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Eltern - hab ich überreagiert??

4. Mai 2003 um 15:48 Letzte Antwort: 8. Mai 2005 um 20:47

Eigentlich ist es mir ehrlich gesagt ziemlich peinlich hier einen Beitrag zu schreiben, da ich längst volljährig bin.
Aber momentan bin ich so emotional in der Sache engagiert, dass ich fürchte, gar nicht objektiv genug sein zu können.
Gerade heute morgen war mal wieder eine Situation, die mich in meinem Wunsch, von zu Hause auszuziehen, nur noch bestärkt hat.
Meine Eltern haben heute abend Besuch und es war eigentlich klar, dass auch mein Freund vorbei kommen könnte, da wir grillen wollten.
Wir hätten uns nicht dabei gesetzt, schließlich sollen meine Eltern mit ihren Freunden ja ruhig alleine sein, da wollen wir nicht stören.
Nun habe ich also bereits gestern vorsichtig angefragt, ob es in Ordnung wäre, wenn mein Freund hier schlafen würde.
Theatralisch wurde gesagt, dass das erst besprochen werden müsse und sie noch überlegen müssten.
So weit so gut, da ich das von meinen Eltern kenne, habe ich ja auch extra schon einen Tag früher gefragt. Vorher zu fragen war leider nicht möglich, da das mit dem Grillen erst seit vorgestern feststeht.
Heute morgen hab ich mich dann also nochmal erkundigt, ob sie denn darüber nachgedacht hätten und von meiner Mutter kam nur der Satz, dass ich meinen Vater fragen sollte.
Der sagte auf meine Frage hin einfach nur nein, ohne jegliche Begründung.
Eigentlich bin ich ein Mensch, der ein Nein akzeptieren kann, allerdings auch nur, wenn man mir eine Begründung dafür gibt und ich denke, dass das in meinem Alter möglich sein sollte.
Also habe ich nochmal nach dem Grund für das Nein nachgefragt und dann hieß es nur, sie würden sich dadurch in ihrer Privatsspäre eingeschränkt fühlen.
Als ich dann das Argument brachte, dass sie ja bis abends noch Besuch hätten, und wir wenn der Besuch weg wäre, eh schon schlafen würden, und sie morgen früh eh arbeiten wären, so also gar nichts von uns beiden mitbekommen würden, wurde das mit der Begründung abgeschmettert: (wortwörtlich) "wenn ich nicht ohne einen Kerl in meinem Bett schlafen könnte, wäre das nicht ihr Problem."
Das Argument ist in meinen Augen völlig an den Haaren herbeigezogen, da ich ja nicht wollte, dass mein Freund hier schläft, weil ich ohne ihn nicht schlafen kann, sondern weil es ja auch einfach mal schön ist, in seinen Armen einschlafen zu können.
In der Vergangenheit habe ich das dann einfach so gehandhabt, dass ich bei meinem damaligem Freund geschlafen habe, da es schon immer so war, dass niemand über Nacht bei mir bleiben durfte.
Allerdings war die schlechte Laune hier im Haus dann genauso vorprogrammiert, da ich mir dann permanent anhören durfte, ich sei am Wochenende ja nie zuhause und würde das hier alles nur als Hotel ansehen.
Deshalb hätte ich es einfach mal schön gefunden, wenn mein freund, den meine Eltern nun übrigens schon über ein halbes jahr kennen, auch mal hier übernachten düfte, und ich nicht immer auf das Zuhause des Mannes ausweichen müsste.
Er ist wirklich ein "unauffälliger" Typ, und hätte meine Eltern mit Sicherheit nicht gestört, vor allem weil sie ihn ja, wenn sie nicht gewollt hätten ihn noch nicht mal gesehen hätten.
Das meine Eltern mir dann aber unterstellen, dass ich ihn hier nur schlafen lassen möchte, um MIT ihm zu schlafen enttäuscht mich ehrlich gesagt sehr, denn soweit sind wir noch lange nicht und das ist auch gar nicht Sinn und Zweck der Sache.
Wenn es mir nur um das Eine ginge, dann müsste er mit Sicherheit nicht extra dafür hier schlafen.
Weitere Argumente waren dann halt noch, dass ich ja "erst" vor einem halben Jahr bei meinem damaligem Freund geschlafen hätte, das wäre dann ein zu schneller Wechsel und dass meine Mutter sich nur für alle als Putzfrau fühlen würde. Zwei Dinge also, die für mich nichts mit der Sache zu tun haben, und ich so auch nicht verstehen kann.
Ehrlich gesagt fühle ich mich recht abgespeist mit solch fadenscheinigen Argumenten.
Da ich mich dadurch aber ehrlich gesagt zu Hause ziemlich eingeschränkt fühle und es vor zwei Jahren schon mal zur Debatte stand, dass ich von zu Hause ausziehe, was an der finanziellen Situation gescheiter ist, überlege ich nun, wirklich auszuziehen.
Um dort dann nach meinen eigenen Vorstellungen leben zu können und glücklich zu sein, ohne dadurch die Privatsspäre anderer zu stören.
Wie seht ihr das, jetzt mal von der finanziellen Seite ganz abgesehen, habe ich überreagiert?? Sollte ich wirklich einfach mal versuchen, auf eigenen Beinen zu stehen? Alt genug wäre ich ja.
Tut mir leid, ist etwas lang geworden, aber mir schwirrt diesbezüglich so viel im Kopf rum, dass ich mal alles ordnen mußte durch mein Schreiben hier.
Fürs lesen schonmal vielen Dank, ich würd mich wirklich über ein paar ehrliche Meinungen freuen.

