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Bin ich daran Schuld?

30. April 2009 um 20:28 Letzte Antwort: 1. Mai 2009 um 13:32

Hallo,
ich muss mir einfach ein paar Dinge von der Seele schreiben und hoffe, dass mir vielleicht auch einige Ausenstehende eine objektive Meinung geben können. Ich bitte ferner auch nur die Leute diesen Text zu lesen, die es interessiert und die mir einen Rat geben können.

Ich bin ein Scheidungskind und habe leider dadurch schmerzliche Erfahrungen gewonnen. Ich war 14 Jahre alt, als mein Vater meine Mutter mit einer anderen, deutlich jüngerern Frau betrogen hat und da ich diesen Treuebruch von ihm nie erwartet hätte habe ich heute auch ein vollkommen verzerrtes Bild von Beziehungen und Ehe.
Leider war das Familienleben mit meinem Vater auch nicht das Vorzeigbarste. Seit ich denken kann hatte mein Vater ein hitziges Temperament, versuchte mich auf geradezu millitärische Art und Weiße seit frühester Kindheit zu schulischen Höchstleistungen zu drillen. Er erwartete vorallem in den Fächern Mathe, Physik, Chemie von mir Leistungen, die für mich garnicht zu erreichen waren, weil mich diese Fächer garnicht in dieser Form interessierten. Dass ich schon sehr früh außergewöhnliche musikalische und sprachliche Fähigkeiten hatte, hat er ignoríert und später auch alle Versuche, mich in diesem Bereich zu üben für seine Zwecke benutzt ( du darfst nur zum Auftritt, wenn du in dem Fach die Note mitbringst ).
Das uferte schließlich so aus, dass er mich für schlechte Noten eingesperrt und geschlagen hat.
Ich erinnere mich noch an eine Begebenheit, als ich in der 3.Klasse war und in einer Mathearbeit die Zeit vergessen hatte. Ich schaffte die Aufgaben nicht und habe eine 6 bekommen ( die Einzigste in meiner Laufbahn,es war ein Versehen ). Ich musste nach der Schule meinen Vater auf der Arbeit anrufen und es ihm sagen. Er hat sofort seine Schicht abgebrochen und kam nach Hause. Er räumte mein Zimmer bis auf meinen Schreibtisch, mein Bett und meinen Schrank komplett leer ( ich hatte mir ein paar Glasmurmeln zum Spielen im Schrank versteckt ). In diesem leeren Zimmer musste ich 4 Wochen ununterbrochen Mathe üben, durfte nur zum Essen und zum Toilette gehen raus.
Ein weiteres Ereignis war in der 7. Klasse, eine 5 in Geografie war der Anlass. Mein Vater ging an meinen Ranzen und kontrollierte ihn, ich wusste nichts davon. Er kam aus meinem Zimmer, ich saß noch ahnungslos mit meiner Mutter vor dem Fernseher. Wortlos, ohne Erklärung oder Vorwarnung hat er mich erbarmungslos zusammengeschlagen( hat meinen Kopf gegen die Wand geschlagen und mir beinahe den Arm gebrochen ). Danach hat er mich 3 Tage im Keller eingesperrt. ich musste da schlafen und durfte auch die Heizung nicht anmachen. Natürlich durfte ich Mathe üben.

Insofern war es vielleicht auch garnicht so verkehrt, dass er nach der Scheidung nicht mehr soviel Einsicht in mein Leben hatte. Allerdings war das Verhältnis zu meiner Mutter auch nicht das beste. Sie hat mich seit ich 16 war in keinerlei Hinsicht mehr unterstützt und als ich später auszog, hat sie mir keinen Unterhalt gezahlt ( ich war noch in der Ausbildung ) und mir sogar noch Geld unterschlagen ( ich habe von ihr kein Kindergeld bekommen, das hat sie sich auch nach meinem Auszug noch in die eigene Tasche gesteckt ). Ich konnte es ihr nie recht machen, alles was ich mache ist verkehrt und sie liebt es noch heute, mich vor anderen zum Deppen zu machen( du kannst ja dies nicht und das nicht ). Außerdem hält sie mir heute noch immerwieder auf schmerzhafte Weiße vor, dass ich ein schlechter Mensch bin und sie sich für mich schämt ( warum auch immer, ich habe eine Ausbildung, bin eine extrem gute Sängerin / Entertainerin, und hatte schon 5 Stipendiumangebote für ein Musikstudium und verdiene mit meiner Stimme gutes Geld ). Bei meinen Auftritten sind meine Eltern schon seit Jahren seltene Gäste und wenn sie da sind und die Leute mehrere Zugaben verlangt haben, haben meine Eltern nur Genörgel für mich übrig.

