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Kein Kontakt mehr zu den Eltern

5. Juni 2011 um 11:33

Hallo,

bin 43 Jahre alt und habe mit meinen Eltern, speziell mit meiner Mutter, vor gut einem Jahr gebrochen und seit dem auch keinen Kontakt mehr.
Hatte schon seit vielen Jahren kein gutes Verhältnis zu meiner Mutter, da sie mich von meinem eigenen Leben fernhielt, bzw. mir kein eigenes Leben gönnte. Als junge Frau oder als Mädchen konnte ich das Spiel nicht durchschauen, da ich das alles auch nie in Frag gestellt habe. Jedoch ist mir dann im Laufe der zeit aufgefallen, dass meine Mutter mir irgendwie mein eigenes Leben neidete, kein Mann war angeblich gut für mich und so scheiterten mehrere Beziehungen, da ich tatsächlich zu meiiner Mutter hielt und diese Beziehungen und sogar meine Ehe auf ihr anraten beendete. Meine Mutter wollte mich und meine Kinder immer für sich allein haben, sie machte meine Freundinnen ständig schlecht und hetzte auf jedem rum, der sich in meinem privaten Umfeld aufhielt.
Ehrliche Gespräche waren nie möglich, da immer ich die Schuld hatte und sie sich lt ihren eigenen Angaben nichts vorzuwerfen hatte. Ich habe unendlich viele Jahre damit verschwendet diese schwierige Beziehung zu verstehen.
Leider ist es mir bis heute nicht gelungen eine Parnterschaft zu einem Mann aufzubauen, allerdings habe ich schon vor Jahren die Hoffnung darauf aufgegeben, da mir der Mut fehlt.
Habe meine 2 Kinder (20 und 8 J.) von 2 Vätern und ein gutes entspanntes Verhältnis zu meinen Kindern. Meine Mutter hat meine kinder immer mit Geschenken überhäuft, mein Sohn hat aber auch schon lange kein gutes Verhältnis mehr mit meiner Mutter und hält auch nichts von ihr.
Ich habe den kontakt zu meiner Mutter vor gut einem Jahr eingestellt, da sie zum Schluss, wenn ich nicht nahc ihrer Pfeife tanzte, sich mit irgendwelchen akuten Schmerzen ins krankenhaus legte um mich mit krankheit zu erpressen. So habe ich dann den Kontakt zu ihr und auch zwangsläufig zu meinem Vater komplett eingestellt. Nun hörte ich, dass es meinem Vater, der schon seit vielen Jahren krank ist, quasi im Sterben liegt. Ich weß nicht was ich machen soll, bin hin und her gerissen. Mein Vater ist auch ein schwacher Mensch und hat mir früher auch nie geholfen. Aber er tut mir jetzt leid und ich habe wieder dieses chronisch schelchte Gewissen, wie ich es von klein auf kenne.
Kann mir jemand etwas zu meiner Geschichte sagen??
Einen schönen Sonntag......Adele.

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9. Juni 2011 um 18:46

Das kenne ich ...
Hallo Adele,

was kann ich dir zu deiner Geschichte sagen? Ich glaube es ist kein richtiger Rat o.Ä. - aber vielleicht ein Trost ...

Ich bin erst seit kurzem bei gofemin, da ich aus eben jener von dir bschriebenen Problematik nach Menschen suche, die velleicht in einer ähnlichen Lage stecken. Ich bin zwar erst 22, aber ich habe ebenfalls bereits keinen Kontakt mehr zu meinen Eltern. Ähnlich wie du habe auch ich eine sehr selbstsüchtige Mutter, die immer versucht hat, alles zu kontrollieren. Sie redete mir auch ständig in meine Beziehungen hinein, wollte meine Berufswahl mitbestimmen usw. - ein Grund dafür ist wohl der Neid, den viele Mütter gegenüber ihren Töchtern empfinden. Aus Angst in ihrem Schatten zu stehen, tuen sie die verücktesten Dinge, um die Töchter "klein" zu halten. Es gibt dazu übrigens ein interessantes Buch von Mathias Jung. Es heißt "Schneewittchen - Der Mutter-Tochter-Konflikt" ...

Schon als Jugendliche habe ich zunehmend unter diesen ganzen Problemen gelitten und als ich dann vor 2 Jahren eine Therapie begann, habe ich auch bald den schweren Schritt gewagt und den Kontakt zu meiner Mutter abgebrochen. Auch zu meinem Vater habe ich leider keinen Kontakt mehr. Er lebt zwar seit über 10 Jahren nicht mehr mit meiner Mutter zusammen, aber er ist ein sehr schwacher Mann. Als ich den Kontakt zu meiner Mutter abbrach und indirekt nun seine Unterstützung forderte, war es bald aus und er hat sich nicht mehr gemeldet.

Das ist eine schreckliche Situation. Man weiß nicht weiter. Es ist so schwer, ohne (Herkunft-)Familie zu leben ... allerdings tut es gut, zu sehen, dass es scheinbar gar nicht so wenigen Menschen ähnlich geht. Velleicht können wir uns da gegenseitig helfen ...

