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Familienmitglied mit HIV infiziert - brauche Rat

19. Dezember 2012 um 10:09

Nachdem ich jetzt schon einige Nächte nicht mehr richtig schlafen kann, da mir wer weiß was alles durch den Kopf geht, habe ich mir gedacht, ich setzte mich mal vor den PC und schreibe hier ein paar Zeilen nieder.

Vielleicht kann mir ja jemand der auch betroffen ist einige gute Ratschläge und Denkanstöße mit auf den Weg geben.

Nun zu meiner Geschichte.
In dieser Geschichte geht es um mich und meinen Bruder.
vor ca. 20 Jahren habe ich erfahren, dass mein Bruder Homosexuell ist. Ich muss zugeben, dass ich damit schon meine Probleme hatte. Nicht weil ich spießig bin (vielleicht bin ich das ja ein wenig), nein, ich weiß nicht, ich wollte es irgendwie nicht wahrhaben. Es war für mich nicht "normal" und ich wollte doch immer, das mein Leben und mein Umfeld "normal" laufen. (klingt doch spießig). Nach der Zeit konnte ich gut damit umgehen. Mein Bruder und ich hatten wieder ein sehr gutes Verhältnis und ich habe auch ab und an einen Freund von ihm kennen und mögen gelernt.
Mein Bruder wurde dann auch der Patenonkel meiner 1. Tochter. Wir hatten viel Kontakt...er wohnt ca. 120 km von uns weg in einer Großstadt...wir wohnen in einem kleinen "Bauernkaff". Aber egal.
In den letzten Jahren hat sich dann aber irgendwie etwas verändert. Der Kontakt ließ merklich nach. Mein Bruder hatte wenig Zeit für uns als seine Familie. Er zieht sich immer mehr zurück und lebt sein eigenes Leben. Wenn man ihn einlädt zu Geburtstagen, Taufen oder ähnliches hat er nie Zeit zu kommen. Auch meine Tochter, die mitlerweile 16 Jahre alt ist, ist nicht mehr gut auf ihn zu sprechen, da er auch mehrfach ihren Geburtstag vergessen hat oder Versprechen nicht einhält. Nachdem wir vor ca. 2 Jahren einen großen Streit hatten, meldet er sich gar nicht mehr bei mir. Der Bezug zu ihm ist kaum noch da. Ehrlich gesagt, wenn ich ihn jetzt anrufen würde, ich wüsste nicht, was ich mit ihm reden sollte. Das allein ist schon schlimm.
Nun erfahre ich gestern von meiner Mutter, das sich mein Bruder mit dem HIV-Virus angesteckt hat. Er war immer so müde und ausgelaugt und hat sich durchchecken lassen, dabei kam dann die Diagnose HIV-positiv raus. Das war (wie meine Mutter sagte) vor 2 Jahren. Und ich wusste nichts. Meine Mutter sagte, sie wollte mich nur schonen, da ich ja zu der Zeit eine Fehlgeburt hatte und es mir sehr schlecht ging. Ich dann ja wieder schwanger war und mich da sehr schonen musste. Ja, uns so verging die Zeit....Angeblich hat er sich, wie er meint, schon vor 4 Jahren angesteckt. (hat mir alles meine Ma gestern erzählt).
Und jetzt weiß ich nicht, was ich damit anfangen soll. Ich weiß nicht genau was ich fühle oder denke. Ich habe sehr viel Angst. Was ist mit meinen Kindern, wenn er zu Besuch kommt, was ist mit ihm, wenn die Krankheit ausbricht? Ich weiß nicht, wie ich mich verhalten werde, vor dem ersten Treffen habe ich Angst. Was sage ich - er ist mir so fremd - und wird mir immer fremder. Ich weiß eigentlich gar nichts. Mir schwirrt nur der Kopf. Hat er sich deshalb so von mir entfernt. ich weiß nicht, wie ich damit umgehen soll. Nicht wie ich mich verhalten soll.
Könnt ihr mir ein wenig helfen?

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28. Dezember 2012 um 8:47

Das ist etwas verzwickt
Das ist keine leichte Sache. Bist Du denn sicher, dass Du wieder gerne Kontakt zu ihm hättest? Hast Du das Bedürfnis, ihn zu fragen, ob sein Rückzug von Euch mit seiner Infizierung zusammen hängt? Vielleicht wollte er Euch das alles nicht zumuten, Euer "geordnetes" Leben nicht durch einander bringen, einfach nicht lästig fallen. Wäre ja möglich. Als erstes solltest Du Dir überlegen, was Du eigentlich von ihm willst. Möchtest Du mit ihm über seine Infizierung reden, ihm sagen, dass Du es nicht gewusst hast, weil Du sonst vielleicht viel eher auf ihn zugekommen wärest? Möchtest Du ihm Hilfe in Form von Gesprächen anbieten? Für ihn da sein, wenn ihm die Angst vor dem Ausbruch der Krankheit zu schaffen macht?
Du solltest Dir das gut überlegen, denn da könnte evtl. so einiges auf Dich zu kommen. Wenn Du Dich dazu stark genug fühlst, dann nimm Kontakt auf. Du solltest aber damit rechnen, dass er sich durch das Erlebte, seine Ängste usw. vielleicht sehr verändert haben könnte.
Wahrscheinlich würdest Du es aber sehr bereuen, Dich so lange mit dem Gedanken an ihn getragen zu haben, ohne ihn in die Tat umgesetzt zu haben, wenn Du eines Tages erfährst, dass ihm seine Krankheit zum Verhängnis geworden ist.....

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