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Geniesse die Zeit - sie geht soooo schnell vorbei...

12. Juni 2004 um 0:21

Meine Tochter ist 5 Monate alt. Da ich als selbständige eine eigene Firma habe, bin ich schon wieder teilweise berufstätig und habe stundenweise für sie eine kinderfrau. Ich bin mit der Lösung sehr zufrieden auch wenn es anstrengend ist.

Geniesse die Zeit - sie geht soooo schnell vorbei,
das höre ich jetzt immer mal wieder, wenn ich gestresst nach der Arbeit den Kinderwagen begleitet vom Hund durch die Wälder schiebe und ab und an eine Frau, die ähnliches hinter sich hat, einen sehnsüchtigen Blick auf meinen sich räkelnden Wonneproppen wirft.

Auch im Familienkreis wird das immer betont. Zeit vergeht also schneller und ist kostbarer, wenn man Kinder großzieht?

Diese Sätze höre ich irgendwie nicht so richtig . Ich höre immer den indirekten vorwurf daraus, dass ich nicht die Gelegenheit habe, alles so zu geniessen, wie die Frauen mir das immer raten.

Tatsächlich finde ich die Zeit mit Baby stressig! Und jetzt, wo meine Tochter fünf Monate alt ist, bin ich froh, dass sie sich ab und zu schon ganz gut selbst beschäftigen kann, das ist weniger anstregend, als sie die ganze Zeit rumtragen zu müssen.

BEdeutet die Aussage "GEniesse die Zeit in vollen Zügen" nicht auch, dass man sich am besten in dieser Zeit ganz aufs Kind konzentrieren soll? ( Auf Nachfrage haben solche Frauen irgendwie nie gearbeitet, während ihre Kinder klein waren.)

Ich meine, natürlich geniesst man die Zeit, weil es so süß ist, wenn ein Baby heranwächst. Aber niemals wäre das der erste Spruch, den ich einer Frau sagen würde.
Sagt man diesen Satz vielleicht dann, wenn man in schwarze Löcher fällt, wenn die Kinder größer sind und man für sich keine richtige Aufgabe mehr hat?

Mir kommt er vor, wie eine Ermahnung, dass ich nie wieder so gluecklich sein werde, wie ich mich jetzt fühlen sollte.
Dabei kann ich mir verdammt gut vorstellen, dass tatsächlich mal einfachere Zeiten kommen könnte.

Ich glaube, Väter kämen nie auf diese Idee, sich so melancholisch mit dem Thema Kinder auseinanderzusetzen

Oder?

Tianna

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12. Juni 2004 um 0:26

Hallo Tianna
da schaue ich hier spät nöchmal rein und entdecke einen beitrag in dem ich mich wiederfinde.

Ich habe das erste Jahr als tiefes LANGES Loch in Erinnerung (von wegen, die Zeit vergeht so schnell - bei mir nicht!), obwohl ich mein Baby auch sehr geliebt habe. Aber es war einfach sehr, sehr anstrengend, und so niedlich so ein Baby auch ist, irgendwie hatte ich das Gefühl zu verblöden.

Ich gehöre aber bis heute auch nicht zu den Frauen, die voller Entzücken in Kinderwaren schielen... Mütter mit Babies tun mir eher leid...

Dafür genieße ich die Zeit jetzt, wo meine Tochter älter ist, umso mehr! Seit sie sprechen kann, finde ich es nur noch fabelhaft.

Will damit sagen: Die glückliche Babymutter ist ein Mythos. Diese Phase gehört meines Erachtens zu den schwierigsten überhaupt im Leben. Entweder man bleibt mit dem Kind zuhause und lässt sich total von ihm vereinnahmen, was für erwachsene Frauen schon eine befremdliche Erfahrung sein kann. Oder man versucht, weiter zu arbeiten, was, wie Du ja auch feststellst, sehr anstrengend sein kann.


Ich meine, natürlich geniesst man die Zeit, weil es so süß ist, wenn ein Baby heranwächst. Aber niemals wäre das der erste Spruch, den ich einer Frau sagen würde.
Sagt man diesen Satz vielleicht dann, wenn man in schwarze Löcher fällt, wenn die Kinder größer sind und man für sich keine richtige Aufgabe mehr hat?
Zitatende

Genau! Diesen Verdacht habe ich auch! Ich habe solche Aussprüche in der Regel von Frauen gehört, die sich selbst ausschließlich über die Mutterrolle definiert haben.

