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Kindheitserinnerungen- negative Erfahrungen im Vordergrund. Wieso?

12. Januar 2015 um 22:41

Hallo
seit einiger Zeit beschäftigt mich eine Sache ganz besonders- das Verhältnis zu meiner Mutter. Ich hatte auf keinen Fall eine schlechte Kindheit, liebe meinen Vater über alles und meine Mutter eigentlich auch, jedoch hatten wir noch nie das beste Verhältnis und häufig Differenzen.
Vielleicht steiger ich mich da im Moment auch rein, aber ich habe in letzter Zeit viel mit Freundinnen über das Thema Familie gesprochen und mir ist aufgefallen, dass ich bezüglich meiner Mutter fast nur negative Erinnerungen habe und habe im Moment das Gefühl, dass sie mich vlt gar nicht richtig liebt...
ich erzähle euch einfach mal ein paar Beispiele, mich würde es interessieren ob es euch genauso ging oder ob ich wirklich übertreibe...
Meine Mama hat z.B. zu ihrer Familie so gut wie keinen Kontakt, meine Oma habe ich vlt 5 Mal im Leben gesehen und somit auch kein Verhältnis zu ihr. Die Begründung: Sie mag sie einfach alle nicht. Genauso ist es mit der Familie von meinem Papa. Meine Mama versucht immer alle schlecht zu machen und ist wirklich ein Störfaktor bei Familienfeiern weil sie die ganze Zeit nur zickig in der Ecke sitzt und mir anschließend erzählt wie dumm doch alle sind. Was jedoch totaler Schwachsinn ist. Bei ihr sind sowieso immer die anderen Schuld, sie sucht die Schuld nie bei sich selber.
Zudem hat sie sich schon als ich sehr klein war immer Geld bei mir geliehen und sich bei mir ausgeheult wie wenig Geld wir doch hätten (was eigtl nicht stimmt, sie gibt jedoch ca 400 im Monat für Zigaretten aus, Aber wenn ich sie darauf Hinweise rastet sie aus. Früher war mir das natürlich nicht bewusst, aber jetzt schon.). Egal was früher war und was wir eingekauft haben, es kamen immer Kommentare zum Geld und wie teuer alles sei.
ich habe mich nicht mehr getraut zu fragen ob ich was haben darf, habe mich mit getragenen Klamotten von ebay abgefunden die sie für nen ersteigert hat und auch kein Taschengeld mehr verlangt wenn sie es mal wieder vergessen hat. Selbst mein Euro- Sammelalbum hat sie einmal leergeräumt weil sie kein Kleingeld für Zigaretten hatte. ab 14 bin ich dann arbeiten gegangen...
Ich hatte kaum Spielzeug weshalb Freunde kaum zu mir kamen. Zudem war es bei uns, und ist es jetzt immernoch, nur oberflächlich ordentlich. Wohnzimmer und Küche wo Besuch hinkommt ist okay, in die restlichen Räume kann man keinen reinlassen. Chaos und Müll pur... ich weiß noch wie ich als ca. 10 jähriges Mädchen immer versucht habe aufzuräumen weil ich einfach das komplette Gegenteil von meiner Mama bin.... ich verstehe einfach nicht, wie man alles so verkommen lassen kann..
auf Schulveranstaltungen war ich früher immer die einzige wo die Mama nicht da war, weil es ja so "unnütz" ist ich alr genug war um dort alleine hinzugehen und wir sowas nicht brauchen. In der Pupertät habe ich mich total allein gelassen gefühlt. Meinen ersten BH habe ich mir alleine gekauft, Arzttermine zu Vorsorgeuntersuchungen wurden nicht gemacht, Die Spritze gegen Gebärmutterhalskrebs habe ich nicht bekommen...ich habe mich aber nie getraut danach zu fragen... Das sind zwar alles Kleinigkeiten, aber wenn man weiß, dass die anderen Mütter das alles gemacht haben fühlt es sich einfach scheiße an...
als ich 15 war ist meine Mama von einem auf den anderen Tag zu einem anderen Mann gezogen und hat uns alleine gelassen. Das war ungefähr 5-7 mal. Jetzt wohnt sie seit ein paar Jahren wieder bei uns. Ich weiß, dass es schon mal so war als ich ca 8 war...Da war sie im "Urlaub"... aber von Papa weiß ich, dass sie sich in einen anderen verliebt hatte und sie ihn besuchen war.
Ich hab einfach das Gefühl, dass wir ihr irgendwie egal sind. es sind einfach Kleinigkeiten.. sie wartet beim Frühstück nicht bis wir fertig sind sonder geht vorher wieder ins Schlafzimmer um zu rauchen, schaut abends nie fern mit uns sonder sitzt im Schlafzimmer und raucht...
Wenn man sie darauf anspricht, egal ob Papa oder ich, wird sie total eingeschnappt und spricht Tage nicht mit uns...
im Moment haben wir auch keinen Kontakt weil ich ihr vorgeworfen habe, dass sie in ihrer Unordnung nichts findet. Ich fliege bald nach Tunesien (war da mit ihr letztes Jahr auch schon) und hab sie gefragt wie das mit der Versicherung aussieht und ob ich da versichert bin, sie meinte dann dass sie das nicht wüsste. jetzt weiß ich, wir waren vor 4 Monaten in Tunesien nicht versichert.
ich übertreibe vlt, aber Mütter müssen sowas doch wissen und an sowas denken oder nicht...
ich weiß es sind alles keine "schlimmen" Dinge die mir passiert sind und bis auf die ein oder andere Ohrfeige war sie auch immer lieb. aber sie hat mich schon immer wie eine Erwachsene behandelt und mich mit Geldsorgen vollgetextet etc, ich fühle mich teilweise einfach alleine gelassen...
achja, es gibt ab meinem 5 Lebensjahr auch keine Fotos oder Videos von mir,..

