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Geständnis einer stolzen Mutter

4. Juli 2007 um 21:51 Letzte Antwort: 5. Juli 2007 um 23:07

von Jan Hunt, M.Sc.


übersetzt aus dem Englischen von eulalie für Rabeneltern.org




Mein Sohn ist 15 und hat mir nichts als ...

"Ärger gemacht?"

Ich dachte mir doch, dass Sie das sagen würden! Nein, mein Sohn ist 15 und hat mir nichts als Freude bereitet.

"Sie scherzen. Wie ist das möglich?"


Ich bin stolz auf meinen Sohn, aber leider kann ich das nicht auf meine eigene Kappe nehmen. Sein Vater und ich hatten einfach Glück, nachdem zu Anfang einiges schief gelaufen ist, dass wir einfühlsame Ratgeberbücher und Zeitschriften für Eltern gelesen und uns mit erfahrenen und mitfühlenden Freunden ausgetauscht haben. Heute ist unser Sohn der fürsorglichste, verantwortungsbewusste und großzügigste Mensch, den ich kenne.

"Sagen Sie mir bitte, wie haben Sie das geschafft?

Nun, wir haben alles das getan, was wir nicht hätten tun sollen. Wir haben zusammen im Familienbett geschlafen, ich habe ihn mehrere Jahre gestillt, er wurde niemals bestraft, bedroht, geschlagen oder verhöhnt und er durfte seinen Ärger genauso herauslassen wie seine Freude.

"Oh, Sie haben ihn verzogen?"


Nun, lassen Sie uns dieses Wort doch einmal genauer unter die Lupe nehmen. Im Wörterbuch steht unter verziehen - : "Unzufriedenheit oder zu hohe Erwartungen durch Nachgiebigkeit verursachen. In meinem Wörterbuch ist dies die dritte Bedeutung. Es spiegelt den üblichen Gebrauch des Wortes wieder. Diese Definition geht von einem Prinzip der Ursache-Wirkung aus. Nachgiebigkeit erzeuge Verwöhnung. Aber stimmt das überhaupt? Oder ist diese Definition nur ein weit verbreitetes Vorurteil in Bezug auf die ursprüngliche kindliche Natur? Eine Definition, die richtig wäre im Sinne wie Kinder tatsächlich lernen und reagieren, ist die erste in der Liste: zerstören, verletzen, vernichten. Was wirklich ein Kind verzieht, was tatsächlich zerstört, verletzt und vitale Qualitäten eines Kindes vernichtet, sind die anderen Möglichkeiten elterlichen Verhaltens: Strafe, Trennung und Zurückweisung. Diese Erfahrungen verderben das angeborene Vertrauen, die Fähigkeit zu lieben, Kreativität und das Vermögen, Freude empfinden zu können. Ein Kind dieser Schätze zu berauben, ist sicherlich eines der furchtbarsten Taten, die ein Mensch vollbringen kann.

Probieren geht also über Studieren!

Genau. Adolf Hitler wurde regelmäßig brutal misshandelt in seiner Kindheit. Als Erwachsener hat er die Qualen und Schmerzen dieser Jahre kompensiert, in dem er über Millionen anderer Menschen Leid und Elend brachte. Im Vergleich, Albert Einstein wurde von seinen Eltern liebevoll umsorgt. Seine Mutter wurde beschuldigt, ihn zu verderben. Einstein wurde nicht nur einer der weltberühmtesten Wissenschaftler, sondern ebenfalls ein sehr sanfter, fürsorglicher Mann, der sich für soziale Belange einsetzte.

"Wo kann ich die Informationen finden, die Ihnen geholfen haben?

Sprechen Sie mit Hebammen. Treffen Sie sich mit Müttern der La Leche Liga oder mit Müttern von Stillgruppen. Lesen Sie Bücher von Alice Miller, Joseph Chilton Pearce, Tine Thevenin und John Holt. Meditieren Sie und hören auf das, was Ihr Herz Ihnen sagt. Glauben Sie daran, dass Ihnen Ihr Baby mitteilen wird, was richtig ist ... und was falsch.

"Wie kann das ein Baby tun?"

Babys kommen auf die Welt und tragen Urvertrauen und Liebe in sich selbst. Sie verdächtigen nicht, misstrauen nicht, spielen keine Spielchen, zweifeln nicht an Glaubwürdigkeit oder betrüben in irgendeiner Weise die Kommunikation, außer und bis ihr Vertrauen enttäuscht wird durch so schmerzhafte Erfahrungen wie Strafe, Zurückweisung und Trennung. Das Lächeln und die Tränen eines Babys sind die wirksamste Form der Kommunikation auf diesem Planeten.

