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Kontaktabbruch mit der Mutter

31. Oktober 2005 um 12:38 Letzte Antwort: 1. November 2005 um 20:05

Hallo zusammen.
Ich möchte mir heute so gerne einiges von der Seele schreiben.
Dazu eine hoffentlich kurze Vorgeschichte:
Meine Eltern haben sich scheiden lassen, als ich 16 Jahre war. Ich war darüber sehr glücklich (ja!), weil mein Vater sehr zur Gewalt neigte. Meine Mum und ich zogen aus, und ich dachte es würde endlich Ruhe einkehren. Bis dorthin hatte auch ich sehr viel mitgemacht. Das Trennungsjahr wurde bei uns sehr wörtlich genommen. Sogar der Kühlschrank hatte einzelne Facher, in denen jeder sein Essen lagerte. Als ich mich vor lauter Hunger am Wurstfach meines Vaters bediente, verlangte der eiskalt Geld von mir. Ich würde ihn im Monat eh schon viel zuviel Geld kosten. Womit klar war, das ich für ihn wohl sowas wie Ballast war und er endlich froh wäre, wenn meine Mutter und ich endlich weg wären. Ok, als wir dann endlich eine neue Wohnung hatten, vergingen keine 2 Monate und ich wurde rausgeworfen...und das auf eine feige Art und Weise. Mein Freund hatte sich am Vorabend geweigert meiner Mutter beim Aufbau eines Schränkchens zu helfen, das aber nur weil es schon nach 22 Uhr und er die Bormaschine nicht mehr anwerfen wollte. Am nächsten Tag kam ich von der Schule heim, da hing ein Zettel an meiner Zimmertür: "Das ist keine Basis für ein weiteres Zusammenleben. Bitte pack deine Sachen und verlasse meine Wohnung. Punkt. Mich traf es wie ein Blitzschlag, auch weil ich nicht wußte warum. Was war passiert? Ok, ich denke sie brauchte wahrscheinlich nach dem jahrelangen Gezeter mit meinem Vater auch mal ihren Abstand. Aber das sie mich ohne auch nur ein Wort mit mir zu reden vor die Tür setzte machte mich sehr traurig. Zum Glück hatte ich meinen Freund und dessen Mutter, bei der ich wohnen durfte. Ich meldete mich nicht mehr bei meiner Mutter und sie sich auch nicht mehr bei mir. Doch eines Tages stand sie vor der Tür. Versuchte zu erkären, warum alles passierte, aber trotzdem habe ich bis heute nicht verstanden warum.Das Verhältnis besserte sich etwas und wir hatten auch wieder regelmäßigen Kontakt. Das ging einige Jahre gut, obwohl sie mich in der Zeit immer so behandelte als könnte ich ohne ihre Hilfe nicht existieren. Immer hatte sie etwas zu meckern. Sei es meine Ausbildung, meine Schulden oder sonstwas.Es war ja nicht so, das ich ihr auf der Tasche lag, klar gab es finanzielle Probs, aber ich hab sie nie um Geld gebeten. Vielmehr war es so, das sie mir ständig etwas schenkte oder mitbrachte. Ich dachte dann das sie das schlechte Gewisssen plagt und sie mir deshalb so den Popes puderte. Wenn ich gewußt hätte, das sie mir das eines Tages zum Vorwurf macht, dann hätte ich alles nie angenommen.Aber hauptsache sie hatte wieder was, worüber sie mit mir meckern konnte. Großes Vertrauen in mein Können hatte sie auch nie, ließ mich immer spüren das alles was ich anfing doch eh zum Scheitern verurteilt war. So ging das schon immer.
Bis der Tag kam, an dem sie krank wurde. Sie konnte immer schlechter laufen und war ans Haus gebunden. Da kamen mein Freund und ich gerade recht. Sie rief ständig an, sie brauche dies und jenes und wir Deppen kamen auf Kommando!!
Sie hat meinem Freund auch ab und zu Benzingeld gegeben, weil er mal wieder nur um Briefmarken zu kaufen, in der Gegend rumgegondelt ist. Natürlich war auch das wieder ein Anlaß um zu meckern. Wir beide, hatten die Schnauze gestrichen voll, und waren dementsprechend gereizt wenn wir nur einen Piep meiner Mutter vernahmen. Das Ganze spitzte sich dann zu, als sie mal was brauchte und mein Freund "Nein" sagte. Im Gegensatz zu mir kannte er das Wort.Der Ofen war natürlich wieder aus. Ich hab es wieder nur auf ihre Krankheit geschoben, weil welcher Mensch hält es solange in seiner Bude aus...so ganz ohne soziale Kontakte. Denn die einzige Freundin, die sie hatte, hatte sich auch schon verabschiedet...warum wohl?
Ich ließ den Kontakt etwas schleifen, was sie mir sehr übel nahm. Zu Weihnachten bekam sie nur eine Karte und keinen Besuch, den wünschte sie nicht. Zum Geburtstag hab ich ihr wiederum nur ne Karte geschickt (wie sie mir..) die hat sie aber wieder zurückgesandt. Mit den Worten sie hätte keinen Bock auf meinen geistigen Schwachsinn (war ne Juxkarte und ich sollte doch endlich mal mein Leben in Ordnung bringen und nicht nur auf Kosten anderer Leben, Große Sprünge mit kleinem Beutel dürfe man sich nicht erlauben. Klar weiß ich doch, aber wir mußten Schulden machen, weil mein Freund krank war und ich den gesamten Lebensunterhalt verdienen mußte. Das war harte Arbeit, worüber sie nur lächelte. Wer lebt da wohl mehr auf Kosten anderer? Sie, die in einer Eigentumswohnung vom Sozi lebt, oder ich, die sich versucht durch sämtliche Nebenjobs der Welt zu schlängeln? So viel zum Thema, es hat sich also wirklich bewahrheitet. Die Vermutung, die ich hatte das meine Mutter so über mich denkt. Faule Socke, nimmt mit was sie bekommen kann. Taugt nix - leistet nix. So denkt sie über mich. Echt erschreckend, da das in meinen Augen einfach nicht stimmt. Ich racker jeden Tag für mein Geld. Und jetzt muß ich lesen, ich soll ihr ihr Testament zurückschicken und ich soll sie in Ruhe lassen!!! Was hab ich denn falsch gemacht, außer zu exsistieren? Sie ist leider die letzte die ich von unserer Familie noch habe, und ich verstehe nicht warum sie nicht im entferntesten mal mit mir darüber geredet hat! Soll ich einen Schritt auf sie zu tun, oder einfach mein Leben leben? Wie denkt ihr darüber?
Sorry, für den langen Text, aber es ist auch eine lange Geschichte, die mir da auf dem Herzen brennt!
LG Buschicat

