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Kontaktabbruch Mutter

8. Dezember 2011 um 12:11

Hallo zusammen.

Ich bin ganz neu hier und platze direkt mal mit meinem Thema rein.
Mit der Zeit werdet ihr mich auch noch in anderen Forenbereichen kennenlernen, aber im Moment ist für mich dieses Thema das, was mich am meisten beschäftigt.

Ich habe hier schon ein paar Beiträge gelesen, die um das gleiche Thema gehen und stelle fest, dass es viele Punkte in diesen Beiträgen gibt, in denen ich mich und meine Mutter wiedererkenne.

Bei meinem ganzen momentanen Gedanken bei diesem Thema, könnte ich ein ganzes Buch füllen. Aber ich werde mich hier so kurz wie möglich halten. Weswegen sicherlich das eine oder andere Mißverständnis auftreten kann, also fragt bitte nach, wenn was unverständlich rüberkommt.
Ich nehme die aktuelle Situation. Und nicht das, was in den Jahren vorher alles war, seit meiner Kindheit, und hoffe, dass damit das richtige Bild von mir über meine Mutter vermittelt wird. Wenn nicht, nochmal: fragt nach.

Ich bin jetzt 38 Jahre alt, verheiratet, eine Tochter.
Ich habe noch zwei jüngere Brüder. Der ältere der beiden ist verheiratet (mit ihm habe ich keinen Kontakt mehr aus familiären Gründen). Der jüngere der beiden wohnt noch bei unserer Mutter, sucht aber zur Zeit mit seiner Freundin eine Wohnung.

Seit ca. 7 Jahren lebe ich, berufsbedingt durch meinen Mann, ca. 700 Km von meiner Mutter / Familie entfernt.
Was, wie es bis jetzt so schien, das beste war für die Beziehung zwischen meiner Mutter und mir. Wir verstanden uns seitdem viel besser. Dachte ich.

Ich habe mich schon lange daran gewöhnt, dass der ältere meiner beiden Brüder der Liebling unserer Mutter ist.
Aber ich dachte nicht, dass er so sehr ihr Liebling ist, wie es jetzt rausgekommen ist.

Mein Opa starb vor etwas über einem Jahr.
Meine Mutter hat geerbt und hatte mich absolut überrascht, als sie sagte, dass sie uns drei Kinder davon was abgeben wolle. Ich hätte nie damit gerechnet.
Und es wäre gut gewesen, wenn ich viel skeptischer gewesen wäre.

Denn jetzt sieht es so aus, dass sie für sich und ihrem Lieblingssohn + Familie ein Haus bauen lässt von einem Wert von 550.000 Euro.
Sie sagte (vor Monaten, wie jetzt der Stand der Dinge ist weiß ich nicht), dass sie diesem Bruder 100.000 Euro leihen will, damit er die Zinsen sparen kann, die er sonst bei einer Bank hätte.

Vor einigen Monaten war der Stand folgender für uns beiden anderen Geschwister:
Meinem jüngsten Bruder und seiner Freundin sagte sie, dass er und ich jeder 10.000 Euro bekämen, damit mein Bruder und seine Freundin sich ihre erste eigene Wohnung richtig schön ausstatten könnten und mein Mann und ich was von unseren Schulden (aus der ersten Ehe meines Mannes) tilgen könnten um es was leichter zu haben.
Etwas später sagte sie mir, dass mein Bruder und ich jeweils 3.000 Euro bekämen.

Der jetzige Stand: ich habe von ihr 3.400 Euro bekommen, wovon ich 1.300 zurückzahlen soll.
Mein Bruder und seine Freundin haben für eine gebrauchte Küche, die sie gefunden haben, 650 Euro bekommen. Und die Aussage unserer Mutter war, dass sie den beiden höchstens 1.500 Euro geben würde.

Nein, ich / wir sind nicht auf ihr Geld aus.
Es wäre für mich absolut normal gewesen, wenn sie das gesamte Geld für sich behalten hätte. Denn irgendwie steckt in mir fest: wieso sollte ich von meiner Mutter was bekommen?

Am liebsten wäre es mir, ich hätte zur Zeit das Geld, was ich von ihr bekam, um es ihr kompett zurückzugeben.

