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"Ich muss wählen": Mein Mann oder meine Tochter

17. Oktober 2006 um 3:15 Letzte Antwort: 22. Oktober 2006 um 22:34

Ich habe vor 5 Jahren zum zweiten Mal geheiratet. Meine Kinder mochten ihn nicht, haben es aber mit ihm versucht. Er war von Anfang an zu autoritär. Meine Kinder waren bereits 12 und 15 Jahre alt und wollten keinen neuen Vater. Er hat nicht wirklich versucht ihre Freundschaft zu gewinnen. Im Gegenteil, er machte einen verhängnissvollen Fehler. Nämlich meiner Tochter, als sie 16 Jahre alt war, auf die Finger zu schlagen, weil sie seiner Meinung nach das Besteck falsch hielt. Und seine Tochter, die er selber nicht erzogen hat, weil sie bei der Mutter aufwuchs, hat das Besteck genauso gehalten. Nie wurde sie getadelt. Die Familie war nach dem Vorfall am Tisch wie erstarrt. Ich konnte nichts sagen, meiner Tochter nicht beistehen. Ich war feige. Meine Tochter ist künstlerisch sehr talentiert und bekam in unserer Stadt dafür sehr viel Aufmerksamkeit auf die er neidisch wurde. Es eskalierte und meine Wut entlud sich, als er angetrunken nach einem Sportevent auf dem Sessel schlief.Betrunken wie er war ging er auf mich los, meine Tochter trat zwischen uns und er schlug sie. Danach war nichts wie vorher. Ihr wurde übel wenn er nach hause kam und schloss sich in ihrem Zimmer ein. Mein Sohn zog wegen einer Lehrstelle in eine andere Stadt. Meine Tochter bekam Bulemie und mit Hilfe des Jugendamtes erhielt sie eine eigene Wohnung. Ich hatte keinerlei finanzielle Mittel, war seit der Heirat völlig abhängig von ihm. Meine Tochter begann eine Therapie, an der ich auch teilnahm. Nach einem halben Jahr "ehepause" ging ich zum Anwalt und sie riet mir eine Absicherung zu erlangen, beruflich und finanziell, damit ich weiterplanen kann.
Das habe ich bis heute verfolgt, ohne das mein Mann weiß dass ich ihn eines Tages verlassen möchte. Ich kann nicht ganz auf ihn verzichten, denn er ist kein schlechter Mensch, aber auch nicht der perfekte Ehemann. Meine Kinder besuchen mich zuhause nicht, meine Tochter kann mich nicht so als Mutter annehmen, obwohl wir uns regelmäßig sehen. Sie ist auf dem besten Weg aus der Bulemie herauszukommen. Es geht ihr besser. Aber sie glaubt, das ich bald diesen Mann verlassen werde. Den Mann, den sie so sehr haßt. Ich bin jetzt arbeitslos und habe keine finanziellen Reserven. Ich weiß wie es ist ganz arm zu sein, zu hungern. Mein Mann ist selbständig und ist fleißig, damit wir von den Schulden wegkommen. Aber will ich ihn wirklich verlassen? Für meine Tochter? Damit sie mich wieder richtig akzeptiert und mir vertraut? Welchen Preis muss ich zahlen? Damals, das war im betrunkenen Zustand. Einmalig. Doch meine Kinder hat er nie angenommen, ihnen nie wirkliche Sympatie entegengebracht. Ist das ein Grund ihn zu verlassen? Meine Kinder sind heute 19 und 22 Jahre alt. Sie verlassen bald die Stadt um zu studieren. Ich pendle zwischen meinen Gefühlen und Schuldgefühlen. Was ist richtig? Ich weiß es nicht mehr. Ich habe Angst meine Tochter ganz zu verlieren. Mein Sohn ist auch seelisch fertig. Soll ich wirlich gehen und neu anfangen? Diesen Mann einfach vergessen? Was würdet ihr machen?
Heidi

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22. Oktober 2006 um 22:34

An Mara
Vielen Dank für deinen Beitrag.
Ja, im Kopf bin ich schon weg. Aber ich habe einfach zuviel Angst. Ich habe noch nicht die Kraft von vorne anzufangen. Außerdem, wenn ich jetzt gehe, nehme ich die Hälfte der Schulden mit! Da wir zusammengearbeitet haben, kann ich ihn nicht alleine darauf sitzen lassen. Ich such mir gerade einen Arbeitsplatz, wenns geht auch außerhalb. Das ist mein erster Schritt. Mein zweiter ist, das ich regelmäßig ohne ihn etwas unternehme, auch an Wochenenden. Er merkt langsam, das ich die Distance suche. So kann ich hoffentlich ein friedliches Ende dieser Ehe herbeiführen. Ich habe bereits aus der ersten Ehe schlimme Erfahrungen und möchte nicht noch einmal den Terror durchmachen. Ich möchte alles freundschaftlich und fair ausklingen lassen. Meine Kinder wissen dies, sind aber auch ungeduldig. Leider kann ich mit niemanden darüber reden, weil alle Bekannte glauben, das wir das perfekte Paar sind. Sicherlich, beruflich, aber privat haben wir keine Gemeinsamkeiten, das weiß niemand. Ich kenne keinem dem ich mich anvertrauen kann. Und das ist ein ziemlich beschi... Gefühl. Danke nochmals für Deinen Beitrag, er hat mich bestärkt.
Heidi

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