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31. Oktober 2005 um 15:05

Danke..
für deine Antwort.
Aber das mit der Katze ist ne echt schlechte Idee. Das arme Tier...und wenn die dann unbequem wird, fliegt sie auch raus? Nee,nee!
Ich mache mir ja indirekt Vorwürfe, weil sie jetzt so krank ist und ich doch eigentlich die Verpflichtung hätte ihr zu helfen. Aber unter denen Umständen kann ich das einfach nicht mehr. Sie ist ein richtiger Diktator und jeglicher kleiner Hauch von Kritik an ihrem Verhalten läßt sie wie der Teufel aus dem Häusschen fahren. Jahrelang hab ich geschwiegen, aber jetzt da mein Freund ihr mal die Meinung gegeigt hat, ist echt Essig.
Was ich an der Geschichte nicht verstehe, das über die Dinge nicht gesprochen wird. Knall auf Fall wird der Kontakt abgebrochen ohne überhaupt einen Versuch zur Versöhnung zu machen. Das finde ich feige! Und genau das hat sie meinem Vater auch immer vorgeworfen. Aber anscheinend ist sie keinen Deut besser.
Je mehr ich drüber nachdenke, oder schreibe, desto klarer wird mir die Einsicht das den Kontakt abzubrechen tattsächlich das beste für uns beide ist. Dann gehe ich ihr wenigstens nicht mit meinen "hausbackenen Problemem und schwachsinnigen Ergüssen" (Zitat!) auf die Nerven!
LG Buschicat

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1. November 2005 um 19:00
In Antwort auf ahri_11956594

Danke..
für deine Antwort.
Aber das mit der Katze ist ne echt schlechte Idee. Das arme Tier...und wenn die dann unbequem wird, fliegt sie auch raus? Nee,nee!
Ich mache mir ja indirekt Vorwürfe, weil sie jetzt so krank ist und ich doch eigentlich die Verpflichtung hätte ihr zu helfen. Aber unter denen Umständen kann ich das einfach nicht mehr. Sie ist ein richtiger Diktator und jeglicher kleiner Hauch von Kritik an ihrem Verhalten läßt sie wie der Teufel aus dem Häusschen fahren. Jahrelang hab ich geschwiegen, aber jetzt da mein Freund ihr mal die Meinung gegeigt hat, ist echt Essig.
Was ich an der Geschichte nicht verstehe, das über die Dinge nicht gesprochen wird. Knall auf Fall wird der Kontakt abgebrochen ohne überhaupt einen Versuch zur Versöhnung zu machen. Das finde ich feige! Und genau das hat sie meinem Vater auch immer vorgeworfen. Aber anscheinend ist sie keinen Deut besser.
Je mehr ich drüber nachdenke, oder schreibe, desto klarer wird mir die Einsicht das den Kontakt abzubrechen tattsächlich das beste für uns beide ist. Dann gehe ich ihr wenigstens nicht mit meinen "hausbackenen Problemem und schwachsinnigen Ergüssen" (Zitat!) auf die Nerven!
LG Buschicat