"Was ist mit Fehlern, die bereits begangen wurden?"

Es gibt keine perfekten Eltern. Da wir alle Fehler machen, ist Selbstbestrafung genauso wenig wirksam oder vernünftig wie die Bestrafung unserer Kinder. Sowohl uns selbst zu lieben und zu verstehen, was wir getan haben, als auch was wir hätten tun können mit der Information und innerer Stärke in diesem Moment, ist genauso wichtig wie die Liebe und das Verständnis für unsere Kinder. Alles, was wir tun können ist, unsere Kinder zu lieben, die Wichtigkeit des Elternseins kritisch anzunehmen und damit fortzufahren, liebevolle Wege zu entdecken, unsere Kinder, mit denen wir gesegnet sind, zu umsorgen.

"Was sind die wichtigsten Punkte, die Eltern wissen sollten?

Zwei Dinge: Erstens, in unserer Gesellschaft wird vorausgesetzt, dass Kinder und Erwachsene, warum auch immer, zwei getrennten und unterschiedlichen Verhaltensprinzipien folgen. Als Erwachsene wissen wir, dass wir uns am besten denjenigen gegenüber benehmen, die uns mit Freundlichkeit, Geduld und Verständnis begegnen. Bei Kindern wird angenommen, dass sie sich genau umgekehrt verhalten, das bedeutet, sich vorbildlich benehmen gegenüber denjenigen, die sie bedrohen, bestrafen und erniedrigen. Wenn wir versuchen, das Alter festzumachen, an dem sich diese Verhaltensprinzipen umdrehen, kommen wir zu keinem Ergebnis, weil es diesen Unterschied gar nicht gibt. Für Kinder wie für Erwachsene gilt ein und dasselbe Prinzip: wir alle verhalten uns so gut wie wir behandelt werden. Die zweite wichtige Betrachtung ist, dass das so genannte schlechte Benehmen ein Glück im Unglück ist, denn es ist die beste Chance für das Leben zu lernen. Wenn in diesem Moment die Strafe eingeführt wird, ist die Chance verloren, weil die Aufmerksamkeit des Kindes von der eigentlichen Lernaufgabe abgelenkt wird und seine Gefühle verletzt werden hin zu Erniedrigung, Ärger und Rache. Weiterhin, oberflächliches gutes Verhalten, das durch Drohungen und Strafe erreicht wurde, wird nur solange anhalten, bis das Kind alt genug ist, um zurück zu schlagen; wütende Teenagers fallen nicht vom Himmel. Vertrauen, Freundlichkeit und Mitgefühl, welche von Geburt an im Kind verankert sind, über die Jahre durch elterliches Vorbild gepflegt und gestärkt, werden ein Leben lang wirken.

"Ich verstehe. Es ist also alles eine Frage des Vertrauens in Kinder, des Erkennens, dass Kinder weniger Erfahrung haben und kleiner sind, als wir, sie aber dasselbe Recht haben, mit Würde und Respekt behandelt zu werden. Vom Baby bis zum Greis, alle Menschen verhalten sich so gut wie sie behandelt werden. Bemerkenswert. Für Eltern und Kinder, wie für alle menschlichen Beziehungen gilt, lasst uns nur Liebe geben und Liebe wird alles sein, was wir zurück erhalten.




Der Artikel ist mit freundlicher Erlaubnis der Autorin auf unserer Seite veröffentlicht und im Original mit dem Titel: Confessions of a Proud Mom unter www.naturalchild.org nachzulesen.

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4. Juli 2007 um 22:40

Sehr interessant
Hier können einige eltern noch etwas lernen. der Grundgedanke, der hinter diesem Text steht ist denke ich vollkommen richtig. Jedes kind hat das Recht liebevoll behadelt und umsorgt zu werden.
Dennoch denke ich, das dieser Text es ein wenig zu sehr in laissez-faire drägt. Es ist genauso die Aufgabe der Eltern den Kindern beim Sammeln von Erfahrungen zur Seite zu stehen nd dortzu gehören auch "Strafen", also die Konsequenzen aus dem Handeln der kinder die sie zu tragen haben. Sehr chön in diesem Text: das Recht auf Würde und Respekt, das jedes Kind hat. Leider, leider, leider hat nicht jedes Kind die Chance von diesem Recht Gebrauch zu machen.