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4. Mai 2003 um 16:29

Hm
Hallöchen,

also ich weiß nicht, in wie fern Du überreagiert haben solltest.
Bist Du ausgerastet?
Hast Du geschimpft?
Darüber steht hier ja garnichts, es sei denn ich habs überlesen .... *gg*
Also Du bist 18 oder sogar schon älter und willst Dein eigenes Leben leben ... dann mußt Du wohl ausziehen.
Ich selbst bin mit 16 von zuhause weggegangen um in einer anderen Stadt, 200km von daheim, eine Ausbildung zu machen.
Sicher ist es nicht leicht, aber man bekommt auch finanzielle Unterstützung z.B. vom Arbeitsamt. Bist Du noch in der Ausbildung oder gehst Du noch zur Schule?
Ich glaube, die meisten Eltern sehen es nicht gern, wenn die Tochter einen neuen Freund mitbringt ... das liegt aber bestimmt daran, daß sie Angst haben, die Tochter zu schnell zu verlieren. Vorallem Väter sind da sehr empfindlich, auch wenn sie es nicht zugeben wollen.
Meine Mutter hat früher auch immer im Streit gesagt: "Ich bin ja euer Aschenputtel!"
Dabei haben immer alle im Haushalt geholfen und ich habe nie verstanden, was sie damit meint.
Ich wohne jetzt schon 7Jahre "allein" und ich weiß, welche Arbeiten Aschenputtel machen mußte. *lach*
Für die Familie Essen machen, abwaschen, putzen, bügeln, Wäsche waschen ...... "Aschenputtelarbeit". *gg*

Es ist leider so, daß Du die Wünsche Deiner Eltern respektieren mußt, solange Du noch bei ihnen wohnst.
Wenn sie nicht möchten, daß Dein Freund bei Dir übernachtet, dann mußt Du Dich "fügen" ...

Wenn Du wirklich den Wunsch hast, Dir eine eigene Wohnung zu suchen um auf eigenen Beinen zu stehen, dann sprich mit Deinen Eltern darüber. Für ein Zusammensein mit Deinem Freund ist es von Vorteil.
Überleg es Dir aber gut, denn es ist nicht einfach.