Es ist die Art und Weise, wie sie dem einen Sohn das Geld zusteckt, damit er sich seinen Traum erfüllen kann, zusammen mit ihr: ein Haus, als Nachbarn.
Und sie uns beiden anderen mal das eine zusagt, dann wieder ihre Aussage revidiert, es ändert, dann doch wieder mehr zusagt, etc., etc.

Bin ich neidisch?
Nein, schon lange nicht mehr, da mir von Kindheit an klar war, dass der eine Bruder der Liebling ist und ich als Erwachsene gesagt habe: Gut, dann ist das eben so, ich habe mein Leben und gut ist.

Aber ich bin verletzt, enttäuscht. Mal wieder.
Eigentlich müsste ich daran gewöhnt sein, da ich es nicht anders kenne, dass meine Mutter immer Versprechen gemacht hat und sich nie daran gehalten hat (außer ihrem Lieblingssohn gegenüber).
Und ich verstehe nicht, was mein jüngster Bruder und ich getan haben, dass wir so anders von ihr behandelt werden.
Aber die letzten Jahre auf Abstand mit ihr haben meine Mauer ihr gegenüber bröckeln lassen.

Für mich ist es am schlimmsten, dass mein Mann und die Freundin meines Bruders mit reingezogen worden sind.
Sie haben sich bisher von dem Scheinbild, was meine Mutter auf ihre Umwelt projeziert, blenden lassen.
Vielleicht ist es aber auch positiv, dass die beiden endlich merken, wie sie wirklich ist und meinen Bruder und mich besser verstehen können, wie wir warum reagieren.

Ich werde noch was warten, wie sich die Dinge weiterentwickeln. Nein, ich rechne nicht mit mehr Geld.
Aber vielleicht kommt irgendwas noch von meiner Mutter, was auch immer, dass ich das Gefühl los bin, dass mein Bruder und ich für sie eigentlich nur zweitrangig sind.

Wenn sich jedoch nichts dran ändert, wird es diese Folgen haben:
Mein Bruder und seine Freundin, wenn die beiden eine Wohnung gefunden haben, wollen mit meiner Mutter nichts mehr zu tun haben. Auch der andere Bruder hat dann bei ihnen Hausverbot.
Das gleiche gilt dann auch für mich und meinen Mann:
Meine Mutter ist bei uns nicht mehr willkommen.

Ich will dann keinen Kontakt mehr, ich will dann rein gar nichts mehr von ihr.

Diese Aktion von ihr ist eigentlich nur der letzte Tropfen von vielen, die ich seit meiner Kindheit erduldet und ertragen habe.
Durch viele Gespräche mit anderen Menschen habe ich inzwischen erkannt, dass eine Mutter auch anders sein kann als die, die ich habe.
Vor allem merke ich es in der Beziehung zwischen meiner Tochter und mir.
Und ich frage mich, woher ich meiner Tochter diese große gewaltige Liebe geben kann, obwohl ich dies nie bei meiner Mutter erfahren habe.
Es gibt Momente mit meiner Tochter, in denen mir Tränen kommen, weil ich sie um etwas beneide, was ich nie hatte, aber ihr Gott sei Dank geben kann.

Und ja, natürlich habe ich mit meiner Mutter versucht zu reden, aber sobald es um ihren Liebling geht, läuft man gegen eine Wand.
Er ist alles, er kann alles, alle anderen sind nichts.

Liebe Grüße.








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10. Dezember 2011 um 23:16

Kontaktabbruch Mutter
Liebe Suletu,

ich verstehe Dich sehr sehr gut und Deine Geschichte könnte auch meine sein. Auch ich habe den Kontakt vor 4 Monaten abgebrochen. So Geldsachen wie bei Dir waren auch dabei und so kann ich Dich gut verstehen. Auch ich bin nicht neidisch gewesen, man fühlt sich einfach nur so wahnsinnig degradiert, wenn man immer benachteiligt wird-sei es emotional oder finanziell. Ich habe einen eigenen Eintrag unter "Familienmobbing" geschrieben und hoffe, dass ich bald da raus komme.
Liebe Grüße

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12. Dezember 2011 um 10:19
In Antwort auf shamone

