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Kontakt zu Eltern abbrechen?

8. August 2006 um 12:56

Nein, ich habe kein Kindheitstrauma erlebt. Meine Eltern waren weder asozial, noch Schläger, noch Borderliner. Meine Kindheit war, verglichen mit vielen anderen, fast "banal normal" ohne grössere Dramatik. Ich konnte mich frei entwickeln und wurde nicht gebremst oder eingeengt. Auch viele Jugendkrisen blieben mir erspart. Im frühen Erwachsenenalter verstand ich mich zeitweise sogar sehr gut mit meinen Eltern - sofern ich sie in den Semesterferien mal besuchen kam. Nun hat sich das Blatt aber entschieden gewendet.

Ich bin vor kurzem 30 geworden, besitze zwei Hochschulabschlüsse mit Bestnoten und suche seit nunmehr zweieinhalb Jahren leider erfolglos nach einer adäquaten Festanstellung. Meine Eltern sind beide Akademiker, die ihr Leben in einer geruhsamen Lebensstellung ohne jede Existenzangst verbracht haben. Ihre Rente beträgt um ein Wesentliches mehr, als ich in einer sehr erfolgreichen Selbständigkeit verdienen könnte.

Seit ich 27 bin, tyrannisieren mich meine Eltern mit meiner Jobsituation. Ihr Horizont reicht leider nicht aus, um zu verstehen, dass man heutzutage ungewollt arbeitssuchend sein kann - sie schieben es auf meine angebliche Initiativelosigkeit. Da man mir vieles vorwerfen kann, aber das gerade nicht, werde ich regelmässig cholerisch, wenn solche Anschuldigungen laut werden.

Hinzukommt, dass meine Eltern mich als Versagerin abstempeln, die es eben im Leben nicht schafft. Der Höhepunkt war, dass sie mich gleich nach der Promotion psychoterrorisieren wollten, weil ich noch kein Juniorprofessor bin(!). Als ich ihnen klarmachte, dass es ungefähr zwei Juniorprofessuren pro Jahr in ganz Deutschland in meinem Fachgebiet gibt und dass diese, wie so oft im öffentlichen Dienst, nur pro forma ausgeschrieben und intern schon vergeben seien, bevor die Bewerbungsverfahren überhaupt ihren Lauf nehmen, regten sie sich nur auf. Da meine Bewerbungen fruchtlos waren, musste ich mich, ohne jede finanzielle Unterstützung, selbständig machen. Daraufhin lamentierten sie rum, Cousin XY habe mit seiner Selbständigkeit aber nach einem halben Jahr schon Luxusreisen nach Südafrika finanziert, warum ich das nicht auch könne?

Meine Mutter insbesondere - pensionierte Rektorin - entwickelt sich zu einem unereträglichen Ekel. Bei Telefonaten fragt sie lauernd, was ich denn so tagsüber täte (sprich, ob ich faule Person nicht beschäftigungslos in der Hängematte liege). Als mir neulich der Kragen platzte und ich sie darauf hinwies, dass ich den ganzen Tag lang - jeden Tag! - hart und unter schlimmsten Konkurrenzbedingungen arbeiten muss, um einen Bruchteil ihrer Rente zu erwirtschaften, war sie höchst eingeschnappt. Die unverschämten Spitzen und persönlichkeitsabwertenden Unterstellungen kommen jedoch immer wieder. Für meine Eltern ist der Fall klar: die im Studium so erfolgreiche Tochter, mit der sie renommieren konnten, ist tot und eine peinliche Versagerin geworden, eine Art Hausfrau mit Nebenjob. Der Schrecken für alle Karriereeltern.

Ich halte diesen Psychoterror nicht mehr aus. Ich will den Kontakt schon gänzlich abbrechen.

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8. August 2006 um 17:29

Nein...
brech den Kontakt nicht ab, auch wenns noch so hart ist, es sind deine Eltern und ich denke, sie lieben dich sehr und wollen nur dein bestes. Sagen ihnen klipp und klar wie sehr es dich verletzt und traurig macht wie sie dich behandeln. Mach Ihnen klar das zu dir Ziele gesteckt hast, die zu beharrlich verfolgst und auch verwirklichst, nur brauchst du deine Zeit dafür. Schließlich lebst du dein Leben und nicht Ihres!

