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Bin völlig verunsichert.

23. August 2010 um 14:22 Letzte Antwort: 23. August 2010 um 18:28

Hallo. Ich bin wirklich für jeden Rat/jede Idee dankbar, denn ich bin gerade ziemlich verunsichert.

Ich habe einen vierjährigen Sohn, der bis tausend zählt, schreibt, beginnt zu lesen, die Uhr kennt, Sprachen lernt, jedes Lied auswendig kennt und insgesamt sehr wißbegierig und ständig auf der Suche nach Input ist. Die Erzieherinnen im Kiga haben im letzten Elterngespräch vermutet, dass eine Hochbegabung besteht und angeregt, dass wir das zwecks der späteren Schulplanung testen lassen.

Das scheint aber nicht so leicht zu sein, wie es sich anhört. Die neue Kinderärztin (die mich und ihn noch nie gesehen hat) blockt von vorneherein ab, es sei zu früh und unnötig und ich solle mich lieber altersgemäß mit meinem Kind beschäftigen. (AAAARGHHHH!) Der Psychologe von der Erziehungsberatungsstelle sagt am Telefon, man solle die Kinder einfach lassen, später könne man immer noch Maßnahmen einläuten, wenn es Schwierigkeiten gäbe. Es müsse ja nicht jeder ein Mathegenie werden. Und deutlich klingt immer der Vorwurf mit, man sei eine ehrgeizige Mutter und würde das Kind pushen. Dabei ist mein einziger Ehrgeiz, dafür zu sorgen, dass mein Kind glücklich ist.

Jetzt sitze ich da und bin wütend und total verunsichert, weil ich so abgeschmettert werde, ohne dass irgendjemand mein Anliegen ernst nimmt. Ich könnte jetzt denken "okay, lass ich es einfach laufen", wenn die Fachleute mir das raten. Aber meine Einschätzung ist, dass das nicht gut geht und der Leidtragende am Ende mein Sohn ist.

Wie seht Ihr das denn, oder habt Ihr diesbezügliche Erfahrungen: Macht es Sinn, ein Kind schon mit vier Jahren auf eine mögliche Hochbegabung zu testen, auch wenn die Ergebnisse nicht ganz sicher sind? Oder soll man tatsächlich einfach abwarten und ich mache mir zu viele Sorgen? Und könnt Ihr mir vielleicht Ansprechpartner im Rhein-Main-Gebiet nennen?

Ich bin für jede Antwort sehr dankbar!
Nicole

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23. August 2010 um 15:49

Liebe Nicole,
ich antworte einfach mal auf die beiden Fragen, die du ganz unten gestellt hast. (Für die letzte bin ich nicht kompetent, wohne ganz woanders.)

Nein, es ist nicht sinnvoll, ein Kind mit vier Jahren auf irgendwas zu testen. Es kostet nur Geld, das du, wenn dein Kind schon liest, lieber für Bücher ausgeben solltest

Gegenfrage: Würde irgendein zahlenmäßiges Ergebnis (das du in diesem Alter nicht bekommst, wenn du einen seriösen "Tester" erwischst!) beeinflussen, wie du mit deinem Sohn umgehst? So, wie du schreibst, hast du doch schon selbst erkannt, was Sache ist!! Meine Erfahrung: Einen Test sollte man nur machen, wenn eine konkrete Frage dahintersteht, die durch das Ergebnis beantwortet werden könnte (!). Beispiele:
Kind verweigert in der Schule die Mitarbeit und bekommt dadurch Probleme (schlechte Noten etc.). Ist die Ursache vielleicht Unterforderung? oder:
Kind hat ständig psychosomatische Beschwerden. Warum?
oder:
Kind ist verhaltensauffällig, aggressiv, autoaggressiv etc. Warum?

Bis zu einem Alter von ungefähr 7 Jahren spricht man seriöserweise nicht von HB, sondern von "Entwicklungsvorsprung" (der sich in späteren Jahren angleichen könnte). Das ist auch kein Unfug, ich habe Beispiele für beides in allernächster Nähe.

Jetzt die andere Frage: Abwarten ja, aber gut beobachten. Das wichtigste ist meiner Erfahrung nach, einem HB-Kind (und jedem anderen auch, insbesondere denen, die in irgendeiner Hinsicht "speziell" sind) das Gefühl zu geben: Du bist genau richtig, wie du bist; HB ist weder ein Grund für Überheblichkeit noch andererseits für Selbstzweifel und mangelndes Selbstbewusstsein.

Nimm dein Kind auf der Entwicklungsstufe, auf der es ist, an, aber gib ihm nicht das Gefühl, sich über Leistung definieren zu müssen.

Was die Schulplanung betrifft: Ich habe bei meinen Kindern alles erlebt, Früheinschulung, Überspringen, Internat... Es hat alles seine Vor- und Nachteile, die gut gegeneinander abgewogen sein wollen. Was es bringt und ob es überhaupt nötig/angeraten ist, ist von Kind zu Kind stark unterschiedlich. Wann wird dein Kind denn 5 Jahre alt? Schulen in eurem Wohnumfeld, die mit dem "Problem" Begabung zurecht kommen, kann dir sicher die DGhK nennen (google mal, die haben überall Büros). Die helfen euch auch, falls es mit dem schulpsychologischen Dienst Schwierigkeiten geben solte.