Ein scheinbar nie endender Zustand
Liebe Buschicat, Du beschreibst ein jahrelanges Hin und Her zwischen Deiner Mutter und Dir: mal habt Ihr Kontakt, mal wieder nicht, mal ist sie umgänglich oder bemüht, dann wieder nicht. Das alles klingt nicht nach einer Mutter, die ihre Tochter wirklich liebt. Sondern nach einer Mutter, die ihre Tochter braucht, um eigene ungestillte Bedürfnisse zu befriedigen. Du sollst Dich um SIE kümmern, aber so wie und wann sie es bestimmt. Nur wenn Du das erfüllst, hast Du die minimale Chance eine "gute" Tochter für sie zu sein. Aber das ist (leider) keine Mutterliebe. Gute Mütter lieben ihre Kinder einfach so, für das, was sie sind. Immer. Deine Mutter manipuliert Dich und das bislang immer noch recht erfolgreich. Ich kann verstehen, dass sie Dir leid tut und Du Dich ihr verpflichtet fühlst und auch, dass Du irgendwie an ihr hängst, aber, ganz ehrlich, ihr dreht Euch im Kreis und Du wirst von ihr höchstwahrscheinlich nie das bekommen, was Du Dir wünschst. Was sie dem kleinen Mädchen (der kleinen Buschicat) nicht gegeben hat, wird sie wahrscheinlich nicht urplötzlich der Erwachsenen geben. Vielleicht wäre es hilfreich für Dich mit einem Therapeuten zu sprechen, um mehr Klarheit für Dich über das Verhältnis zu bekommen. Ich glaube, dass, wenn Du den Kontakt beibehältst, sich nichts ändern wird. Aus eigener Erfahrung weiss ich, dass ein entschlossener Kontaktabbruch wirklich helfen kann, für sich einiges klarer zu kriegen. Und ein guter Therapeut ist auch hilfreich.
Du solltest Dich jetzt erst einmal um DICH kümmern und um DEIN Leben. Was brauchst DU? Es ehrt Dich, dass Du Dich Deiner Mutter ggü. verpflichtet fühlst, aber hat sie dieses Gefühl umgekehrt auch? Wohl eher nicht. Sonst hätte sie kaum die minderjährige Tochter rausgeworfen. Sie benutzt Dich für Ihre Zwecke und Du solltest versuchen, aus diesem Kreislauf auszusteigen. Du hast die Chance auf Freiheit und ein selbst bestimmtes Leben, ohne ihren Einfluß. Und vielleicht ändert ein Kontaktabbruch ja auch ihr Verhalten, aber darauf solltest Du lieber nicht bauen. Kannst Du mit dem, was ich geschrieben habe, etwas anfangen? Es klingt vielleicht recht hart und direkt für Dich. Aber ich weiss, wovon ich rede. Ich habe mehrere Jahre gebraucht, um den Kontakt wirklich abzubrechen. Ich habe mich auch immer verpflichtet gefühlt und wollte nicht soweit gehen. Es hat bei mir recht lange gedauert, bis mir klar wurde, dass meine Mutter sich nicht ändern wird und ich wie bisher (mit ihrem Einfluß) weiterleben kann oder etwas Grundlegendes verändern muss. Als bei mir der Groschen fiel, dass sie mich nie WIRKLICH geliebt hat, sondern ihre Liebe immer an Bedingungen geknüpft war oder an ein bestimmtes Verhalten meinerseits, konnte ich endlich den Kontakt abbrechen. Und trotz aller Traurigkeit, die das zunächst mit sich brachte, war es letzten Endes eine große Befreiung und ein sehr wichtiger Schritt.