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8. August 2006 um 18:56

Hallo ich bin auch noch mal da,
In Deiner Situation (die ich ja auch ganz ähnlich kennengelernt habe), sind alle Menschen, die von Dir irgendwelche Wunder erwarten, eine zusätzliche Riesenbelastung!

Und bringen Dich alles andere als weiter!

Etwas anderes wäre es, wenn Deine Familie Dir mit Kontakten weiterhelfen würde, oder zumindest finanziell helfen würde, wegen der Selbstständigkeit!

Es fehlt nur noch, daß Deine Familie mit Forderungen an Dich herantritt, nach dem Motto: "Wir wollten aber nicht nur Karriere von Dir, wir verlangen auch noch selbstverständlich eine gut funktionierende Familie und mindestens 3 Enkelkinder von Dir, die auch schon mit mindestens 15 ihr Abi machen und mit 3 anfangen, Geige zu spielen!"

Diesen Terror bekommen ja viele Frauen gerade um die 30 oft serviert.
Die Verwandten gucken wahrscheinlich zu viel Rahma-Werbung, mit Karriere-Frauen als Hauptpersonen, die "den ganzen Tag" aktiv sind und nebenbei noch ganz produktiv beim Kinderkriegen und -erziehen sind.

Gerade weil Deine Eltern absolut nichts für Dich tun, obwohl sie die finanziellen Möglichkeiten durchaus hätten (ansonsten könnten sie ja zumindest mehr menschliches Verständnis aufbringen, wäre ja auch schon mal was!), fände ich es o.k, den Kontakt zumindest für eine bestimmte Zeit abzubrechen.
Meinetwegen für ein Jahr oder einen anderen bestimmten Zeitraum.
Es muß ja nicht für immer sein!

Ich kann mir vorstellen, daß Deine Eltern ihr Verhalten auch nach Ermahnungen Deinerseits nicht ändern werden, denn auch sie sind ein Produkt ihrer Erziehung.

L.G lamia

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8. August 2006 um 19:19
In Antwort auf lamia334

Hallo ich bin auch noch mal da,
In Deiner Situation (die ich ja auch ganz ähnlich kennengelernt habe), sind alle Menschen, die von Dir irgendwelche Wunder erwarten, eine zusätzliche Riesenbelastung!

Und bringen Dich alles andere als weiter!

Etwas anderes wäre es, wenn Deine Familie Dir mit Kontakten weiterhelfen würde, oder zumindest finanziell helfen würde, wegen der Selbstständigkeit!

Es fehlt nur noch, daß Deine Familie mit Forderungen an Dich herantritt, nach dem Motto: "Wir wollten aber nicht nur Karriere von Dir, wir verlangen auch noch selbstverständlich eine gut funktionierende Familie und mindestens 3 Enkelkinder von Dir, die auch schon mit mindestens 15 ihr Abi machen und mit 3 anfangen, Geige zu spielen!"

Diesen Terror bekommen ja viele Frauen gerade um die 30 oft serviert.
Die Verwandten gucken wahrscheinlich zu viel Rahma-Werbung, mit Karriere-Frauen als Hauptpersonen, die "den ganzen Tag" aktiv sind und nebenbei noch ganz produktiv beim Kinderkriegen und -erziehen sind.

Gerade weil Deine Eltern absolut nichts für Dich tun, obwohl sie die finanziellen Möglichkeiten durchaus hätten (ansonsten könnten sie ja zumindest mehr menschliches Verständnis aufbringen, wäre ja auch schon mal was!), fände ich es o.k, den Kontakt zumindest für eine bestimmte Zeit abzubrechen.
Meinetwegen für ein Jahr oder einen anderen bestimmten Zeitraum.
Es muß ja nicht für immer sein!

Ich kann mir vorstellen, daß Deine Eltern ihr Verhalten auch nach Ermahnungen Deinerseits nicht ändern werden, denn auch sie sind ein Produkt ihrer Erziehung.

L.G lamia

Muss schmunzeln...
...über DEine humorige Darstellung dieses Anspruchsverhaltens, aber es trifft sehr genau zu.

