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Innere Trennung von der Mutter

12. Februar 2008 um 14:40

Hallo!

Ich bin 24 Jahre alt und mitten im Ablösungsprozess von meiner Mutter.
Die äußere Trennung habe ich bereits vollzogen - da meine Mutter meine Eigenständigkeit und mein eigenes Leben nicht akzeptieren kann, haben wir keinen Kontakt mehr.
Die Beziehung zu meiner Mutter war eine sehr enge und fast absolute - ich hatte so so gut wie nicht die Gelegenheit, eine eigene Persönlichkeit zu entwickeln, so hat sie mich gefühlsmäßig immer beherrst.
Früher, als ich begann, mein eigenes Leben zu leben, verging ich fast vor Schuldgefühlen ihr gegenüber und fühlte mich sehr verpflichtet ihr gegenüber. Das hat sich mittlerweile gelegt und ich habe begonnen, ihr gegenüber mein Leben zu behaupten, indem ich ihr in einigen Briefen mal offen geschrieben habe, was ich denke (was ich mich früher nicht ansatzweise getraut habe vor Schuldgefühlen).
Also die äußere Trennung habe ich vollzogen.
Nun stehe ich aber vor der inneren Trennung. Und ich weiß nicht, wie das geht. Wie trennt man sich innerlich?
Ich habe oft starke diffuse Angstgefühle, habe sehr stark Verhaltensweisen meiner Mutter übernommen, die nicht die meinen sind. Innerlich beherrscht mich meine Mutter noch in mir. Wie kann ich mich davon lösen?

Danke fürs Lesen

Lg, Enigmata13

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12. Februar 2008 um 18:43

Ich kann dich gut verstehen,
ich hatte auch so eine beherrschende Mutter. Es ist gut, dass du Distanz geschaffen hast. Nur eines muß dir klar sein, sie ist und bleibt deine Mutter und wir haben Anteile von beiden Elternteilen mitbekommen und es ist ja nicht nur schlechtes. Schau dir mal dir guten Seiten deiner Mutter an und schau dir mal auch deine
guten Seiten an. Was hat sie dir gegeben, was
hat sie dir geschenkt. Je mehr du deine Mutter ablehnst, desto mehr lehnst du auch Teile von dir ab und desto schwerer wird es für dich.
Gruß melike

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21. Februar 2008 um 23:58

Es ist ein steiniger Weg und braucht manchmal sehr viel Zeit!
Liebe Enigmata13,
ich bin fast 35 Jahre und habe es auch noch nicht geschafft; es ist ein steiniger Weg, ein ständiges Auf und Ab. Aber es lohnt sich, denn es geht um das eigene Leben, von dem man nur eines hat! Ich will absolut nicht überheblich sein, aber feenfeder hat definitiv keine Ahnung, was es bedeutet, eine beherrschende im Sinne einer emotional mißbrauchenden Mutter zu haben. Viele Mechanismen und Angstprojektionen laufen unterschwellig ab, sind für Außenstehenden meist nicht sichtbar und dem Elternteil, der uns beeinflußt, oft noch nicht einmal bewußt. Kein Mensch ist von Grund auf böse, aber bloß weil uns jemand das Leben gegeben hat und uns vielleicht auch noch liebt, muß er uns nicht unbedingt gut behandeln. Und auch wenn man rein rational weiß, was der richtige Weg für einen ist, können solch emotional mißbrauchte Menschen ihn oft nicht umsetzen, da ihnen jegliches Selbstwertgefühl, jegliche Selbstliebe genommen wurde und das Wohl bzw. der Wille des mißbrauchenden Elternteils stets übergeordnet war. Das, was hier zwischen Eltern und Kindern abläuft, ähnelt der Pavlow'schen Konditionierung.
Selbst wenn man am anderen Ende der Welt lebt oder die Mutter / der Vater schon längst gestorben ist, können diese immer noch die eigenen Emotionen beherrschen bzw. man kann immer noch nicht in der Lage sein, sein Leben zu leben.
So viele Konstellationen es gibt, so viele Lösungen gibt es. Mein Weg bzw. meine innere Trennung besteht darin, mich mit meiner Tochter-Mutter-Beziehung auseinanderzusetzen: zu analysieren, was sie zu dem gemacht hat, was sie ist (nämlich ihre Eltern), was sie mit mir gemacht hat, wie die Mechanismen abliefen. Aber auch, mich zu wehren: meiner Wahrnehmung zu trauen, ihr mir gegenüber Grenzen zu setzen und dafür zu "kämpfen". Ich versuche zu verstehen, aber endlich auch mich und meine Bedürfnisse ernst zu nehmen und dafür einzutreten. Und es ist eine Menge "Trauerarbeit" und Wut, aber auch Akzeptieren und Verzeihen dabei.
Du bist absolut kein Einzelfall! Besorg' Dir Literatur (es gibt Tonnen davon), sprich' mit anderen darüber, die das auch kennen, oder hol' Dir Hilfe in einer Therapie, manchmal ist es alleine nicht mehr möglich.
Liebe Grüße,
inches

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