Ich wünsche Dir alles Liebe, Ina

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6. Mai 2003 um 10:11

Liebe kleinezicke...
ich finde nicht das du überreagiert hast. Auch du hast gedanken wünsche und hoffnungen und das recht deine meinung zu äußern, auch wenn dann manchmal das schlechte gewissen kommt

Ich habe auch ein eigentlich tolles elternhaus gehabt, aber es war immers ehr schwierig dagegen anzukämpfen. Meine mutter war alleinerziehend und hatte es ziemlich hart vielleicht war das der grund das wir immer versucht haben sie so schonend wie möglich zu behandeln.

Beide mein bruder und ich sind inzwischen schon lange ausgezogen, aber manche dinge schweben eben immer in der luft, diese dinge die erwartet werden und nicht ausgesprochen werden und dann nur zu unnötigen kränkungen führen immer wieder.

Ich musste 31 Jahre alt werden um mal richtig mit meiner mutter zu reden. Wir mussten antanzen mein bruder und ich um über die ganze angestaute kacke zu reden. Angefangen hats alles mit dem scheißspruch "Ich bin der Stamm"tssss ich konnte es nicht mehr hören...

Auf jeden fall saßen wir alle da haben gebrüllt geweint geredet und waren ruhig. Von allen seiten kamen sehr offene Dinge auf den Tisch die einen zum teil sehr verletzt haben, aber ich ich sehe es vielleicht als eine chance.

So sehr ich im moment verletzt bin, weiß ich jetzt zumindest wie jeder meiner familie denkt und ich finde das hat doch schon mal was. Etwas zeit zum verarbeiten muss noch vergehen, aber wenn jeder möchte wird es sehr schön werden können denke ich.

was ich dir sagen möchte ist red mit ihnen. Spring über deinen schatten und sag ihnen wie du fühlst, wie du denkst aus deiner sicht. Vielleicht werden sie sich öffnen und ihre weise erklären. Es ist manchmal schwierig aber du solltest nicht so lange warten wie ich, der schuss kann auch nach hinten los gehen und du fängst an deine geliebte familie zu hassen obwohl du eigentlich nicht möchtest.

ich drück dir die Daumen zicklein...

Trau dich und sag es ihnen


Shanice

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14. Mai 2003 um 17:36

Hey Zicke!
Netter Beitrag! Fühl mich gleich in meine Jugend zurückversetzt.. war bei mir ähnlich. So wie Du die Situation schilderst, hast Du überhaupt nicht überreagiert.. weiß ja nicht, ob da noch paar weniger nette Dinge besprochen worden sind

Wie alt bist Du denn genau?

Also bei mir war es auch so, dass nie ein Freund bei mir schlafen durfte, als ich noch bei meinen ELtern wohnte (bis 21 Jahre). Nur wenn sie im Urlaub waren... denen war das auch irgendwie zu intim mit so einem für sie "fremden" Menschen. Ich hab dann meistens bei den Männern übernachtet und bin dann auch schnell geflüchtet, als es sich ergeben hat - bin aber gleich mit meinem Schatzi zusammen gezogen. Heute seh ich das Ganze etwas distanzierter - dadurch auch besser von beiden Seiten. Ich meine, ich verstehe meine Eltern, dass sie nicht alle halbe Jahre nen anderen Kerl in der Wohnung haben wollen, aber damals war halt derjenige Kerl ein wichtiger Lebensinhalt von mir. Insgesamt denke ich, dass Deine Eltern überreagieren.. aber in ihren Ansichten scheinen sie recht festgefahren.

Ich rate Dir, führe ein GEspräch mit Ihnen. Sag es ihnen so, wie Du es oben geschrieben hast. Das können sie nicht mißverstehen und mach sie auch darauf aufmerksam, dass Du bei totaler Weigerung von ihrer Seite über kurz oder lang ausziehen wirst. Nicht als Druckmittel - als logische Konsequenz, wenn Dir als Erwachsene der notwendige Freiraum fehlt. SIe müssen akzeptieren, dass Du erwachsen bist, ein eigenes Leben führst und Freiräume brauchst - auch in ihrem Haus!!!

