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Fühle mich als Mutter, obwohl ich das Kind bin!?

22. April 2015 um 13:36

Ich bin 19 und habe leider sehr lange gebraucht, bis ich es verstanden habe. Mittlerweile nehme ich Folgendes bewusst wahr:
- Ich muss das Selbstvertrauen meiner Mutter aufbauen, indem ich ihr sage was richtig oder falsch ist.
- Sie ist nicht dazu imstande eigene Entscheidungen zu fällen oder ihre Meinung zu vertreten.
- Ich tröste sie wenn sie weint.
- Sie fragt mich um Rat, wenn es um die Erziehung meiner jüngeren Schwester (15) geht.
- Sie lässt sich hemmungslos ausnutzen und sieht dies entweder nicht oder will es nicht erkennen. Und weil sie sich kaputt machen würde, muss ich für sie einschreiten.
- Sie schläft abends generell vor dem TV ein und schafft es nicht ihn auszuschalten, sodass ich sie nachts sozusagen "ins Bett schicken" muss.
- Sie benimmt sich wie ein kleines, bockiges Kind: Macht aus dem Nichts heraus bockige Kindergeräusche, z.b. "nänänänä" und stichelt ständig gegen meinen Vater. (Er hat also Schuld, dass sie ihr Leben nicht in den Griff bekommt.)

Während meiner Kindheit waren heftige Streitereien zwischen meinen Eltern häufig an der Tagesordnung. Da meine Mutter schon immer nah am Wasser gebaut war, fing ich damals schon im Kindergarten/Grundschulalter an sie zu trösten, woraus sich eine Abneigung gegen meinen Vater entwickelt hat.
Heute erkenne ich die Dinge, wie sie wirklich sind (siehe oben) und weiß, dass mein Vater eben nicht der Schuldige ist und ich ihm Unrecht getan habe.

Seit ich 13 bin leide ich unter psychischen Problemen, bin seit drei Jahren in Behandlung.

Wenn ich mir die Beziehung zwischen mir und meiner Mutter so ansehe, stelle ich fest: Hier läuft doch etwas verkehrt!

Sie wird auch auf Ihrer Arbeitsstelle ausgenutzt: Arbeitet für einen Hungerlohn und macht tausend extra Aufgaben, die ihr vom Chef oder anderen Mitarbeitern aufgetragen werden. Mich nervt am meisten an ihrem Verhalten, dass sie sagt "sie ändert dies und das" und "alle könnten sie bald mal", aber nichts passiert. Nie passiert etwas!
Sie leidet darunter, die Beziehung zwischen ihr und meinem Vater leidet darunter und ganz besonders leiden wir Kinder darunter!

Ich gebe ihr so wie Unterstützung wie ich nur kann, versuche ihr zu helfen wo es nur geht, aber wo bleibe ich? Manchmal befinde ich mich in kleineren Identitätskrisen, weil ich mir unsicher bin, wo ich überhaupt im Leben stehe.

Ich bin, natürlich, verletzt, aber dennoch liebe ich sie ja, denn sie ist schließlich meine Mutter!


Hat irgend jemand vielleicht ähnliche Erfahrungen gemacht?
Oder einen Rat, Tipps irgendeiner Art für mich?

P.S. Meine Mutter ist ebenfalls in psychischer Behandlung, leider macht ihre Psychologin auf mich keinen so kompetenten Eindruck. Auf sie auch nicht, aber wechseln tut sie trotzdem nicht.


Ganz liebe Grüße!

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23. April 2015 um 10:19

Hallo!
Also, klar scheint Deine Mama nicht gerade eine starke Persönlichkeit zu sein und die Sitaution ist sicherlich belastend für Dich.
Aber es entspricht eben nicht jeder dem Idealbild: hübsch und stark, selbstbewußt und taff!!
Wer sich im Leben nicht komplett integriert und genau diesem Bild entspricht, muß gleich in Therapie, damit er dann auch maßgeschneidert in die gewünschte Form der Gesellschaft passt.

Darf ich fragen, um was es bei den Streitereien der Eltern früher immer gegangen ist?

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26. April 2015 um 13:24

Grenze Dich ab!
Hallo zyakki!

Ich kann Dich gut verstehen - mir geht es nämlich genauso.

Zu aller erst mein Tipp: versuch Dich emotional abzugrenzen!
Auch wenn das sehr schwer ist und es gelingt mir leider viel zu selten.
Ich bin schon ein paar Jahre älter als Du und hätte damit schon viel früher anfangen sollen.

Ich kann dir nur raten was mir hilft:

- Rede mit den anderen Familienmitglieder: geht es ihnen genauso? Könnt ihr vielleicht gemeinsam mit deiner Mutter reden?

- Versuch Dir in Momenten, in denen deine Mutter Dich bedrückt, immer wieder zu sagen: "Sie ist erwachsen! Ich bin nicht für ihr Glück und Wohlergehen verantwortlich!"
Atme vielleicht erst ein paar Mal durch.

- Versuch in Situationen, in denen deinen Mutter über ihre Misere "jammert" oder in denen Du dich als "Mutter" wahrnimmst in Ich-Botschaften zu kommunizieren.
Sag: "Mama, ich fühle mich gerade unwohl. Auf mich wirkt dein Verhalten bedrückend, ich habe das Gefühl, dass ich mich um Dich kümmern muss und dabei geht es mir schlecht."
Oder: "Ich fühle mich nicht in der Lage Dir zu helfen. Ich möchte dich nicht verletzen, aber mich überfordert diese Situation. Bitte sprich mit deiner Therpeutin/Freundin/etc. darüber. Ich hoffe Du kannst mich verstehen."

Auch wenn das hart klingt und Dir wahrscheinlich auch weh tut, ich glaube es wäre eine Möglichkeit wie Du glücklicher werden könntest.
Du schreibst ja, dass du in psychotherapeutischer Behandlung bist. Ich finde das zeigt, dass du aktiv etwas gegen diese Situation tun solltest.

Wenn deine Mutter so ist wie meine, wird sie vielleicht versuchen Dir ein schlechtes Gewissen zu machen (ich möchte gar nicht beurteilen, ob sie das absichtlich oder unbewusst oder aus Hilflosigkeit macht). Ich kann Dich nur darin bestärken das auszuhalten! Ich weiß das ist hart, denn es ist schließlich die Mutter. Aber wie du selber schreibst - Du bist das Kind! Sie hat Dir so viele Jahre Lebenserfahrung voraus und hätte schon seit so vielen Jahren die Möglichkeit gehabt sich mit sich selbst auseinander zu setzen. Lass Dir nicht die Möglichkeit nehmen Dich zu entfalten.
Du bist in einem Alter in dem das sich Abnabeln eigentlich Richtung Abschluss gehen sollte. Ich bin in diesem Alter zwecks Ausbildung weg gezogen in eine andere Stadt. Das hat meiner Beziehung zu meiner Mutter sehr gut getan. Bin jetzt aber wegen meinem Job wieder in die gleiche Gegend gezogen und meine Mutter fängt wieder so wie deine an.
Dagegen muss man sich aktiv wehren...

Alles Gute!

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