Kontaktabbruch Mutter
Liebe Suletu,

ich verstehe Dich sehr sehr gut und Deine Geschichte könnte auch meine sein. Auch ich habe den Kontakt vor 4 Monaten abgebrochen. So Geldsachen wie bei Dir waren auch dabei und so kann ich Dich gut verstehen. Auch ich bin nicht neidisch gewesen, man fühlt sich einfach nur so wahnsinnig degradiert, wenn man immer benachteiligt wird-sei es emotional oder finanziell. Ich habe einen eigenen Eintrag unter "Familienmobbing" geschrieben und hoffe, dass ich bald da raus komme.
Liebe Grüße

Hallo ...
... Shamone.

Danke für deine Antwort.

Wenn ich mich hier im Forum umschaue, stelle ich fest, dass ich nicht alleine da stehe mit meinem Problem.
Ich drücke dir ganz fest die Daumen, dass du da bald rauskommst. Ich schau mir deinen Beitrag gleich an.

Gut, alleine bin ich nicht. Mein jüngster Brüder denkt genau so wie ich. Als ich mit ihm das letzte Mal sprach stellte sich raus, dass wir zwei unabhängig voneinander diese Gedanken haben. Und ich fühle mich bestätigt, dass ich nicht übertreibe.

Ja, emotional benachteiligt ... . Das ist das, was mich auch von klein auf "begleitet" hat.
Der ältere der beiden Brüder bekam alles, durfte alles, bekam Zuspruch und Hilfe.
Und nutzte es auch weidlich aus.

Das alles kam in den letzten Monaten nach und nach wieder hoch und ich erinnerte mich an immer mehr Situationen. Ja, ich gebe zu oder stelle fest, dass ich so einiges verdrängt habe, mir schön geredet habe, seitdem ich so weit von meiner Mutter entfernt wohne.

Man stelle sich vor, man quatscht mit seinem jüngsten Brüder und es fallen Sätze wie: "Weißt du noch, das und das?"
Aber nicht in positiver Erinnerung schwelgen, sondern negative Dinge. Ich bin überrascht, an wie viel sich mein jüngster Bruder auch erinnern kann.

Ich brauche mir aber eigentlich nur die letzten ein, anderthalb Jahre mit meiner Mutter anzuschauen um festzustellen, dass sich nie was geändert hat, jedenfalls nicht ins Positive.

Sie war letzten Sommer hier für eine Woche zu Besuch.
Wir haben ihr gesagt, dass sie nichts, rein gar nichts zum Essen, etc. hier im Haushalt beisteuern soll.
Daraufhin meinte sie, dass sie uns dann zum Essen einladen würde. Es gab daraufhin an einer Fischbude Fischbrötchen. Und sie holte jeden Morgen Brötchen. Ach ja, und am ersten Tag spendierte sie einen Kuchen beim Bäcker.
Wieder zurück Zuhause erzählte sie rum, sie hätte hier 150 Euro für Lebensmittel ausgegeben.
Und den Monat danach sagte sie mir am Telefon, dass sie, weil sie bei uns zu Besuch war und hier Geld ausgegeben habe, den nachfolgenden Monat kein Geld hätte. (Aber, sie müsste dann halt an ihr Tagesgeldkonto gehen, was sie sehr bedauerte.)

Oder sie, die nie kochen konnte, mäkelte an meinem Essen rum (diese kleinen Spitzen, die sie gerne verschießt). Ich habe mir durch meine Oma und auch später selber das Kochen beigebracht und muss sagen, ich kann kochen. Trotzdem mäkelte sie.

Was ich ganz schlimm fand in der Zeit:
Meine Tochter hatte zu der Zeit eine schwierige Phase, es ging ihr nicht gut. Aber sie redete nicht drüber. Und ließ es an mir aus. Ich machte mir natürlich Sorgen, weil ich merkte, dass da was ganz Schweres auf ihrer Seele lastete. (Es war der Tod ihrer leiblichen Mutter vor 11 Jahren, der sie immer wieder natürlich beschäftigt, ich bin ihre "Herzmutter".)
Ich, die tatsächlich glaubte, dass sich das Verhältnis mit meiner Mutter verbessert hatte, erzählte meiner Mutter von meinen Sorgen. Ich saß sogar mit Tränen in den Augen vor ihr, was schon lange nicht mehr passiert ist, aber mir ging das mit meiner Tochter so zu Herzen.
Ihr Kommentar: Wenn du solche Probleme hast, solltest du zum Psychologen gehen.