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5. Juli 2007 um 9:36

...
Kann mich nur anschließen. Ich stimme dem zu das man Kindern in unserer Geselschaft mehr respekt entgegenbringen sollte. Aber auch das Kinder Grenzen kennenlernen sollten.Gut meine Maus ist erst 12 Wochen, ich kann mir aber nicht vorstellen das ich sie nie bestrafen werden. Nein, ich bin der Meinung das sie ihre Grenzen kennenlernen müssen, aber bitte immer mit Respekt.

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5. Juli 2007 um 11:29

Wieso
war mir eigentlich klar, dass das wieder irgendein kopierter Text ist...

lg
Stefanie

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5. Juli 2007 um 12:04

Nein!!!!!
In _mindestens_ einem Punkt bin ich mit diesem Text ganz und gar nicht einverstanden, und zwar mit der Passage, die Hitler und Einstein betrifft (obere Mitte).

Was sind denn das für völlig veraltete Ansichten? Dass nicht nur die Erziehung ("nurture"), sondern auch die genetische Disposition ("nature") eines Menschen darüber entscheidet, was mal aus ihm/ihr wird, das hat sich mittlerweile auch im angelsächsischen Raum (aus dem dieser Text ja offenbar stammt) rumgesprochen. Ich finde die Unterstellung, allein die Erziehung könnte aus einem Säugling einen Hitler oder Einstein machen, einfach unglaublich - eine Zumutung für alle Eltern, die sich Mühe geben und trotzdem nicht erreichen, was sie eigentlich beabsichtigt hatten!!

Sowas kann eigentlich nur jemandem aus der Feder fließen, der selbst nur ein Kind hat (möglichst natürlich ein !!von Natur aus!! anpassungsfähiges, sozialkompetentes und geistig fittes - ja, das gibt es, ich habe auch eins) und dem deshalb die Vergleichsmöglichkeit fehlt.

Als Mutter dreier Kinder weiß ich mittlerweile sehr genau, dass mein "Input", der ja bei allen dreien ungefähr gleich ist - zumindest was das oben angesprochene Level an "Gewalt" und Erzeihungs"maßnahmen" betrifft - bei jedem Kind ein anderes Ergebnis produziert. Mit einem Kind erreiche ich was durch vernünftige Diskussion der Sachlage, beim mittleren geht vieles nur mit nachdrücklicher Motivation (wenn du nicht ... dann ... - vermutlich würde das der Textverfasser schon als "Drohung" einsortieren?), beim Kleinsten wiederum hilft gemeinsames Lachen und körperliche Zuwendung (die die beiden anderen nicht in dem Maße haben wollten, wie ich sie gegeben hätte).

Läge der Hang eines erwachsenen Menschen zur Gewalt allein an der Erziehung, dann müsste unsere Rechtsprechung ganz anders aussehen - für einen Mord, den der Sohn begangen hat, müsste dann die Mutter ins Kittchen wandern, die dieses Verhalten - durch ihr eigenes Verhalten - anerzogen hat. Oder?? Ich habe im Gegenteil den Eindruck, unsere Justiz ringt sich zunehmend dazu durch zu sehen, dass man nicht jegliches Verbrechen auf eine "schlimme Kindheit" schieben kann. (Womit ich nicht in Abrede stelle, dass es Familien mit ganz fürchterlichen Verhältnissen gibt.)

Und den lieben Albert Einstein, so intelligent er auch gewesen sein mag, als Muterbeispiel eines "sanften, fürsorglichen" Mannes hinzustellen, das ist mehr als naiv - was dem Gesamteindruck entspricht, den ich von diesem Text habe. Ein Blick in eine anständige Biographie würde die Verfasserin und die Threadschreiberin eines Besseren belehren. Ich hoffe ja, dass Einsteins Mutter ihm sein späteres Verhalten (seinen) Frauen gegenüber nicht absichtlich ANERZOGEN hat!!

Im Übrigen bin ich froh, dass das dauernde (noch dazu unreflektierte - denn wo bleibt bitteschön die Meinung der Threadstellerin??) Veröffentlichen von Kopien aus "Rabeneltern.org" nicht nur mir auf den Senkel zu gehen scheint. Was das Urheberrecht betrifft, bin ich voll und ganz maraleas Meinung.

Dies von mir dazu...

Tiny

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5. Juli 2007 um 23:07

Also gut
wir erziehen unser kind ohne regeln und verbote, ohne ihm grenzen zu setzen oder ihn für seine fehler die konsequenzen spüren zu lassen.
dann haut es ihn aller spätestens in der schule um,weil er da dann mal das "richtige" leben kennenlernt.Quasi lass ich ihn ins offene messer laufen.
ist das fair? ist das liebe???
ich bereite mein kind doch auf das leben das er mal leben muß vor....dachte ich.

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