Wenigstens der Enkelkinderterror bleibt mir erspart, da ich, was auch meinen überehrgeizigen Eltern nicht verborgen geblieben ist, biologisch unfruchtbar bin.

Der BErufsterror allein ist jedoch nicht zu verachten. Selbst WENN ich JUniorprofessor würde (wozu die Chancen geringer sind als die, vom Blitz getroffen zu werden), wäre dies immer noch nicht gut/nicht früh genug. "Ja, sie hat ja lange genug gesucht"...

Richtig ist, dass sie voraussichtlich so uneinsichtig bleiben und mir auf den ohnehin strapazierten Nerven herumtrampeln werden, wenn ich den Kontakt beibehalte.

Was soll das - keine finanzielle und keine moralische Unterstützung, dann brauche ich mir auch die Vorhaltungen nicht anzuhören...

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8. August 2006 um 19:44
In Antwort auf catze76

Muss schmunzeln...
...über DEine humorige Darstellung dieses Anspruchsverhaltens, aber es trifft sehr genau zu.

Wenigstens der Enkelkinderterror bleibt mir erspart, da ich, was auch meinen überehrgeizigen Eltern nicht verborgen geblieben ist, biologisch unfruchtbar bin.

Der BErufsterror allein ist jedoch nicht zu verachten. Selbst WENN ich JUniorprofessor würde (wozu die Chancen geringer sind als die, vom Blitz getroffen zu werden), wäre dies immer noch nicht gut/nicht früh genug. "Ja, sie hat ja lange genug gesucht"...

Richtig ist, dass sie voraussichtlich so uneinsichtig bleiben und mir auf den ohnehin strapazierten Nerven herumtrampeln werden, wenn ich den Kontakt beibehalte.

Was soll das - keine finanzielle und keine moralische Unterstützung, dann brauche ich mir auch die Vorhaltungen nicht anzuhören...

In so einer Situation....
...ist es glaube ich für Frauen einfacher, wenn sie Eltern haben, die keine "Musterkarierre" gemacht haben (die sind dann auch über eine Tochter mit gutem Realschulabschluß glücklich. Das war bei der Haushälterin meiner Eltern auf jeden Fall so.Real-Abschluß der Tochter und die ganze Familie war happy!).

Oder wenn sie eine Mutter haben, die Hausfrau ist. Dann kann die Tochter immer noch sagen: "Wozu Karierre? Du hast doch auch nur geheiratet und warst zu Hause!".
Die Trumpfkarte könnte man sehr gut ausspielen, wenn die Eltern ungerecht und fordernd würden.

Da die Umstände aber anders sind und Deine Eltern beide (!) in einer sehr guten Lage sind, ist es illusorisch sie bei ihrer Situation zu "packen".

Es ist anscheinend so, daß es Dich nur herunterzieht und Dir die Kraft raubt.
"Auf Zeit abbrechen" wäre da schon o.k, da Du geschreiben hast, daß das Verhältnis ja auch mal ganz in Ordnung war, daher wohl noch nicht alles verloren ist.

L.G lamia


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8. August 2006 um 21:24

Hallo
Ich kann absolut nachvollziehen, daß du unter den beschriebenen Umständen keinen Kontakt mehr mit deinen Eltern haben willst. Andererseits wollen deine Eltern sicher nur das beste für dich und merken gar nicht, was sie dir antun.
Ich würde an deiner Stelle den Eltern sagen, daß ihr Verhalten absolut destruktiv ist, für deine Psyche und für deine Karriere (das Gefühl, ein Versager zu sein hat noch niemanden zu irgendwas motiviert, wie deine Mutter als Pädagogin wissen müsste)und daß du aus Selbstschutz deshalb den Kontakt mit ihnen abbrechen wirst, sollten sie so weitermachen.
Wenn du ihnen klar ankündigst, wie du auf die nächsten Attacken reagieren wirst, dann kapieren sie vielleicht, daß es fünf vor zwölf ist.
Ich hoffe, daß es zum großen Schritt nicht kommen wird und wünsche dir alles Gute. Schreib doch mal, wie es dir ergangen ist.
Alles Gute für dich, fühl dich gedrückt,

BQ

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9. August 2006 um 9:20

Irgendwann hat man auch keine Lust mehr, drüber zu reden!
Was ich auch gut nachvollziehen kann, ist die Tatsache, daß man, wenn einen eine Sache sehr negativ berührt, man auch irgendwann keine Lust mehr hat darüber zu reden.