Weitere Fragen kannst du gern stellen.
gruß, senecio

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23. August 2010 um 18:28
In Antwort auf trine_11892408

Liebe Nicole,
ich antworte einfach mal auf die beiden Fragen, die du ganz unten gestellt hast. (Für die letzte bin ich nicht kompetent, wohne ganz woanders.)

Nein, es ist nicht sinnvoll, ein Kind mit vier Jahren auf irgendwas zu testen. Es kostet nur Geld, das du, wenn dein Kind schon liest, lieber für Bücher ausgeben solltest

Gegenfrage: Würde irgendein zahlenmäßiges Ergebnis (das du in diesem Alter nicht bekommst, wenn du einen seriösen "Tester" erwischst!) beeinflussen, wie du mit deinem Sohn umgehst? So, wie du schreibst, hast du doch schon selbst erkannt, was Sache ist!! Meine Erfahrung: Einen Test sollte man nur machen, wenn eine konkrete Frage dahintersteht, die durch das Ergebnis beantwortet werden könnte (!). Beispiele:
Kind verweigert in der Schule die Mitarbeit und bekommt dadurch Probleme (schlechte Noten etc.). Ist die Ursache vielleicht Unterforderung? oder:
Kind hat ständig psychosomatische Beschwerden. Warum?
oder:
Kind ist verhaltensauffällig, aggressiv, autoaggressiv etc. Warum?

Bis zu einem Alter von ungefähr 7 Jahren spricht man seriöserweise nicht von HB, sondern von "Entwicklungsvorsprung" (der sich in späteren Jahren angleichen könnte). Das ist auch kein Unfug, ich habe Beispiele für beides in allernächster Nähe.

Jetzt die andere Frage: Abwarten ja, aber gut beobachten. Das wichtigste ist meiner Erfahrung nach, einem HB-Kind (und jedem anderen auch, insbesondere denen, die in irgendeiner Hinsicht "speziell" sind) das Gefühl zu geben: Du bist genau richtig, wie du bist; HB ist weder ein Grund für Überheblichkeit noch andererseits für Selbstzweifel und mangelndes Selbstbewusstsein.

Nimm dein Kind auf der Entwicklungsstufe, auf der es ist, an, aber gib ihm nicht das Gefühl, sich über Leistung definieren zu müssen.

Was die Schulplanung betrifft: Ich habe bei meinen Kindern alles erlebt, Früheinschulung, Überspringen, Internat... Es hat alles seine Vor- und Nachteile, die gut gegeneinander abgewogen sein wollen. Was es bringt und ob es überhaupt nötig/angeraten ist, ist von Kind zu Kind stark unterschiedlich. Wann wird dein Kind denn 5 Jahre alt? Schulen in eurem Wohnumfeld, die mit dem "Problem" Begabung zurecht kommen, kann dir sicher die DGhK nennen (google mal, die haben überall Büros). Die helfen euch auch, falls es mit dem schulpsychologischen Dienst Schwierigkeiten geben solte.

Weitere Fragen kannst du gern stellen.
gruß, senecio

Danke ...
... für die schnelle Antwort!

Ich bin wirklich verunsichert, weil es so verschiedene Meinungen zum Thema Hochbegabung/Entwicklungsvorsprung gibt und ich mir für meinen Sohn natürlich wünsche, dass sich die negativen Erfahrungen in Grenzen halten.

Im Moment ist er ein glückliches Kind, aber in manchen Dingen hat er es auch schwer. Er findet zum Beispiel im Kiga nicht wirklich einen passenden Spielpartner und merkt, dass er anders ist und andere Interessen hat. Dazu ist er noch sehr sensibel und nimmt Dinge sehr ernst. Und er beschäftigt dann natürlich viel die Erzieherinnen mit seinen Fragen und Spielwünschen.

Im Prinzip muß ich keinen Test haben - ich finde meinen Sohn toll, egal welcher Wert am Ende festgestellt wird. Interessant wird es aber im Hinblick auf die Schule und deshalb haben sicher auch die Erzieherinnen den Test angeregt. Mein Sohn ist im Juni vier geworden, gehört also auch noch zu den Jüngsten, wenn er erst mit sechs eingeschult wird. Eine Einschulung mit fünf kommt vermutlich nicht in Frage, weil er dann sozial nicht mit den anderen Kindern mithalten kann. Dass er aber "ganz normal" mit sechs eingeschult wird ist sicher auch schwierig, weil er rein kognitiv schon jetzt die Aufgaben der ersten Klasse bewältigen kann. Mir selbst ist in erster Linie wichtig, dass er glücklich ist, Freunde findet und gut zurechtkommt. Ich habe keine Ahnung, was da eine gute Lösung ist ...

LG,Nicole

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