehen eben gerade reihenweise weg. Aber ich habe nun eine Alternative gefunden und werde meine Eltern da raus halten.

Ich weiß, ich nehme es mir zu Herzen und bin selber noch zu sehr Kind, da hast du durchaus recht. Ist vermutlich auch ein ganz persönlicher Entwicklungsprozess, der sich irgendwie echt zieht ... ich gebe mir aber bereits Mühe, ruhig und sachlich mit ihnen zu reden und versuche, konstruktiv zu sein. Ist nur schwer, wenn so Sätze kommen wie "Was DU wieder nicht verstehen willst" und "Du redest immer nur darum, wie es aus deiner Sicht ist" (wenn ich bewusst Ich-Botschaften sende wie "Ich empfinde es als ...".

Eine Frage habe ich aber: Wie geht man denn als erwachsener mit "nervenden Eltern" um? Außer versuchen, konstruktiv und sachlich zu sprechen? Also: Was soll ich anders machen? Einfach den Kontakt meiden und Distanz halten, wenns mir nicht gut tut?

LG

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30. Juli 2018 um 18:25

Klingt jetzt vielleicht doof, aber das versuche ich bereits. Erst heute meinte ich, in welchen Punkten ich sie ja verstehen könnte und dass ich es auch schätze, wenn sie sich um mich sorgen etc., aber dass es mich eben stört und auch verletzt, wenn sie wild mit Kritik und "du musst"-Sätzen und persönlichen Vorwürfen (à la "Wie kannst du nur!!" um sich werfen, nur weil ich Dinge dann doch anders entscheide als sie es getan hätten. Deswegen fällt es mir ehrlich gesagt schwer, das umzusetzen. Der "Rat" (oder eben Vorwurf) kommt wie gesagt oft ohne dass ich darum bitte und ich bin ganz plötzlich die Angeklagte - oder fühle mich so - ich muss mich eben rechtfertigen. Wenn ich dann sage "Ich will mich nicht rechtfertigen und darüber diskutieren", kommen eben hintenrum spitze Kommentare. Das macht es schwierig, besonders weil ein "Danke, dass du dich im mich sorgst, ich habe mich aber bereits entschieden und fühle mich wohl damit." nicht ankommt sondern zu Debatten führt ...

Ich werd aber dennoch versuchen, mir deinen Rat nochmal durch den Kopf gehen zu lassen.

Ja, vielleicht bin ich da ungeduldig Lieben Dank dir für deine Hilfe. Vielleicht versuche ich, in der nächsten Zeit einfach mal unabhängiger zu werden und den Kontakt etwas zu reduzieren / alles mal ganz alleine zu erledigen und mich gezielt zu distanzieren (eben auch emotional).

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30. Juli 2018 um 18:32

Eine Frage noch: Findest du als Aussenstehende meinen Kommentar am Ende falsch? Dass ich mich da nicht kaufen lassen will? Für mich ists einfach nichts anderes ... ich hab aber dennoch ein schlechtes Gewissen.

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30. Juli 2018 um 19:40

Ehm, was soll denn diese Aussage nun? Ich habe schon 2x die Finanzierung meiner Eltern beendet, weil es zu viel wurde. Sie wollten mich dann doch weiter finanzieren und ich hab es angenommen, weil es mir echt hilft. Muss ich mir alles gefallen lassen, weil sie mich finanziert haben? Ich kann ihnen gern alles Geld zurück zahlen ...

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