Inzwischen bin ich 21 und meine Eltern behandeln mich wie ein Geschwür. Ich wohne mit meinem Freund und seinem 7 Jahre alten Sohn zusammen. Gottseidank habe ich in meinem Freund und seiner Familie ( seine Mutter ist auch für mich eine Art Mutter ) eine liebevolle Familie gefunden, die mich akzeptieren und lieben, ohne alles in Frage zu stellen und ohne von mir für alles Höchstleistungen zu verlangen.

Und trotzdem mache ich mir oft Gedanken, ob viele Probleme die ich heute im Umgang mit anderen Menschen habe wirklich an meinem ( wie es meine Eltern sagen ) miesen Charakter liegt, oder ob es vielleicht auch eine festgefahrene Missgunst von ihnen ist.

Ich weiß auch nicht, wie ich mich ihnen gegenüber verhalten soll, ich bin auch im 5.Monat schwanger und will sie schon für mein Kind nicht ganz aus meinem Leben verbannen. Aber ich halte diese ewigen Vorwürfe nicht mehr aus. Und was ist wenn sie meinem Kind mal auch solche Schauermärchen über mich erzählen ( wie sie es mit Wonne schon bei meinem Stiefsohn tun ).
Kann mir jemand vielleicht einen Rat geben???

Sorry für den langen Text aber wenn man viel erlebt hat...

Danke an alle, die sich die Zeit nehmen.

LG Jana

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1. Mai 2009 um 13:32

Du wirst als Kind auch nicht gerade einfach gewesen sein.
Viele Dinge die du über deinen Vater beschreibst, war für ihn Erziehung. Nicht Misshandlung obwohl es daran schon grenzt, wenn man mal davon absieht, dass hier in deutschland schlagen verboten ist.

Singen gehört für ihn zum Hobby und das er alles aus seiner Sicht richtige getan hat, damit du guten Noten hast, mag sich für dich vielleicht falsch anhören, aber früher war Erziehung eben anders. So wie du es beschreibst gehörst du zu einem Kind mit einem stark schwer lenkbaren Willen. Und meistens das wirst du merken wenn dein Kind auf der Welt ist und auch diesen Charakterzug hat.

Zu deiner Mutter hattest du auch kein gutes Verhältnis, das zeigt das du deiner Mutter nie verziehen hast, dass sie sich nicht als dein Vater noch da war, auf deine Seite gestellt hat, aber sie hat und das glaube ich schon, nur wollen, dass aus dir mal etwas wird.

Aber hast du dir mal Gedanken gemacht, ob deine Mutter nach der Trennung so einfach damit klar kam?? Wie mag sie sich gefühlt haben und dann noch eine pubertierende schwierige Tochter. Sie ist betrogen worden ausgetauscht und das tut weh, egal wer die Scheidung wollte.

Hatte sie überhaupt genügend Unterhalt von deinem Vater bekommen?? Oder wie sollte sie dich finanziell unterstützen. Du bist ausgezogen und hättest das Kindergeld selbst beantragen müssen, dass du es nicht getan hast, ist dein Problem und das kannst du ihr nicht vorwerfen.

Ich glaube deine Mutter ging es selber nicht gut, nur hast du es damals nicht gesehen.

Rückblickend siehst du nur, dass es dir augenscheinlich schlecht ging.

Rückblickend sehen deine Eltern das Kind mit dem sehr sehr starken auflehnenden Willen.

Sieh es so, ein Feuer, drei Reporter und jeder schreibt eine andere Geschichte und keiner Lügt, nur weil er die Dinge anders wahr nimmt.

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