Aber ich habe dem Satz eine ermutigende Komponente abgewonnen: Obwohl diese Zeit schwierig ist, hat sie ihre eigenen Vorzüge gegenüber den späteren Phasen in der Beziehung zu den Kindern. Wenn ich mir diese vor Augen führe und mein Bewußtsein dafür öffne, ist diese Zeit weniger schwer zu ertragen. Das kann helfen.

Laß Dir bloß kein schlechtes Gewissen einreden, weil Du nicht die "Ausschließlich-Mutter" bist, wie manch andere Frauen. Wenn Du zufriedener bist, indem Du Beruf und Muttersein nebeneinander lebst, dann ist das allemal bessser für Dein Kind als wenn Du Dich dazu zwingen würdest, "Nur-Mutter" zu sein. Andere Frauen mögen für sich andere Prioritäten setzen. Na und?

Meine Version: "Wer mir erzählen will, dass er es genießt, jede Nacht mehrmals aufzustehen, täglich ca. 8x Windeln zu wechseln, sein Kind ständig mit sich herumzuschleppen, den ganzen Tag Sellbstgespräche zu führen, die lediglich mit einem Grinsen oder da-da-grrrr kommentiert werden, der ist für mich sehr unglaubwürdig.

Also, mach Dir bloß keinen Stress, bleib Du selbst und genieße, was Dir passt!


Miramanee

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12. Juni 2004 um 1:31

Liebe Tianna
Ich bin nun 43. Habe meine beiden Kinder eigentlich gegen meine eigene Überzeugung bekommen. Mein Mann wollte Kinder, ich nicht. Nun sind die Beiden in der Pubertät, was wirklich nicht leicht für uns ist. Auch ich hoffe immer noch auf leichtere Zeiten. Wenn sie da sind, bin ich dann zufrieden? Dann werden die Kinder wohl "zu groß" sein.

Die Zeit mit den Kindern genießen? Gerade ich?

Vor kurzem erlebte ich mit meinem Mann eine Zeitreise. Wir waren zum ersten Mal wieder an Orten, in denen wir einen Großteil der Zeit mit ihnen verbrachten, als sie noch ziemlich klein waren. Wir waren dort alleine, es war der 1. Mai und unsere Kinder waren mit Freunden unterwegs. Da wurde mir bewusst, wie groß sie schon sind und wie schnell die Kinderjahre mit ihnen zerronnen sind. Wie schnell die Kinder auch wieder weg sind. Zu schnell! Wie schön es mit ihnen war, hatte ich bis dato vergessen. Und natürlich alle altersgemäßen Probleme. Und ich war, meinte ich jedenfalls, immer entgegen meiner eigenen Überzeugung Mutter(was ich nicht in Deinen Beitrag interpretiere)!

Es ist jetzt aufgrund ihres Alters wirklich nicht leicht mit ihnen. Vermutlich werde ich aber später, wenn sie aus dem Haus sind, dieses vergessen haben und mich mit allen Sinnen nach der heutigen Zeit zurücksehnen. Eine Kostprobe liefete mir ja der erste Mai: Er sollte ein freier Tag für uns sein, doch die Erkenntnis, in wenigen Jahren ohne sie leben zu müssen tat ungemein weh.

Wie glücklich man zu gewissen Zeiten war, wie wertvoll sie waren, wird man immer erst später begreifen. Die Schwierigkeiten jeder Phase des Mutterseins geraten in Vergessenheit.

Und ein bisschen ist es so, dass man durch die Kinder davon abgelenkt wird, dass man selber älter wird. Es ist eine riesige Zeitspanne, durch die man dann mit ihnen zusammen gegangen ist.

Auch wenn Du es nicht mehr hören willst, vielleicht, weil Du unter (Gewissens)Druck stehst: Genieße die Zeit! Nein, sie vergeht nicht schneller, aber für Dich selber vielleicht oberflächlicher, weil Du Dich selber in großem Maße vergisst.

Gruß,
Batavia60

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12. Juni 2004 um 9:39

Natürlich ist es eine
aufregende Zeit, denn vor allem im ersten Lebensjahr entwickelt sich ein Kind so wahnsinnig schnell. Ich gehe auch icht arbeiten, ich genieße es wirklich, auch wenn mir die Arbeit manchmal sehr fehlt. Aber ich verzichte gern darauf. Trotzdem beneide ich auch die Frauen, die Arbeit und Kind unter einen Hut bekommen.

Jeder macht es so wie er es für richtig hält und jeder empindet es anders. Es passiert aber, ich glaube vor allem bei Frauen, schnell, daß sie ihr eigenes Glück, oder was sie als solches für sich empfinden/empfunden haben, in ihrer Euphorie auf andere projezieren. Da solltest Du einfach drüber stehen und Deinen eigenen Weg finden und gehen.

Gruß
Nixe

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