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1. November 2005 um 20:05
In Antwort auf dionne_11907212

Ein scheinbar nie endender Zustand
Liebe Buschicat, Du beschreibst ein jahrelanges Hin und Her zwischen Deiner Mutter und Dir: mal habt Ihr Kontakt, mal wieder nicht, mal ist sie umgänglich oder bemüht, dann wieder nicht. Das alles klingt nicht nach einer Mutter, die ihre Tochter wirklich liebt. Sondern nach einer Mutter, die ihre Tochter braucht, um eigene ungestillte Bedürfnisse zu befriedigen. Du sollst Dich um SIE kümmern, aber so wie und wann sie es bestimmt. Nur wenn Du das erfüllst, hast Du die minimale Chance eine "gute" Tochter für sie zu sein. Aber das ist (leider) keine Mutterliebe. Gute Mütter lieben ihre Kinder einfach so, für das, was sie sind. Immer. Deine Mutter manipuliert Dich und das bislang immer noch recht erfolgreich. Ich kann verstehen, dass sie Dir leid tut und Du Dich ihr verpflichtet fühlst und auch, dass Du irgendwie an ihr hängst, aber, ganz ehrlich, ihr dreht Euch im Kreis und Du wirst von ihr höchstwahrscheinlich nie das bekommen, was Du Dir wünschst. Was sie dem kleinen Mädchen (der kleinen Buschicat) nicht gegeben hat, wird sie wahrscheinlich nicht urplötzlich der Erwachsenen geben. Vielleicht wäre es hilfreich für Dich mit einem Therapeuten zu sprechen, um mehr Klarheit für Dich über das Verhältnis zu bekommen. Ich glaube, dass, wenn Du den Kontakt beibehältst, sich nichts ändern wird. Aus eigener Erfahrung weiss ich, dass ein entschlossener Kontaktabbruch wirklich helfen kann, für sich einiges klarer zu kriegen. Und ein guter Therapeut ist auch hilfreich.
Du solltest Dich jetzt erst einmal um DICH kümmern und um DEIN Leben. Was brauchst DU? Es ehrt Dich, dass Du Dich Deiner Mutter ggü. verpflichtet fühlst, aber hat sie dieses Gefühl umgekehrt auch? Wohl eher nicht. Sonst hätte sie kaum die minderjährige Tochter rausgeworfen. Sie benutzt Dich für Ihre Zwecke und Du solltest versuchen, aus diesem Kreislauf auszusteigen. Du hast die Chance auf Freiheit und ein selbst bestimmtes Leben, ohne ihren Einfluß. Und vielleicht ändert ein Kontaktabbruch ja auch ihr Verhalten, aber darauf solltest Du lieber nicht bauen. Kannst Du mit dem, was ich geschrieben habe, etwas anfangen? Es klingt vielleicht recht hart und direkt für Dich. Aber ich weiss, wovon ich rede. Ich habe mehrere Jahre gebraucht, um den Kontakt wirklich abzubrechen. Ich habe mich auch immer verpflichtet gefühlt und wollte nicht soweit gehen. Es hat bei mir recht lange gedauert, bis mir klar wurde, dass meine Mutter sich nicht ändern wird und ich wie bisher (mit ihrem Einfluß) weiterleben kann oder etwas Grundlegendes verändern muss. Als bei mir der Groschen fiel, dass sie mich nie WIRKLICH geliebt hat, sondern ihre Liebe immer an Bedingungen geknüpft war oder an ein bestimmtes Verhalten meinerseits, konnte ich endlich den Kontakt abbrechen. Und trotz aller Traurigkeit, die das zunächst mit sich brachte, war es letzten Endes eine große Befreiung und ein sehr wichtiger Schritt.

...nie endender Zustand!
Liebe blaublume,
ich danke dir für deine offene Antwort. Irgendwie bestätigt das was du schreibst meine innerlichen Gedanken. Ich habe wirklich immer versucht eine gute Tochter zu sein,aber dazu muß man definitiv auch die Chance bekommen. Und das konnte meine Mutter nicht. Lange Zeit hatte ich das Gefühl, das sie sich selbst die Nächste ist. Wenn ich über für mich wichtige Dinge gesprochen habe, dann hat sie schon nach dem ersten Satz nur noch mit halbem Ohr hingehört!
Ich habe in den letzten Tagen auch sehr intensiv über diese Lage nachgedacht, ob ich den Kontakt brechen soll oder nicht. Es hat mir auch sehr geholfen, einige Dinge hier aufzuschreiben und dann auch so nette Antworten von euch zu bekommen!!
Ich bin nun zu dem Entschluß gekommen, tatsächlich alle Kontakte abzubrechen. Denn wie du auch schreibst, an dieser Lage wird sich nach vielen Jahren nichts mehr gravierendes mehr ändern. Ich bin es auch leid immer nach ihrer Pfeife zu tanzen...recht hast du, blaublume...jetzt kommt erst mal mein Leben dran!!! Jetzt wo meine Entscheidung gefallen ist, geht mir einiges viel leichter von der Hand, es ist als ob eine Last gewichen wäre.
Auf jeden Fall möchte ich mich bei euch bedanken. Eure Texte haben mir sehr geholfen!!

Liebe Grüße buschicat

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