Ich wünsch Dir viel Glück!
Liebe Grüße, Gute Laune

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18. Mai 2003 um 23:15

Danke ihr Lieben!
Erstmal möchte ich sagen, dass es mir wirklich leid tut, dass ich euch erst jetzt antworten kann, aber aufgrund des Streßes hier zuhause, hatte ich nicht häufig die Möglichkeit ins Internet zu kommen.
So wie ich aus euren Antworten heraus lesen konnte, wißt ihr ja auch alle sehr genau wie Eltern in solchen Fällen handeln; da hagelt es manchmal Verbote jeglicher Art, die im Grunde genommen mit der eigentlichen Sache nichts zu tun haben, nur um die Autorität wieder klar zu stellen.
Ich wollte mich auch vor allem einmal dafür bedanken, dass ihr mir soviel Verständnis entgegen gebracht habt. Ich war mir nämlich wirklich nicht sicher, ob ich nicht vielleicht mit meiner "Entscheidung" auszuziehen überreagiert habe.
Daher tat es umso besser zu lesen, dass ihr mich verstehen könnt und vielleicht sogar genauso gehandelt hättet.
Vielen Dank, dass hat mir wirklich sehr geholfen!
Nun ja, die Situation hier zu Hause hat sich wieder etwas beruhigt.
Es ist zwar noch weit davon entfernt, dass wir über die Wünsche, die ich und über die Vorstellungen, die meine Eltern diesbezüglich haben geredet haben oder diese Auseinandersetzung zur Lockerung von solchen "ungeschriebenen Gesetzen" in unserer Familie geführt hätte, aber das Miteinander ist wieder friedlicher geworden.
Ich habe erstmal eingesehen, dass ich mit meinen 19 Jahren vielleicht wirklich erstmal zurückstecken sollte, wenn ich die Ziele, die ich mir für meine Zukunft gesteckt habe, sprich Studium etc. wesentlich einfacher und problemloser erreichen möchte, ich also zuhause bleibe.
Aber trotzdem vielen vielen Dank für eure Antworten!
Liebe Grüße, von der kleinenzicke, die ziemlich oft darüber nachdenkt, ob sie nicht zu zickig gewesen ist

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8. Mai 2005 um 13:19

Hallo Ute
Sag mal wie alt war denn dein "großer" als er mit deiner Schwiegerfreundin zusammenzog?

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8. Mai 2005 um 20:47

Nein...
...ich schließe mich den anderen an, du hast nicht überreagiert.

mich wundert eher, dass die meisten hier so viel verständnis für deine eltern haben... du ja auch.

es kann daran liegen, dass ich sowas nicht gewohnt bin. bei uns ist es anders, ich durfte immer bei meinem freund schlafen und er auch hier. bei meinen exfreunden war das genauso. manchmal wussten meine eltern nicht, ob ich nun mit demjenigen zusammen war oder nicht, sie haben sich aber nicht eingemischt (ich muss allerdings sagen, dass ich auch immer viel von selbst erzählt habe).

aus diesem grund finde ich das verhalten deiner eltern schon sehr streng. besonders, da du über 18 bist und sie dir ihre entscheidung (laune?) nicht einmal begründen.

warum kannst du dich nicht einmal mit deinen eltern zusammensetzen und über das ganze thema diskutieren? vielleicht kommt dabei irgendein kompromiss zustande.

solange du zu hause wohnst, musst du die meinungen deiner eltern wohl akzeptieren, auch wenn sie unverständlich sind.

allerdings denke ich, dass flügge werden eine gute alternative ist, alt genug bist du ja und finanziell kann es trotz studium machbar sein, wenn du einen nebenjob o.ä. in kauf nimmst.

lg sunseeker

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