Home / Forum / Meine Familie / Fetales Alkoholsyndrom

Fetales Alkoholsyndrom

19. November 2012 um 9:56

Hallo...

mein kleiner Bruder leidet wahrscheinlich an FA (Überschrift), er ist jetzt 10 und zeigte schon immer Auffälligkeiten, bezogen auf seine Entwicklung. Meine Mutter ist schon seit 20 Jahren alkoholkrank (vielleicht auch schon länger), sie trank immer so viel, dass sie den ganzen Tag im Vollrausch auf der Couch gelegen hat, so auch in den ersten beiden Schwangerschafts-Trimester mit meinem Bruder. Das letzte Trimester wurde gar nicht richtig ausgetragen, mein Bruder wurde im 7. Monat geboren (Frühgeburt). Er war so winzig und das Füttern war ein Drahtseilakt, er hat gegessen wie ein Spatz und das Bißchen blieb selten drin. Im Kleinkind-Alter lernte er einfach nicht richtig sprechen, die Defizite waren auffällig. Meine Tochter ist im gleichen Alter wie er (zwei Monate älter) und anhand des Vergleichs waren die Entwicklungsunterschiede nicht zu leugnen. Vorschläge, mit meinem Bruder zum Logopäden, zum Arzt oder ihn gar zur Unterstützung in den Kindergarten zu schicken stießen bei meiner Mutter auf taube Ohren. "Er sei nur zu faul zum Reden!" sagte sie immer. Sie wird auch sehr patzig wenn es um den Vergleich zwischen meine Tochter und meinem Bruder geht, "weil es ja nicht zählt!"... Ein wenig Recht hat sie ja, der Kinderarzt stellte bei meiner Tochter eine überdurchschnittliche Entwicklung und einen hohen IQ fest, sie besucht jetzt das Gymnasium. Trotzdem weiß jeder, wie durchschnittliches 10-jähriges Kind entwickelt sein muss! Mein Bruder ist ein Klasse unter ihr, er wird definitiv die Hauptschule besuchen und die weiteren zwei, drei Jahre einen Betreuer brauchen. Er ist geistig auf den Stand eines 7-Jährigen, auch von der Sprache her, und er ist völlig unselbstständig. Er wird noch bis zur nahliegenden Bushaltestelle gebracht und abgeholt, während meine Tochter den kompletten Schulweg mit Stadtbahn und Umsteigen völlig alleine und selbstständig fährt... Mein Bruder hat auch diese typischen Gesichtszüge, die bei Kindern mit FA zu sehen sind. Diese Diagnose gibt es aber nicht, den Verdacht haben nur wir Geschwister, weil die Kinderärzte nichts wissen von der Sucht meiner Mutter und eher erstickt sie an ihrer Zunge als das zuzugeben! Das Blöde ist, dass eine präzisere Therapie nicht folgen kann, wenn kein Arzt die Vorgeschichte kennt... Und so wird meinem Bruder nicht gezielt geholfen und ihm werden noch mehr Weichen gestellt, ich bin echt traurig wegen ihm. Ich weiß auch gar nicht, was ich da tun soll, und ich weiß auch nicht, ob ich auf meine Mutter sauer sein soll, weil sie es hat soweit kommen lassen. Ich meine, ja, sie ist süchtig und es ist eine Krankheit, aber ist sie deshalb von jeder Verantwortung befreit? Soll man ihr Vorwürfe machen, ihr ins Gewissen reden? Darf man auf sie sauer sein? Ich würde gerne wissen, wie andere Leute darüber denken... Und vielleicht ein Austausch über Alkohol in der Schwangerschaft, das Thema betrifft mich sehr...

Vielen Dank...

Mehr lesen

26. Januar 2013 um 8:47

Such schnell Hilfe
Hallo, guten Morgen!

Ich habe Deinen Bericht gelesen und muss sagen, ich bin schockiert. Ich bin selbst ein Kind einer Alkoholikerin und bin eigentlich nur mit Glück gesund, obwohl ich sicher als Kind ebenfalls auffällig war. Das Problem ist ja nicht nur, dass Dein Bruder in seiner Entwicklung gestört ist, dass ist nur die Spitze des Eisberges, sondern er bekommt sicher oft mit wenn Deine Mutter trinkt. Diese Kinder haben keine Kindheit, denn Sie übernehmen die Rolle des Erwachsenen.Er passt auf Deine Mutter auf. So war es bei mir. Ich möchte Dir dringend anraten, den Kinderarzt und auch das Jug. einzuschalten. Das hört sich krass an, aber für Deinen Bruder ist es das Beste. Das Kind muss da raus, damit er die RICHTIGE Hilfe bekommt. Aber das geht nur, Wenn man sich öffnet und tacheles redet. Keiner macht Deiner Mutter Vorwürfe, aber entweder stellt Sie sich der Situation, oder Du musst es machen. Mache es für Deinen Bruder. Ein fA ist kein Schlüpfen, sondern richtig ernst. Es gibt viel Hilfe für die kleinen Mäuse, aber man muss den Mund aufmachen. Wenn Deine Mutter nicht bereit ist, dann geh Du den Weg. Hilf Deinem Bruder, er wird es eines Tages verstehen und Dir danken.

Gefällt mir Hiflreiche Antwort !

28. März 2013 um 8:15

Bitte ...
... hilf deinem bruder.
ich hoffe du liest meine nachricht. bin in letzter zeit nicht so häufig "hier"... deswegen kommt mein beitrag so spät.

ich bin völlig erschüttert. du musst handeln. ich selbst bin 6 fache mama und weiß wovon ich hier schreibe! ich persönlich bin suchtkrank (lebe clean- man bleibt ja immer süchtig)
durch viele persönliche probleme (tot meiner mutter, gewalttätigen mann und ganz viel mehr) habe ich angefangen alles mögliche zu konsumieren - hauptsache ich musste nicht mehr so viel denken. Ich war damals 32 jahre! davor hatte ich weder mit alkofol oder drogen zu tun. niemand hat etwas bemerkt. wir waren zu dem zeitpunkt selbständig (gastronomie + einzelhandel). also ich war nie so "breit" das nichts mehr ging. trotz allem haben meine kinder die veränderung bemerkt. doch ich habe mir immer eingeredet:"ich bin ja nicht voll breit - keiner sieht etwas - alles gut". so nun genug von mir.

bitte hilf deinem bruder. gleichzeitig hilfst du auch deiner mutter! entweder sie wird wach und entscheidet sich gegen das trinken und für das kind oder aber sie allein soll untergehen - jedoch nicht mit kind. es ist auch richtig das kinder aus suchtkranken oder gewaltfamilien die verantwortung übernehmen.

bitte unternimm etwas.

gern kannst du dich mit mir in verbindung setzen....... dann auch ausführlicher!

Gefällt mir Hiflreiche Antwort !

Frühere Diskussionen
Diskussionen dieses Nutzers
Noch mehr Inspiration?
pinterest

Das könnte dir auch gefallen