ich bin zudem seit meinem 19 Lebensjahr essgestört, verletze mich teilweise selber und habe temporäre Depressionen (was der Auslöser war weiß ich nicht, vlt trägt das Verhältnis zu meiner Mama dazu bei). Aber Mama lässt mich damit irgendwie alleine.. wenn sie merkt dass es mir schlecht geht meint sie ich soll eine Therapie machen und sie hilft mir den Kontakt aufzunehmen. am nächsten tag jedoch hat sie das anscheinend wieder vergessen...
jetzt hilft mir eine liebe Freundin dabei, die Therapie zu beginnen...

habe ich einfach eine falsche Vorstellung von der perfekten Familie?

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20. Januar 2015 um 13:25

.... parallelen erkennbar.....
Hallo Habe deinen Text jetzt zweimal durchlesen, viele Nahe Übereinstimmungen , sowie einige entfernte Übereinstimmungen habe ich im Vergleich mit mir entdeckt..... Kann dir da auf jeden Fall eine Menge zu sagen. Bei noch bestehenden Interesse melde dich bitte über pn. lg

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21. Januar 2015 um 13:48

Traurige Kindheit - Positiv Leben
Hallo kidajo,

das hört sich ja sehr traurig an. Aber es gibt ja nun mal keine perfekten Menschen, und z. B. meine erste Schwiegermutter hatte 3 Kinder und hat sich immer nur max. ums Essen gekümmert, schon Bekleidung war schwierig, mein Mann hatte nicht mal was anzuziehen, als ich ihn kennenlernte und teilte sich seine Sachen mit seinen Brüdern. Obwohl sie Hausfrau war und nicht geraucht hat und nichts zu tun hatte, auch Geld hatten die genug.
Du kannst natürlich Deiner Mutter Vorwürfe machen, aber sicher hat sie eben in ihrer Familie nicht genug Liebe erfahren, deshalb wollte sie vielleicht auch keinen Kontakt zu Deiner Oma, oder sie hat andere Ablehnungen erfahren. Vielleicht wäre eine Idee, da zu forschen, damit Du ihr vielleicht verzeihen kannst. Aber manches wirst Du sicher selbst im Laufe Deines Lebens lerfahren, und dann wirst Du Deine Mutter mehr verstehen als heute. Auch ich habe viele Jahre gebraucht, um meine Mutter zu verstehen, erst als ich selbst in einer ähnlichen Situation war, konnte ich nachvollziehen, warum sie in meiner Kindheit so gehandelt hat, wie sie es tat.

Aber das Allerwichtigste für Dich ist erstmal, Dich selbst zu definieren und abzugrenzen, denn Du hast ja für Dich entschieden, es besser zu machen als Deine Mutter, mehr Ordnung zu halten, besser mit dem Geld umzugehen, vielleicht auch Deinem Partner oder Deinen Kindern mehr Liebe zu geben - damit bist Du doch auf einem guten Weg und brauchst keine Depressionen zu haben. Meine Oma hat mir ins Poesiealbum geschrieben: "Ein jeder gibt den Wert sich selbst." - das fand ich immer ein gutes Motto.
Selbst wenn eigentlich die Eltern die Aufgabe haben, dem Kind eine gute Kindheit zu bescheren, so wird ja nicht jeder als perfekte Mutter oder Vater geboren, man kann also niemand wirklich einen Vorwurf machen.

Ich finde es toll, dass Du so selbstständig geworden bist und vieles allein hinbekommen hast. Weißt Du, perfekt ist schon ein schweres Wort, auch finde ich es nicht wirklich erstrebenswert, perfekt zu sein (dann wär man ja nicht mehr entwicklungsfähig )... Ich glaub, es gibt sicher Familien, in denen es viel besser läuft, aber man kann es sich ja nicht aussuchen. Es gibt ja auch viele Familien, in denen es noch schlimmer läuft, ich versuche immer, das Positive zu sehen, das hilft wirklich gut im Leben. Eine Therapie zu machen, ist vielleicht ein wenig sinnvoll, wichtig ist aber zu allererst, sich selbst zu erkennen und seinen Wert. Deine Mutter hat Dich geboren und groß gezogen, aber sie bestimmt ja nicht, was Du für ein Mensch bist. Sie ist ja sicher auch immer auf der Suche nach ihrem Sinn und hat ihn nicht in der Beziehung zu Deinem Vater und nicht in Dir gefunden, Du kannst Dir Deinen Sinn aber selbst geben.

Ich hoffe, Dir mit meiner Antwort ein bisschen geholfen zu haben, bin ja selbst Tochter und Mutter und bestimmt als beides nicht immer perfekt, hab aber in den letzten Jahren wirklich viel gelernt. Ist eben nicht so, dass man auf einmal erwachsen ist und dann klappt alles von allein, man muss schon jeden Tag aufs neue kämpfen! Und Spaß dran haben, und nicht verzagen, auch wenn man mal Fehler, man gestaltet sich ja sein Leben selbst.

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