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Familie / Tod / Leben

14. Juni 2018 um 14:07

Hallo zusammen, ich entschuldige mich schonmal im Voraus falls das hier ein etwas längerer Text werden sollte es geht hierbei einfach um dieses „von der Seele schreiben“ aber vlt. ist ja doch jemand unter den Lesern der meine Gedanken teilt und vlt. sogar selber so etwas durchlebt oder so etwas durchlebt hat. In meinem Freundeskreis hat zwar jeder ein offenes Ohr für mich aber keiner von Ihnen kann wirklich verstehen wie es ist so leben zu müssen und in so jungen Jahren damit umgehen zu müssen. Einige meiner Freunde sind so alt wie ich oder sogar älter und kamen mit dem Thema Tod noch nie in Berührung. Das finde ich auch schön keine Frage doch bei mir ist es leider anders.  


Jetzt zu der eigentlichen Geschichte ich (w) 21 Jahre habe einen Cousin der inzwischen 31 Jahre ist und seit 2 Jahren im Rollstuhl sitzt. Als er noch kleiner war wurde festgestellt das er eine unheilbare Krankheit hat namens ALS (Nerven- und Muskelkrankheit), damals hatte er eine Lebenserwartung von 16 allerhöchstens 18 Jahren. Heute ist er 31 Jahre und hat sich bis hier hin durchgekämpft und durchgebissen, weil er sehen wollte wie ich groß werde und er wollte die Chance haben mich richtig kennenzulernen, man kann eigentlich sagen er, sein Bruder und ich sind Geschwister. Wir sind sehr eng aufgewachsen und ich bin der Mensch der ich heute bin mit all meinen Macken, Fehlern und Werten durch meine beiden „Brüder“ (Cousins). Allerdings waren seine Worte damals, sobald er durchgehend im Rollstuhl sitzt gibt er auf, weil er nicht möchte das ich ihn so sehe. Ich soll ihn besser in Erinnerung haben. Ich kann ihn vollkommen verstehen, jeden einzelnen Gedanken und ich wünsche mir für Ihn einfach nur das er glücklich ist und nicht leiden muss was allerdings er nur im Tod bekommen wird. Mit dem Gedanken habe ich mich abgefunden, dass er sein Kampf eingestellt hat und ich wünsche es ihm auch das er von all seinem Leid und seinen Schmerzen befreit wird. Ich habe in meinen 21 Jahren schon einige Verluste hinnehmen müssen und es gibt viele Gräber die ich besuche, dass Thema Tod gehörte leider schon sehr früh zu meinem Leben, genau genommen schon mit 13 musste ich den ersten Verlust verkraften. Mit dem ersten Verlust hat meine Mum das Gespräch mit mir gesucht und mir alles erklärt bzgl. meinem Cousin und mir all meine Fragen beantwortet die ich hatte. Seit diesem Tag an Lebe ich jeden Tag mit der Angst und dem Gefühl das in jeder Sekunde ein Anruf kommen könnte das alles vorbei ist und er nicht mehr lebt. Ich versuche ihn so oft wie es nur möglich ist zu sehen und Erinnerungen zu schaffen ich genieße jeden Moment und jeden Augenblick mit ihm. Allerdings gibt es Momente wo ich mich in den schlaf weine, weil ich seine Bilder, Sprüche und Nachrichten lese und diese einfach nur weh tun den gerade hier merke ich das er am Ende ist und leidet. Auch wenn es sich vlt. für manche bescheuert und eiskalt anhört wünsche ich meinem Cousin den Tod, dass er einfach glücklich wird und nicht mehr leiden muss den sein Leben ist geprägt von Schmerzen, er kann kaum etwas alleine machen und ist in jeder Sekunde bei jeder Kleinigkeit auf Hilfe angewiesen. 

Jeder Mensch hat gute und schlechte Tage. Wenn es mir schlecht geht schreibe ich gerne meine Gedanken und Gefühle von der Seele so wie jetzt aber hin und wieder tut es auch unheimlich gut alles an einen gegenüber los zu werden, allerdings kann hier keiner meiner Freunde verstehen wie es mir geht wie es ist jeden Tag so leben zu müssen und bei einem Handy klingeln in Panik zu geraten, wenn auf dem Display ein Name meiner Familie auftaucht. 