Ob mit Eltern oder mit Bekannten oder mit sonstigen Leuten.

Als es bei mir ganz besonders übel war mit Jobaussichten, hatte ich absolut keine Lust mehr, auf dieses ewige "reden, reden, reden".
Ewig wurde dieses dösige Jobthema "zerredet".

"Hast du schon was?", "Hast Du noch nix?!", "wieso denn, du hast doch studiert?!", "das verstehe ich nicht!", "Ich kenn aber einen, der hat studiert und hat trotzdem einen Job!" und so weiter und so weiter!

Den Satz "was machst du eigentlich den ganzen Tag?", kenne ich übrigens auch.

Kommen solche oberflächlichen Kommentare eine Zeitlang salvenartig auf einen zu, dann kann es gut sein, ob man sich überlegt, in der Öffentlichkeit oder mit der Familie noch groß darüber Auskunft zu geben!

Es war und ist deprimierend darüber mit Aussenstehenden zu reden, es gibt auch Leute, denen ich noch nie erzählt habe, daß es bei mir jobmäßig sehr schwierig ist, wegen befristeter Arbeit, etc.
Oder das ich mal arbeitslos war.

Und durch dieses blöde Gequatsch wird es ja auch nicht besser, ich denke oft, daß Leute, die noch nie in so einer Situation waren, es in 99% der Fälle wirklich verstehen können, wie man sich dabei fühlt!

Es tut sehr gut, sich mal komplett davon abzuschotten und dieses "nicht darüber reden" kann sehr befreiend sein.

L.G lamia

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9. August 2006 um 11:14
In Antwort auf lamia334

Irgendwann hat man auch keine Lust mehr, drüber zu reden!
Was ich auch gut nachvollziehen kann, ist die Tatsache, daß man, wenn einen eine Sache sehr negativ berührt, man auch irgendwann keine Lust mehr hat darüber zu reden.

Ob mit Eltern oder mit Bekannten oder mit sonstigen Leuten.

Als es bei mir ganz besonders übel war mit Jobaussichten, hatte ich absolut keine Lust mehr, auf dieses ewige "reden, reden, reden".
Ewig wurde dieses dösige Jobthema "zerredet".

"Hast du schon was?", "Hast Du noch nix?!", "wieso denn, du hast doch studiert?!", "das verstehe ich nicht!", "Ich kenn aber einen, der hat studiert und hat trotzdem einen Job!" und so weiter und so weiter!

Den Satz "was machst du eigentlich den ganzen Tag?", kenne ich übrigens auch.

Kommen solche oberflächlichen Kommentare eine Zeitlang salvenartig auf einen zu, dann kann es gut sein, ob man sich überlegt, in der Öffentlichkeit oder mit der Familie noch groß darüber Auskunft zu geben!

Es war und ist deprimierend darüber mit Aussenstehenden zu reden, es gibt auch Leute, denen ich noch nie erzählt habe, daß es bei mir jobmäßig sehr schwierig ist, wegen befristeter Arbeit, etc.
Oder das ich mal arbeitslos war.

Und durch dieses blöde Gequatsch wird es ja auch nicht besser, ich denke oft, daß Leute, die noch nie in so einer Situation waren, es in 99% der Fälle wirklich verstehen können, wie man sich dabei fühlt!

Es tut sehr gut, sich mal komplett davon abzuschotten und dieses "nicht darüber reden" kann sehr befreiend sein.

L.G lamia

Redundante Sticheleien
wie sie meine Eltern von sich geben, haben in der Tat keinen Erkenntniswert. Ich könnte diese Lamentos auch auf Tonband aufzeichnen - und sie würden sich genauso anhören wie die Vorhaltungen, die Du zitierst.

Hast Du inzwischen einen guten Job gefunden, da DU bereits in der Vergangenheitsform von der Arbeitslosigkeit sprichst? Das würede mich freuen. Ich hoffe, es ist bei mir auch endlich soweit. Ich habe gestern noch eine neue Jobbörse entdeckt...

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