Das saß. Und ich kam danach sehr stark ans Grübeln und mir wurde so einiges bewußt, wieso in meiner Kindheit, Teenagerzeit die Beziehung zwischen meiner Mutter und mir so war, wie sie war, wenn sie diese Einstellung hat, dass man zum Psychologen muss, weil man sich um sein Kind Sorgen und Gedanken macht.

Ja, stimmt, ich konnte nie mit meinen Sorgen und Problemen zu ihr gehen. Das wurde mir dann sehr stark bewusst.
Andersrum wurde ich mit ihren Problemen immer bombardiert, musste zuhören, habe sie immer und immer wieder aufgebaut, da ich nachvollziehen konnte, dass es schwer ist als alleinerziehende Mutter mit drei Kindern.
Sie hatte es finanziell nicht schwer und ich hatte z. B. als Teenager immer ein absolut schlechtes Gewissen, wenn ich für die Schule ein neues Schulheft oder Stift, etc. brauchte. Was für ein Theater jedes Mal dann von ihrer Seite aus.
Während ihr Lieblingssohn frech hinging: Muttern, ich brauch das und das. Woraufhin sie nur leicht seufzte und er bekam es.

So langsam "wach" wurde ich eigentlich schon letztes Jahr. Als mein Opa starb und sie mir zwei Tage später erst Bescheid sagte.
Sie hätte zu viel Stress gehabt und hätte deswegen nicht früher anrufen können. (nicht mal 5 Minuten Zeit gehabt?!)
Und sie rief auch nicht an, als sie Ruhe dafür hatte, um es mir ruhig zu sagen, sondern als sie und der ganze Rest der Familie in Opas Haus war, um dort nach Andenken zu schauen.
"Schatz, Opa ist tot." (unheilschwangere Stimme) Und dann aufgedreht: "Sag mal, möchtest du irgendein Andenken von deinem Opa haben, wir sind hier gerade im Haus."

Das lasse ich jetzt mal als Abschluss für diese Beitrag.

Ach nein, eins noch:
Seitdem ich mich dazu entschlossen habe den Kontakt abzubrechen, wenn es sich wirklich so weiterentwickelt, wie wir denken, fühle ich mich so leicht, frei, als ob ich das erste Mal seit Jahren wieder Luft bekomme.

Ich wünsche euch allen einen schönen Wochenanfang.

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6. August 2012 um 8:44

Rangordnung in Familiensystemen
Hallo,

Dein langer Text und die Konflikte in Deiner Familie sind ganz kurz und knapp zu erklären.
Hierzu ein Buchtipp: Th. Schäfer, Was die Seele krank macht und was sie heilt
Oder auch mal eine Familienaufstellung machen lassen.
Fakt ist, in Familiensystemen herrscht eine gewisse Rangordnung, d.h. Du als älteste müsstest der Mutter am nächsten stehen.
Den Platz hat allerdings Dein mittlerer Bruder eingenommen.
Also gibt es, wann immer Du Kontakt suchst, Streit.
Du selber kannst das Ganze aufstellen lassen, aber der Konflikt ansich wird von anderen verursacht.
Du kannst also nichts ändern.
Das Problem ist, dass alle innerfamiliären Konflikte körperliche Symptome und Erkrankungen verursachen.
Ich habe das gleiche oder ein ähnliches Problem, mein Bruder ist 7 Jahre jünger, mein vater verstarb 2006.
Mein Bruder wohnt bei meiner Mutter und hat somit 2 Rollen, die des Sohnes und des Partners.
Und er hat meinen Platz in der Rangrodnung eingenommen.
Fakt ist, man muss es akzeptieren, wie es ist und annehmen.
Wenn man die ganze Thematik begriffen hat und überall hinter die Kulissen schaut, ist es der hammer, was überall abgeht.

MfG: Andi021269

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