Einige meiner Freunde bewundern mich. Ich lebe jeden Tag mit der Angst das ein Anruf kommen könnte das mein Cousin Tod ist, ich habe schon sehr viele Menschen zu Grabe tragen müssen und einige Schicksalsschläge einstecken müssen aber trotzdem habe ich nie aufgehört zu lachen und glücklich zu sein. Egal wie schlecht es mir geht ich laufe immer mit einem lachen im Gesicht durch die Gegend, egal wie es mir geht ich habe immer ein offenes Ohr für meine Freunde und stehen ihnen immer zur Seite auch wenn es bedeutet meine Probleme für einige zeit beiseite zu schieben.


Meine Freunde können mir zwar nicht wirklich helfen wenn sie mit mir reden aber dafür haben sie eine andere möglichkeit gefunden.Wir gehen gemeinsam alle sehr oft feiern (ich trinke kein alkohol und nehme keine drogen) und ich kann voller Stolz sagen die beste Droge die es weit und breit gibt sind meine Freunde. Das sind abende an denen alle Handys wegkommen und ausgeschaltet werden und wir einfach das hier und jetzt genießen und einfach unser Leben leben.  




So jetzt habe ich genug geschrieben und euch „voll geheult“ aber ich merke wie es mir schon ein Stück besser geht.

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14. Juni 2018 um 21:46

Ohhh ich kann dir so gut nachempfinden.
Weiß dein Cousin denn schon was er machen möchte wenn es ihm schlechter geht?
Möchte er in ein Hospiz gehen? Nochmal versuchen das zu tun, was er möchte, eine kleine Reise etc?
Ich habe auch schon viele Freunde verloren, mein Papa ist recht früh gestorben und er fehlt mir immer noch, obwohl er alles andere als ein einfacher Mensch war.
Ich hänge total an meiner Mama und auch meine Schwester habe ich sehr gerne, trotz großer Unterschiedlichkeiten.

Ich bin leider ein Mensch der unheimlich starke Verlustängste hat. Manchmal habe ich so ein irres Kopfkino dass meinen Kindern etwas passieren könnte oder meinem Mann,das ist wirklich schlimm.
Über den Tod zu sprechen finde ich trotzdem sehr wichtig, er gehört dazu und für manche Leute ist er wirklich ein Segen. Vor kurzem ist meine Katze gestorben. Nachts zu Hause bei uns, in einem gesegneten Alter mit entsprechenden Beschwerden. Wir waren bei ihr und obwohl es ganz furchtbar war ihr nicht die Qual nehmen zu können waren wir auch froh, dass sie bald befreit sein würde.

Sterben ist ein bisschen wie auf die Welt kommen, nur rückwärts.
Ich wünsche dir und deiner Familie,dass ihr mit eurem Cousin noch die Zeit die euch bleibt so verbringen könnt wie ihr es wollt.
Und danach wird er frei sein, seine Seele wird deiner aber immer nahe sein.
 

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19. Juni 2018 um 14:21

Hallo Citygirl!
Du beschreibst wirklich sehr plastisch und einfühlsam Deine Situation, Danke für Deine Offenheit! Ich finde es tatsächlich auch sehr wichtig, über das Sterben und den Tod zu reden. Ich gehöre sozusagen auch zu dem Club derjenigen, die schon einige Freunde und Familienangehörige zu Grabe getragen haben.
Allzu oft mache ich auch die Erfahrung, daß das Sprechen über unsere Vergänglichkeit bei meinem Gegenüber Ängste und Sprachlosigkeit auslöst. Manchmal hilft es dann, ganz konkret über Pläne zu sprechen: Wie stellt man sich die eigene Beerdigung vor, wer soll die Trauerfeier wie gestalten? Wenn ich ins Krankenhaus muß, gibt es eine Patientenverfügung usw. Je früher man über diese einfachen Dinge spricht, desto eher fällt auch die Hemmung, ganz spirituell über den Tod zu sprechen. Rituale helfen auch sehr. Und das Schöne ist: Wenn man sich schon einmal Gedanken darüber gemacht hat, fallen die Ängste vor dem Tod und das Leben wird wieder leichter. Die diffuse Angst vor dem Sterben wird gemindert.
In solchen Situationen bin ich übrigens immer sehr froh, gläubige Christin zu sein, denn in der Kirche gibt es zu diesem ganzen Thema zum Glück eine echte Haltung und viel Hilfestellung, wenn man nicht weiter weiß.
Aber an wem man sich wendet, muß natürlich jeder selbst wissen.
Du beschreibst ja auch gant toll Deine Beziehung zu Deinen Freunden, das ist wirklich etwas Besonderes! Pflege und genieße das weiterhin
In diesem Sinne, alles Gute und viel Kraft weiterhin,

Himmelbett2018 (Kirchenbotschafterin)

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