Was das Problem mit deinem Vater angeht, so glaube ich, es ist wichtig, dass du das tust, was für dich selbst am besten ist. Wenn du glaubst, dass es dir wichtig ist, ihn noch einmal zu sehen, bevor er möglicherweise stirbt, dann solltest du das auch tun. Wenn du jedoch glaubst, dass die Begegnung mit ihm (und vielleicht auch deiner Mutter) für dich sehr schmerzhaft ist und dich letztlich nur fertig macht, dann ist es besser nicht hinzugehen.
Du kannst ja deinem Vater nicht helfen - du kannst nur für dich selbst sorgen.

Was die Schuldgefühle angeht, da habe ich auch langjährige Erfahrung. Eugen Drewermann schreibt in "Taten der Liebe", Schuldgefühle seien "auf dem Weg zur Freiheit eine Zeitlang nötig", aber man müsse trotzdem auf sein Recht auf ein eigenes Leben vertrauen und den eigenen Weg gehen. Vielleicht ist es ganz normal, dass wir uns unseren Eltern gegenüber zunächst sehr schuldig fühlen. Nicht zuletzt, wenn sie immer wieder betont haben, wie viel sie für uns getan hätten (ich glaube, gute Eltern hätten es gar nicht nötig,das zu beteuern). Trotzdem glaube ich, dass es unsere einzige Schuld ist, uns selbst Gutes zu tun und den Menschen, die uns anvertraut sind - dem Partner, den Kinder, was auch immer. Unsere Eltern haben sich schließlich freiwillig entschieden, Kinder zu haben. Sie dürfen uns unsere Existenz und die Pflege die wir notwendigerweise von ihnen erfahren haben, nicht zum Vorwurf machen ...

Ich hoffe meine Gedanken haben dir ein wenig geholfen. Viele Grüße!

Demiana

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9. Juni 2011 um 19:32
In Antwort auf nohemi_12908788

Das kenne ich ...
Hallo Adele,

was kann ich dir zu deiner Geschichte sagen? Ich glaube es ist kein richtiger Rat o.Ä. - aber vielleicht ein Trost ...

Ich bin erst seit kurzem bei gofemin, da ich aus eben jener von dir bschriebenen Problematik nach Menschen suche, die velleicht in einer ähnlichen Lage stecken. Ich bin zwar erst 22, aber ich habe ebenfalls bereits keinen Kontakt mehr zu meinen Eltern. Ähnlich wie du habe auch ich eine sehr selbstsüchtige Mutter, die immer versucht hat, alles zu kontrollieren. Sie redete mir auch ständig in meine Beziehungen hinein, wollte meine Berufswahl mitbestimmen usw. - ein Grund dafür ist wohl der Neid, den viele Mütter gegenüber ihren Töchtern empfinden. Aus Angst in ihrem Schatten zu stehen, tuen sie die verücktesten Dinge, um die Töchter "klein" zu halten. Es gibt dazu übrigens ein interessantes Buch von Mathias Jung. Es heißt "Schneewittchen - Der Mutter-Tochter-Konflikt" ...

Schon als Jugendliche habe ich zunehmend unter diesen ganzen Problemen gelitten und als ich dann vor 2 Jahren eine Therapie begann, habe ich auch bald den schweren Schritt gewagt und den Kontakt zu meiner Mutter abgebrochen. Auch zu meinem Vater habe ich leider keinen Kontakt mehr. Er lebt zwar seit über 10 Jahren nicht mehr mit meiner Mutter zusammen, aber er ist ein sehr schwacher Mann. Als ich den Kontakt zu meiner Mutter abbrach und indirekt nun seine Unterstützung forderte, war es bald aus und er hat sich nicht mehr gemeldet.

Das ist eine schreckliche Situation. Man weiß nicht weiter. Es ist so schwer, ohne (Herkunft-)Familie zu leben ... allerdings tut es gut, zu sehen, dass es scheinbar gar nicht so wenigen Menschen ähnlich geht. Velleicht können wir uns da gegenseitig helfen ...

Was das Problem mit deinem Vater angeht, so glaube ich, es ist wichtig, dass du das tust, was für dich selbst am besten ist. Wenn du glaubst, dass es dir wichtig ist, ihn noch einmal zu sehen, bevor er möglicherweise stirbt, dann solltest du das auch tun. Wenn du jedoch glaubst, dass die Begegnung mit ihm (und vielleicht auch deiner Mutter) für dich sehr schmerzhaft ist und dich letztlich nur fertig macht, dann ist es besser nicht hinzugehen.
Du kannst ja deinem Vater nicht helfen - du kannst nur für dich selbst sorgen.

Was die Schuldgefühle angeht, da habe ich auch langjährige Erfahrung. Eugen Drewermann schreibt in "Taten der Liebe", Schuldgefühle seien "auf dem Weg zur Freiheit eine Zeitlang nötig", aber man müsse trotzdem auf sein Recht auf ein eigenes Leben vertrauen und den eigenen Weg gehen. Vielleicht ist es ganz normal, dass wir uns unseren Eltern gegenüber zunächst sehr schuldig fühlen. Nicht zuletzt, wenn sie immer wieder betont haben, wie viel sie für uns getan hätten (ich glaube, gute Eltern hätten es gar nicht nötig,das zu beteuern). Trotzdem glaube ich, dass es unsere einzige Schuld ist, uns selbst Gutes zu tun und den Menschen, die uns anvertraut sind - dem Partner, den Kinder, was auch immer. Unsere Eltern haben sich schließlich freiwillig entschieden, Kinder zu haben. Sie dürfen uns unsere Existenz und die Pflege die wir notwendigerweise von ihnen erfahren haben, nicht zum Vorwurf machen ...

Ich hoffe meine Gedanken haben dir ein wenig geholfen. Viele Grüße!

Demiana

Grüß Dich Demiana..
..vielen Dank für Deine sehr professionelle Antwort.
Es ist mir fast unglaublich zu glauben, dass Du erst 22 Jahre alt bist, und schon viel Erfahrung in dieser Richtung aufweisen kannst und mir überhaupt eine so durchdachte und durchfühlte Antwort zu schreiben.
In Deinem Alter habe ich die Situation gar nicht so einschätzen können wie Du. Damals dachte ich tatsächlich, dass an mir etwas falsch ist und meine Mutter immer recht hat; habe sie damals wirklich nicht in Frage gestellt. Im Übrigen denke ich heute noch, dass ich irgendwie verkehrt bin.
Die Bücher, auf die Du da näher eingehst, sind mir durchaus bekannt und habe sie mehrfach nicht gelesen sondern "gefressen".
Es tat mir übrigens enorm gut, dass Du mir auch in Deiner Nachricht die Möglichkeit läßt die Entscheidung, ob ich nun noch mal meinen Vater vor seinem Tode besuche oder nicht, selbst überlässt. habe mit einigen Menschen über diese Situation gesprochen und wirklich niemand hatte diese Möglichkeit in Betracht gezogen.
Falls du noch mal antworten magst, dann würde mich wirklich interessieren welche Art von Therapie Du gemacht hast und wie sie Dir oder wobei sie Dir geholfen hat.
Du wirst es vielleicht nicht glauben; bin Schwester und arbeite in einer Langzeitpsychiatrie; also schon etwas vom Fach; die übliche Helferkarriere, warum und wieso, das wissen wir beide ja schon.
Du beschreibst Deinen Vater genauso wie ich auch den meinen beschreiben würde; ein schwacher Mann; wobei unsere Mütter auch sehr schwache Persönlichkeiten sind.
Man sieht es nur leider erst bei genauerem Hinschauen.
Bin nur froh, dass ich diesen Kreis bei meinen eigenen Kindern komplett durchbrechen konnte; ich bin mächtig stolz auf meine Kinder und wir reden viel und diskutieren über alle Themen der Welt.
Einige Passagen in Deinem Text haben mich fast umgehauen; die Stelle an der Du beschreibst, dass unsere Eltern es ja immer wieder beteuert haben für uns so wahnsinnig viel getan zu haben. Wirklich gute Eltern hättes es ja nicht nötig gehabt dies immer wieder zu betonen.
DAnke für Deine Nachricht, würde mich über eine weitere Nachricht freuen.............es grüßt......Adele.

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16. Juni 2011 um 0:03

Artikel
Hallo ihr Lieben, ich hoffe, ihr seid noch aktiv!?

Ich habe im Januar '11 mein Studium beendet und arbeite zur Zeit in der Redaktion Laura in Hamburg.

Ich schreibe gerade einen Artikel zum Thema "Verlassene Eltern".

Es interessiert mich sehr, da ich selbst immer ein schwieriges Verhältnis zu meiner Mutter hatte.

Ich will das Phänomen, dass Eltern verlassen werden und gar keinen triftigen Grund dafür erkennen, aus zwei Perspektiven aufarbeiten: Einer Mutter-Perspektive (hierfür habe ich Angelika Kindt (Autorin zum Thema/selbst betroffene Mutter) kontaktiert, die sich einverstanden erklärte) und einer Tochter-, bzw. Sohn-Perspektive.

Seit Wochen suche ich nun fieberhaft nach einem Kind, das sich entschlossen hat, den Kontakt zu seinen Eltern abzubrechen und Lust darauf hätte, ein telefonisches Interview mit mir zu führen - doch vergeblich.

Es wäre so schön, wenn ich da jemanden fände, der sich dafür bereit erklärte, mir ein paar Fragen zu beantworten.

Wer hätte da Lust drauf?
Du würdest mir wirklich ungemein helfen.

Es kann nicht angehen, dass diese Problematik nur aus Sicht der Mutter dargestellt wird.
Denn das würde sie nur zur Hälfte erfassen,
und das Handeln der (erwachsenen) Kinder - euer Handeln - womöglich in ein falsches Licht rücken.

Bitte melde dich!

Unter:
KathaSiegel@web.de,
K.M.Siegel@web.de, katharina.siegel@bauerredaktio nen.de, katharina.siegel@bauermedia.co m.
Meine Handynummer: 0179/2087987.

Danke! Deine Mühe wird sich für dich lohnen!

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